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Die neue Welt · 1937-11-12 · Heft 701 (12.11.1937) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 701 (12.11.1937)
Date
1937-11-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Vom Jüdfodhen Weltkongreß« Protzt fegen die öandger Pogrome und die Passivität des Völkerbundes Aus «»atis wird uns berichtet: Bte »xekutive des Jüdischen Weitkoagreese*, die siebe« Millionen Juden repräsentiert, bat an die Außenminister von Frankreich, öreß» «»Itannien und sehwedenj dl« Herren Oeibos, Edeni attd gandler, welche de« vom Völkerbmidmt mit de? Beobachtung der Lage In Danzig betraute DreierkefflJtee bUde», soeben ein vom Praeidertte« Dr. Stephen & Wlw unterzeichnetes sehreitoen gerichtet, ■ In diesem Mw^orandüfln bringt die Exekutive des Jüdischen Weltkongresses die trau er und die Entrüstung der jüdischen Welt über die schweren antisemitischen Ausschreitungen zum Ausdruck, die in D&nsig seit dem 19. Oktober stattgefunden haben, ohne daß die Organe des Völkerbundes, einschließlich des Hohen Kommissars der freien Stadt Dan/, lg, eingeschritten wären. Die Exekutive erinnert daran» daß sie seit einem Jahr wiederholt die Aufmerksamkeit de* Völkerbundrates auf die Angriffe Relenkt hat, welche gegen die jüdischen Bewohner Danrtgs in Verletzung der vom Völkerbund gar&titUrton Verfassung vorbereitet wurden. Die Exekutive stellt fest, daß ihre dringenden Appelle leider ohne Erfolg geblieben sind. Der national- Cafe Buchsbaum W\mmi\ Tel, A-4M-10 Bürgerliches Familiencafe4. In« und auiUftdliohi Zeitungen. Separierter Raum für geschlossene Gesellschaften. Herabgesetzte Preise, aufmerksame Bedienung. sozialistische Gauleiter von Danzig, Vertreter Adolf Hitlers und wirklicher Beherrscher der Freien Stadt Danzig, bat in einer außerordentlich heftigen Rede ain 10. Oktober eine einschneidende Aktion angekündigt, durch die das „jüdische Gesindel1* in Danelg in den gleichen Zustand versetzt werden soll Wie die jüdische Bevölkerung im Reich. Keinerlei Intervention des Völkerbundes Ist auf diese aufreizende Kundgebung erfolgt) acht Tage später fanden Ausschreitungen mit ausgesprochenem Pogromchatakter statt, die, von den Naslbehörden organisiert, in Form von Plünderungen und tütliehen Angriffen von unerhörter Brutalität stattfanden, ohne daß den Danielger Juden irgendein Schutz zuteil geworden wäre. Das Memorandum schließt Wie folgt] „In einem Gebiet, das dem hohen Schutz des Völkerbundes unterstellt ist, leben menschliche Wesen, denen man nicht« vorwerfen/ kannj>eMiinhfer, Frauen und Kinder, unter einem unbeschreiblichem Druck. ... Wir erlauben ImS, den Appell zu wiederholen, den wir In unserem Memorandum vom 0. Dezember 1086 an Sie gerichtet haben: „Angesichts dieser unhaltbaren Lage wendet . sich die Exekutive des Jüdischen. Weltkongresses an die Mitglieder des Völkerbundrates und; beschwört sie, keine Minüfe in eh r zu verlieren/ um die Rechtslage in Danzig wiederherzustellen.'' ,,Wlr liegen trotz allem nach wie* Vor' die Hoffnong, daß dieser schon vor elf Monaten * erfolgte Appell endlich Gehör, findet." r .; •., 5000 polnische Juden sollen Vertrieben, 3000 Banziger Juden den deutschen Rassegeeetzeh unterstellt werden Aus Genf: Gleichzeitig mit dem Bericht über die Situation der Juden im Danziger Freistaat übermittelte der JüdischeWeltköngreß dem Dreier-Ausschuß des Völkerbundes für Danzig eine Erklärung des Senatspräsidenten der Freien Stadt Danzig, Greiser, wonach das Ziel von Staat und Partei in Danzig sei, das völkische und sonstige Leben in Danzig völlig mit dem Reich gleichzuschalten, auch dann, wenn die Entwicklung über den Rahmen der Verf assüng hm'aüsgreife. Von dieser Richtung werde die Regierung sich durch niemand abbringen lassen. . Aus Danzig: Der Präsident des Danziger Senats, Dr. Greiser, und Gauleiter i Albert Forst er haben Erklärungen veröffentlicht, in. denen sie klar zu verstehen geben, daß die Danziger Juden keine Milderung der anti- CafeAkketkot I, Hoher Markt- Llühten8togNr.4 jüdischen Kampagne zu erwarten hätten: die Danziger Regierung sei fest entschlossen, den Freistaat schnell und wirkungsvoll von den Juden zu säubern. „Für die in Danzig geborenen Juden", erklärte Dr. Greiser, „werden wir dieselben Gesetze einführen, wie sie in. Deutsch- 1 a ad bereits in Geltung sind; die Juden fremder Staatsbürgerschaft werden Danzig verlassen müssen, ob sie nun wollen oder nicht." Gauleiter Forster erklärte: „Wir wollen lieber sehen, daß die Bedeutung Danzigs als kommerzielles Zentrum schwindet und der Freistaat in eine Kleinstadt des Deutschen Reiches verwandelt wird, als daß die Stadt unter den Juden blüht." Die Führer der jüdischen Gemeinde in Danzig erwägen den Plan einer organisierten Auswanderung von Juden aus Danzig. In diesem Zusammenhang haben bereits eingehende Beratungen' mit einem der Direktoren der Hias, James Bernstein, stattgefunden, der eigens zu diesem Zwecke aus Paris nach, Danzig gekommen war. Politische Korrespondenz Palästtoa-BedaitttOn „Die Nene Welt" Tel-Aviv, 8. November. Die Affäre Oroßmann-Welzmartn. Der Führer der Judenstaatspärtel, U e i r G r o ßm a n n, ist vor das Zionistische Ehrengericht geladen worden und von diesem, bevor noch eine Verhandlung atättgefunden hat, seiner Rechte als Mitglied und Vizepräsident des Aktionskomitees „bis auf weiteres" enthoben worden. Großmann hatte während des Züricher Kongresses auf Grund von Dokumenten, die ihm wohl „anonym", aber offenbar aus dem engsten Kreise um Welamann übermittelt worden waren, erklärt, daß Weiamann, hinter dem Rücken des Kongresses und Kolonialmlnleter 0rmsby»8ore hinter dem Rücken des englischen Parlaments Vereinbarungen über die feilung Palästina« getroffen hatten. Nach- Bekanntwerden dieser Tatsache erschienen in der englischen Presse heftige Angriffe gegen örmsby-Gore, die seine Stellung schwer erschütterten. Außenminister Eden hat ihn nach Genf, wo die Palästina-Frage behandelt wurde, nicht mehr mitgenommen und der Premier Chamberlain soll ihn, so lauten gewisse Berichte,, aufgefordert haben, das Kolonialamt einige Zielt, zu meiden. Die Londoner Meldung des arabischen „Fälastin", daß das Referat über Palästina Ormsby- Gore entzogen und von Eden .Übernommen wurde, ist jedenfalls für die Stimmung charakteristisch. In offiziellen zionistischen Kreisen wird behauptet, daß auch die Stellung Weizmanhs durch die Enthüllung des Doppelspiels erschüttert wurde, daß Eden in Genf, den Verkehr mit ihm gemieden hat und die in England vorhandene Stimmung gegen den Teilungsplan, als dessen Hauptträger auf zionistischer Seite heute Weizmann gilt, durch diese Vorgänge sehr verstärkt wurde. Darin sind die Gründe für das unerhört scharfe und gegen die Regeln der Gerichtsbarkeit verstoßende Vorgehen der zionistischen Behörden gegen Großmann zu suchen; Die Leitung der Judenstaatspartei hat sich ihrerseits mit Großmann solidarisch erklärt. Sie betrachtet die Enthüllung der auf Zerreißung Palästinas gerichteten Umtriebe als eminent patriotische Handlung und fordert, daß Weizmann vor das Gericht gestellt werde. Die. Angelegenheit wird allem Anscheine nach bedeutsame Folgen nach sich ziehen. < Zur Lage in Palästina Die Erfahrung der letzten vier Wochen, in deren Verlauf die Regierung fast täglich arabische Führer und Agitatoren verhaftet und. deportiert hat, zeigt, daß solche Maßnahmen nicht ausreichen. Die Zahl der Terrorakte iat gewachsen. Der arabische Terrorapparat ist ausgezeichnet. organisiert,, und .an Stelle der. deportierten oder verhafteten Führer, werden <■ sofort andere gefunden. Daher war die Erwartung berechtigt, , die Regierung werde den Kriegszustand proklamieren, die Mächt dem Militär übergeben, das eine,Säuberungsaktion im Lande in ganz anderem Maße durchgeführt hätte. Darum ist auch die Erklärung Qrmsby-Gores, die Regierung sehe noch keine zwingende Notwendigkeit, den Kriegszustand zu proklamieren, eine große Enttäuschung gewesen, ein Beweis dafür, daß die Zickzack-Linie noch keine Aenderuftg erfahren hat. .Auch die „Times" hat vorkurzem dieser Frage einen Artikel, gewidmet, doch konnte sich auch diese Zeitung nicht zu dem Entschluß durchringen, dieser Frage die nötige Unterstützung angedeihen zu lassen. * - Die englischen Beamten im Lande sind in sehr gedrückter Stimmung. Die Morde an Engländern und die Ueberfälle haben deprimierend gewirkt. Wir erfuhren aus einem' Gespräch mit einer Person aus militärischen Kreisen: Wenn die Möglichkeit bestünde, würden viele Beamte gerne die Stellung in Palästina aufgeben und in andere Kolonien gehen. Es ist heute kein Geheimnis mehr, daß die Demission des ehemaligen Leiters der-palästinensischen Polizei, Spiee r, die logische Folge dieser Stimmung gewesen •ist. Man hatte ihm geraten, nicht mehr zurückzukommen, da sein Leben in Gefahr schwebt. Vor einigen Tagen ist der Bürgermeister von Half a aus dem' Ausland zurückgekehrt, ein Mann, der sich während der ganzen Zeit dem arabischen Terror gegenüber feindlich verhalten hat. Man. hat ihm geraten, P a 1 ä s t-i n a sofort wieder »u verlassen. Die englischen Rlohter, die sloh mit der Schlichtung von Bodenstrettfragen zwischen Juden und Arabern beschäftigen; erhielten seitens der'Regierung den Befehl, ihre Tätigkeit einzustellen, da sonst Ihr Leben in Gefahr sei. . ... ' i |ni Ii. '■■■■■■■v'; , . , i.; ..... Weit* de» jüdischen Frontsoldaten Bnalands Aus London: t/eber 7000 jüdische Frontsoldat«* aus ganz England versammelten sich am 7. November in London zu ihrer, jährliehen Waffenstillstand suhd Gefallenen »Gedenkfeier. Auf dem Horse- Guards-Paradefeld fand unter der Leitung des Chief Rabbi elh Feldgottesdienst statt, der durch den Rundfunk tibertragen wurde. Die Abteilungen des jüdischen. Kfiegsteilnehmerverbandes waren mit ihren Fahnen aufmarschiert. Die Abteilungen wurden von dem früheren Generälgouverneur von Südafrika, Earl of Athlone (früher Prinz Alexander von Teck), inspiziert. Der Parade Wohnten auch Kriegam inlster Leslie Höre- Selisha und Lord Bearsted, die beide Juden sind, sowie andere hervorragende Persönlichkeiten des englischen öffentlichen Lebens bei. Nach der Parade zogen die Abteilungen unter Vorantritt einer Kapelle der Schottischen Garde geschlossen zum Grabmal des Unbekannten Soldaten. An der Spitae dee Zuges schritt Kriegeminister Hore-Belisha. Zwei Inhaber des Viktoria-Kreuzes, Leonard F e y s o r und Jacques White, legten am Grabe einen Kranz in Form eines Magen David nieder. Beim Kenotaph fand nochmals ein Vorbeimarsch vor dem Earl of Athlone statt. Den Abschluß der Waffenstillstandsfeier bildete ein Kameradschaftstreffen in der Albert Hall. Lord Bearsted verlas folgende. Botschaft an den König: „7000 britische Frontkämpfer aus allen Teilen des Vereinigten Königreiches, die sich auf dem Horse-Cuards- Paradefeld au ihrer achten jährlichen Gedenkfeier und zur Inspektion durch Generalmajor Earl of Athlone und danach zu ihrem Kameradschaftstreffen in der Albert Hall versammelt haben, entbieten Eurer Majestät Ihre tiefe Ergebenheit. Sie beten zu Gott, daß Eurer Majestät eine lange, glückliche und friedliche Regierung besehieden, sein möge." Von dem Privatsekretär des Königs war folgendes Antwortschreiben eingetroffen: „Der König dankt allen bei der Jahresfeier der jüdischen Frontsoldaten Anwesenden für die in ihrer Botschaft zum Ausdruck gekommene. Versicherung ihrer Ergebenheit; Seine Majestät weiß die ihm entgegengebrachten Wünsche au würdigen." Antirfomstisdie Stammen aus Italien Seit der Zusammenarbeit Italiens mit Deutschland auf weltpolitischem Gebiet hat wiederum der antizionistische Ton in der italienischen Presse eingesetzt, ein Ton',-'fd9r allmählich ins Anti jüdische Überzügehen beginnt. An der Spitze der antizionistischen und antijüdischen Pressedtlmmen steht die große römische Tageszeitung „II Tevere", die den Zionismus der italienischen Juden als nicht vereinbar mit italienischem Patriotismus hält und die Juden verdächtigt, ihr Interesse an der zionistischen Bewegung und; ah. der Renaissahee ihres Volkes zürn Schaden des italienischen Vaterlandes zu betätigen. Einen aktuellen Anlaß für ihre antizionistische Haltung bietet der italienischen Presse der. zwanzigste Jahrestag der B a 1 f o u r - D e k 1 a r ä t i o n. „II Popolo di Roma", und „Regime Fascista" bedauern die »^verfolgten Araber Palästinas", drücken ihnen ihr Mitgefühl aus und erklären, daß die Balfour-Deklaratiön die eigentliche'Ursache der verwickelten Lage im Vorderen Orient sei. Vor allem also richtet sich die italienische Kritik gegen die b r i t i s c h e M a n d a t sve.cwaltung, von der es heißt: „Wieder ist die eiserne Faust der Mandätsmacht zu spüren, welche die Araber ihrer b ü r.ge r I i c h e n Rechte beraubt, ihre Freiheitsbewegung knebelt und ihre Führer deportiert." Von den blutigen Terrorakten der arabischen Nationalisten, vom. Mord und Raub und Brand der Müfti-Anhänger ist in der anti jüdischen und antizionistischen Presse Italiens nichts zu lesen.. Diese Presse tut so, .als würde die Mandatsverwaltung, nur um ihre Machtgelüste zu befriedigen, die Araber verhaften und deportieren, , die „armen" Araber, die doch so brav sind und nur ein wenig Lärm machen,' weil man sie „ihrer bürgerlichen Rechte" berauben wolle. Solch eine Darstellung beweist, daß. eine gewisse italienische Presse wenig Verständnis für die tatsächlichen Verhältnisse in Palästina hat oder daß sie die Lage wissentlich falsch darstellt. Man müßte doch in den publizistischen Kreisen Italiens wissen, daß Palästina unter das Mandat des Völkerbundes gestellt wurde, dem auch Italien angehört, und daß niemals in den zwanzig Jahren seit der Baifour-Deklaration Und in den siebzehn Jahren der britischen Verwaltung auch nur einen Augenb-liok-lang die bürgerlichen Rechte der Araber angetastet wurden. Wir wlsSeh, daß die antijüdisohe und antizionistische Haltung gewisser italienischer Blätter ein konventioneller Akt ist, hervorgegangen aus der weltpolitischen Annäherung an das Dritte Reich, bzw. an das Reich Julius Streich e r s; aus einer Annäherung, die ganz überraschenderweise eine Abkehr von den großen sittlichen Prinzipien der italienischen Kultur in fernster Vergangenheit und nächster Gegenwart bedeutet. Dienstag, 16. Novtmber 1937, halb 9 Uhr ibendi, 6roB«r Musfkvtrttrii-*««! GEDENKFEIER anläßlich der zehnten Wiederkehr dea Todestages. Gedenkrede: Staatsrat Dr. Desider Friedmann. Mitwirkend der weltberühmte Oberkäritor M. KitSßwickl (Warschau). Chor des Stadttempels. Dirigent Kurt Fuohsgelb. Sichern Ble eich rechtzeitig Karten beim Zionistischen Landesverband, I., Marc-Aurel-Straße 5 (U-22-2-11), sämtlic^ou Beairkssektlonen, ferner Bücherstube Rath, IL, Taboret^aöe 80 a (R^Ö-aOöi, Ring der Alt-Herren-YerbÄnde^ l„ Kphlmarkt 8 (y-23-4,B7),, Bücherstube Meijstrik, I., WoU* zeüe 6 (R-2M-25), Jüdische KultureteUe,. Frana.Joiiefa^Kal & XR-SW^aö)^ Kartensejitrale Ötonne*, t, Graben 28' (TZ-22-Mtf).,

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