Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1937-11-12 · Heft 701 (12.11.1937) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 701 (12.11.1937)
Date
1937-11-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2711613-2712245-2712326--6825-2720628
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 701 vom 12. November 1937 BIG NEUE WELT Seite 3 Warner Baxter - Wallace Beery nÄw Sktavmduft M Bin Meisterwerk der Filmkunst, an dem 2 Jahre gearbeitet wurde, ab heute Elite-, Opern-, Votivpark-Kino WodteKfUefd Balfours wertvollste Leistung „Die Judenfrage diente dazu, bei Lord Balfour den niemals schlummernden Glauben an die Kraft des Idealismus und den Mut, diesem Glauben gemäß zum Vorschein zu bringen... Am Ende seiner Tage sagte er mir, von allem, was er, je getan habe, betrachte er rückblickend als das Wertvollste das, was er für die Juden habe tun können." Blanche Dugdale '(Balfour-Biographie);* Ein Knecht Gottes ,J)er jüdische Bauer ist wahrlich der Fürst im Heiligen Lande, ein Knecht Gottes. Er überläßt'ihm die heilige, steinige Flur.1' Else Lasker-Schüler, Wiener Sekundant des „Stürmer" Eines hat der Berner Protokolle-Prozeß unwiderleglich ergeben: dem Judentum ist der Beweis der Fälraslert besser, rasiert öfter, rasiert glatter, Swing ist die Klinge für Sie! Daher kauft jedermann, der Vorteile schätzen kann: _nur noch die Swinp schung nicht gelungen, da 3ich sämtliche von der Klageschrift verwendeten Beweismittel als irreführend und wertlos erwiesen. Solange aber die Fälschung der Protokolle nicht bewiesen ist, sind sie als echt anzusehen.. " „Wiener Neueste Nachrichten" (Wien, 5. November 19371* •'^Hf§'*tf Ein bitteres Geständnis ,iDie Regierung hat im Laufe eines ganzen Jahres außerordentliche Nachsicht gegenüber der Welle von Mord, Verbrechen und Aufstand gezeigt, die über Palä- OFEN SCHWEMME IX, PORZELLANGASSE 2 KONKURRENZLOSE PREISB stina gegangen ist. Im Lichte der Tatsachen ist die Regierung zu der Schlußfolgerung gekommen, daß die nachsichtige Haltung gegenüber den Trägern des Terrors, von diesen als Anzeichen der Schwäche der Regierung gedeutet wurde. Parum muß die Herrsohaft von Ruhe und Ordnung in Palästina wiederhergestellt werden, wenn das Leben der. gemäßigten Araber und der Juden gesichert werden soll." Kolonienminister Ormsby-Gore t(London, November 1937)., Was es gibt Die Zigarettenfabriken Erez Israels geben ihren Erzeugnisisen populäre. Namen. Eine Zigarette heißt „Alijah", andere heißen ,^.woäa", ,^.tid", „Tikwa" ysw» Kommt ein Arbeiter in einen Laden und fragt: „Gibt es Alijäh" (Einwanderung)? —- ,Jffein%(t „Gibt es Awoda(< (Arbeit) t — „Nein." „Gibt es Atid" (Zukunft)? — )yNein." „Was gibt es denn?" — „Jesch rak ,Tikwar bachazi Gyusch." (Es ist nur Hoffnung" da — für einen halben Groschen.) Anekdote aus Palästina, 1937« Pressestimmen zum Berner Prozeß Die Baseler „Nationalzeitung" Aus Basel: Die Baseler „Nationalzeitung" richtet scharfe Angriffe gegen das Urteil des Berner Obergerichtes im Prozeß des schweizerischen jüdischen Gemeindebundes und der jüdischen Kultusgemeinde Bern gegen die Frontistenführer Silvio Schnell und Architekt Fischer, die der Verbreitung der gefälschten „Protokolle der Weisen von Zion" angeklagt waren. Unter der Ueberschrift „Ein seltsamer Wahrspruch" führt das Blatt aus: „Es ist das erste und wohl auch das letzte leb Restaurant Stefanie •nw II, TaborslraJJc 12 Telephon R-48-4-46 HUGO und JULIE HERLINGER geb. Zollner Erstklassige renommierte Küche, große Auswahl Reichhaltige Menüs von 1.60 aufwärts / Exakte Bedienung / Täglich frische Fische / Neu renovierter Speisesaal / Angenehmer Aufenthalt Mal, daß wir von einem Richter vernehmen müssen, ein,Mittel der politischen Kampftaktik sei nicht auf seine Wahrheit und auf die Ehrbarkeit seiner Beweggründe zu untersuchen. Nie bisher hat die Justiz die Verbreitung von Lug und Trug als un,str af b»ar e, politische Kampftalt'tik ausgegeben. Es gibt nicht nur eine fleischliche, sondern auch eine geistige Sittlichkeit. Die Jugend kan nicht nur durch Frühweckung und Entartung des Geschlechtstriebes, sie kann auch durch Haß und gemeine Gesinnung gegen Mitmenschen und Mitbürger, sie kann auch durch den Geist der Lüge und die Gewissenlosigkeit in der Anwendung der Mittel im Kampf wider den Nächsten grundverdorben werden. Der Umstand, daß der bernerische Gesetzgeber mit dem Gesetz wider die Schundliteratur vor allem die Jugend schützen wollte, kann daher keine Veranlassung sein, ein so raffiniert gefälschtes und grundverlogene sHaßwerk, wie die „Protokolle der Weisen von Zion", aus dem Rahmen dieses Gesetzes fallen zu lassen. Sämtliche an Juden vollzogenen Gewalttätigkeiten und Morde in Deutschland sind aus der Leidenschaft erwachsen, welche gerade diese Schrift geschürt hat." Es gibt kein zweites Druckerzeugnis in der Geschichte, das die Grundursache und der Antriebhebel so vieler Verbrechen geworden ist, wie dieses diabolische Buch, das der bernerische Richter einerseits selber verurteüte, um dann jene freizusprechen, die es verbreite^ haben, womit die'Juden gegen jegliche vorderhand noch nicht tätliche Anfechtung auch der gemeinsten Art vogelfrei e r k 1 ä r t w e r d e n. Was hat das mit schweizerischer Ger echtigkeit zu tun? Soll das große und jubelnde Lob, welches das freisprechende und mit einer solchen Begründung freisprechende Obergericht in der nationalsozialistischen Presse Deutschlands uneingeschränkt erntete, etwa eine Rechtfertigung schweizerischer Rechtsprechung sein? Das wäre für Bei Menschen, die niedergeschlagen, abgespannt, zur Arbeit unfähig sind, bewirkt' ein Glas natürliches „Franz-Josef"-Bitterwasser, auf nüchternen Magen genommen, geregelte Darmtätigkeit, unbehinderten Blutkreislauf und erhöhtes Denk- und Arbeitsvermögen. Fragen Sie Ihren Arzt. mehr als nur unsere Justiz der Anfang von einem traurigen Ende!" Die italienische Fresse Aus Rom: (J.T. A.) „IIRegimeFascista" befaßt sich mit dem Urteü im Berner Prozeß um die »Protokolle der Weisen von Zion" und schreibt, das Urteil des Berner Appellationsgerichtes verschwiegen tun gen, daß die Protokolle nicht echt seien, widerlegt". Das Blatt beschuldigt die Weltpresse, die „im Dienst des jüdischen Geldes steht", da» Urteil des Berner Apellationsgerichtes verschwiegen zu haben, während sie vor zwei Jahren, als dia Schweizer Nazisten verurteilt wurden, „in die Welt posaunt habe, daß die Protokolle gefälscht seien". ,JQ Regime Fascista" bedauert, daß die faschistische Presse die „günstige Gelegenheit versäumt hat, die Wahrheit über die Protokolle festzustellen; dadurch könne der falsche Eindruck entstehen, daß sogar in Italien die Presse unter jüdischem Einfluß stehe". Zum Schluß ächreibt das Blatt, der Verleger von „La Vita Italiana", der soeben eine Neu auf» läge der „Protokolle" in italienischer Sprache herausgegeben hat, werde „dem Berner Appellationsgericht dankbar sein, das mit seinem Urteü das treffendste Vorwort zu der italienischen Ausgabe der Protokolle geschrieben hat". # Die Zeitung „II Tevere" bringt in sensationeller Aufmachung ganz im Stüe des Deutschen NachrichtM*. büros die Nachricht über „die Aushebung einer Gcheimorganisation in Budapest, deren Ziel die Schaf-' fung eines jüdischen Staates in Ungarn auf kommunistischer Grundlage" sei.Aus den bei den 36 verhafteten Mitgliedern des „Haschomer Hazair" gefundenen Dokumenten gehe hervor, daß die für die Verwirklichung des Zionismus in Palästina immer größer werdenden Schwierigkeiten in ihnen diesen Plan reifen ließen. amsay MacDonalJ ,. Im Alter von IX Jahren ist Ramsay MaoDonald* auf einer Reise nach Amerika/ gestorben. Sowohl die englische Arbeiterbewegung als auch das britische Reich verlieren mit diesem Mann eine bedeutende Führerpersönlichkeit. Der Zionismus und das jüdische Aufbauwerk in Palästina standen viele Jahre hindurch in inniger Beziehung zu dem Verstorbenen. Von politischer Bedentang wurde der sogenannte MacDonald-Brief, der nach dem antizionistischen Passfield-Weißbuch über die Ursachen der Araberrevolte vom August 1929 eine authentische Interpretation des Mandats gab und für eine» allerdings sehr kurze Zeiti zur Richtschnur der Politik der Palästina-Administration wurde. Bei vielen Gelegenheiten hat sich MacDonald als wahrer Freund des zionistischen Aufbauwerkes und des jüdischen Volkes erwiesen. Verb« d* Judeitsiaatszfonisfeii Oesterreichs Sektion Prater. Samstag, den 13. November, 8 Uhr abends, im Heim, IL, Erlafstraße 5, Vortrag Obe*< baurat Robert Stricker: Der Fall Melr Großmann. Gäste willkommen! Ein Erlebnis ohnegleichen Charlie Bivels, Szöke Szakall, Cilll Felndt in der grandiosen Variet€-Revue im RONACHER Tägl. 4 u. 8, Sonntag 2,5.15 u. 8.30 Uhr ■s tn^el JüuhcL ringt i. Auf dem Podium erscheint eine Frau — das Wort „Weib" wäre wohl passender — mit breitem, rotbackigem Gesicht,' bäurischer Frisur und stämmiger Gestalt, aus Island kommend, aus einem Lande also, dessen Baden arm, dessen Klima hart, dessen Gefühlsausdruck karg ist, Sie spricht zuerst ein paar Worte — eine Conference für jedes ihrer Volkslieder. Die Worte sind ungelenk, hingeworfen wie improvisiert, aber man spürt hinter ihnen ein Herz, das klingt, und eine Stimme^ die mehr, m singen weiß.,« & Engel Lund sang isländische, englische, französische Volkslieder. Kein Programm eines normalen MQ«**rUib6nds. Alles war wie eine Rechtfertigung ihres großen Namens, der mit dem Begriff ,M^sterin des Volksliedes" verknüpft ist. Eine artistische Leistung in der Wertung des Publikums, des jüdischen Publikums, Bis dann das jüdische, jiddische Volkslied kam% 3, ma w& m<fo §m&tite& mm m&i tm* bereits erobert. Man glaubte an ihr Können, an den Reichtum ihres Gemüts, an die umfangreiche Tonskala. Ja, man war bereit, ihr die liebenswürdigsten Worte zu sagen.«. Entzückend, reizend", und wie sonst die beliebten, unkritischen Attribute heißen,. Ins das jüdische, jiddische Volkslied kam« % Die ersten paar Worte — ein Kompliment für uns. Für das Volk mit der großen Seele. Für das Volk, das nicht unter gelten kann im Besitz „so wundervoller" Volkslieder, Ein Kompliment, nicht mehr. Aber als die ersten Laute hörbar wurden, das schöne, reine Jiddisch mit der ganzen Atmosphäre des jüdischen Ostens, und die Stimme sich über den naiven, scherzhaften, und über den chassidisch-ekstatischen Liedern wölbte, als man das hörte, was sonst nur von den jiddischen Mensohen gesungen werden kann, da war man „zu Hause". Engel Lund stand da im Glänze ihrer reinen Seele, berührt vom Genius des ewigen Volkes. Zauber und Rührung gingen von ihr aus, ein seltenes Phänomen stand vor uns. Denn sie reproduzierte Wort und' Melcdie der' jüdischen Golus-Seele bis zur äußersten Grenze des Transponierbaren. Ein Wunder <tea EfäBWwti w& im Sßmäkäosti am>g.äi&. imadem in einen seelisch-geistigen Bereich vor, den man als für den Europäer" unergründlich und undurchdringlich betrachtete ... Hier war die Scheidewand zwischen Juden* tum und der übrigen Welt für eine kurze Zeit verschwunden. Engel Lund — ein Engel schwebte durch den Raum:, 5. Aus einem }^ederßbend" wurden so Stunden de/ Weihe. Wir fühlten uns nicht mehr verlassen in der Welt. Daß es ,^o etwas" gibt, daß Manschen außerhalb unseres Stammes und Lebens unsere Lieder mit solcher Intensität des Gefühls und innerer Wahrheit verstehen, singen — das gibt uns Trost für spätere düstere Stunden, Und wir schämen uns auch der Träne nicht, in die aUen Menschliche, Leid und Freud, mündet. 6. Der zionistische ,J£ing der Altherren-Verbänäe*', der Veranstalter des Abends, kann den Erfolg mit Genugtuung verzeichnen. Dieses moralische Guthaben wird nioM so tasQh aufgekehrt, werden können,;j£ ]$*>( 0*kar Rosoufeld,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.