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Die neue Welt · 1937-11-03 · Heft 699 (3.11.1937) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 699 (3.11.1937)
Date
1937-11-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 699 vom 6. November 1937 DIE NEUE WELT Seite 7 AUS PALÄSTINA Kluge und superkluge Politik von Dr. H. Bosenblum (Tel-Aviv) Es verlautet, daß die aus Palästina ausgewiesenen arabischen Fahrer die Absicht haben, eine neue arabische Konferenz nach Damaskus einzuberufen, an der Vertreter aus Irak, Aegypten, Syrien und dem Libanon teilnehmen sollen. Es ist anzunehmen, daß nach der Blamage der ersten arabischen Konferenz in Bludan die arabischen Führer genügend Erfahrung gesammelt haben, um die zweite Konferenz zu einem Erfolg zu gestalten. Es gibt auch eine Reihe anderer Gründe, zufolge derer die zweite Konferenz erfolgreicher als die erste verlaufen dürfte: zu diesen gehört vor allem die persönliche Beteiligung des geflüchteten Mufti von Jerusalem, der eine nicht unbeträchtliche Rolle spielen wird; auch die neuerdings zutage getretene Opposition mancher arabischen Länder, wie Irak und Aegypten, den zionistischen und englischen Aspirationen gegenüber dürfte die Stimmung der Konferenzteilnehmer erheblich bessern. Die einzige Schlußfolgerung, die man aus dieser Entwicklung ziehen könnte, ist die, daß die Ausweisung eines Teiles der arabischen Führerschaft nach dem Indischen Ozean ein viel gescheiterer Schritt gewesen ist als die Kolonisierung des anderen Teiles dieser Führerschaft in einem Palästina benachbarten Staate, wo er die Gelegenheit haben wird, frei und ungestört die Hetze weiter zu betreiben. Und ich glaube, daß alle Bewohner Palästinas, ohne Unterschied des Glaubens und der Rasse, es nur begrüßt hätten, wenn die vor zirka einem Monat aus Haifa nach dem Indischen Ozean transportierte Gesellschaft etwas zahlreicher gewesen wäre. Diese Unterlassungssünde der palästinensischen Behörden dürfte dem Lande in Zukunft noch teuer zu stehen kommen. Dieses Kapitel zeigt, daß eine Politik zwar klug, aber nicht superklug sein darf; es kommt manchesmal vor, daß eine gesunde politische Linie nur deshalb ein Fiasko erleidet,' weil sie auf superkluge Wege abirrte . Der Begründer dieser Politik ist bekanntlich der erste Oberkommissär Palästinas Herbe.rt.Samuel. Vor zirka fünfzehn Jahren ist es ihm eingefallen, •einen' Manjo.^zum^^fä^i4e^ten, des .MpslemischeA Rates einzusetzen, für den das Krimin alg erie ht des Landes erhöhtes Interesse bekundet hatte: Es' war; wie es scheint, die- Absicht Samuels; : der selbst •Philosoph ist und der Internationalen Philosophenliga angehört, seinem Gewährsmann, die Möglichkeit zur moralischen Besserung zu bieten. Da meine philosophischen Kenntnisse leider beschränkt sind, weiß ich nicht, ob die Voraussetzungen Samuels den Grundsätzen der modernen Philosophie entsprechen. Eines weiß ich jedoch, daß sie den Grundsätzen der modernen Politik keineswegs entsprechen. Das ist die Ursache, weshalb diese Grundsätze eine Niederlage mit sich brachten. Herr Samuel versucht jetzt seine damalige Politik dadurch zu rechtfertigen, daß seinerzeit kein anderer Araber im Lande gewesen wäre, dessen moslemische Ausbildung die hohen Ansprüche des jüdischen Oberkommissärs hätten befriedigen können. Angesichts dieser Erklärung verspüre ich die Notwendigkeit, die moslemische Geistlichkeit unter meine schützenden Fittiche zu nehmen: ich bin vollkommen davon überzeugt, daß man einen moslemischen gebildeten Hohepriester auch außerhalb der Kerkermauern hätte finden können. Es war eben superklug, ihn dort zu suchen, wo ihn Samuel gesucht hat. Zum gleichen Kapitel gehört auch die Art, wie die Regierung den vorjährigen Ereignissen begegnete. Niemand verstand ihre Haltung. Manche vermuteten hinter dem Nebel ein vernünftiges Aktionsprogramm, das späterhin in seiner ganzen Pracht in Erscheinung treten würde. Als sich aber der Nebel zerstreut hatte, wurde es nur klar, daß dahinter nichts Vernünftiges verborgen war. Die Regierung wollte viel gescheiter sein, als es unbedingt notwendig gewesen wäre. Das Resultat: Ausdehnung und Vertiefung der Ereignisse. Repräsentanten dieser Politik sind auch innerhalb des zionistischen Lebens zu finden: der seinerzeitige Versuch, das nicht-zionistische Judentum dadurch für den Zionismus zu gewinnen, daß man es durch feierliche Reden allmählich an den Gedanken des Zionismus „gewöhnt", war auch „gescheiter als nötig". Eine breite jüdische Schicht, die eben nicht zionistisch ist, konnte nicht durch eine mechanische Kbnstruktiori und feierliche Eröffnungs- und Schlußreden ihre Weltanschauung so radikal ändern. Dazu gehört viel Zeit und Aufklärung, die nicht übergangen werden können. Und wer keine Geduld hatte, muß eben heute den Zusammenbruch der „gemischten" Jewish Agency mit in Kauf nehmen. Derselbe Zusammenbruch erwartet diejenigen, die heute eine gewisse Entwicklung überspringen wollen, indem sie bereit sind, auf 95 Prozent Palästinas zugunsten der Araber zu verzichten. Die Leute glauben, daß es eine sehr „gescheite Ungeduld" sei, denn der Verzicht gelte nur für h e u t e, wobei morgen die Angelegenheit „einen anderen Lauf" nehmen könnte. Dabei wird außer acht gelassen, daß das „Morgen" auch eine Entwicklung bringen kann, die wir n i c h t ins Kalkül gezogen haben. Dann wird es sich herausstellen, daß unsere gesamte Berechnung auch auf diesem Gebiete superklug und nicht gescheit war. Das Zionistische Aktionskomitee tagte am 3. November in Jerusalem f Aus Jerusalem: Das Zionistische Aktionskomitee trat am 3. November in Jerusalem unter dem Vorsitz von M. M. U s s i s c h k i n zu einer Sitzung zusammen, in der über die gegenwärtige politische Lage beraten wurde. Der Vorsitzende der Exekutive in Jerusalem, David Ben-Gurion, und der politische Dezernent der Jerusalemer Exekutive, Mosche Shertok, haben die Hauptreferate erstattet. Prcssesti'mmen tum Rüdklri'ti Waudpopes Aus Jerusalem: In ihrem Kommentar .zum Rücktritt des High Commissioner erklärt die englische „Pal est ine Post", daß die Zeit, zur Wertung seiner Verdienste noch nicht gekommen sei. Der Artikel lobt die Uneigennü,tzigkeit und den konstruktiven Willen des High Commissioner, dessen viererste- Amtejahre eine Zeit des bisher größten Fortschrittes in bezug auf jüdische Einwanderung und auf die Prosperität, des Landes dargestellt haben. Sein erster Fehler sei sein beharrlicher Versuch gewesen, einen Gesetzgeben«, den Rat zu schaffen: Der Mißerfolg der zweiten Amtsperiode von Sir Artur Wauchope sei nicht auf Verschrobenheit seinerseits, sondern auf falsch angewandte Rechtschaffenheit zurückzuführen. Die hebräische Tageszeitung „Haaretz" stellt fest, daß der Jischuw von diesem Mann, der dem Lande sechs Jahre seines. Lebens, seinen Mut und seinen Geist gewidmet hat, mit Achtung und Dankbarkeit scheiden wird. Seine Amtsperiode habe nicht nur Mißerfolge, sondern auch große Leistungen; wie die V e r d o p p e 1 u ri g der jüdischen B e völ"kerun'g im Lande, aufgewiesen. Die V e rs öhnuhg spolit i.k der letzten zwei Jahre sei ein Fehler' gewesen, doch sei diese Niederlage eine Folge seines gerechten Sinnes. Lloyd George zur BaJJoairÄ Deklaration Anläßlich des 20. Jahrestages der Balfour-Deklaration veröffentlicht,die „New Judaea" (London) folgendes Schreiben von Lloyd George: . „Seit Veröffentlichung der Balfour-Dekl'aration durch die Regierung, der ich als Ministerpräsident angehörte, sind zwanzig Jahre vergangen. Die Deklaration erschien in einer Zeit noch nie dagewesener Bedrängnis und Sorge, für das britische Volk; sie war jedoch ein Dokument, das vom Ministerrat aufs genaueste und eingehendste erwogen worden war. Sie erhielt die volle Zustimmung sämtlicher alliierten Mächte sowie der Vereinigten Staaten von Amerika. Ich bin stolz, daß ich an der Gründung einer Politik beteiligt war, die einen Akt historischer Gerechtigkeit einem alten Volke gegenüber darstellt, dem die Menschheit so viel verdankt; Diese Politik hat bereits in der bemerkenswerten wirtschaftlichen Wiederauf lebung des Heiligen Landes Frucht getragen. Es ist eine Politik; deren volle Bedeutung, wie ich glaube, erst dunkel erkannt werden kann. Großbritärinien, als T r e ü h ä h'd e r der K ü 11 u rvölker der. We 1't; hat in Palästina ein großes und edles Unternehmen übernommen, und' es: ist undenkbar, daß es sin Aufgabe nur halb erfüllt. Die Juden haben bewiesen, daß, wenn ihnen die Möglichkeit dazu gegeben wird, sie imstande sind, ihrer nie. vergessenen Heimat die Fruchtbarkeit zurückzugeben und ihre . Wüsten in Gärten zu verwandeln. Die Leistungen des Keren Hajessod als des: Hauptinstruments der nationalen Aufbauarbeit in Palästina sind mir wohl bekannt und ich bin überzeugt, daß in den kommenden Jahren das jüdische Volk selbst, das bisher sämtlichen Anforderungen, die an dieses gestellt worden sind, h\ so mustergültiger Weise entsprochen hat, auch weiterhin alle Kräfte daran wenden wird, um sein Unternehmen zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen, Die Arbeit muß und Wird weitergehen." Der große Brand im Ballour-Wald Aus Jeru salem: In der Nacht vom 27. bis 28. Oktober kam die erschütternde Nachricht, daß der Balf our-Wald, die größte Auf f orstungsanlage Palästinas, in Flammen steht. Die erste Reuter-Meidung, daß durch den Brand mehr als eine halbe Million Tannenbäume bedroht sind, war übertrieben. Doch sind, wie jetzt bekanntgeworden ist, über 50.000 Bäume," ungefähr ein D r i 11 e T d e s Waldes, den Flammen zum Opfer gefallen. Da der Wald an mehreren Stellen zugleich brannte, hegt man keinen Zweifel darüber, daß es sich um einen vandalischen Akt der arabischen Terroristen handelt. Durch den brennenden Wald waren in der Nacht viele Ortschaften im Emek hell erleuchtet. Der Wald bedeckt die Hänge der zahlreichen Hügel im Nazareth- Qistrikt. Infolge des herrschenden Windes breitete sich das Feuer sehr schnell aus. Durch vereinigte fast übermenschliche Anstrengungen der jüdischen Kolonisten der Umgebung, besonders jener aus Ginegar sowie der Polizei, aus Nazareth, Afuleh und Haifa, der Feuerwehrbrigade aus Hadar Hacarmel unter der Leitung des Distriktskommissärs, gelang es nach mehr als vier Stunden, des Elementes Herr zu werden. In der gleichen Nacht wurde versucht, die neue a,r a b i s c h e Regierungsschule in Haifa niederzubrennen. Der Brand konnte schnell gelöscht werden. .Die Leitung des Keren-Kajemeth-Hauptbüros in Jerusalem teilte der J. T. A. mit, sie werde von der Regierung Schadenersatz für die niedergebrannten Waldbestände im Balf our-Wald, ferner ausreichende Bewachung des Waldes und Hilfe für die sofortige Wiederaufforstung der zerstörten Waldteile verlangen. Ansprache des Oberkommandierenden Generalmajor Wavell Aus Jerusalem: Der Oberkommandierende der Truppen in Palästina, Generalmajor A. P. Wavell, kat bei der Inspizierung des Black Watch Regiments zum erstenmal öffentlich eine Ansprache gehalten. Er erinnerte daran, daß er vor 22 Jahren in Palästina war, zu .einer-Zeit, da Tel-Aviv noch nicht existierte und, wo diese Stadt heute steht, nur Sanddünen zu sehen waren. Das Schlimmste an der jetzigen Situation sei der Stand der Sicherheit. Die Truppen müssen stets in Bereitschaft stehen, denn es könne jederzeit Unerwartetes geschehen. Die Araber seien ein gutmütiges Volk, 95 Prozent seien friedliebend, nur fünf Prozent seien Unheilstifter. Ich möchte nicht von Politik sprechen, schloß der General, eure Offiziere werden euch die Verwicklungen der Situation erklären. Der Altstadt von, Jerusalem' wurde als Kollektiv s t r a f e die Unterhaltung weiterer 20 Polizisten auferlegt. ftr-, .vÖG^illegale jüdische Einwanderer verurteilt Aus Jerusalem: Der britische Richtecr in Saf ed hat 56 Juden, davon 24 aus Südrußland, wegen „illegaler Einwanderung" zu Gefängnis und nachfolgender. Landesverweisung verurteilt. - -v,./..Schwere Hagelschäden in Palästina; - Aus' Jerusalem: Vor-einigen Tagen ist-in der Umgebung von Tel-Aviv ein schweres Unwetter mit Hagelschlag '. niedergegangen. Aus Petach Tik wa wird berichtet,. daß in den Orangenpflanzungen der dortigen Gegend schwerer Schaden angerichtet worden ist. In vielen Pflanzungen wurden zehn bis fünfzehn Prozent, in einzelnen sogar fünfundzwanzig Prozent <&r Ernte ver^ nichtet. Manche Packhäuser wurden vollkommen zerstört. Der ganze Umfang, des Schadens wird erst in etwa einet! Woche festgestellt werden können, da zu befürchten ist* daß auch ein Teil der ah den Bäumen verbliebenen Früchta so beschädigt worden ist, daß er vernichtet werden muß, um ein Einnisten. schädlicher Insekten zu verhüten. Ia der Stadt selbst wurden etwa 500 Fenster durch Sturm und Hagel zerbrochen. Wirtschaftsbericht der Baiclays Bank Aus Jerusalem: Der letzte Wirtschaftsbericht der Barcläys Bank stellt eine leichte Belebung des Marktes" nach dem Abschluß der Ernte und mit dem Beginn, der Zitrusexportsaison fest. Der Weizenmarkt wird als zufriedenstellend bezeichnet. Die Notierungen per Tonne bewegen sich zwischen 9 und 10 Pfund. Der Gerstenmarkt ist normal. Die gegenwärtigen Preise sind 6 bis 6jhj Pfund per Tonne. Die Exportsaison füR Gerste ist jetzt zu Ende. Es wurden insgesamt rund 8000 Tonnen, ausgeführt. Der Markt für Kolonialwaren war normal, die Preise sind mit Ausnahme von Kaffee, der jetzt 52 Pfund per Tonne notiert, unverändert geblieben.., Wo 11-, Seiden- und Baumwollwaren liegen weiterhin f 1 a u. Auch auf dem Baumarkt ist, wie bisher, geringe Tätigkeit festzustellen. Die V. e i- SQhiffung von Grapefruit hat begonnen. Es wurden bisher 3612 Kisten ausgeführt, außerdem 17.715 Kisten Zitronen. Der durchschnittliche Preis für Orangen, am Baum ist etwa 3 sh 3 d geblieben. Die Kosten für Verpackungsmaterial, Fracht und Versieht« r u n g sind pro Kiste um etwa 1 sh höher als in der ver* gangenen Saison. Die Entwicklung des Hafens von Tel-Aviv Aus Tel-Aviv: Der Hafen von Tel-Aviv hat sich in den letzten drei Monaten in raschem Tempo weiter entwickelt. Bemerkenswerterweise konnte dieser Aufschwung verzeichnet werden, obwohl von der Regierun.g und von den Schiffahrtsgesellschaften, die für die Ausladung von Waren im jüdischen Tel-Aviv per Tonne 2% Shilling mehr verlangen als im arabischen Jaffa, Schwierigkelten bereitet werden. Bei der Wareneinfuhr steht Tel-Aviv unter den Häfen Palästinas heutq bereits an zweiter Stelle. Es wurden in den Monaten Juli bis September in Tel-Aviv 27.791, in Jaffa dagegen nuj» 24.901 Tonnen gelöscht.

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