Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 699 (3.11.1937)
- Date
- 1937-11-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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- Tunis 2× ep/1048155
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Nr. 699 vom b. November 1937 DIE NEUE WELT Seite 3 KONZERT FETZER im CAFE-RESTAURANT an der Schweden -BrUcke KAPELLE MAX CI E I G E R Mittwoch, Samstag, Sonntag von 7,9 bis 2 Uhr Besucherkarte 15 Qrpschen / Außerdem täglich TANZ IN DER DIELE / Unveränderte Preise / Mindestkonsumation S 1.— die militärische Ausbildung und die militärischen Uebungen werden seitens der arabischen Jugend in durchaus legaler Weise durchgeführt. Obwohl die französische Administration in Syrien die palästinensisch-syrische Grenze überwacht und Bereitschaft an den Tag legt, der Palästinensischen Administration zu helfen, kann man doch nicht sicher sein, daß diese Maßnahmen eine Garantie für uns bedeuten. Jeden. Augenblick kann eine unerwartete Wendung eintreten und die gut vorbereiteten Terrorbanden werden die erste Gelegenheit ergreifen, um nach Palästina einzudringen. Laut unseren Informationen werden jetzt die entsprechenden diplomatischen Schritte in London und in Paris unternommen, um diese Gefahr zu bannen. Die Flucht des Mufti hat sicherlich zur Stärkung des arabischen Zentrums in Damaskus beigetragen. Neue Kampfmethoden gegen Terror in Palästina Aus London: Aus gut unterrichteten Kreisen wird mitgeteilt, daß der Terror in Palästina jetzt durch neue Gewaltmethoden bekämpft werden soll, die vom Berater der Palästina-Regierung, Sir Charles Te.gart, eingeführt werden. Sir Charles konnte in Bengalen mit diesen Methoden bedeutende OFEN SCHWEMME IX. PORZELLANGASSE 2 KONKURRENZLOSE PREISE Erfolge bei der Niederringung der Terrorbanden erzielen. Erste Voraussetzung bei dieser Art der Bekämpfung ist strengste Heimlichkeit. Die Behörden in Palästina haben die Erfahrung machen müssen, daß ihr Plan, die Araberführer zu verhaften, trotz sorgsamster Vorkehrungen vorzeitig bekanntgeworden ist, so daß einige Personen, deren Verhaftung' geplant war, entkommen konnten. Jetzt soll ein neues System der Benachrichtigung in Polizeikreisen eingeführt werden, durch das ein derartiges Durchsickern von Plänen unmöglich gemacht werden soll. Die Regierung ist entschlossen, keinerlei Mitteilungen über den jeweüigen Aufenthalt und die Tätigkeit von Sir Charles Tegart sowie über seine weiteren Pläne zu machen. Die „Times" erkennen an, daß die entschlossene Haltung der Mandatarverwaltung in Palästina zur Beruhigung beigetragen hat, halten aber die Ruhe für künstlich und befürchten den sofortigen Wiederaüsbruch der Gewalttaten, wenn der Ausnahmezustand wieder aufgehoben wird. (J. T. A.) Wenn der Sachverständige der englischen Schutzmacht erklärt, daß nur durch verschärfte Gewaltanwendung Ruhe und Sicherheit wiederhergestellt werden können, muß man ihm freie Hand lassen. Aber es ist zu befürchten* daß auch mit diesen Methoden das Auslangen nicht gefunden werden wird, wenn nicht im Beamtenapparat der Palästina-Regierung ein gründlicher Austausch vorgenommen wird. Dort lauert der Verr at., Die beste und zum Aeußer- Wer soll die Rechnung bezahlen? AftiGtoKuk der bekannte Verfasser der Schrift „Juden und Deutsche", der Börne-Biographie, der Aphorismensammlung „Von Goethe abwärts«, spricht über „Die jüdische Sünde" Sind die Juden gescheit? Donnerstag, 11. November 1937, 8 Uhr abends, Offenbcichsacil, IV. Operngasse. Karten bei der „Jüdischen Kulturstelle", I, Franz-Josefs- Kai 3 (Tel. R-28-2-36), bei Konzertkasse Hohenberg (Operngebäude), und Gronner, I, Graben 28 In den arabischen Terror, der nun vom April 1936 bis zum heutigen Tag dauert, hat die Palästina-Verwaltung am 1. Oktober 1937 energisch eingegriffen. Das, was die ganze Zeit über als unmöglich schien: das Aufspüren der arabischen Terrornester, die Verhaftung und Deportierung zahlreicher arabischer Agitatoren und Führer und schließlich die Auflösung des Großen Arabischen Rates und Absetzung des Mufti von seiner weltlichen Führerstelle, all das erschien als der Beginn einer neuen Aera der englischen Politik in Palästina. Obwohl der Jischuw weitere Todesopfer zu beklagen hatte, nahm er diese mit dem Gefühl auf, daß es sich um die letzten Zuckungen des arabischen Aufstandes handle. Der Bestürzung und Nervosität war eine Art Gleichgültigkeit gegenüber den täglichen Geschehnissen, den Ueberfällen und Zerstörungsakten, gefolgt. Man hatte sich auf Verteidigung eingerichtet, die überall gebildeten Schutzkorps und die von der Palästina-Regierung herangezogenen jüdischen Hilfspolizisten versahen mit der Selbstverständlichkeit eines permanenten Kriegszustandes ihren Dienst, und als größere Militärdetachements mit Maschinengewehren und Flugzeugen eingriffen, war nicht zu zweifeln, daß die Revolte in kurzer Zeit niedergeschlagen sein würde. Eines allerdings wurde vermißt: die Verhängung des Kriegszustandes. Man legte Geldbußen auf, verschickte Banditen und Agitatoren nach Akko, zerstörte Häuser von Freischärlern,, aber das drastische und überzeugende Mittel des Kriegszustandes wendete eJ*$$w* r-^J$fc^M ^h^:: . I -w;-• ':>-V'V;-.; die Palästina-Administration nicht an. Die Gründe dieser Unterlassung sind nicht bekannt. Man ist auf Vermutungen angewiesen. Das plausibelste Motiv ist zweifellos die Angst vor zahllosen Todesurteilen und Urteilsvollstreckungen, die eine Befriedung für lange Zeit.unmöglich machen.würden. Die Palästina-Verwaltung begnügt sich im ganzen und großen mit der Demonstration ihrer militärischen Macht, die allerdings den arabischen Terroristen nicht sehr imponiert hat. Sie geht bis zu einem bestimmten Punkt vor, um schließlich nachzugeben, d. h. die Anwendung der äußersten Mittel zu vermeiden. Denn England will — und das läßt sich aus verschiedenen politischen Maßnahmen schließen — die Extremisten ausschalten, um mit den gemäßigten Elementen zu einem Ausgleich zu kommen. Im Mittelpunkt der. englischen Politik steht, nach wie vor der Teüungsplan. Es handelt sich England darum, in einem Zeitpunkt, wo der arabische Nationalismus seinen Höhepunkt noch nicht erreicht hat, seine Absichten im Vorderen Orient durchzuführen. Eine Beschleunigung des Friedensschlusses zwischen sten entschlossene polizeüiche und militärische Schutzmacht muß versagen, wenn an leitenden Stellen der Regierung, welche von Juden „gesäubert" wurde, jetzt fast nur antizionistische Engländer und Araber sitzen, und wenn ebensolche Elemente Post, Telegraph und Telephon bedienen. Ein trauriges Exempel Aus Jerusalem: In Jerusalem erhält sich hartnäckig das Gerücht, daß der berüchtigte Rebellenführer Fauzi Bey el Kaukadyi sich in Palästina aufhalte und daß er die Terrorkampagne im Gebiet von Hebron und von Beer Scheba anführe. Er sei auch verantwortlich für den Ueberfall auf die Polizeistation in Daharia, wie überhaupt für das Wiederaufflackern des arabischen Terrors im Süddistrikt von Palästina. Anmerkung der Red.: Der Bandenführer und Oberbefehlshaber der Terroristen in Palästina ist seinerzeit von der unter General Dill stehenden englischen. ISruppQ umzingelt .worden und man erwartetet England und den Arabern — denn das sind trotz de» völkerrechtlich gerantierten Jüdischen Nationalheims die Hauptfaktoren auf dem Kampffeld Palästinas — erscheint den Leitern der britischen Politik um so wichtiger, als die proarabische Propaganda Italiens an den Rändern des Mittelmeeres zu einer Verschärfung der weltpolitischen Lage und zu einer Bedrohung englischer Interessen gerade an empfindlichen Stellen des britischen Imperiums geführt hat. Auch Deutschlands Assistenz bei dieser Bedrohung hat die Londoner Regierung zu raschen Maßnahmen gedrängt; zu Maßnahmen, die energisch, aber nicht provozierend sein sollen. Die Weltpresse reagiert auf die Lage. Die Baseler „Nationalzeitung" vom 29. Oktober charakterisiert die Lage in bezug auf die Erregungen in der arabischen Welt folgendermaßen: „In der Beurteilung der mannigfachen Unruhen, die im ganzen arabischen Gebiet an den Ufern des Mittelmeere9 aufflackern oder, alte Unruheherde wie Palästina nicht zur Ruhe kommen lassen, wird von der Presse Deutschlands und Italiens und der der Außenpolitik zustimmenden Presse anderer Länder die falsche Behauptung in die Welt gesetzt, daß es sich hiebei um eine nationale arabische Bewegung handle. Die Behauptung ist insofern falsch, als die nationale Bewegung vorgetäuscht wird und pan-« arabische Ziele verwendet werden, in Wirklichkeit aber eine Auswirkung der Achsenpolitik sich zeigt mit dem Zweck, EnglandundFrankreich imMitte 1meer Schwierigkeiten zu bereiten. Nicht umsonst hetzt der Sender von Bari die Araber auf, nicht umsonst hat Mussolini die italienische Besatzung in Libyen um das Doppelte verstärkt, um auf diese Weise sowohl in Aegypten als auch in Tunis eingreifen zu können, sobald die Zeit hiezu reif ist." Das einflußreiche englische Blatt „Manchester Guardian" brachte die Meldung, daß Ribbentrop bei seinem Besuch bei Mussolini diesem mitgeteilt habe, Deutschland sei mit der proarabischen Politik Italiens einverstanden. Diese Nachricht ist jedenfalls sehr wahrscheinlich, denn die proarabische oder wahrheitsgetreuer gesagt antienglische Politüs Italiens bei gleichzeitiger freundlicher Werbung Deutschlands um Kolonien bei England geht von dem Gedanken aus, daß England schließlich, um der Schwierigkeiten mit einem Schlag Herr zu werden, , sich mit dem Gedanken der kolonialen Abfindung Deutschlands befreunden wird. Es ist ein Druck auf England, der mit den .Mitteln bezahlter und' wohl auch fanatisierter arabischer Agenten und Emissäre ausgeübt wird, u. zw. von Palästina angefangen über Aegypten bis nach Tunis uiifl Marokko. v Damit ist die weltpolitische Bedeutung der arabischen Revolte in Palästina umschrieben. Und es ergibt sich auch klar, daß England schließlich zu einem Frieden in Palästina kommen muß. Je größer Englands Festigkeit ist, desto günstiger wird es gegenüber den revoltierenden arabischen Extremisten abschneiden. England wird in Palästina und im Vorderen Orient ein Arrangement treffen müssen und es ist natürlich, daß wir bei dieser Regelung unsere Forderungen stellen. Denn es wird der Augenblick der Liquidierung der Unruhen kommen, wenn man auch mit einer langen Dauer dieses Liquidierungsprozesses rechnen muß. Die Mittel, die die Palästina-Verwaltung bisher angewendet hat, darf man nicht gerade als scharf bezeichnen, insbesondere wenn man daran denkt, daß das EntkörnraendesMuftinicht verhindert wurde. Der Rücktritt des bisherigen Oberkommissärs Sir Artur Wauchope wird wahrscheinlich zu einer rascheren Pazifierung des Landes beitragen. Aber die zionistische Politik muß rechtzeitig dafür sorgen, daß nicht die Rechnung ohne die Juden oder gar auf Kosten der Juden gemacht werde. , Wir müssen beim Friedensschluß dabei sein, mit dem ganzen Gewicht unserer moralischen und substantiellen Stärke und mit dem ganzen Gewicht der Verpflichtungen des Völkerbundes und Englands uns seine Festnahme. Dann wurde seine unter normalen Umständen unmögliche Flucht berichtet. Die Palästina-Regierung hatte nämlich befohlen, den Mordbrenner laufen zu lassen. Er ging nach Syrien und dann in den Irak. Dieses Eingreifen der Palästina- Regierung zugunsten des Räuberhauptmannes büdete einen der Gründe der Demissiondes Generals Dill. Gegen die Preisgabe des Mandates Aus London: Der frühere Gouverneur von Jerusalem, Sir Ronald Storrs, widmet in einer Zuschrift an die „Time s" dem ermordeten Inspektor des hebräischen Schulwesens in Palästina Avinoam Y eil in,. Worte des Gedenkens. Er schreibt zum Schlüsse: „Abscheulichkeiten, wie die Ermordung Yellins, die Tötung Billigs und die heimtückische Erschießung zweier Krankenschwestern... Die Welt beginnt zu fragen, ob England um solcher Taten willen das von 52 Kulturnationen gebilligte Mandat opfern darf,"