Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 699 (3.11.1937)
- Date
- 1937-11-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WEL1 Nr. 699 vom b. November 1937 <£eLd&nxl& unxL Gesunde, bestätigen, daß die denkbar beste Wirkungerzielt wird durch Di an a Franzbranntwein. Anwendung». Aeußerlich zu Einreibungen, Um. schlagen, Abwaschungen; innerlich als Mund-und Qurgelwasser {ferner zu verschiedenen anderen Zwecken, Ein Versuch überzeugt, kaufen Sie 0 heute noch ana FRÄIfJfBRÄNNt;WEIN mitMENTHOl Erfolge erzielt, warum sollte Analoges nicht auch bei der Herstellung etwa von Bekleidungsstücken oder beim Handeln mit Heringen der Fall sein? Man kann sich leicht vorstellen, daß Leute, ohne mehrjährige Lehrzeit durchgemacht zu haben, besser mit Kleidern und Heringen zu handeln verstehen, daß sie wendiger und erfindungsreicher sind, bessere Einkaufsquellen ausfindig machen, ihr Geschäft rationeller führen usw. als solche, welche die Formalitäten des Befähigungsnachweises erfüllt haben. Der Befähigungssnachweis im Handel ist, wenn man denkt, daß die Engländer und Amerikaner auch ohne einen solchen ganz gute Kaufleute geworden sind, Uberhaupt eine mißliche Sache. In Oesterreich ging nun aber ein Antrag sogar so weit, zu fordern, daß jemand, um etwa mit Textilien zu handein, einen besonderen Befähigungsnachweis für diesen Handelszweig nachweisen müsse (mehrjährige Lehr- und Beschäftigungszeit sowie eine Prüfung). Von ländlichen Kaufleuten wiederum, die eine möglichste Freiheit darin in Anspruch nehmen, welche Waren sie führen dürfen und die den branchenmäßigen „Befähigungsnachweis" für sich absolut ablehnen, wird nun ein anderer „Befähigungsnachweis", den man den „lokale n" nennen könnte, mit um so größerer Leidenschaft verfochten, und zwar unter der Parole „Schutz dem bodenständigen Kaufman n". Es soll demzufolge womöglich nur der „Bodenständige" Handel treiben können.. . O P T i E R KAHL SEIDNER I, Franz-Josefs-Kai 33 ' II, Hollandstraße 7 Fachmännischer Rat / Reiche Auswahl / Beste Qualität / Preiswert Den Hausierer, das sogenannte „Wandergewerbe", hat mäh schon längst auf den Aussterbeetat gesetzt. In sehr vielen Gemeinden ist das Handeln im Umherziehen bereits verboten. Zugegeben, daß es bei dieser Art des Handels Unzukömmlichkeiten gegeben hat, aber der ehrliche und anständige Wanderhändler bedeutet besonders für die entlegenen Gehöfte einen, nach manchen Hinsichten wichtigen Faktor, den man schon aus sozialen Gründen nicht zu Tode schikanieren sollte. Ein anderer Einbruch in die eigene Domäne der ländlichen Kaufmannskreise wird in dem sogenannten „Versandgeschäft" erblickt, das bekanntlich darin besteht, daß der Händler Preislisten aussendet und der Interessent auf Grund dieser Listen Bestellungen auf Waren macht, die ihm auf dem Postweg zugesendet werden. Für das Land, wo viele Waren überhaupt nicht erhältlich oder in zu geringer Auswahl vorhanden sind, ist diese Warenversorgung auf Grund des Postversandes geradezu eine Kulturnotwendigkeit. LCHWftSEN MAL T'ÄGLICH FRISCH äW ALLEN FILIALEN Daß In Oesterreich das in der ganzen Welt einzig dastehende Unikum eines Verbotes des Schuhversandes besteht, mag man noch als einen „Krisenschutt" hinnehmen, der wohl früher oder später beseitigt wird, namentlich da die berufsständische Organisation schon so gefestigt sein dürfte, daß die so gerne vorgebrachten Einwände „preisruinösen Wettbewerbes" klargestellt und entsprechende Vorkehrungen getroffen werden können. Daß aber immer wieder versucht wird, neue Stacheldrähte um den „bodenständigen Kaufmann" aufzurichten, daß man jetzt schon immer häufiger Tafeln sieht, wie etwa „S t. - V e i t e r, kaufet nur in St. Veit.'", und daß man immer wieder gegen den Versandhandel Sturm läuft, ist komisch und bedenklich zugleich. Bei konsequenter Weiterentwicklung des Schlagwortes vom „Schutz der Bodenständigkeit" würde also das gewerbepolitische Abnormitätenkabinett mit einer immer größeren Zahl ganz abstruser Abnormitäten auszustatten sein. Es ist nicht auszudenken, wohin dieser Weg noch führen würde." Erhebende Kundgebung der Juden§faaf§zioni§ten QeAtnkMe* Ififr Lord Ballour Die vielen Hunderte, die Samstag, den 30. Oktöber, In den Festsaal des Hotels Continental gekommen waren, Um an der Geftdänkfeier fÜP Lord Attur Jämeä Balfour teilzunehmen, werden diesen Abend zweifellos lange Zeit im Gedächtnis behalten. Denn das Gedenken des Schöpfers der sogenannten „Bälfour-Deklftration" war mit einer großen zionistischen, jüdenstaatlerischen Forderung verknüpft: die Balfour-Deklaration wieder zur Basis der polltischen Arbeit zu machen. . In diese Forderung mündete die Gedenkrede Robert Strickers, der nach einleitenden Worten von Dr. J. Z. Kanner das Wesen uttd die historische Bedeutung der Balfour-Deklafatlon erläuterte. Robert Stricker hielt sich natürlich nicht an die obligate Terminologie der zionistischen Podiumsredner, die alljährlich, so oft der 2. November wiederkehrt, ihr Sprüchlein vom edlen und großzügigen englischen Staatsmann hersagen. Lord Balfours Verdienst um die Rückkehr des jüdischen Volkes in seine alte Heimat ist unbestritten, sein Name ins Buch der jüdischen Geschichte eingetragen. Zeitnahe und zeitgerecht War Strickers Darstellung der politischen Lage, wie sie sich aus der Entwicklung der zwanzig Jahre seit der Balföür-Deklärätiön ergab. it» neaiiiiiiiiiii aluuiug -wd II, Taborstra le 12 Telephon R>48-4-46 HUGO und JULIE HERLINGER geb. Zöllner Erstklassige renommierte Küche, große Auswahl Reichhaltige Menüs von 1.60 aufwärts. / Exakte Bedienung Täglich frische Fische ' Neu renovier^ ter Speisesaal / Angenehmer Aufenthalt Sehr eindringlich und plastisch schilderte Robert Stricker die Stimmung der beiden Kriegsgruppen bei Beginn des Weltkrieges, charakterisierte er die Umstände, unter welchen daa Werben um die Juden in der Welt-begann; wie das zaristische Rußland zunächst die „lieben Juden" für sich gewinnen wollte und schließlich im; Chaos der Niederlage das Judentum als Träger des Bolschewismus hingestellt wurde; wie Deutschland zögerte, sich durch eine, das jüdische Palästina betreffende Erklärung der Sympathien der Weltjudenheit zu vergewissern, bis schließlich England, in einem Zeitpunkt großer Bedrängnis, dem'jüdischen Volk die Rückkehr in seine nie vergessene Efeimat zu ermöglichen -versprach — durch das von, Lord Balfour gezeichnete 'Dokument, das am 2. November 19i7 von der Entente und den Vereinigten Staaten gutgeheißen und als „Bälfour-Deklaration" das Instrument des Zionismus Wirklichkeit wurde. Nun hatte das jüdische Volk das, was Theodor Herzl in der kurzen Zeit seines Wirkens'seitens der Türkei angestrebt hatte, seinen Charter; die rechtliche Sicherung des ganzen Aufbauwerkes, d. i. der Einwanderung und des Bodenkaufes; einen Vertrag, ein Abkommen, Das jüdische Volk war Vertragspartner des mächtigsten Imperiums geworden. Es ist schmerzlich, sagen zu müssen, daß sich die zionistische Leitung den allerdings schwierigen Situationen, welche während derv> letzten Äwaittig Jahre entständen, nicht gewachsen zeigte. , Slft gÄb sieh der Illusion hin, daß ein rasches Tempo Wirtschaftlicher Entwicklung genüge, um vorwärts zu kommen; daß man mit der Errichtung von Kolonien, mit der Schaffung ökonomischer Positionen das politisch Notwendige erreichen werde. Als das Zeitalter der Macht hereinbrach, huldigte sie diesem in ihrer Weise: Da; Macht in physischem Sinne nicht vorhanden war, glaubte sie, die Gegner des Zionismus und die lässigen. Vollstrecker des Mandatswillens vor eine vollendete Tatsache stellen zu können: die Machthaber der Zionistischen Organisation wollten die uns feindliche Welt „Überlisten.". Dieser Versuch ist bekanntlich gescheitert. Ein großzügiger Aufbau ohne politische Sicherung, sozusagen hinter dem Rücken der Welt, erwies sich als unmöglich. Man mußte mit seiner Absicht herausrücken, mit dem, zionistischen Endziel . . . Die Bagatellisierung der Balfour- Deklaration als eines Schriftstückes, dessen man zur Besiedlung eines Landes nleht bedürfe, stellte sich als tragischer Irrtum heraus, und der von der Mandatsregierung vorgeschlagene Teilungsplan gehört mit zu den Erscheinungen, welche wir der Vernachlässigung der politisch-vertraglichen Seite des zionistischen Aufbaues zu verdanken haben. Die jüdenstaatlerischen Zionisten, so schloß Robert Stricker seine Ausführungen, werden im Sinne Theodor Herzig ihre politische Arbeit fortsetzen, im Gedenken des Mannes, der das erste jüdisch-englische Vertragsinstrument, die Balfour-Deklaration, geschaffen hat. •+ Im Rahmen des Festabends las Jehuda Ehrenkranz zwei „Botschaften aus dem Heiligen Land", und zwar ein Kapitel aus dem Propheten J e s a j a und ein Gedicht von der Jugend Erez Israels aus der Feder des neuhebräischen Dichters David Schimonowitsch. . ' * Der überfüllte Festsaal bot ein erhebendes Bild des jüdenstaatlerischen Zionismus Wiens. Die zahlreichen Gäste aus verschiedenen zionistischen Lagern gaben, ebenso wie die engeren Anhänger ihrer Zustimmung-stürmischen Ausdruck. BANKGESCHÄFT Dr. ÖFFENBERGER Wien I, Freyung 1 Telephon: U - 27 - 2 - 11, U 28-2-55 P u rc hliihrung sämtlicher Bank* und Bör setr a nsaktio nen Politische Korrespondenz der Weitleifund der ludenslaatspattei Tel-Aviv, Ende Oktober. Das Wiederaufleben des arabischen Terrors, in dessen Zeichen das Land jetzt steht, ist für uns leider keine Ueberraschung. Es ist die logische Konsequenz . der englischen Politik gegenüber den arabischen terroristischen Organisationen. Die Forderung nach radikaler Demobilisierung der arabischen Terrorbanden ist nicht erfüllt worden. Die Araber sagten sich vom Kriegszustand nicht los und, obwohl die Hauptanführer und Organisatoren sich nicht im Lande befinden, wurde ein entsprechender Ersatz gefunden und mit Hilfe des Auslandes werden die Terroraktionen fortgesetzt. Es kann nicht geleugnet werden,, daß im Laufe der letzten Wochen seitens der Londoner Regierung Orders an die Palästinensische Administration gegeben wurden, die man als den Beginn einer energischen Tätigkeit der Administration gegen die arabischen Führer bezeichnen könnte. Jedoch würde es Unsererseits ein Fehler sein, daran zu glauben, daß dieser Beginn bereits ein stabiles System bedeute und hauptsächlich, daß er mit einer wohlwollenden Wendung Englands zu uns gleichgestellt werden könnte. Die letzten Terroraktionen haben gezeigt, daß heute nicht immer Grund zur Behauptung, daß wenn England wollte, es die bestehenden Zustände rasch ändern könnte, vorliegt. Es ereignen sich viele Fälle, in denen die Administration daran interessiert ist, die Schuldigen zu fassen. Jedoch liegt das nicht immer im Bereich der Möglichkeit. Darum bleibt unsere alte Forderung in Kraft: Nicht zufällige, fallweise Aenderungen im Administrationsapparat ist nötig, sondern die Durchführung einer radikalen Säuberung in der Palästinensischen Administration. Es besteht jetzt im Lande faktisch die Lage, daß ein illoyaler Polizeioffizier furchtbaren Schaden anrichten kann... Die Suspendierung des Mufti von seiner Machtstellung hat gewiß eine große politische Bedeutung. Erstens wurde eine wichtige Machtposition der Araber liquidiert, zweitens hat es sich herausgestellt, daß diesem, man möchte sagen revolutionären Schritt keine stürmische Reaktion seitens der arabischen Bewegung gefolgt ist. Nur die engsten Anhänger des Mufti haben Anstalten zu einer Revolte gemacht. Seine Gegner im Moslemischen Rat haben die Tatsache seiner Enthebung dazu benützt, um ihren Kampf gegen die Muftipartei energischer zu gestalten. Nashashibi und seine Freunde setzen ihre energische Tätigkeit in der Richtung fort, um den Fall des Mufti für ihre Interessen auszubeuten, doch merkt man nicht viel von dieser Tätigkeit, da sie aus Angst vor F A H R R F A B R A O- I K KINDERWAGEN» FABRIK von S 35.— Kinderwagen verkauf: VII, Neubaugasse 21 / XVII, Kulmgasae 34 X, LaxanburgerstraBe 02 XX, JägerstraBe 41 Fahrradfabrik: VII, Burggasse 110 Bequeme Teilzahlung! Kutaloge gratis) dem Terror geheim bleibt. Doch hat die Regierung auch in dem Fall des Mufti nicht die nötige Konsequenz gezeigt. Anstatt ihn als Geisel zu behalten und ihm die Möglichkeit abzuschneiden, in ein anderes Land auszuwandern und dort die Rolle eines arabischen Führers zu spielen, hat die palästinensische Regierung ihn so bewachen lassen, daß der die Möglichkeit hatte, zu entfliehen. Diese Tatsache verschärft in gewisser Weise unsere Lage, wenn man die Situation in den benachbarten arabischen Ländern in Betracht zieht. * Die Warnung der „Time s" bezüglich der arabischen Hetze in Syrien ist durchaus nicht als rein journalistische Ausführung zu bewerten. Syrien ist jetzt unsere Hauptsorge. Dort befindet sich jetzt die Hauptzentraie der arabisch-politischen Aktion. Dort ist auch der Hauptsitz vieler arabischer Führer. Die ganze syrische Presse wimmelt von Informationen über und Artikeln gegen den Zionismus. In Dawaskufl befindet sich die arabische Zentrale lüc