Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 699 (3.11.1937)
- Date
- 1937-11-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 20 Groschen Mittwodts den ^November 1937 14« Jahrgang Nr« 699 V* b« b. Zeitung vom Verlege» versendet „Journal expedie paar r&Uteui" Xitl. Universttätsbibliotbek Wien, I. REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN J Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig ö 16.—; Polen monatUch Zloty L60. vierteljährig Zloty 4.50; TsehechoBlowakei monatlich Kc 6.—. vierteljährig Kc 18.—; Jngroslawien monatlich Dinar l*.—. ™rtel« jährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 60.—. vierteljährig Lei 150.-; Deutschland monatlich Mark L-, vterteljäl»r!|f Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.—a Schweix und die übrigen Länder monatlich; Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion U.Verwaltung: IX,Universitätsstr.8,7el.A-20-2'78 - Erscheint Dienstag u.Freitag Adi§e Berlin—Moskau In den Lärm, der rings um die Flucht des Mufti von Jerusalem entstanden ist, fallen nun auch kommunistische Stimmen. Wie Palcor mitteilt, hat die Kommunistische Partei Palästinas, eine fast rein arabische Partei, ein Manifest in arabischer Sprache veröffentlicht, worin gegen die Begrenzung der religiösen Freiheit der Mohammedaner und gegen die Uebernahme der Wakfs durch die Regierung prote stiert wird. Die Erklärung fordert die Wiedereinsetzung des Mufti in seine Aemter und die Rückkehr der verbannten Araberführers. Zum Schluß wird dte mohammedanische Geistlichkeit aufgefordert,<sich den Anordnungen der Palästina-Regierung nicht zu fügen. Seit einigen Jahren wird Palästina mit reichsdeutschem nationalsozialistischem Material überschwemmt. Hitler-Bilder, gestanzte Hakenkreuze, „Mein Kampf" sind überall zu sehen. Das Dritte Reich hat es sich, wie so oft von Berlin aus erzählt wird, zur Aufgabe gemacht, den Weltbolschewismus, den „j ü d isehen" Weltbolschewismus, zu bekämpfen. Nun meldet sich Moskau zu Wort. Stalins Emissäre sind in Palästina tätig, lehren den Fellachen Bomben werfen — wiederum gegen den „jüdischen Weltfeind", nicht den bolschewikischen, sondern den „ausbeuterisch-kapitalistischen", den zionistischen. . In der Feindschaft-gegen-das. lebendige .schöpferische ' Judentum' begegnen einander die-Hitleristen und Stalinisten auf dem Boden des Heiligen Landes. Der Haß gegen die nationale Würde und Wiedergeburt des jüdischen Volkes ist bei jedem ^beider Regime so . stark, daß sie, willens oder nicht, im Judenpunkt Bundesgenossen werden. Daß sie, die beiden proletarischen Weltanschäuungen, die nationalsozialistische Arbeiterpartei und die Sowjets, sich hiebei der reaktionärchauvinistischen Effendis bedienen, sie mit Geld, Bomben, Gewehr und Propagandaschriften versorgen, erhöht nur die Pikanterie dieser Tatsache. Und daß sie um das Wohl des Mufti von Jerusalem besorgt sind und diesen berüchtigten Hetzer und Pogromanstifter wieder in Glanz und Ehren sehen wollen, den Mann, der hunderte Morde an jüdischen Arbeitern und fanatisierten Fellachen am Gewissen hat, hebt den Fall über seine lokale Bedeutung hinaus. Es gibt also nicht nur eine Achse Berlin—Rom, sondern auch eine Berlin—Moskau. * Aus Jerusalem wird gemeldet: Zu der Verhaftung Chamdi cl Husseinis, eines Mitgliedes der Familie des Mufti, wird mitgeteilt, daß er ein Führer der arabischen Kommunisten ist, den die Polizei seit langem gesucht hat. Chamdi el Hussein! hat zwei Jahre lang in Moskau an dem Institut für Propaganda unter den asiatischen Völkern studiert. (J. T. A.) Weihnachten, Carneval (Biumenschiacht) Monte Carlo - Nizza - Cannes Sonne, Meer, Blumen! Das Eldorado Europas! Villen: 3 Zimmer. Küche, Badezimmer, Mietzins S 600.— jährlich Wohnungen: 2 bla 3 Zimmer, Küche, Badezimmer, Mietzins S 55.— monatlich Hotel -Pensionate: von S 5.5Ü täglich aufw. Zimmer samt Verpflegung u. Bedienung Hotel „Negresco", Nizza Zimmer mit Bad und Verpf legung usw. S 28.— täglich Alle 14 Tage Rlviera - Fahrten mit D-Zug: 8 Tage, alles inbegriffen . . . S 125.— 15 Tage, alles inbegriffen. . . S 185.— 15tägige Luxusfahrten an die Rlviera mit Besichtigung von Venedig, Mailand und Genua s 250.— u. 295.- NUtzen Sie dioso günstige Gelegenheit - Infolge d. billigen Franc-Kurses - aus I Auskünfte erteilt kostenlos: FrariCOpol" " Wien III, Schwarzenbergplatz 7 Bureau de Voyages „Francopol" Kliks Tours Nizza, 6, Jardin Albert». _ , . TT „. . nn Telephon 871-02,870-65 Telephon U-16-4-90 Wauchope verläßt Palästina Aus London: In der Sitzung des Unterhauses am Donnerstag, 28. Oktober, abends, gab der Minister für die Kolonien, Ormsby-Gore, bekannt, daß der jetzige High Commissioner für Palästina» General Sir Arthur Wauchope, Anfang 1938 zurücktreten werde. Der Minister erklärte: „Seit Sir Arthur Wauchope Anfang September nach England kam, um hier seinen Urlaub zu verbringen, wurde er durch eine Erkrankung gezwungen, sich zwecks Behandlung in eine Klinik zu begeben. Sein Gesundheitszustand bessert sich. Er hat mir jedoch mitgeteilt, daß sein Zustand es ihm nicht gestatten wird, seine zweite Amtsperiode als High Commissioner voll zu absolvieren, und hat aus diesem Grunde um seine Amtsenthebung Anfang des kommenden Jahres angesucht. Ich benütze diese Gelegenheit, um den tiefen Dank der Regierung, an Sir Arthur Wauchope für seine langjährigen und hervorragenden Verdienste um den Staat zum Ausdruck zu bringen. Ich bin überzeugt, daß das Parlament ihm in seinem vorzeitigenRücktritt von einem Amt, das er mhV Eifer und Hingabe unter schwersten Bedingungen sechs Jahre lang ausgeübt hat, tiefe Teilnahme entgegenbringt." Sir Arthur Wauchope ist nach Sir Herbert1 Samuel, Lord Plumer und Sir John Chance 110 r der vierte britische High Commissioner 5_fii 99 Bodenständig Das Wort „bodenständig" ist ein Ersatz für „antisemitisch" geworden. Wenn man nicht gerade heraussagen will, daß man gegen die Juden ist, erklärt man, man sei für die Bodenständigen. Um die Juden auszuschalten, produziert man insbesondere auf dem Gebiete des Gewerbes und Handels eine Fülle von Gesetzen und Verordnungen zum „Schutz der Bodenständigkeit". Um jedes Gewerbe, in welchem Juden in merklicher Zahl vertreten sind, wird eine Mauer von Beschränkungen, Befähigungsnachweisen, Zunft- Sensationelles Riesen-Programm im KREUZ-KINO 1) Die Jagd nach dem Tod Kriminalschlager mit Lewis Stone und Barbara Read 2) Aus der Werkstätte der „G"-Men Originalaufnahmen von der Verhaftung Dillingers, Karpis etc. wmmmmmmm % S«nSatloniHlm« dar Universal mmmmmmmmmmm^ bestimmungen usw. errichtet. Berufszweige und Unternehmungen (Hausierhandel, Ratengeschäft, Waren- und Versandhäuser), welche zu einem beträchtlichen Teile in jüdischen Händen sind, trachtet man wegen „nichtbodenständigen" Charakters völlig auszurotten. Das Ziel, die Juden zu schädigen, hat man wohl hierdurch erreicht, aber man ist zwangsläufig viel weiter geraten und hat die ganze Wirtschaft schwer getroffen. Schon regt es sich in zur Vernunft gekommenen nichtjüdischen Kreisen und man protestiert gegen die eingerissene zünftlerische und bodenständige Manie. Der „Sturm über Oesterr e i c h", der seinerzeit von den unter Führung des Bundeskanzlers Schuschnigg stehenden ostmärkischen Sturmscharen gegründet wurde, schreibt unter dem Titel „D a s gewerbepolitische Abnormitätenkabin e 11" über zünftlerische und bodenständlerische Maßnahmen wie folgt: „So wie Revolutionen einen „Revolutionssohutt" hinterlassen, der bei Eintritt normaler Zeiten beseitigt werden muß, hat auch die Wirtschaftskrise einen „K r i» e n s e b u 11" aufgehäuft, an dessen Wegschfttfung seit Uebernahme des Völkerbundmandates über Palästina durch England. Vor kurzem erst hatte das Londoner Colonial Office die Pressemeldung über den bevorstehenden Rücktritt Sir Arthur Wauchopes und die Berufung Sir Philip Chetwodes dementiert. Nun werden in gut informierten Londoner Kreisen als Nachfolger auf dem Posten eines High Commissioner für Palästina. Fe.ldm arschall Sir Philip Ch et wo de, dessen besondere Kenntnis, der .palästinensischen Verhältnisse in London sehr geschätzt wird; und der ehemalige Gouverneur von Bengalen, Sir John Anderson, geriänht. nun gedacht werden sollte, und der sehr lobenswerte Plan der Regierung, aus dem Flickwerk der heutigen gewerberechtlichen Regelungen ein einheitliches, übersichtliches Ganzes zu schaffen, sollte zum Anlaß genommen werden, auch mit diesem Krisenschutt aufzuräumen. Statt dessen zeigt sich aber vielfach das Gegenteil, nämlich das Bestreben, auf dem Wege des gegenseitigen Zertrampeins „weiterzuschreiten". Aus Anlaß der Novellierung der Gewerbeordnung bemühen sich die Händler um eine Milderung dieser Bestimmungen, sie weisen unter anderem auch darauf hin, daß ja die erzeugenden und reparierenden Gewerbe sich selbst schädigen, wenn sie vereiteln, daß der Handel für sie Aufträge entgegennimmt — doch sie stoßen auf ein starres „Nein". Die Gegenseite stützt sich auf ihr „Recht", das sie sich „nicht nehmen läßt" — das Prinzip, den Ausgang ins Freie zu verrammeln und den anderen zu zertrampeln, triumphiert. „Der branchenmäßige Befähigungsnachweis" und „der bodenständige Kaufmann" Es wäre ein Irrtum, zu meinen, daß ähnliche Einstellungen nicht auch bei Kaufleuten zu finden sind. Da ist zum Beispiel allen Ernstes der „branchenmäßige Befähigungsnachweis" gefordert worden. Der „Befähigungsnachweis" ist ja bekanntlich weit weniger ein Nachweis darüber, daß jemand imstande ist, etwas gut zu erzeugen oder mit einer Sache gut zu handeln, als eines der Hindernisse, die aufgerichtet werden, ura den Antritt eines Gewerbes zu erschweren. Wenn es schon in der Kunst der Zahnbehandlung, des Elnrenkens von gebrochenen Beinen und des Kurierens mancher Krankheiten vorkommen kann, daß einer, ohne das medizinische Doktorat erworben zu haben, infolge seiner Begabung oder seines speziellen Befassens günstige Sfwacer- T A C Y "• "*djfi s&t^-OEOHOE c=ä§ FraMdiot T Q_N E ==Hil KINO TXdtßS ED E|l OT51th.-IA<W-o AüI vniwutAiiF ABiaUNUNTER»