Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 698 (29.10.1937)
- Date
- 1937-10-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2711613-2712245-2712323--6802-2720602- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 698 vom 29. Oktober 1937 DIE NEUE WELT Seite B Wem wurde Palästina versprochen! Professor Cvrll Asquith erklärt: Den Juden I Die Gegner des Zionismus Im arabischen und englischen Lager behaupten hartnäckig, daß England Im Weltkrieg durch seinen diplomatischen Unterhändler 81f Mac Mahon, den arabischen Führern, um sie für die Westmächte zu gewinnen, die Errichtung eines arabischen Staates mit Einschluß Palästinas versprochen habe. Die Balfour-Deklaration, welche Palästina den Juden zuspricht, bedeute daher den Bruch einer vorherigen Zusage. Diese Behauptung ist jetzt wieder aktuell geworden. Sie wird als eines der Argumente für die vom Kolonialminister Ormsby-Gore und seinen antizionistischen Beratern in der Palästina-Regierung vorgeschlagene Teilung Palästinas und Üebergabe von vier Fünfteln des lindes an die Araber benützt. Nun hat sich der bekannte englische Professor für Staatsrecht, Sir Cyrll Asquith, in einem an die „Times" gerichteten Brief zu dieser Frage wie folgt geäußert: „Nach dem aufschlußreichen Briefwechsel, den Sie betreffs der Garantien veröffentlichten, die den Arabern und Juden bezüglich Palästinas von der englischen Regierung gegeben wurden, ist es erstaunlich, daß überhaupt noch eine Diskussion über die Beschaffenheit dieser Garantien und über das Ausmaß dieses Konflikts besteht. Da diese Angelegenheit anscheinend noch keine „res judicata" ist, werden Sie mir gestatten, hiezu folgende Ueberlegungen zu unterbreiten : A) Die Garantien an die Araber: Versprach Sir Henry MacMahon im Oktober 1915 den Arabern Palästina oder versprach er es nicht? Ohne einigen ihrer Berichterstatter nahetreten zü wollen, muß ich sagen, daß er es ihnen ganz sicher nicht versprach. Sir Henry MacMahon (wer könnte es besser wissen?) sagt, daß er es nicht tat und daß man auch nicht annahm, er habe es versprochen. Mr. Qrmsby-Gore (heute eine politisch aktive und informierte Persönlichkeit) sagt dasselbe. Wenn wir den Brief vom 24. Oktober 1915 betrachten, der diese Garantien bekräftigen soll und auf den wir von Zweiflern verwiesen wurden, so ist die Antwort Wieder negativ. In diesem scharf formulierten Brief versprach Sir Henry MacMahon dem Sheriff von Mekka einen unabhängigen arabischen Staat. Aber er machte zwei Einschränkungen. Die erste, die von diesem Staat ein Gebiet westlich einer bestimmten Linie zurückbehielt, kann verschieden gedeutet werden. (Es ist nicht leicht zu entscheiden, ob Cornwall westlich einer Linie liegt, die Aberdeen, York und Grantham verbindet.) Die zweite ist ganz eindeutig : Es schloßt jedes Gebiet aus, auf das Frankreich seinerzeit Rechtsansprüche erhob. Es war bekannt, daß Frankreich: seit März 1915 Ansprüche bezüglich Palästinas stellte; und ich sehe keinen Grund zu zweifeln (wie Sir Henry MacMahon und auch .andere ausdrücklich sagen), daß diese .Tatsache dem Scherif Hussein ebensogut bekannt war wie jedem andern. B) Die Garantien an die Juden: Die Königl. Kommission, deren erklärende Berichtskapitel mit Recht bewundert wurden, machte es klar, daß die Balfour-Deklaration von 1917 folgendes beinhaltet: 1. Geographisch: „Palästina", worunter man auch Transjordanien versteht. (Transjordanien ist das Gebiet westlich vom Jordan und zweimal so groß wie das eigentliche Palästina. 2. Politisch: Die künftige Errichtung eines Judenstaates innerhalb dieses Gebietes. Das war die Konstruktion, die auf der Deklaration von Mr. Lloyd George, dem ehemaligen Ministerpräsidenten, beruhte; ferner von Lord Cecil und General Smuts, von Mr. Herbert Samuel (jetzt Viscount)'im Jahre 1919, von, Mr. Winston Churchill im Jahre 1920 und vom Präsidenten Wilson und der amerikanischen Nation, deren Mithilfe man sich sichern wollte, zumal gerade im schlimmsten Augenblick des Krieges die Garantien im weitesteh Ausmaß gegeben wurden. Der Bericht der Königl. Kommission weist auf diese Zusicherungen hin. Zu welchem Punkt also standen die Garantien im Widerspruch? Es scheint mir, nur zu Transjordanien. Transjordahien wurde den Arabern als Teil ihres unabhängigen Staates versprochen; aber auch den Juden als Teil des Gebietes, in dem sie ihren Staat bilden konnten. Kein anderer Landstrich wurde seitens beider Garantien beansprucht. Es gab aber gar keinen besonderen Konflikt wegen Transjordaniens, des momentanen Streitobjekts. Auf jeden Fall sollte das ganze Gebiet an die Juden fallen, wenn sie nur in genügender Zahl einwanderten. Ob sie es nun taten oder nicht, mußte ihnen und keinem andern überlassen bleiben. (Lloyd Georges Aeußerung, Bericht der Königl. Kommission, S. 24.) Wenn nun unhaltbare Versprechen am A und B gegeben wurden, so ist es für den, der! sie gab, die einzig ehrenhafte Lösung, die Ansprüche von A und B in einem annehmbaren Verhältnis zu regeln. Es ist ungerecht, alles an A und nichts, aber auch gar nichts an B zu geben. Das ist aber der Fall, wenn man den Vorschlägen der Königl. Kommission, wie sie sind, stattgibt. Wenn das der Fall ist, bekommen die Araber mehr als hundert Prozent und die Juden nicht einmal 10 Prozent dessen, was ihnen versprochen wurde. Denn: A: Die Araber haben oder werden, von den Türken befreit, das ganze Land bekommen, das früher von den Türken eingenommen und regiert wurde; vermindert nur um einen Landstrich, der ein Drittel Transjordaniens beträgt; dieser Teil beträgt ein Zweihunderstel des ganzen Landes und würde ihnen genau so wenig versprochen wie „Palästina", von dem es einen Teil bildet. B: Von dem Land, das ihnen für ihre nationale Heimstätte geboten würde, werden die Juden weniger als ein Zehntel erhalten, ein Stückchen Land, ungefähr in der Größe der Grafschaft Kent, und ein anderes, das jetzt bereits von 200.000 Arabern bewohnt wird. Tatsächlich kann keinerlei Ausrede, daß eine andere praktische Möglichkeit nicht vorhanden sei, dem Gewissen Englands und dem der Mandatskommission, einen so schäbigen Vorschlag erklären. Wenn die Argumente nur an das Mitleid appellierten, müßte man « QSetforette Sttgenb QSm jnljnfofer flttunb tottlt alt. ©ic lönnen $ljte ßäfine Bis in* f)ol)t Sitter gefimb erhalten buräy regelmäßige Sßflege mit (E^locobont. G^forobont»3fl!)n))a[te fäu&ert bic fttyne burd) intertfibe fReintgungSftaft öon allen ©betfeieften unb Batterien unb forgt \o, bic 3cu)ne nidjt nur geftmb, fonbern aud) blenbenb toeijj au erhalten. Suöe (fdjäumenb ober nidjt* fdjäumenb) S —*90. Sllfo immer barem beulen: Morgens als Erstes, abends ote Letztes ra^Hioirödlöiit Z,a h n p a s t; e um des wunderbaren Erfolgs der jüdischen Kolonisation willen bitten; daß der Widerstand dem arabischen Terror gegenüber fest sei, obwohl sich die^ Araber an der Einwanderung eingestandenermaßen ziemlich bereichert haben; und -nicht zuletzt wegen der;,furchtbaren Not der Juden. Aber mein Appell geht nicht um Gnade, sondern um Gerechtigkeit." Cyril Asquith, Little Hallands, Bishopstone, Sussex, Aug. 19. Wie man sadi die Teilung vorstellt Aus London wird uns berichtet: Der größte Teil der englischen Presse sieht bereits die Widersinnigkeit des Planes, Palästina zu teüen, ein und verhält sich ausweichend oder ablehnend. Es gibt aber auch Zeitungen, die am Plan festhalten. So wird in einem unter der Ueberschrift „Gewalt in Palästina" im „Econoraist" erschienenen Artikel erklärt, die einzige Hoffnung, auf einen glücklichen Ausgang der Entwicklung in Palästina liege in konsequenter Durchführung der Pläne, die England in Händen hat. Bisher habe England versucht, sich die Mitwirkung der Juden und Araber bei der Teilung zu sichern. Sollte aber ein Uebereinkommen unmöglich sein, dann müsse England die Abgrenzung der geplanten drei Gebiete selbst vornehmen. In dem übrigbleibenden Mandatsgebiet müsse ein neues Mandatsregime eingesetzt werden, während man sich bereithalten müsse, die Regierungsgewalt in den für den jüdischen und den arabischen Staat vorgesehenen Gebieten denjenigen nationalen Behörden zu übergeben, die sich als fähig erweisen, eine nationale Regierung einzusetzen und aufrechtzuerhalten. In dem Artikel wird weiter darauf hingewiesen, daß es nicht schwer sein dürfte, verantwortliche jüdischeFührer zu finden, die geeignet sind, Regierungsfunktionen auf allen Gebieten auszuüben. Nur für die LandesVerteidigung dürften solche Persönlichkeiten nicht vorhanden sein; diese müsse, ehe eine freundschaftliche Regelung mit dem arabischen Staat nicht zustande kommt, in bri,tischen Händen bleiben. Wenn der Mufti auf seinem intransigenten Standpunkt beharren werde, dann sollen Vertreter der unabhängigen arabischen Staaten, Saudi-Arabiens, Aegyptens, des Irak und Transjordaniens eingeladen werden, als Vertreter der arabischen Nation bei der Einsetzung einer Regierung in dem arabischen Staate mitzuwirken. 'Für ein streng orthodox-koscheres, besteingeführtes RESTAURANT in einem weltbekannten Kurort Oesterreichs PÄCHTER GESUCHT. Zuschriften unter Chiffre „Saison" an die Admd. Bl. AUeSdMutUec für Volksa<hul«n, Haupt«chui«n, Nittelschulen und and, Lehranstalten in den richtigen Auflagen, auch antiquarisch, solche tu allerniedrlgsten Preisen liefert Aniiguacicd Hum. IauUm*. II, Ecke TaboratfaB« 52 / Telephon R-41-4-20 Ankauf, TaUSCh zu günstigen Bedingungen Der neue Pol.zeidief Palästinas Aus London: In seiner Rede im Unterhaus am 21. Oktober hat Kolonialminister Ormsby-Gore angekündigt, daß der frühere leitende Beamte der Polizei in Indien, Sir Charles Tegart, sich nach Palästina begeben wird, um die Palästina-Regierung bei der Reorganisation der Polizei mit seinem Rat zu unterstützen. Sir Charles Tegart ist sechsundfünfzig Jahre alt und hat dreißig Jahr lang im Dienste der indischen Polizei gestanden. Im Laufe dieser Zeit sind zahlreicheAnschlägeaufihn verübt worden und die Terroristen Kalkuttas haben ihn als ihren gefährlichsten Gegner bezeichnet. Als er 1931 Kalkutta verließ, wo er Chef der bengalischen Polizei gewesen war, nahm man an, er werde Nachfolger des Leiters von Scotland Yard, Lord Byng, werden. Zur allgemeinen Ueberraschung wurde er, als das erste Mitglied der britischen Kalkutta-Polizei, in den indischen Staatsrat aufgenommen. Dieser Posten ist im allgemeinen den höchsten Beamten der englischen Zivilverwaltung in Indien vorbehalten, und Sir Charles' Ernennung zeigte, daß man ihn für mehr als einen bloßen Sachverständigen in Polizeiangelegenheiten hielt. Mitglieder des indischen Staatsrats befassen sich mit allen Angelegenheiten des Staates. Im Dezmeber vorigen Jahres lief Sir Charles' Amtszeit ab. Seit zehn Monaten lebte er im Ruhestand. Esne schändliche Attmwe Unter diesem Titel haben wir am 22. d.'M. in unserem Blatte über den Fall des Oderberger Rabbiners Dr. Blan, welcher auf Grund von Denunziation seitens gewissenloser jüdischer Kreise, verhaftet und des Hochverrates angeklagt wurde, berichtet. Herr Rabbiner Dr. Blan ersucht um Richtigstellung einiger im Artikel enthaltenen ungenauen Angaben, obzwar sie am Tatsächlichen nichts ändern. Im Artikel heißt es, daß Dr. Blan „während des Sabbathgottesdienstes" verhaftet wurde. Herr Dr. Blan schreibt uns jetzt: „Tatsache ist: Am 29. Mai d. J. erschienen während des Gottesdienstes (Sabbath-Mussaf-Gebet) zwei Agenten der Ostrauer politischen Polizei, postierten sich in der letzten Bank, ohne jedoch' den Gottesdienst zu stören. Nach Beendigung des Gottesdienstes, als ich die Synagoge verließ und mich in meine, wenige Schritte entfernte, iWohnung begab, wurde ich verhaftet, trotz meines Sträubens, mit Gewalt in das vergitterte Auto der politischen Polizei geschleppt und nach Ostrau gebracht und ins Gefängnis geworfen." Ferner stellt Herr Dr. Blan fest, daß der im Artikel erwähnte Herr Dr. Geza Pleß, welcher uns einen Teil des Materials zur Verfügung stellte, nicht aus Oderberg stammt. Es handelt sich vielmehr um den als Orientkorrespondenten tätigen Dr. Geza Pleß, welcher anläßlich seines Aufenthaltes in Ostrau den aufsehenerregenden Fall studierte und das Material für die von ihm bedienten Blätter sammelte. Die im Artikel erwähnte Zeitung „Lidove Noviny" erscheint nicht in Prag, sondern in Brünn. Der als Artikelschreiber im „Rozoj" genannte Herr Dr. L e d e r e r ist nicht, wie uns Herr Dr. Blan irrtümlich mitteilte, hoher Beamter im Kultusministerium im Ruhestand, aber bis zum heutigen Tage als Fachkonsulent für jüdische Angelegenheiten im Kultusministerium tätig. Wintevhilfsaktion der Israeliftisdien Kulftusgemeinde Der Vorstand der Israel. Kultusgemeinde Wien versendet an alle Mitglieder der Gemeinde Aufrufe wegen Leistung eines 20prozentigen freiwilligen Zuschlages zur Kultussteuer. Dieser Zuschlag ist erforderlich, um die Armen mit Nahrungsmitteln, Kleidern und Schuhen zu versorgen und überall dort helfend einzugreifen, wo die Not groß Ist. Ueberdles muß die Kultusgemeinde ihre Fürsorgetätigkeit, welche sich auf Kinder und Jugendliche, Kranke und Alto er-, streckt, fortsetzen, ihre HUfe den deutschen Emigrauten angedeihen lassen und Maßnahmen treffen, um das rund 7 Millionen Schilling betragende Budget im Gleichgewichte zu halten. Auf die Opferfreudigkeit und das Verantwortungsgefühl der Wiener Judenschaft bauend, will der Kultusvorstand heuer keinen Zwangszuschlag zur Vorschreibung bringen und wendet sich an alle Gemeindemitglieder mit dem dringenden Appell, den freiwilligen Zuschlag in der Mindesthöhe von 20 Prozent der Kultus- Steuer zu leisten, Niemand darf sich ausschließen, der nicht selbst in bittere Not geraten ist! Nicht Almosen, sondern Opfer erfordert die schwere Ze^l Es wird der Erwartung Ausdruck gegeben, daß alle Mitglieder der Israel. Kultusgemeinde Wien dem Aufrufe Folge leisten und den Betrag ohne Verzug einzahlen werden. ...