Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 698 (29.10.1937)
- Date
- 1937-10-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 698 vom 29. Oktober 1937 DIE NEUE WELT Seite 3 %k<^TAACY äfoa^OEOfeOE FmxcAotf ONE v ^-s ^^A^ w frte* 4gäS^ (9^' fCHWE DEN<»o _* IX6I/5S E3 (Ml (SÖJtelEMä^VORVERKAUF AftlCfUNUNTEMI* Wodteusfikfet Das ist die Palästina»Verwaltung I ,J)er Distriktskommissär hat die jüdischen Siedler in der Scharon-Ebene aufmerksam gemacht, daß er sie für jeden Sabotageakt, der sich im Umkreis ihrer Kolonie ereignen würde,' verantwortlich macht. Die Kolonisten lehnen entschieden die Verdächtigung ab, daß sie an den in den letzten Tagen verübten Sabotageakten auch nur im entferntesten beteiligt gewesen sind." J.-T.-A.-Meldung aus Jerusalem. 10 Prozent für Palästina ,Jtabbiner Jonah Wise, der Vorsitzende des Joint Distribution Committee in New York, hat an die verschiedenen Gemeinden Briefe geschrieben, in denen er hervorhebt, daß die Einwanderung nach Palästina auf rasiert besser, rasiert oftor, rasiert glatter, Swing ist die Klinge für Sie! Daher kauft jedermann, der Vorteile schätzen kann: nur noch die Swine: 1000 pro Monat beschränkt ist. Auch wird in dem Briefe versucht, die Gemeinden zu überreden, im Jahre 1988 90 Prozent ihrer Gelder dem Joint und nur 10 Prozent für Palästina zu geben." „Jüdische Rundschau", 22. Oktober 1937. Die Kehrseite „Erfreulich ist die Stetigkeit der Bankdepositen, die bis in die letzte Zeit ihren fast unveränderten Stand beibehielten. Allerdings soll man sich in der Bewertung dieser Erscheinung vor Uebertreibungen hüten. Denn die Kehrseite der hohen Depositen ist die mangelhafte Unternehmungslust der Kapitalbesitzer, die ihr Geld nicht Unternehmungen anvertrauen oder selber damit arbeiten wollen. Daß sie den Banken vertrauen, ist gut; aber daß sie der Wirtschaft mißtrauen und ausweichen, ist auf die Dauer unhaltbar" Jenny Radt, Tel-Aviv, 1937. Sie sollten erkennen „Vieles deutet darauf hin, daß der Panarabismus von den Politikern in Szene gesetzt wurde, um die Aufmerksamkeit von den schwierigen inneren Problemen der arabischen Staaten abzulenken... Die britischen OFENSCHWEMME IX, PORZELLANGASSE 2 KONKURRENZLOSE PRBISB Fachleute sollten erkennen, daß die der Einbildungskraft der Araber vorschwebenden Möglichkeiten politischer Intrige so verlockend sind, daß eine verfrühte Ermutigung der panarabischen Bestrebungen unerfreuliche Folgen haben könnte." „Times", Oktober 1937, Zu Lord Ballours Tod „Wir dürfen anläßlich seines Hinscheidens in dieser salbungsvollen Stunde die große Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, das Werk, das ihm so sehr am Herzen lagi fortzuführen. Sie wissen, seine Gefühle für das födische Volk basierten auf starkem Glauben und unerschütterlichem Vertrauen in das jüdische Volk. Er war vollkommen überzeugt, daß Ihre Sache Erfolg haben werde. Er glaubte an Sie und an das Volk, das hinter Ijmen steht. Und er glaubte, daß Sie das Werk (tu Ende Cafe AkltethoQ I, Hoher Markt - LichtenstegNr.4 führen werden... Und wir dürfen dieses sein, Vertrauen nicht zusohanden werden lassen." Balfours Nichte, Mrs. Dudgale, an Präs. Motzkin (20. März 1930)* Eine klassische Definition „Ihm (dem Barbaren, dem neudeutschen Germanen), gilt als Wahrheit nicht, was wahr ist, sondern was erfolgreich glaubhaft zu machen ihm gelingt; unbekümmert darum, ob es der unvoreingenommenen Prüfung standhalte oder nicht. Wo ihm nicht geglaubt wird, wendet er Gewalt an; das heißt, er bringt jeden Zweifel, jeden Widerepruch vermittels Feuer und Schwert zum Schweigen," C. A. Loosli; „Umschalten oder Gleichschalten?" yerlagsgemetaschaft C. A. Looslis Werket Bern BumplüJ.;* Pogrom unter Völkerbund-Protektorat! Aus Warschau (J. T. A.): Unter den Augen des in Danzig residierenden Hochkommissärs des Völkerbundes, der unter anderem darüber zu wachen hat, daß die religiösen und nationalen Minderheiten auf dem Territorium des Freistaates Danzig nicht entrechtet und verfolgt werden, hat am Samstag in Danzig ein für die Juden materiell sehr verlustreicher und auch sehr blutiger Pogrom stattgefunden. Der Pogrom wieder- WD Restaurant Stefanie II, Taborstrale 12 © Telephon R<48<4-46 HUGO und JULIE HERLINGER geb. Zollner Erstklassige renommierte Küche, große Auswahl Reichhaltige Menüs von 1.60 aufwärts / Exakte Bedienung / Täglich frische Fische / Neu renovierter Speisesaal / Angenehmer Aufenthalt holte sich in der Nacht zum Sonntag. Er kam nicht überraschend; ihm ging eine umfassende terroristische Boykottaktion voraus. Die Juden Danzigs waren gewarnt, die Leitung der Jüdischen Gemeinde hatte einen Aufruf an die Danziger Juden veröffentlicht, in welchem sie den Ernst der Lage betont und die Juden aufgefordert hat, Ruhe und Würde zu bewahren. Diesem Umstände ist es zu verdanken, daß der Pogrom nicht noch größeres Ausmaß angenommen hat. Das Charakteristische an diesem Pogrom ist, daß er von dem nationalsozialistischen Gauleiter für Danzig, Forster, wenn auch indirekt, angekündigt wurde. Auf einer vor einer Woche stattgefundenen Kundgebung der NSDAP, im Danziger Staatstheater hatte Forster laut Bericht der nationalsozialistischen Presse mit Bezug auf die Juden u. a. erklärt: „Die Juden haben in den letzten Monaten in Danzig ein Benehmen an den Tag gelegt, das mehr a 1 s f r e c h und unverschämt gewesen ist. Dieses fremdländische Gesindel, insbesondere die aus dem Diane: Simone Simon in dem Chico: James Stewart Film Im siebenten Ab heute: ELITE-, OPERN-, VOTIVPARK-K5NO?vi . Osten ganz frisch eingewanderten und verdreckten Juden, tun gerade so, als ob sie die Herren in Danzig wären... In den Sommermonaten ist es gerade das Ostseebad Zoppot gewesen, das von allen , möglichen Judentypen überlaufen war. Wohin man in Zoppot kam, man war nirgends vor dieser dreckigen undschmierigen Rasse sicher. Sie haben sich in verschiedenen Lokalen Zoppots eingenistet wie die Wanzen. Das ist ein Zustand, den wir in Danzig und auch in Zoppot unter gar keinen Umständen länger dulden können... Die nationalsozialistische Partei in Danzig wird daher in ihrer propagandistischen Tätigkeit während der nächsten Monate besonders die Judenfrage zur Sprache bringen. Darüber hinaus wird sich der Staat gezwungen sehen, das allzu freche Auftreten und das Ueberhandnehmen der Juden in Danzig auf seine Weise zu verhindern. ' ,Wenn im Zuge dieser beabsichtigten Tätigkeit da und dort ein Jude wegen Mißbrauchs des Gastrechtes von uns zur Rechenschaft gezogen wird, dann soll man uns ja nicht mit dem Einwand kommen, daß dieser Jude der Angehörige eines anderen Staates sei. Wir können ihm ja leider nicht ansehen, daß er eine andere Staatsangehörigkeit besitzt, denn ein Jude schaut eben aus wie ein Jude! Das wäre aber der Höhepunkt, daß man für einen Juden, weü er zufällig ein anderer Staatsangehöriger ist, eintritt und besondere Rechte geltend macht, obwohl man denselben Juden in dem für ihn zuständigen Lande genau so rücksichtslos bekämpft (Anm. der Red.: Gemeint ist Polen), wie wir ihn bei uns auch bekämpfen." Kaum eine Woche verging und schon zeigten sich die gewollten Wirkungen dieser Worte. Es fand in Danzig ein wohlorganisierter Pogrom „mit verteilten Rollen" statt. Kleinere Gruppen rotteten sich vor jüdischen Geschäften in den verschiedensten Teilen der Stadt zusammen, zertrümmerten die Schaufenster, mi ß h a n d e 11 e n die Ladeninhaber und ihre Angestellten und bemächtigten sich in verschiedenen Fällen auch der Waren. Der Havas-Berichterstatter konnte ausdrücklich feststellen, daß die Pogromgruppen sich aus Mitgliedern der SS. und der Hitler- Jugend zusammensetzten. Die Polizei verhielt sich, wie der gleiche Berichterstatter feststellt, vollkommen gleiqhgültig. Zahlreiche jüdische Passanten in den Straßen wurden ergriffen und niedergeschlagen. Eine Reihe jüdischer Geschäfte ist vollkommen ausgeplündert und zerstört. Auch diejenigen jüdischen Geschäfte, die wegen des Sabbath-Ruhetages geschlossen waren, wurden zum Teil angegriffen. In, des Nacfct mm Sonntag wiederholten sich die Ausschreitungen. An allen jüdischen Ge- Schäften wurden Aufschriften angebracht, in denen, christliche Käufer davor gewarnt werden, die Geschäft© zu betreten. Bereits am Freitag vorher fand der Danziger Wochenmarkt zum erstenmal ohne Beteiligung der jüdischen Geschäftsleute statt; an ihren Ständen waren von den Boykottposten Hakenkreuze angebracht worden. * Die Danziger und die reichsdeutsche Presse veröffentlichen eine Erklärung des Danziger Gauleiters Forster, aus der der Zweck des samstägigen Judenpogroms in Danzig indirekt zu ersehen ist: Forster kündigt, im Zusammenhang mit den Ereignissen vom Samstag eine gesetzliche Regelung der Judenfragein Danzig für die nächste Zeit an. Der weck des Pogroms war offenbar der, die Entrechtung der Juden in Danzig einzuleiten. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Völkerbund zu dieser Aktion verhalten wird. Forster findet es aber auch angezeigt, den Pogrom „scharf zu verurteilen", die Bestrafung der Urheber anzukündigen und zu erklären, solche Ausschreitungen seien nicht geeignet, die Judenfrage zu lösen. II HK Pfarrgasse 21 Tel. A-43-5-19 Bürgerliches Familiencafe'. In- und ausländische Zeitungen. Separierter Raum für geschlossene Gesellschaften. Herab« gesetzte Preise, aufmerksame Bedienung. Das offizielle Deutsche Nachrichtenbüro assistiert Forster, indem es eine Erklärung des Presseamtes der NSDAP, in Danzig verbreitet, wonach von 300 vorhandenen jüdischen Ladengeschäften „n u r" bei 20 die Schaufenster eingeschlagen wurden. Weiter verbreitet das DNB. eine Erklärung der Nationalsozialistischen Partei Deutschlands, daß diese mit den Ausschreitungen nichts zu tun habe und sie mißbülige. Weiter wird erklärt, daß die gefaßten Täter „nachweislich" nicht Mitglieder der NSDAP, sind. Der Schluß der Erklärung ist eine direkte Rechtfertigung des Pogroms. Als Ursache für die Ausschreitungen gibt die NSDAP, die Erbitterung der Danziger Bevölkerung über das „Unwesen von wilden jüdischen Geschäftsleuten" an, die das Danziger Wirtschaftsleben schwer belasten. * Die Meldung, des Deutschen Nachrichtenbüros, daß nur 20 jüdische Geschäfte in Danzig zerstört wurden, stimmt nicht, da allein 20 jüdische Geschäftsleute polnischer Staatsangehörigkeit in Danzig wegen der Zerstörung ihrer Geschäfte Beschwerde bei der polnischen Regierung erhoben haben. Von den verletzten Personen sind mindestens 30 polnische Staatsangehörige. Eine polnisch* jüdische Abordnung besuchte auch den polnischen Staatskommissär in Danzig, der den Juden Schutz zusagte. Der Pogrom in Danzig hat im Auslande großes Aufsehen erregt. Die Londoner „Times" sprechen von „organisierten Orgien". „Daily Telegraph" teüt mit, daß die 60 Verhafteten organisierte Nazis sind, die wahrscheinlich unter die bereits angekündigte Amnestie fallen werden. FeKx M. Warhurgs Bestallung Aus New York (J. T. A.): Die Judenheit Amerikas hat von Felix M. War bürg, wie einer der Trauerredner betont hat, wie von einem Fürsten in Israel Abschied genommen. Schon das äußere Bild der gewaltigen Trauerversammlung, die sich am 22. Oktober im Tempel Emanu-EI eingefunden hatte, zeigte, daß der Verstorbene in allen Schichten der jüdischen Bevölkerung als Führer anerkannt war. Juden aus Ost und West waren in dem weiten Raum des Gotteshauses zusammengeströmt, um Warburg die letzte Ehre zu erweisen. Die strenge Linie westlicher Trauerkleidung, die die Vertreter der offiziellen Kreise und der gi-oßen gesellschaftlichen Vereinigungen trugen, war vielfach untez'brochen von der jüdisch-traditionellen Tracht patriarchalischer Gestalten, Ueber 2600 Menschen zählte die Trauergemeinde im Tempel, viele Hunderte, die keinen Einlaß mehr finden konnten, standen an den Toren. Betont einfach und schlicht war der Trauergottesdienst. Nur 25 Minuten dauerte die Feier. Ihr wohnten, die markantesten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens bei, an der Spitze Staatsgouverneur Herbert H. Lehman, sein Bruder Richter Irving Lehman, Bürgermeister Fiorello H. LaGuardia, der frühere Gouverneur AI. Smith, ferner John D. Rockefeiler, der Philanthrop und Präsident der Jüdischen Landwirtschaftsgesellschaft Percy S. Straus, der Präsident des American Jewish Committee Dr. Cyrus Adler und viele andere hervorragende^Vertreter. der Gesellschaft, der politischen Kreise, der wissenschaftlichen Welt und der Wirtschaft. Trauerreden wurden nicht gehalten. Tausende umsäumten die Straßen, durch die der, mit Nelkengewinden umhüllte Sarg zu dem Salemfields- Friedhof in Brooklyn geführt wurde. Eine Polizeiabteilung auf Motorrädern begleitete den Zug. Der Beisetzung im Erbbegräbnis der Familie Schiff wohnten nur die Angehörigen und ein enger Kreis von Freunden be$i