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Die neue Welt · 1937-10-26 · Heft 697 (26.10.1937) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 697 (26.10.1937)
Date
1937-10-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 697 vom 2ß. Oktober 1937 DIE NEUE WELT Seite 3 AiU ScUütfrCUUec rar Volksschulen, Hauptschulen, Hlttefsthulen und And. Lehranstalten in den richtigen Auflagen, auch antiquarisch, solche xu allernledrigsten Preisen liefert Antiquariat Hut». JmcUmi II, Ecke Taboratraüe 92 / Telephon R.41-4-20 Atlkailffv TaUSCh zu günstigen Bedingungen daß er den antijüdlschen Ausschreitungen wirksam entgegentreten werde, komt ea in Wilna täglich zu Ueberfällen auf Juden. Erst vor kurzem sind wieder vier jüdische Passanten schwer verletzt worden. Der dem „Lager der nationalen Einheit" des Obersten Koo angeschlossene Verband „Jung-Polen" hat in den Straßen Warschaus in zehntausenden Exemplaren ein Flugblatt verteilt, In welchem die polnische Bevölkerung aufgefordert wird, „für eine nationale Revolution und gegen das Judentum" zu kämpfen. Auf dem der Konferenz des polnischen Aerzteverbandea in Posen vorangegangenen Kongreß der Jungärzte wurde eine Entschließung gefaßt, in der die Beseitigung der jüdischen Professoren und Studenten sowie die Entfernung der Juden aus der p h a r m azeutischen Industrie gefordert werden, Der Verband der Friseure in Kattowltz hat auf einer Tagung die Einführung des Arierparagraphen beschlossen. Graf Sforza über Palastina Aus Prag: Die im Nekudah-Verlag, Mukacevo, erscheinende „Jüdische Revue" veröffentlicht in ihrer Oktober-Nummer unter dem Titel „Augenblick und Ewigkeit" die folgenden Ausführungen des jetzt in Brüssel im Exil lebenden ehemaligen italienischen Ministers des Auswärtigen, Graf Carlo Sforza; „Die Völker, die eine sehr lange und sehr schmerzensreiche Geschichte besitzen, können daraus einen ungeheuren Vorteil ziehen: nämlich niemals den episodischen und vergänglichen Charakter gewisser Ereignisse zu vergessen. Das jüdische Volk sollte spüren, daß die Probleme der gegenwärtigen Stunde, so interessant sie sein mögen, keine definitiven sind. Das höchste Interesse des jüdischen Volkes ist es, ao zu handeln, daß seine Ideen und Ideale sich im wesentlichen immer mehr mischen mit der Sache der allgemeinen menschlichen Freiheit. Die besten spezifisch jüdischen Lösungen werden nichts in einer Welt wert sein, in der die Systeme des Faschismus florleren können. Vom politischen und praktischen Standpunkt der Stunde aus könnte ich den Juden nichts Besseres wünschen, als daß sie eines Tages zu einer Verständigung mit der arabischen Welt kommen, die noch viel intimer sein müßte als jene, die einmal vor Jahrhunderten existierte, als jüdische und arabische Gelehrte zusammen, in wahrhaft würdevoller Brüderlichkeit, die philosophischen Probleme der Zeit in der Moschee von Cordoba diskutierten. Diese Wiederversöhnung ist nicht unmöglich. Trotz der? gegenteiligen Anscheins. Nach dem Weltkrieg fragte mich der König Feisal eines Tages, was ich den Arabern wohl am meisten wünschte. Ich antwortete ihm: die Versöhnung mit ihren jüdischen Vettern. Palästina selbst, Palästina allein, wird — so wie ich es bereits in meinem kürzlich in Paris erschienenen Werk „Die Synthese Europas" formuliert habe — niemals von sich aus das jüdische Problem lösen können." Die Juden sollten erst interniert und dann in die Luft gesprengt werden Aus Budapest: Das Gericht fällte am Mittwoch, den 20. Oktober, im Prozeß gegen den Führer der Sensenkreuzlerparteiv Dr. Zoltan Böszörmeny, und Genossen, die des Verbrechens des Staatsumsturzes angeklagt waren, das Urteil. Die Putschisten hatten unter anderem geplant, im Falle des Gelingens des Staatsstreichea die jüdische Bevölkerung Ungarns zu internieren, zu enteignen und zu entrechten. Der Hauptangeklagte Böszörmeny wurde wegen des ihm angelasteten Verbrechens zu zwei Jahren und zwei Monaten Zuchthaus, der zweite Hauptangeklagte, Bela Karoly, wurde zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt; die übrigen 67 Angeklagten kamen mit geringeren Freiheitsstrafen davon. Im Verlaufe des Prozesses hielt der Vorsitzende dem Angeklagten Peter Cs. Szabo vor, daß er beantragt habe, die für die Juden vorgesehenen Konzentrationslager zu unterminieren und in die Luft zu sprengen. Der Angeklagte erwidert darauf, dies sei für den Fall eines Angriffes durch einen äußeren Feind ge-. plant gewesen. Ein anderer Angeklagter bezeichnete die Proklamierung eines „nationalen Sensenkreuzlterkönigtums" als das Ziel der Bewegung. Der Angeklagte Szakall sagte aus, der Mitangeklagte Laszkl habe in einer geheimen Versammlung verkündet, daß Reichsminister Horthy getötet werden solle, wenn er die Macht nicht freiwillig übergeben würde. Einige Angeklagte sagten schließlich aus, sie fühlen sich nicht schuldig, weil sie nur ihre „Rasse und das Vaterland gegen die Beherrschung durch die roten Bolschewiken-Juden «chützen" wollten. PaltistmaeDebafte im Unterhaus Aus London: Im Verlauf der Palästina-Debatte im englischen Unterhaus am 21. Oktober fragte der Abgeordnete Williams den Kolonienminister, ob die Vorschläge der nach Palästina zu entsendenden neuen Kommission einem gemeinsamen Ausschuß der beiden Häuser des Parlaments, nach dem Vorbild des Indien-Auschusses, vorgelegt werden würden. Minister Ormsby-Gore erwiderte, er wolle hierauf keine endgültige Antwort geben. Auf die Frage des Abg. M a n d e r, ob Parlamentsmitglieder der neuen Palästina-Kommission angehören Würden, erklärte Ormsby-Gore, daß man noch lange nicht so weit sei, um zur Ernennung der Kommission zu schreiten. Solange keine normalen Rechtszustände im Lande herrschen und solange die Lage in Palästina keine gründliche Aenderung erfahren haben wird, sei er nicht geneigt, die Zusammensetzung der Kommission zu erwägen. Auf eine Frage des Abg. B e v a n bestätigte der Kolonienminister die Richtigkeit der Meldungen über Vergeltungsmaßnahmen wegen der Niederbrennung des Flughafens in Lydda. Als der Abgeordnete weiter fragte, ob wirklich gemeint sei, daß die Politik der Regierung dahingehen soll, Vergeltungsmaßnahmen gegen Unschuldige zu treffen, antwortete der Minister: Gewiß nicht. Wenn aber die einheimische Bevölkerung Gebäude in Brand steckt und vernichtet und die Einrichtungen des Zivilflughafens von Lydda niederbrennt, dann hat meiner Ansicht nach die Polizei durchaus recht daran getan, die Häuser derjenigen, die dies taten, zu vernichten. Die Finanzlage der Palästina-Regierung Aus Jerusalem: Die Einnahmen der Palästina-Regierung in den ersten fünf Monaten des laufenden Finanzjahres haben 2,012.876 Pfund betragen, gegenüber 1,635.523 Pfund, in derselben Zeit des vorangegangenen Finanzjahres. " Die Ausgaben betrugen 1,915.431 (im vergangenen Jahr: 1,615.169) Pfund. Der Verwaltungsüberschuß, der zu Beginn des Finanzjahres 4,835.129 Pfund betrug, ist auf 4,932.574 Pfund gestiegen. Ende' September hat der Geldumlauf in P a fä s t i na 5,069.134 ' Pf und betragen, davon 4,544.034 Pfund Papiergeld und 525.100 Pfund Hartgeld. I, Hoher Markt - LichtenstegNr.4 Jüdische Bodenkäufe. Aus Jerusalem: ^Tach dem Bericht der Regierungsabteilung für Statistik sind in den letzten acht Monaten 50.000 Dunam Boden in Palästina von Juden erworben worden. Hievon sind jedoch bei Arabern bloß 18.000 Dunam gekauft worden, während die übrigen 32.000 Dunam nur ihre jüdischen Besitzer gewechselt haben. Der palästinensisch-rumänische Handel Aus Tel-Aviv (Z. T. A.): Der Bericht der palästinensisch -rumänischen Handelskammer Jaffa-Tel-Aviv für den Zeitraum Juli bis September 1937 geht von der anhaltenden Besserung der Wirtschaftslage in Palästina aus. Der Gesamtimport Palästinas bellef sich im ersten Halbjahr 1937 auf insgesamt 8,139.004 pal. Pfund, somit um 20,9 Prozent mehr als in der gleichen Periode des Vorjahres und nur um 5,5 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Prosperitätsjahres 1935. Die Gesamtzahl der Bankdepots betrug im ersten Halbjahr 1937 17,3 Millionen Pfund, gegenüber 15 Millionen Pfund im gleichen Zeitraum des Jahres 1936. Die in diesem Zeitraum bewilligten Bankkredite betrugen 3x/2 Millionen Pfund, gegenüber 12'«/.> Millionen Pfund im ersten Halbjahr 1936. Die Ziffern des rumänischen Exports nach Palästina weisen eine dauernde Steigerung auf. Einer der wichtigsten Exportartikel Rumäniens ist der von HolzkinojProoramme m ruilfCneiS Die MARX BROTHERS H*rlVwCWCIi in dem musikalischen Lustspiel Beginn: 3, 5, V4.8 und SKANDAL AUF *,.^™DER RENNBAH|( Vorverkauf ab 10 Uhr vormittags ununterbrochen f) warten- Kino II, Untere Augarten« straße 28 Telephon A-40-5-98 Beginn: •/**. VA '/*«. VJO Uhr 6. Woche prolongiert! Ur- und AlleinauffUhrung in Wien Der erste Tonfilm in jidd. Sprache IMtoU'ttM mit deutschen Fußtiteln Mit MALY PIC0N Auf eine Frage des Abg. Vyvyan Adams erklärte Minister Ormsby-Gore, daß die Regierung den Bericht der Kgl. Kommission in seinen allgemeinen Grundzügen angenommen habe, an spezielle Einzelheiten aber nicht gebunden sei. Der Abg. McGovern fragte, ob etwas unternommen worden sei, um festzustellen, woher die Mittel für die Terroristenbanden gekommen sind. Der Kolonienminister antwortete, es sei sehr schwer, dies genau zu sagen. Abg. McGovern: Sind Sie davon überzeugt, daß der Großmufti während seiner ganzen Amtszeit gegen uns gearbeitet hat? Minister Ormsby-Gore: Jawohl. Auf die Frage des Abg. Wedgwood, ob der Mufti irgend eine Möglichkeit habe, sich nach Italien zu begeben, erwiderte Ormsby-Gore, das sei ausschließlich Sache der syrischen Behörden. Abg. Wedgwood: Ist von irgend einem Einschreiten gegen die Justizbeamten im Hinblick darauf die Rede, daß sie während der Unruhen des letzten Jahres bei der Regierung Proteste erhoben haben, und ist im besonderen etwas bezüglich des Staatsanwalts, eines Schwagers des Mufti, geschehen? Minister Ormsby-Gore: Ich habe keinen Grund, anzunehmen, daß der Staatsanwalt nicht vollständig loyal war. Ich weiß nicht, was Colonel Wedgwood meint, wenn er von Vorstellungen spricht, die die Justizbeamten bei der Regierung erhoben haben sollen. Ich weiß davon nichts. in epochemachendes Werk Die endgültige Entscheidung über die Lösung der Palästina-Frage ist noch nicht gefallen. Laut Beschluß des Völkerbundrates soll eine neue englische Kommission nach Palästina gehen und dort die Lage prüfen, um auf Grund von Besprechungen mit den Juden und Arabern neue Vorschläge zu unterbreiten. Da aber die englische Regierung trotz der negativen Haltung des Parlaments, der Mandatskommission und anderer wichtiger Faktoren nach wie vor den Teilungsplan forciert, ist es wichtig, sich mit seinen Möglichkeiten zu beschäftigen. Auf dem letzten Zionistenkongreß in Zürich wurde eine lebhafte Debatte für und gegen den TeUungsplan geführt, so daß der zionistisch interessierte Leser über die wesentlichen Punkte dieses Planes informiert ist. , Der bedeutende Publizist Dr. J. M. Machover (London) bringt in seiner aufsehenerregenden Schrift JUDENSTAAT ODER GHETTO DIE TEILUNG PALÄSTINAS - EINE GEFAHR (DR. HENRICH GLANZ VERLAG /WEH) eine Analyse des Teilungsplanes, beweist War, daß mit der Durchführung des Planes alle zionistischen Hoffnungen und Rechte zunichte gemacht würden und zeigt den einzig richtigen und gerechten Weg zur Lösung des Palästina-Problems. Preis österr. S 5.— kisten für die Verladung der Orangen. Die Orangenernte dieses Jahres dürfte einen Export von mindestens 10 Millionen Kisten ermöglichen. Auch 90 Prozent des in Palästina verwendeten Benzins und der sonstigen Petroleumprodukte sind rumänischer Herkunft. Ebenso bildet Bauholz einen bedeutenden Importartikel Palästinas. Der Bauholzexport Rumäniens nach Palästina betrug im Jahre 1935 166.235 pal. Pfund. Rumänien nimmt heute den dritten Platz unter den Importeuren Palästinas ein. Sein Export nach Palästina machte im ersten Halbjahr 1937 insgesamt 686.564 pal. Pfund, gegenüber 510.758 Pfund in der gleichen Periode des Vorjahres aus. Sevilla Pastor in Wien Heute, Dienstag, den 26. Oktober, beginnt Sevilla Pastor nach Absolvierung ihrer Welttournee in den „Jüdischen Künstlerspielen" ihr diesjähriges Gastspiel. Den Rahmen ihres Auftretens bildet das bewährte ausgezeichnete Siegler-Ensemble, dem Erna S \ e gler, Dolly Nachbar, der neuengagierte Bonvivant und Sänger J. Ha vis u. a. angehören. Als Begrüßungsvorstellung wurde für den 26. d. „Masl tow" (mit Solis von Trude Roth, E. Engel, M. Brod, D. Medina) angesetzt. Mittwoch, den 27. d., „Die Schickerte", Donnerstag, den 28. d., „Hulje Kapzen", Freitag, den 29. d., die große Premiere „Das Melamedl". Gicht- und Nieienleidenden, Rheumatikern, Stein- und Zuckerkranken regelt früh auf nüchternen Magen ein Glas natürliches „Franz-Josef'-Bitterwasser vortrefflich die so wichtige Darmtätigkeit und beeinflußt günstig den Gesamtstoffwechsel. Fragen Sie Ihren Arzt! E Es geht um Ihr kostbarstes Gut, „Ihre Augen"! 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