Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1937-10-26 · Heft 697 (26.10.1937) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 697 (26.10.1937)
Date
1937-10-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2711613-2712245-2712322--6794-2720593
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions

Seite 2 DIE NJJtJl! WELT Nr. 60? vom 26. Oktober 103T - , -« //Brutaler Brudi der Versprechungen" Pas neue Eimvanderwngsgesetz. Aus Jerusalem (Palcor): Im Amtsblatt der Palästina-Regierung erschien soeben ein Gesetzentwurf, durch den die Einwände* Tiingsbestimmungen in wichtigen Punkten abgeändert werden. Der High Commlssioner soll die u neingeschränkte Vollmacht bekommen, sowohl die Höchstzahl der zuzulassenden Einwanderer wie ihre Verteilung auf die verschiedenen Einwanderungskategorien und endlich den Anteil der Juden innerhalb jeder Einwanderungskategorie festzusetzen. In der Frage der illegalen Immigration wird die Beweislast durch da« neue Gesetz den Einwanderern selbst zugeschoben, die den Nachweis für ihren rechtmäßigen Aufenthalt in Palästina zu erbringen haben werden. Für O bdachge Währung, Hilfe- und Vorschubleistung zugunsten illegaler Einwanderer werden Strafen vorgesehen, ebenso für Schiffe, die den Versuch machen, Einwanderer einzuschmuggeln, Die erste Bestimmung, durch die die Vollmachten des High Commissioner neu geregelt werden, dient dazu, um der Erklärung der englischen Regierung vom 7. Juli 1937, wonach die Höchstzahl der jüdischen Einwanderer für die Zeit Vom 1. August 1937 bis 31. März 1938 auf 8000 Personen festgesetzt wird, die gesetzmäßige Unterlage zu schaffen. Fortsetxung der Terrorakte Aus Jerusalem meldet die J. T. A.: Der Inspektor der Regierungsschulen, Avinoam Y e 11 i n, ein Sohn des Professors der Hebräischen Universität und Direktors des hebräischen Lehrerseminars, David Yellin, ist am Donnerstag, als er am Morgen sein Büro auf dem Zionsberg betreten wollte, durch einen Revolverschuß sehr schwer verletzt worden. Auf das Haus des jüdischen Detektivs Shitreet in Haifa wurden von arabischen Terroristen mehrere Schüsse abgegeben. Die Kugeln drangen in das Schlafzimmer ein und verletzten Shitreet schwer. . , In der Nähe des Gerichtsgebäudes in H a i f a explodierte eine Bombe. Auf der Straße Jerusalem— Jericho kam es zu einem Feuergefecht einer Araberbande und einer Polizeipatrouille, Die Telephonleitung zwischen Jerusa 1 em und Hebron 'ist an mehreren Stellen durchschnitten worden. Auf der Straße nach Jaffa, sieben Kilometer von Jerusalem entfernt, wurde ein jüdischer Autobus beschossen. Auf der Straße Jerusalem —T e 1 - A v i v errichteten die arabischen Terroristen eine Barrikade, die von Truppen entfernt wurde. Bei der Beschießung des Jerusalemer Schlachthauses wurden elf Ochsen getötet. Da die Arbeit im Schlachthaus infolge des Ueberfalles eingestellt wurde, stockte einen Tag lang die Fleischversorgung der Jerusalemer Bevölkerung. Arabischer Waffensdimuggel in Haifa Aus London wird berichtet: Nach einer Meldung des „Daily Herald" sinddie englischen Behörden einem großen Waffenschmuggel zur Versorgung der Araber in Palästina mit Waffen auf die Spur gekommen. Einem englischen Offizier, der die im Hafen von Haifa ankommenden Schiffe zu überwachen hatte, war eine Ladung Zement verdächtig vorgekommen. Da er jedoch keine Berechtigung hatte, "eine Untersuchung vorzunehmen, machte er einen am Löschkran arbeitenden Mann darauf aufmerksam. ■ Dieser ließ nun eine Kranladung auf den Kai fallen. Dabei stellte sich heraus, daß statt Zement Hunderte von automatischen Pistolen und Munitionsgürteln in der Ladung enthalten waren. Die sofort alarmierte Polizei beschlagnahmte den noch im Hafen befindlichen Teil der Schiffsladung. (J. T. A.) Da§ Mandat ist durchführbar Aus London: Der frühere Gouverneur von Jerusalem, Sir Ronald Storrs, hielt im Klub „1912" eine Rede, in der er sich für verstärkte Bemühungen um daa Zustandekommen einer arabisch-jüdischen Round-Table-Konferenz über Palästina einsetzte. Er erklärte, er habe den bestimmten Eindruck, daß bisher noch nicht genügend Anstrengungen gemacht worden sind, um eine Lösung des Palästina-Problems ohne Teilung herbeizuführen. Er glaube keineswegs, daß die Situation so hoffnungslos und schlecht sei, als daß nicht etwas getan werden könnte, um das jetzige Mandat durchführbar zu machen. (J. T. A.) „AI'Liura" eingestellt Aus Jerusalem: Obwohl das von der Regierung vor sechs Wochen auferlegte Verbot abgelaufen ist, hat „Al-Liwa", das Organ des Mufti, ihr Erscheinen eingestellt. Der Grund für die Schließung ist das Pehlen der Mittel, die vom Obersten Moslemischen Rat zur Verfügung gestellt zu werden pflegten. (Palcor.) U ollekt wstr af e Aus Jerusalem: Dahariah ist mit einer Kollektivstrafe in Höhe von Pf. St. 2000 belegt worden. Die Polizei begann sofort, den Betrag in Form von Getreide und Vieh einzutreiben. Eine Anzahl von Häusern soll gesprengt werden. Die Dorfbewohner sind gewarnt worden, daß jeder neuen Gewalttat die Zerstörung weiterer Häuser folgen wird. (Palcor.^ In ihren Kommentaren Zu dem soeben veröffentlichten Gesetzentwurf zur Abänderung der Einwanderungsbestimmungen geben die palästinensischen Zeitungen der Enttäuschung des Jischuw Ausdruck. Die englische „P a 1 e s t i n e Post" stellt fest, daß das neue Oesetz den Begriff des „politischen Einwanderungsmaximums" legal macht und sich damit in G egensatz zum Wortlaut und Geist des Mandats stellt, während man erwartet hat, daß die Regierung keine Aenderung des Mandats vornehmen werde, solange es nicht durch eine gerechte Neuregelung ersetzt ist. Das Gesetz stelle einen brutalen Bruch der Versprechungen Edens in Genf dar, wonach die Festsetzung, der Höchstziffer von 8ÖÖ0 Einwanderern nur eine t e m p p |äre .No fcm a ß n a h m e sei. Öle arabische Agitation könne sich jetzt eines Sieges über England rühmen. „Haaretz" bezeichnet das neue Gesetz als eine Verhöhnung des Mandats und des Begriffes der wirtschaftlichen Fassungskraft als des die Einwanderung regelnden Grundsatzes, und wendet sich , besonders dagegen, daß es zwischen Juden und Nichtjuden unterscheidet. Der Jischuw werde sich niemals mit diesem Gesetz einverstanden erklären. Avinoam Veliin schwer erkrankt Aus Jerusalem: Avihoam Yellin, Oberinspektor der jüdischen Schulen bei der Erziehungsabteilung der Pa 1 ästina-Regierung, wurde am 22. Oktober vor seinem Büro angeschossen und lebensgefährlich verwundet. Eine Operation wurde sofort vorgenommen, wobei zwei Kugeln extrahiert wurden. Sein Zustand ist in höchstem Grade besorgniser- O P T I K E R KARL SEID NEU I, Franz-JosefS'Kai 3£;' II, Hollandstraße 7 Fachmännischer Rat / Reiche Auswahl / Beste Qualität / Preiswert regend. Der Attentäter entkam. — Der Verwundete ist der Sohn von David Yellin. Er. studierte in Cambridge, wo ihm der Magistertitel verliehen wurde, und hat gemeinsam mit dem während der Urtfühen vom Jahre 1936 ermordeten Louis Billig eine arabische GraHirn a t.ik_ veröffentlicht. Das Attentat auf Yellin ist der achte Terrorakt in den letzten 36 Stunden. England fordert Festhaltung des Mufti in Libanon Aus London: Wie dem „Daily Express" gemeldet wird, haben die syrischen Behörden dem Mufti die Auf-; enthaltsgenehrnigung in Damaskus verweigert: Er hat sich in den Hafen Ortarabula begeben und beabsichtigt, von dort' nach Ankara weiter zu reisen, um den türkischen Staatspräsidenten Kemal Atatürk für die nationalen Forderungen der palästinensischen Araber zu interessieren. Das Büro Reuter meldet: Wie verlautet, hat die britische Regierung die französischen Behörden ersucht, dem Mufti keine Erlaubnis zum Verlassen der Republik Libanon und zur Ausreise nach Aegypten zu gewähren. Da der Mufti politischer Flüchtling ist, könne es nicht in Frage kommen, daß er ausgeliefert wird. „Times" zur Lage in Palästina. Aus London: Die „Times" befaßt sich in einem Leitartikel mit der neuen Terrowelle in Palästina. Die Unruhen, schreibt das Blatt, stellen einen Teil eines organisierten und konzentrierten Versuches der ar a biso Jien Geheimorganisationen dar, die infolge der Verbannung mehrerer arabischer politischer Führer und der Verhaftung und Einkerkerung einer Anzahl von Verdächtigen erschütterten Moral ihrer Anhänger wiederherzustellen. Es ist zu hoffen, schreibt die Zeitung, daß die Londoner Regierung nicht zögern wird, die exekutiven Gewalten in Palästina mit der zur Niederschlagung des Terrors und Unschädlichmachung seiner Anstifter und Agitatoren nötigen Macht auszustatten. Die Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung von Dan bis Beer Scheba ist oberste Pflicht der Juden und Araber, aber auch jeder Administration, die sich dieses Namens würdig erweisen will. Verb« ch luden§taat§ziomsten Oesterreichs B a 1 f o u r - G e d e n k £ e i e r. Samstag, den 30. d., halb 9 Uhr abends, im Festsaal des Hotel Continental, H., Taborstraße 4. Sprecher: Dr. I. Z. Kann er, J. Ehrenkranz, Robert Stricker. Kleiner Regiebeitrag. *•• Die diesjährige Landeskonferenz findet Sonntag, den 31. d., 10 Uhr vorm., im Zentralheim, II., Praterstraße 30, statt. * Judenstaatsjugend und Sektion XI V/XV, Schanzstraße 32. Mittwoch, den 27. d., 8 Uhr abends, im Heim Vortrag Ch. S. Garfunkel: Die Aufgaben der jüdischen Jugend. Gäste willkommen:. Cafe Jungwirth Famlliencafä Am Stephansplatz AUS ALLER WELT SefercTorala, für den englischen König Aus Jerusalem meldet Palcor: Namens dea Waad Leumi überreichte Präsident. Dr. Chaim Weizmann dem Kolonialminister zur Weitergabe an König G e.qjr g VI. als Krönungsgeschenkeine S e f e r- Torah, ein in Velin gebundenes Album von photographischen Aufnahmen und eine illuminierte Huldigungsadresse. Die Sefer-Torah, auf Pergament geschrieben, liegt in einem achteckigen Futteral aus Zedernholz, das auch die aus Silber gearbeiteten und mit Halbedelsteinen geschmückten rituellen Verzierungen enthält. Die Aufnahmen illustrieren das j üdische Aufbauwerk in Palästina seit Uebernahme des Mandats durch England. Die Huldigungsadresse, die in einem silbernen, mit Steinen geschmückten Behälter überreicht wurde, ist in hebräischer und englischer Sprache auf Pergament geschrieben. Verlauf des Proteststreiks der polnischen Judenheit Aus Warschau: Der halbtägige Proteststreik der jüdischen Bevölkerung Polens wegen der Einführung des Hochschulghettos hat durch Einmütigkeit und Geschlossenheit der dreieinhalb Millionen Seelen zählenden Judenheit Polens alle bisherigen Kundgebungen ähnlicher Art weit übertroffen. Am Morgen der Kundgebung boten die jüdischen Stadtteile von Warschau, in denen der größte Teil der 300.000 Warschauer Juden lebt, ein Bild absoluter Ruhe. Aber auch in den nichtjüdischen Stadtteilen fielen die zahlreichen geschlossenen jüdischen Läden auf. Ebenso ruhte die Arbeit in allen jüdischen Institutionen und Gemeindeeinrichtungen. Sogar Leichenbegängnisse fanden während des Streiks nicht statt. Alle Versammlungen, in denen die politischen Führer der Juden Polens, aber auch Vertreter fortschrittlicher Gruppen* sprachen, waren überfüllt. Vor den Versammlungsräumen stauten sich größere Mengen, die keinen Einlaß mehr finden konnten. In den Fabriken haben sich vielfach nicht jüdische Arbeiter der Kundgebung ihrer jüdischen Arbeitskameraden zum Zeichen der Sympathie angeschlossen. Ein freund Pfilsudskis Aus Wärschau: Prof. Mieczyslaw Micha- 1 o w i c z, der Leiter der Kinderklinik an der Pilsudski- Universität in Warschau, der als medizinische Autorität und persönlicher Freund des verstorbenen Marschall Pilsudski hohes Ansehen genießt, hat sich in einer Öffentlichen Erklärung gegen jede Zurücksetzung der Juden an den Hochschulen gewandt. Der Vorlesungssaal an der Kinderklinik ist der einzige innerhalb der Warschauer Universität, in dem die Ghettositzordnung nich eingeführt worden ist. Auf eine Anfrage der Medizinervereinigung gab er vor Beginn der Vorlesung folgende Er-< klärung ab: „Der von uns Professoren zum Leiter der Universität gewählte Rektor kann seine eigene Ansicht in dieser Angelegenheit haben. Ich jedoch muß als Senator der polnischen Republik, auf deren Verfassung ich den Eid geleistet habe, es ablehnen, die Verfassung zu verletzen," Prof Michalowicz wies auf die religiösen Zusammenhänge zwischen dem Judentum und dem aus ihm hervorgegangenen Christentum hin und fuhr dann fort: „Die Semiten sind wie eino Pflanze, die aus ihrem Boden herausgerissen und auf den Weg geworfen worden ist. Ich glaube, daß sie in Palästina, wo sie mit Blutopfer numihrRechtkämpfen, ihre Wiedergeburt finden werden. Solange die polnische Verfassung nicht aufgehoben worden ist, werde ich sie nicht verletzen. Ich sage dies als treuer Staatsbürger; mein Gewissen ist vollkommen rein." Diese Erklärung hat in judenfeindlichen Kreisen einen Sturm der Empörung hervorgerufen. Die nationaldemokratischen Zeitungen beschuldigen Professor Michalowicz, daß sich seine, Herausforderung nicht allein gegen den Rektor richte; denn die Rektoren seien von der Regierung ermächtigt worden, die neue Sitzordnung einzuführen.; „Wer Juden schlägt, lebt 100 Jahre" Aus Warschau: In Wil'na wurde das jüclischo Ehepaar Zarencinski bei einem Spaziergang von Huligans überfallen und durch Messerstiche schwer verletzt. Die Verletzten wurden ins Krankenhaus gebracht. Die Wilnaer Nationaldemokraten haben Flugblätteu mit der Aufschrift: „W e r J ud e n s c h 1 ä g t, 1 e b t hund e r t J a h r q", verteilt. Trotz der Zusage dea Woiwodety

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.