Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 696 (22.10.1937)
- Date
- 1937-10-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2711613-2712245-2712321--6790-2720588- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 696 vom 22. Oktober 1937 DDE NEUE WEl/C Seite 7 AUS ALLER WELT Die Nürnberger Gesetze und Dänemark Aus Kopenhagen: Durch ein Rundschreiben des Justizministeriums wird angeordnet, daß künftighin keine Ausweise über Ehefähigkeit an ausländische Personen ausgestellt werden sollen, welche sich in Dänemark aufhalten und eine Ehe eingehen wollen, wenn keine der Parteien dänische Staatsangehörigkeit oder festes Aufenthaltsrecht im Lande besitzt und Wenn aus den Umständen zu ersehen ist, daß die Ehe in ihrem eigenen Lande nicht mit gesetzlicher Gültigkeit eingegangen werden könnte. Die Anordnung wird damit begründet, daß es nicht angebracht sei, daß dänische Behörden bei Eheschließungen ■»»^Jfehen Ausländern mithelfen, die im eigenen Lande nicht heiraten können und sich eigentlich nur zu diesem Zweck nach dem Ausland, namentlich nach Dänemark, begeben. Zur Aufklärung der Behörden sind in dem Erlaß zunächst einige Bestimmungen aus dem englischen Eherecht sowie die bekannten Bestimmungen der Nürnberger Gesetze angeführt. Die Presse * bemerkt hierzu, daß dem Erlaß praktische Bedeutung nur in letzterer Hinsicht zukommt. Eine Zeitung überschreibt die Nachricht über den Erlaß des Justizministeriums: „Ehen zwischen deutschen Ariern und deutschen Juden dürfen in Dänemark nicht geschlossen werden!" Man vermutet, daß der Erlaß auf Grund von Vorstellungen herausgegeben wurde, die Deutschland bei der dänischen Regierung erhoben hat. Neuwahl in der römischen Judengemeinde Aus Rom: Bei der am 17. Oktober durchgeführten Neuwahl des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Rom konnte ein Wahlkampf, der die innere Geschlossenheit des italienischen Judentums gefährdet hätte, im letzten Augenblick vermieden werden. Den Bemühungen des Oberrabbiners von Rom, Prof. David Prato, ist es gelungen, die verschiedenen Gruppen für ein gemeinsames Programm zu gewinnen, so daß eine Einheitsliste von Zionisten und Nichtzionlsten zustande kam. Die Kandidaten der Einheitsliste hatten einen Aufruf erlassen, in dem sie betonen, daß „dank dem erreichten Ausgleich der Judenschaft von Rom eine würdige Vertretung gesichert werden soll. Meinungsverschiedenheiten, die sich in der Vergangenheit auf die geistige Einheit der Jüdischen Gemeinde Rom schädlich ausgewirkt haben, sind überwunden worden. Als Grundsätze für die neuen Vorstandsmitglieder werden genannt: „Treue gegenüber dem Glauben der Väter, Förderung der kulturellen Entwicklung, soziale Fürsorge für die Hilfsbedürftigen nach sorgfältigen Methoden und mit dem Gefühl der Verstehens laut den Richtlinien der Einrichtungen unseres geliebten kaiserlichen faschistischen Vaterlandes." Amerikanische Gewerkschaftskonfereiiz erneuert antideutschen Boykott Aus New York (J. T. A.): Auf der in Denver abgehaltenen 57. Jahreskonferenz der American Föderation of Labour (Gewerkschaftsbund) wurde eine Resolution angenommen, in der die Arbeiterschaft aufgefordert wird, den antideutschen Boykott „mit neuer Kraft und neuer Entschlossenheit" wieder aufzunehmen. Arbeitsruhe jüdischer Betriebe in Englaond Aus London: Das Schiedsgericht von Sunderland hat entschieden, daß in jüdischen Betrieben jüdische Feiertage auch für die nicht jüdischen Arbeiter als herkömmliche Feiertage zu gelten haben. Das Schiedsgericht hat mit dieser Begründimg den Entschädigungsanspruch nicht jüdischer Ai'beiter für Verdienstentgang durch die Stillegung eines jüdischen Betriebes an jüdischen Feiertagen abgewiesen. « Jüdische Feiertage in Ungarn Aus Budapest (J. T. A.): Das Amtsblatt veröffentlicht folgende vom Gesichtspunkt der Rezeption des jüdischen Glaubens aufsehenerregende Entscheidung des Handelsministers: „Der Umstand, daß der Zeitpunkt irgendeines bewilligten Marktes mit dem Zeitpunkt der Feste der israelitischen Konfession zusammenfällt, kann kein Grund zur ausnahmsweisen Verlegung des Marktes sein." „Egyenlöseg" bemerkt, daß das ungarische Judentum diese Entscheidung , mit großer Bestürzung zur Kenntnis nimmt, da die rezeptierte Glaubensgemeinschaft ein Recht darauf habe, daß die Behörden ihre Feiertage ebenso respektiere, wie die anderer Konfessionen. Ein portugiesisches Werk über Antisemitismus Aus Lissabon: In Lissabon ist soeben ein stattliches Buch von Adolfo Benams „O An tis emitismo" erschienen. Es ist darin von der Leidenszeit der Juden in Spanien die Rede, von den gegen sie erhobenen AnschuU digungen, von den Marannen, von dem Schicksal der Juden in Portugal und im übrigen Europa, von den Ghettos und schließlich von der Emanzipation. Die bürgerlichen und politischen Rechte werden behandelt, der Kampf um die vollständige Emanzipation, die Widerstände dagegen, das Problem der Konstituierung als jüdische Minderheiten. Ein ganzes Kapitel gilt dem Haß gegen die Juden, Die Freimaurer, die Assimilation, der Ritualmord, der Wucher und die Protokolle von Zion werden behandelt. Es folgt eine Auseinandersetzung mit der Rassenfrage, wobei besonders interessant der Anteil der Juden an den portugiesischen Entdeckungen ist. Nicht vergessen ist das Jiddische und auch ein Kapitel über die Judentaufen fehlt nicht. Dem Zionismus ist ein besonderes Kapitel gewidmet. Die dem. Buch beigegebene Bibliographie zeigt, daß der Verfasser sich um vielseitige Dokumentierung bemüht hat. Das Unglück der Emigranten ist Ueber die deutsch-jüdischen Emigranten in der Tschechoslowakei ist ein fürchterliches Ünglück hereingebrochen. Ein die Emigranten aus Deutschland ^betreffender Erlaß verjagt sie aus dem Asyl, das sie. im Lande gefunden haben. Er vertreibt sie aus den Städten Prag, Brünn, Mährisch-Ostrau usw., wo sie Unterstützung und vielfach auch kleinen Erwerb gefunden haben, und zwingt sie nach vier Jahren zur Ansiedlung in ihnen ganz fremden Gebieten, Dörfern und kleinen Landstädten, wo es keine Juden, kein Obdach, keine Möglichkeit irgend einer Betätigung gibt. Ihre Zwangsansiedlung bedeutet einen Stoß in den Abgrund des Elends. Die Folgen dieses einfach unbegreiflichen und mit der bisherigen Hältüng der tschechoslowakischen Regierung unvereinbaren Maßregel hat auch nichtjüdische Kreise erregt. In einem Leitartikel der großen Prager Tageszeitung „Lidove Noviny" setzt sich Ferdinand Peroutka für die Emigranten ein. Inbesondere tritt er dagegen auf, daß man die Emigranten in den zwei Bezirken der böhmisch-mährischen Hochebene konzentriert. Peroutka schreibt: „Die Emigranten in jene zwei Landbezirke zu schicken, bedeutet, ihr ganzes Leben auf ein sehr niedriges physiologisches Niveau zu reduzieren, weil alles, was man ihnen dorthin nachschicken wird, etwa fünf. Tschechenkronen für den Tag sein wird. Ihr leiblicher Mechanismus wird so halbwegs in Gang gehalten werden. Ihrem Geiste wird es so gehen, wie es etwa einer t s c h e c h Ischen intellektuellen Emigration ginge,. Wenn -man dies.e in irgend welchen Dörfern, in ,jder; .magyarischen^]^32ta konfluierte und. ihnen für ihr. Leben, einen Pengö pro Tag gewährte. Die Schriftsteller Dichter, Maler, Beamten, Musiker und Politiker werden auf der böhmisch-mährischen Hochebene dazu verurteilt sein, sich niemals mehr ein Buch zu beschaffen. Wenn es unter uns Leute gibt, welche nicht Nerven wie Stricke haben, werden sie ihnen das Schicksal erleichtern und ihnen hie und da ein paar alte Zeitungen schicken. Solange diese unglücklichen, besiegten Demokraten in unseren Städten leben konnten, konnten sie wenigstens die Brosamen aufheben, welche von unseren Tischen fielen. Es war das nicht viel, aber jetzt wollen wir ihnen auch das Wenige unmöglich machen. Auf der böhmisch-mährischen Hochebene gibt es nicht einmal diese Brosamen, dort wird nur das Gefühl der Verlassenheit sein, d«rt gibt es keine Rettung vor dem Verkomm e n." Wir haben uns unser Volk anders vorgestellt! Aber leider gefällt es manchen unter ums mehr und manchen : weniger, diejenigen zu stoß«n, welche schon ani Boden liegen. Da es in der Geschichte unseres Volkes mehrmals zu einer Emigration kam, haben wir uns zur Emigration achtungsvoll benommen und ihrem Unglück Verständnis entgegengebracht. Warum haben wir uns so verändert? Niemand von uns kann wünschen, daß wir der deutschen Emigration in dieser an Spannungen reichen Zeit erlauben, unsere Beziehungen zu unserem großen Nachbarn im Norden zu verschlechtern. Wir machen uns unsere e i g e n e P o 1 i t ik und wir erlauben keiner Emigration, sie für uns zu machen und uns irgendwo hineinzuziehen, wohin wir nicht wollen. Aber hier handelt es sich in 99 Prozent der Fälle nicht um Leute, welche noch Politik machen. Es sind ihrer nicht mehr als fünftausend. Ist das ein so großes organisatorisches Problem und können wir ihnen nicht erlauben, auch weiter Brocken von unserem noch reichen Tisch aufzulesen? In der Tat,, die Menschlichkeit ist unteilbar, mögen wir uns niemals für unser Volk dafür schämen, wie es sich zu Unglücklichen verhalten hat." Proteststreik gegen Ghetto-Bänke Aus Warschau: Die Juden in ganz Polen haben am Dienstag, 19. Oktober, in der Zeit von 3 Uhr früh bis 12 Uhr mittags einen Demonstrationsstreik zum Zeichen des Protestes gegen die Einführung der Ghettobänke an den Hochschulen, sowie gegen die anhaltende antisemitische Propaganda im Lande veranstaltet. Sämtliche jüdischen Handelsunternehmungen, Fabriksniederlassungen, Werkstätten, Geschäftsläden und sonstigen Institutionen blieben während des Streiks geschlossen. Die jüdischen Morgenblätter erschienen erst nach 12 Uhr. Die jüdischen Aerzte erschienen nicht Berit'Tmittpeldor Oesterreich (Betar) ägdttup „Judische Ju geeid im Kampf um die Zutewt!ff Samstag, den 23. Oktober 7.15 Uhr C* L *LL t / abends, Festsaal Hotel Continental, tÜttCttt fCei! 2. Bezirk, Taborstraße 4 in den Ambulatorien, die jüdischen Kinder blieben der Schule fern. Besonders imposant verlief der Streik in Warschau, Lodz, Wilna, Lemberg und Krakau. In Warschau fanden drei große Versammlungen statt. In Wilna nahm die Polizei zahlreiche Verhaftungen vor. Sabbathsdiutz-Gesetz in TehAvtx Aus Tel-Aviv: Die Bestimmungen der vor kurzem im Amtsblatt veröffentlichten neuen Verordnung über den Ladenschluß in Tel-Aviv sind der Bevölkerung durch Maueranschläge bekanntgegeben worden. Die Einhaltung der Bestimmungen wird von der Polizei noch nicht überwacht. Die Stadtgemeinde wird besondere Beamte mit dieser Aufgabe betrauen. Nach den Bestimmungen bleiben die Läden an Wochentagen von 7 Uhr abends bis 5 Uhr morgens geschlossen. Am Vorabend von Feiertagen dürfen die Geschäfte bis 10 Uhr abends geöffnet bleiben. Läden in der Nähe der Stadtgrenze gegen Jaffa, ins. besondere die Lebensmittelstände, dürfen bis 9 Uhr abends offen halten. Am Sabbath müssen sämtliche Geschäfte einschließlich der Milch- und Speiseeisläden geschlossen bleiben. Kaffeehäuser und Restaurants können am Freitag abends und am Vorabend von Feiertagen bis 10 Uhr, an Sonnabenden von 10 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags offen halten. Am Versöhnungstag bleiben Kaffeehäuser und Restaurants geschlossen. Am Vorabend des 9. Aw müssen sie um 7 Uhr abends schließen, können aber am folgenden Morgen wieder geöffnet werden. Die Uebertretung dieser Bestimmungen wird mit Geldstrafen bis zu 10 Pfund bestraft. Bau der SfadfoiiffBalbn m Tel-tkviv Aus London: Am 12. Oktober schifften sich an Bord der „Champollion" die schwedischen Reichstrainer A. W.-Kreigsman und Soederbom nach' Palästina ein. Kreigsman wird dort die Wettkämpfbahnen im Makkabi-Stadion neu errichten und wahrscheinlich auch die Anlage von drei oder vier erstklassigen Tennisplätzen durchführen. Er und Soederbom werden im Anschluß an diese Arbeit, die sie unter Mitwirkung des Organisationskomitees der Dritten Makkabiade und des Stadion-Kuratoriums durchführen werden, einen " Instruktorenkurs für Makkabi- Sportler und für die begabtesten Makkabi-Athleten abhalten. Zweifellos haben noch nie zuvor zwei so hervor, ragende Athletikfachleute im Nahen und Mittleren Osten gewirkt. A. W. Kreigsman war der Erste in der Welt, der den Speer über 70 Meter warf. Schon vor dem Kriege übertraf er auch im beidhändigen Speerwerfen mit 120 Meter den Weltrekord bei weitem. 1917 wirkte Kreigsman als Sportlehrer an der Universität Upsala. 1928 wurde er festangestellter Staatstrainer für Südschweden. Der Bau von Wettkampfbahnen und Tennisplätzen wurde seine besondere Spezialität. Weltbekannt wurde sein Bahnbau im Olympischen Stadion zu Amsterdam 1928. Viele von Kreigsmans Schülern sind zu größtem internationalen Sportruhm gelangt. Filme (Nachdruck nur mit Genehmigung des Blattes.) Frankreich: Roman eines Schwindlers — Die Perlen der Krone — Der geliebte Vagabund — La belle Equipe — Menschen unter Menschen — Liebe macht blind — Die rote Robe — Pepö le Moko — „Le Mioche" — „Le Rol". Amerika: Die gute Erde — Sensation um Galahad — Die kleine Ching-Ching — Eskapade — Quality Street — Schrecken der Meere — Bulldog Drummond — Maienzeit — Geschichte wird bei Nacht gemacht — Entgleist — Schwarzes Gold — Flucht aus San Quentin — Saratoga — Eine Dame der Gesellschaft — Darf ich bitten? — Die Eisprinzessin — Die Frau des G-Man — Meuterei in Sing-Sing — Man trifft sich in Paris — Leidenschaft — Wir in der Todeszelle — Das Leben Emile Zolas — Der Seeteufel — Im Schatten der Wolkenkratzer — Königin Victoria — Der letzte Zug aus Madrid — Königin Viktoria — Für Sie, Madame — 100 Männer um 1 Mädel — Skandal auf der Rennbahn. Filme unter Arierparaoraph Karussell — Stärker als Paragraphen — Die graue Dame — Das große und das kleine filück — Millionäre — Mein Sohn, der Minister — Mein Verhängnis sind die Frauen — 1 Ohrfeigen — Liebe geht seltsame Wege — Puszta-Komtesse — Madame Bovary — Versprich mir nichts — Wenn du eine Schwiegermutter hast — Austernlilll — Die milde Helene — Patrioten — Unternehmen Michael — Mysterium des Lebens — Liebe kann lügen — IA in Oberbayern — Capriolen — Unentschuldigte Stunde — Land der Liebe — Llebesregiment — Zauber dor Boheme — Das Schwelgen im Walde — Die' Stimme des Herzens — Zu neuen Ufern — Ein Volksfeind — Sherlock Holmes — Die glücklichste Ehe von Wien — Peter im Schnee,