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Die neue Welt · 1937-10-22 · Heft 696 (22.10.1937) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 696 (22.10.1937)
Date
1937-10-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 696 vom 22. Oktober 193? DIE NEUE WELT Seite 5 Judi§die Bevölkerungsbewegung in Wien Rapide Abnahme der Geburten und Zunahme der Selbstmorde Die Amtsdirektion der israelitischen Kultusgemeinde Wien veröffentlicht nachstehende Daten auf Grund der Verzeichnisse des Matrikenamtes: In den ersten neun Monaten des Jahres 1937 sind 736 Trauungen vollzogen worden. Von den in diesem Zeiträume geborenen 568 Kindern waren 286 männlichen und 282 weiblichen Geschlechtes. Im gleichen Zeitabschnitt sind 2045 Sterbefäll c zu verzeichnen, und zwar 1049 männliche und 996 weibliche Personen. Besonders zu vermerken ist, daß der Prozentsatz der Selbstmorde auf 4,5 Prozent der Todesfälle angewachsen ist; der Prozentsatz betrüg in der Vorkriegszeit bloß 1,75 Prozent. Die auf Grund der erstatteten Anmeldungen errechnete Zahl der Austritte betrug 425 (gleich wie im Vorjahre), die der Eintritte 204. In dieser Zahl sind 114 Rücktritte inbegriffen. Im Schuljahre 193 6/3 7 besuchten 2294 jüdische Knaben und 2437 jüdische Mädchen die Volksschule, 1582 Knaben und 2048 Mädchen die Hauptschule. Die Zahl der schulpflichtigen Kinder, die die erste Volksschulklasse besuchten, betrug 1002, während im Schuljahre 1935/36 1148 Schüler und Schülerinnen, im Schuljahre 1934/35 1182 Schüler und Schülerinnen und im Schuljahre 1933/34 noch 1286 Schüler und Schülerinnen die 1. Klasse Volksschule frequentierten. Nach den Aufzeichnungen des Matrikenamtes werden infolge ständigen Rückganges der Zahl der Immer wieder wird behauptet, daß Rußland ausschließlich von Juden regiert wird. Und dies sei der Beweis für den ,»Jüdischen Bolschewismus". Diese Behauptung ist auch wieder auf dem Nürnberger Parteitag im September 1937 erhoben worden. Von bestunterrichteter russischer Seite werden nachstehende Angaben über die Besetzung der höchsten Regierungsstellen in Rußland gemacht. Angesichts der Vorgänge in Rußland ist es natürlich schwer, die fast täglichen Neubesetzungen bis in 'die unteren Regierungsstellen zu verfolgen. Aber eine Uebersicht über die Zusammensetzung der zwei obersten Regierungsstellen, des Politbüros der russischen Kommunistichen Partei (W. K. P.) und des Rates der Volkskommissare der U. d. S. S. R., ergibt folgendes: Das Politbüro besteht aus 9 Mitgliedern und 4 Kandidaten (Stellvertretern): Stalin, Georgier; M o 1 o t o w, Großrusse; Kaganowitsch, Jude; Woroschilow, Größrusse; K a 1 i n i n, Großrusse; An d r e j e w, Großrusse; K a s s i o r, Stanislaw Wikentjewitsch, Pole oder Litauer; Mikojan, Armenier, Tachubar, Wlas Jakowlewitsch, Kleinrusse. Kandidaten: Postyschew, Großrusse; Petrowsky, Kleinrusse; S h d a n o w, Großrusse; Eiche, Lette oder Deutscher. Insgesamt befindet sich also im Politbüro (unter den Mitgliedern und Kandidaten), das faktisch die höchste leitende Institution der U. d. S. S. R. darstellt, das über dem Rat der Volkskommissäre steht, nur ein Jude. DerRatderVolkskömmissäre besteht gegenwärtig aus folgenden Personen: Vorsitzender: M o 1 o t o w, Großrusse; Stellvertretender Vorsitzender und Kommissär der Finanzen: Tschubar, Kleinrusse (Ukrainer); Stellvertretender Vorsitzender und Kommissär der Schwerindustrie: Meshlank, Großrusse; Kommissär für Auswärtige Angelegenheiten: L i t w i n o w, Jude; Kriegsminister: Woroschilow, Großrusse; Innenkommissär: J e s c h o w, Großrusse; Kommissär der Sowchosy: J u r k i n, Großrusse; Justizkommissär: Krylenko, Großrusse; Gesundheitswesenkommissär: B o 1 d y r e w, Großrusse; Verkehrswesenkommissär: B a k u 1 i n, Großrusse; Landwirtschaftskommissär: Tschernow, Michail Alexandrowitsch, Größrusse; Holzindustriekommissär: Iwanow, Großrusse; Handelsmarinekommissär: Pachomow, Großrusse; Außenhandelskommissär: S u d b i n, Großrusse; Schwerindustriekommissär: Kaganowitsch, Jude; Kriegsindustriekommissär: Ruchimowitsch, Jude; Innenhandelskommissär: W eitzer, Jude; Kommissär für Post und Telegraph: Berman, Jude; Geburten, im Jahre 1940 höchstens noch 690 jüdische Schüler und Schülerinnen die 1. Volksschulklasse besuchen. * An den Mittelschulen nahmen 3743 Knaben und 2591 Mädchen Unterricht; hievon entfallen auf die Untermittelschule (1. bis 4. Klasse) 2532 Knaben und 1123 Mädchen. Die Zahl der jüdischen Schüler an Fortbildungsschulen, Gewerbeschulen, Handelsakademien und Handelsschulen betrug 1349, die der jüdischen Schülerinnen 900. Jugendgottesdienste haben in 18 Gemeinde- und Vereinssynagogen jeden Samstag stattgefunden. Die Frequenz betrug insgesamt 132.170 Schüler und Schülerinnen, hievon entfallen auf das 1. Halbjahr 74.660, auf das 2. Halbjahr 57.510. Von der Kultusgemeinde werden unmittelbar erhalten, bzw. subventioniert: 8 Kindergärten mit 346 Kindern, von welchen 205 vollständig verpflegt werden. In den 40 von der Kultusgemeinde in allen Bezirken Wiens errichteten Bibelschulen genießen den Unterricht in hebräischer Sprache, Bibel, Liturgie und jüdische Geschichte 2731 Schüler. Soll (fMfazfy filip J$sec$oUh> Ve rIo bte Wien, im Cheschwan 5698 Ernährungsindustriekommissär: Mikojan, Armenier. Insgesamt sind also von 19 Volkskommissären 13 Großrussen und Ukrainer oder Kleinrussen (es muß erwähnt werden, daß es oft sehr schwer fällt, einen Großrussen von einem Ukrainer zu unterscheiden) , 1 Armenier und 5 Juden. Es muß dabei noch hervorgehoben werden, daß von den Kommissariaten, die eine politische Rolle spielen, sich nur eins S Vogue 1938 - Ein Technicolor - Lustspiel mit Joan Bennett, Warner Baxter, Mascha Auer Ein Musik-, Farben-, Toiletten- und Schönheits - Rausch Ab heute: Burg-Kino, 1., Imperial-Kino, I. in jüdischen Händen befindet — das ist das Außenkommissariat. Aber in diesem Falle spielt Stalin die leitende Rolle, der alle mehr oder minder wichtigen Entscheidungen selbst trifft. Litwinow hat nur die Funktion des Mannes, der Berichte erstattet und Beschlüsse durchführt. Die wichtigsten politischen Kommissariate befinden sich also in den Händen von Russen oder Ukrainern. AUe> ScUMikkev Für Volksschulen, Hauptschulen, Mittelschulen und and. Lehranstalten in den richtigen Auflagen, auch antiquafisch, solche zu alierniedrigsten Preisen liefert AHtic^uaciat U&cm. IaacUhcz IB, Ecke Taborstrafle 52 / Telephon R-41-4-20 Ankauf« TailSCh zu günstigen Bedingungen Selbstmord wegen Rassenschande Aus Berlin: Der jüdische Arzt Dr. Schwabe in Frankfurt a. M., dem gerichtliche Verfolgung wegen „Rassenschande" drohte, beging Selbstmord, indem er sieh aus dem Fenster seiner Wohnung stürzte. Bei beginnender Verkalkung der Blutgefäße führt morgens ein Glas natürliches „Franz-Josef "-Bitterwasser zu regelmäßiger Stuhlentleerung, sowie zur raschen Entgiftung des Magendarmkanals und Herabsetzung des hohen Blutdruckes. Fragen Sie Ihren Arzt. 1984 jüdische Beamte wurden in Deutschland entlassen Aus Berlin: Auf dem ersten deutschen Beamten tag, der am Montag, 18. Oktober, im Deutschen Museum zu München eröffnet wurde, hielt der Reichsbeamtenführer Neef eine Rede, in der er zum erstenmal auch einige Zahlen über die Auswirkungen des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums gab. Auf Grund dieses Gesetzes seien wegen staatsfeindlicher Gesinnung 5433 Beamte, sowie 198 4 Jüdische Beamte entlassen worden. Ein epochemachendes Werk Die endgültige Entscheidung Uber die Lösung der Palästinn-Frage ist noch nicht gefallen. Laut Beschluß des Völkerbundrates soll eine neue englische Kommission nach Palästina gehen und dort die Lage prüfen, um auf Grund von Besprechungen mit den Juden und Arabern neue Vorschläge zu unterbreiten. Da aber die englische Regierung trotz der negativen Haltung des Parlaments, der Mandatskommission und anderer wichtiger Faktoren nach wie vor den Teilungsplan forciert, ist es wichtig, sich mit seinen Möglichkeiten zu beschäfIlgen. Auf dem letzten Zionistenkongreß in Zürich wurde eine lebhafte Debatte für und gegen den Teilungsplan geführt, so daß der zionistisch interessierte Leser über die wesentlichen Punkte dieses Planes informiert ist. Der bedeutende Publizist Dr. J. M. Machover (London) bringt in seiner aufsehenerregenden Schrift JUDENSTAAT ODER GHETTO DIE TEILUNG PALÄSTINAS - EINE GEFAHR (DR. HEINRICH GlANZ VERLAG / WIEN) eine Analyse des Teilungsplanes, beweist klar, daß mit der Durchführung des Planes alle zionistischen Hoffnungen und Rechte zunichte gemacht würden und zeigt den einzig richtigen und gerechten Weg zur Lösung des Palästina-Problems. Preis österr. S 5.— Zionismus Wegen des Teilungsplanes Aus Amsterdam (J. T. A.): Die Mehrzahl der Mitglieder der Exekutive der holländischen zionistischen Organisation sowie die Herausgeber der zionistischen Wochenschrift „De Joodsche Wächter" kündigen an, daß sie im Zusammenhang mit der politischen Resolution des Züricher Zionistenkongresses auf der nächsten Konferenz der Organisation im Dezember ihre Demission geben werden, da sie der Ansicht sind, daßdieAnnahme der Teilung Palästinas einem Verzicht auf die zionistischen Ziele gleichkommt. Die zionistische Propaganda in Holland — jedoch nicht die Propaganda für die zionistischen Fonds — werde eingestellt werden. Die Minderheit der Mitglieder der Exekutive, die beiden Poale-Zionisten (Zionististen-Sozialisten) sind der Ansicht, daß die Kongreßresolution keineswegs so gedeutet werden kann, daß der Kongreß die Teilung Palästinas akzeptiert. Die Exekutive appelliert an die zahlreichen holländischen Zionisten, die die Zionistische Organisation zu verlassen gewillt sind, jedenfalls den nächsten Zionistenkongreß abzuwarten, auf dem der endgültige Beschluß betreffend den Status Palästinas nach Verhandlungen mit England gefaßt wird.;l; Die soeben abgehaltene Generalversammlung des Verbandes der zionistischen Jugend in Holland nahm in schärfster Weise gegen den Plan der Teilung Palästinas und der Bildung eines Zwergstaates Stellung und wandte sich besonders heftig gegen jene zionistischen Führer und Gruppen, welche der Teilung zustimmen. In der Resolution, welche zu diesem Gegenstande gefaßt wurde, heißt es u. a.: „Die Ursache der Judennot ist die Minoritätsstellung, welche die Juden überall einnehmen. Das Ziel des Zionismus ist, die Bedingungen für den nationalen Fortbestand des jüdischen Volkes zu schaffen. Das zionistische Ziel kann nur dann erreicht werden, wenn das jüdische Volk in sein Land, zu seiner Sprache und Kultur zurückkehrt. Das jüdische Volk muß in seinem Lande die Bevölkerungsmehrheit bilden. Die zionistische Jugend erhebt schärfsten Einspruch gegen jede Teilung Palästinas, weil dadurch ein jüdischer Staat geschaffen werden würde, der zu klein ist, um als jüdisches Land das jüdische Volk aufzunehmen, und in politischer, wirtschaftlicher und strategischer Hinsicht zu schwach, um die freie nationale Existenz der jüdischen Bevölkerung zu sichern. Durch die Schöpfung eines solchen Staates wird da£ zionistische Ziel nicht nur nicht erreicht, sondern dessen Erreichung unmöglich gemacht. Die Annahme des Teilungsplanes raubt der jüdischen Jugend ihren Idealismus und macht die z i on istische Propaganda unter der Jugend u nmöglich. Wir fordern die Aufrechterhaltung des Völkerbundmandats über Palästina, in der Ueberzeugung, daß die Aufrechterhaltung bei ehr-« lichem Willen der Mandatarmacht durchaus möglich ist."

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