Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 696 (22.10.1937)
- Date
- 1937-10-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 696 vom 22. Oktober 1937 Rasi Imn Die Schule für Damen I, Wipplingerstraße 30, Telephon U-28-10; in den Hauptzentren von Palästina 150 arabische Agitatoren und Exzedenten verhaftet. Seit Samstag sind die Telephonverbindungen mit ganz Nordpalästina unterbrochen. An der syrischpalästinensischen Grenze haben am Samstag abends zwischen Grenzwächtern und einer Bande von 200 bewaffneten Syriern regelrechte Kämpfe stattgefunden. Die Syrier, die den Versuch machten, die Grenze zu überschreiten, wurden mit großen Verlusten zurückgeschlagen. Zahlreiche Starkstromleitungen wurden durchschnitten, ganze Teile Paliistinas sind in Dunkel gehüllt. In Motza hat sich eine Gruppe jüdischer Arbeiter S^gen eine Bande von über 100 bewaffneten Arabern erfolgreich zur Wehr gesetzt; die Araber haben nach längeren Kämpfen unter ZurUckla?stmg von Verletzten die Flucht ergriffen. Der Brand im Fäaighafen Lydda Durch den —: von uns bereits gemeldeten — Brand auf dem Flugplatz in Lydda wurde ein Schaden von 7000 pal. Pfund angerichtet. lieber das Stadtgebiet von Lydda wurde für 24 Stunden der Belagerungszustand verhängt, der Stadt eine Strafe von 5000 pal. Pfund als Buße auferlegt. Außerdem wurden auf Anordnung der Behörden einige arabischen Gebäude in der Nähe des Flugplatzes, in denen sich die Angreifer verschanzt hatten, als Vergeltungsmaßnahme dem Erdboden gleichgemacht. N@ue He3fsp®fiizisten Im ganzen Lande werden neue Hilfspolizisten ausgehoben. Sie liegen in Schulen, Sportheimen und sonstigen öffentlichen Gebäuden in Bereitschaft, um nötigenfalls sofort nach gefährlichen Punkten entsandt werden zu können. Kommt es zum Be9agerungszusfancl? Der Ober kommandierende der britischen Truppen in Palästina, Generalmajor Wavell, hat alle Distriktskommissäre zu einer Beratung über die Verkündung des Kriegsrechtes in Palästina nach Jaffa berufen. Die Distriktskommissäre sollen auf Grund ihrer Beobachtungen ihr Urteil darüber abgeben, ob die Proklamierung des Belagerungszustandes für ganz Baiästina oder für einzelne Teile ratsam sei. Auf allen wichtigen Straßen Palästinas sind die Polizei- und Militärpatrouillen verstärkt worden. Zum erstenmal seit dem Ausbruch der neuen Unruhen er- »cheinen die Polizisten auf den Straßen jetzt wieder in Stahlhelmen. Die internationalen Unternehmungen, Eine sdiändlidie Affare Der Rabbiner von Oderberg (Bohumin, Tschechoslowakei) wegen Hochverrats denunziert, von der Synagoge weg verhaftet und angeklagt emo9 Pensione Felice (orso dell* impero 184. Unter Aufsicht des Hamburger Vereines. Direktion: Dr. med. Alex Schwarz welche tagsüber von der Polizei bewacht werden, werden nachts von Militär bewacht. In Jerusalem, wo vorübergehend die Polizeisperrstunde aufgehoben worden war, ist diese im Zusammenhang mit den jüngsten Terrorakten in mehreren Teilen der Stadt für das ganze Stadtgebiet wieder in Wirksamkeit gesetzt worden. Polnische Aktionen der Regierung Die Zeitungen melden, daß das Mitglied des Obersten Arabischen Ausschusses Jamal el Hussein!, der nach dem Erlaß eines Haftbefehls gegen ihn angeblich ins Ausland geflohen war, und von dem es einmal hieß, daß er sich in Syrien, das anderemal, daß er sich in Bagdad aufhalte, sich noch immer in Palästina befindet. Ihm wird die Organisierung der neuen [Unruhen zugeschrieben. In der Sonderausgabe des Amtsblattes der Palästina-Regierung-, in welcher von dem Verbot der Regierung für die übrigen fünf Mitglieder des Obersten Arabischen Ausschusses, nach Palästina zurückzukehren, Mitteilung gemacht wird, wird gleichzeitig bekanntgegeben, daß der High Commissioner die Vollmacht erhalten habe, in jedem ihm ratsam erscheinenden Fall Personen das Betreten des Landes zu verbieten. Die Palästina-Regierung hat amtlich bekanntgegeben, daß sie die Verwaltung des Wakf, des mohammedanischen Religionsfonds, über den der Mufti bis zu seiner Absetzung zu verfügen hatte, selbst übernommen hat. Verband der ludenstaatszionisten / Judensfaatijugend Sektion Prater, Wien Ii, EriafsfraDe 5 Samstag, den 23. Oktober 1937, im Sektionsheim, II, ErlafstraQe 5, Filmvorführung: Der 20. Zlonistenkongreß - Palästina im Bild Beginn präzise halb 3 Uhr abends. Während des Lichtbildervortrags kein Einlaß. Eintritt freil * Herr Dr. Karl Blan, Rabbiner der Judengemeinde Oderberg, wandte sich an den Herausgeber der „Neuen Welt" um publizistische Hilfe. Herr Dr. Blan ist Mitglied der zionistisch-revisionistischen Partei, steht also zu unserem Blatte in keiner politischen oder organisatorischen Beziehung. Er begründet sein Ersuchen an uns mit der Behauptung, daß ihm die unter dem Einflüsse seiner Gegner und Verfolger stehende jüdische und nichtjüdische Presse in der Techechoslowakei verschlossen ist, und die „Neue Welt", welche auch in der Tschechoslowakei gelesen wird, wohl in der Lage ist, das Interesse der Oeffentlichkeit für seine Angelegenheit wachzurufen. Die „Neue Welt" erachtet es als ihre Pflicht, einem von der fürchterlichen Anklage wegen Hochverrat bedrohten jüdischen Manne, noch dazu Träger des Amtes eiues Rabbiners, die Möglichkeit der Verteidigung seiner Ehre und seiner Existenz zu geben. (Der nachstehend veröffentlichte Bericht über die Affäre Dr. Blan ist uns durch Herrn Dr. Geza Pleß, Oderberg, der für die Richtigkeit die Verantwortung übernimmt, zur Verfügung gestellt worden.) In Kürze erscheint: Sicutdacdweck dec iiidiscUen Jlttzcatiw Lebenslauf Jüdisdie Altertümer Gesdiidite des jüdisdien Krieges © Apion v. Alexandrien Ausgewählt und eingeleitet von Dr. B. Murmelstein Illustr. Ausgabe mit Farbtafeln. Lexikonformat Ein packendes Bild der letzten Tage Jerusalems von einem Verfasser, der Zeuge der großen Ereignisse war P*aäittei*%eH&cu%d S 15.SC WIEN I, RABENSTEIG 3 Am 28. Jänner, in den frühen Morgenstunden, traf das Ueberfallskommando der politischen Polizei aus der Nachbarstadt M.-Ostrau in Oderberg ein, besetzte die Wohnungen aller Vorstandsmitglieder der zionistisch-revisionistischen Partei, beschlagnahmte die vorgefundenen Briefe, Bücher und Flugschriften. Rabbiner Dr. Blan wurde verhaftet- und in die Spionageabteilung der politischen Staatspolizei gebracht. Dort wurde ihm folgende Strafanzeige vorgelesen: „Der Odcrberger Rabbiner Dr. Karl Blan Ist ein führendes Mitglied einer unter den Namen „Zionistischrevisionistische Partei" und „Neue Zionistische Organisation" getarnton faschistischen Geheimorganisation. Ziel dieser von dem ehemaligen russischen Sozialrevolutionär und späteren Faschistenführer Jabotinsky geführten Partei ist, eine Revision der. Friedensverträge und mit Hilfe militärischer Gewalt einen Umsturz der sozialen und politischen Gesellschaftsordnung herbeizuführen. Zu diesem Zweck steht Jabotinsky in Verbindung mit revisionistischen Gruppen in der ganzen Welt und unterwühlt überall den Gedanken der Demokratie, die er in seinen Schriften verhöhnt, um an ihrer Stelle eine faschistische Diktatur zu errichten. Selbstverständlich sind hiezu militärisch geschulte Kräfte nötig. Jabotinsky ist auch der Gründer einer eigenen jüdischen Legion. Jabotinsky steht im schärfsten Gegensatz zu der vom Präsidenten der Zionistischen Organisation, Dr. G h a j i m Weidmann, geführten jüdischen Politik, die er mit allen Mitteln zu durchkreuzen versucht. Bekannt ist das Transferabkommen Jabotinsky» mit der deutschen Reichsregierung, zu welcher er die besten Beziehungen unterhält. Seine Organisation auf dem Gebiete der Tschechoslowakei ist auch eine rein militärische. Nach dem Muster der deutschen Hitler-Jugend hat Jabotinsky hier eine militärische faschistische Truppe, Betar genannt, aufgestellt, die von Offizieren der polnischen Armee ausgebildet wird. Während die ganze jüdische Oeffentlichkeit, insbesondere aber die Zionistische Organisation, einen verzweifelten Kampf gegen das Dritte Reich führt, unterhält Jabotinsky freundschaftliche Beziehungen zur deutschen Reichsregierung, von welcher er moralisch und finanziell unterstützt wird. Die reichen Geldmittel der revisionistischen Partei, mit welchen sie Ihren Kampf gegen die Politik Dr. Weizmanng führt, stammen zum größten Teil aus deutschen Quellen. Das politische Endziel der Revisionisten ist, Großbritannien aus dem Mittelmeer zu verdrängen, einen jüdischen Pufferstaat unter Italienischem Mandat zu errichten und die weltpolitischen Aspirationen des deutschen Reiches zu stützen. Die Revisionisten sind die stärksten Stützen des großdeutschen Gedankens." „Beweise: AI3 Beweise für die Staatsgcfährlichkeit der Revisionisten werden angeführt: Artikel in den Zentralorganen („Äldovske Zpravy" und „Sclbstwchr") der Allgemeinen Zioniston in der Tschechoslowakei. Ferner die vom Zionistischen Zentralverband der Tschechoslowakei herausgegebene Propagandaschrift „W ahrhfiit über den Revisionismus" von Dr. Braun und Dr. Schmitz. Ferner: Zeugenaussagen der leitenden Politiker der Zionistischen Organisation." „Die zur Erreichung der obenangeführten Ziele erforderlichen Beziehungen vermittelt der Od erb erger Rabbiner Dr. Blan, welcher in engen Beziehungen zur Kanzlei der N. S.D. A. P. im Dritten Reiche lind zur deutschen Geheimpolizei „Gestap o" steht. Gemeinsam mit Gt-org Kareski (Deutschland) ist Dr. Blan ein wichtiger Agent des deutschen politischen Geheimdienstes. Him, dem Rabbiner in Oderberg, obliegt es auch, unter der jüdischen Bevölkerung, insbesondere im Grenz geblot der Tschechoslowakei, Verständnis und Sympathie für das Dritte Reich zu erwecken." „Dr. Karl Blan ist daher begründet verdächtigt der Verbrechen nach SS 2 und 17 des Gesetzes zum Schutze der Republik (Hochverrat, Spionage und Mitgliedschaft einer staatsfeindlichen Organisation) und ist daher das Strafverfahren nach diesen Paragraphen einzuleiten. Gleichzeitig ist das Verfahren nach 8 17 auf die anderen führenden Mitglieder der revisionistischen Partei in Oderberg auszudehnen." Rabbiner Dr. Blan wurde über Einschreiten des Innenministeriums auf freien Fuß gesetzt, aber die Anzeigen beim Spionage-Referat wurden fortgesetzt. Einige Monate später wurde er während des Sabbath- Gottesdiensteg verhaftet und neuerlich nach M.-Ostrau geführt. Als sich die neuen Anzeigen als haltlos erwiesen, verfügte das Ministerium seine Freilassung. Als Rabbiner Dr. Blan im Innenministerium vorsprach, wurden ihm die Namen der Anzeiger bekanntgegeben, und zwar: Dr. Arnold S i 1 b i g e r, Vertreter der Allgemeinen Zionisten (Gruppe A) im Oderberger Kultusvorstand und im Oderberger Stadtrat. Dann Emil W a 1 d s t e i n, jüdischer Korrespondent der Prager „Lidove Noviny", welcher in enger Verbindung mit dem Zionistischen Landesverbände ateht. Weiters wurde ihm bekanntgegeben, daß eine Abordnung der Poale Zion den stellvertretenden. Ministerpräsidenten Bechync um Einschreiten gegen ihn ersucht hatte. Sic bezeichneten Rabb. Dr. Blan als Mittelsmann zwischen den deutschen Hakcnkreuzlcrn und der Gajda-Gruppe (tschechische Faschisten) und Träger einer staatsgefährlichen Tätigkeit im Grenzgebiet. Führer der Abordnung war Herr Zoltan Buchsbaum, Vertreter der Poale Zion im Oderberger Stadtrat. Mit ihm waren die Vertreter der Ortsgruppen der Poale Zion in Prag und M.-Ostrau. Ueber den Fall Dr. Blan schreibt einer der höchsten Beamten des Innenministeriums, Sektionschef Dr. Le derer, im „Rozvoj" (Organ der Tschecho- Juden) wie folgt: „Wir sind zu beiden zionistischen Gruppen gegnerisch eingestellt, wir bringen den Revisionisten keine Sympathie entgegen. Aber das Ungeheuerliche dieser politischen Verfolgung zwingt uns, zu sprechen. Seit Monaten werden in den Zeitungen verschiedenster Richtungen, aber stets aus derselben Quelle, die schwersten Anschuldigungen gegen den Oderberger Rabbiner Dr. Blan erhoben. Die sozialistische Presse bezeichnet ihn als Anhänger jener Gruppe, welche den Sozialistenführer ArlosorofE ermordet hat, in anderen Zeitungen wird er aufs schwerste angegriffen: als Faschist, als Agent der Gestapo, kurz als ein Mensch, der unserem Staate außerordentlich gefährlich ist. Leider mußten wir uns davon überzeugen, daß es bei diesen ungeheuerlichen Anschuldigungen um nichts anderes geht, als um den Versuch gewisser Zionisten, ihre politische Abrechnung mit den Revisionisten so auszutragen. Schon vor Jahren waren wir Zeugen dos politischen Mißbrauches der tragischen Ermordung Arlosorofis durch die zionistische Leitung, welche eine ganze Gruppe von Juden für dieses bis heute ungeklärte Verbrechen haftbar machte. Trotzdem konnten wir nicht fassen, daß politischer Haß zu so furchtbaren Verleumdungen führen könnte, wie wir sio im Falle Dr. Blan jetzt erleben. Die Anschuldigungen gegen den Oderberger Rabbiner berühren uns als tschechische und jüdische Partei. Wir müssen anprangern, was wir aus den Akten festgestellt haben. Doktor Blau und die Revisionisten als Gesamtheit worden in der Strafanzeige als Agenten der Gestapo bezeichnet, welche im Auftrage eines fremden Staates die großdeutschen Bestrebungen in der Tschechoslowakei stützen. Wir haben weder ein Interesse an der Person des Doktor Blau, noch an den Revisionisten, die uns ferner stehen als alle anderen zionistischen Gruppen. Wir können es aber nicht zulassen, daß eine bestimmte Gruppe de» Judentums staatsfeindlicher Tätigkeit bezichtigt wird, einzig und allein deshalb, weil sie in jüdischen Fragen ihre eigene Meinung luvt. * Wir haben aus dem uns übermittelten, großen Material nur das Wesentliche herausgegriffen. Aber es genügt, um aufzuzeigen, wie schwer die Zionisten und alle Juden in der Tschechoslowakei durch diese Ange, legenheit kompromittiert erscheinen. Wir haben Herrn Rabbiner Dr. Blan die Möglichkeit gegeben, seine Angelegenheit der Oeffentlichkeit darzustellen. Jetzt müssen jene Rede und Antwort stehen, gegen die er so furchtbare Anklagen erhoben hat, vor allem die verantwortlichen Führer des tschechoslowakischen Zionismus«