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Die neue Welt · 1937-10-22 · Heft 696 (22.10.1937) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 696 (22.10.1937)
Date
1937-10-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 696 vom 22. Oktober 1937 DIE NEUE WELT Seite 3 Watkik&tuegd Der neugestaltete Sabbat Als Bialik das Leben der Juden in Erez Israel mit der Schaffung des Oneg Schabbat bereicherte, geschah dies aus der Erkenntnis, daß für die Gestaltung des Schabbat eine neue Form notwendig sei, eine Form, die auch dem neuen jüdischen Leben im Lande entspricht. Wenn also heute die zionistische Jugend den Schabbat gestaltet, so kommen in den Onagim Momente zum Ausdruck, die ebenso neu sind wie das Leben, das dieselbe Jugend im Lande verwirklicht. S. Moses (Berlin). Genügend groß! Man gebe uns die Souveränität eines für unsere gerechten Volksbedürfnisse genügenden Stückes der Erdoberfläche, alles andere werden wir selbst besorgen. Theodor Herzl, „Der Judenstaat". Ein alter Schacherer In Anbetracht der Forderung des Arabischen Komitees nach einem unabhängigen arabischen Staat darf nicht vergessen werden, daß der Orientale in der Politik ebenso wie im kommerziellen Leben ein alter Schaclierer ist. „Morning Post', London 1937. Jüdischer Sport und Aegypten Die Schwimm- und Wasserballmannschaft des Makkabi-Haifa ist nach Aegypten abgereist, wo die Makkablm an drei großen Veranstaltungen teilnehmen werden. In Zusammenarbeit mit dem Vizepräsidenten des Makkabi-Weltverbandes, J. G o ar (Alexandrien), hat Makkabi G. Flesch diese Tournee vorbereitet, für die die ägyptische Presse in Artikeln und Bildern eine erbringt den sensationellsten Film des Jahres KREUZ-KINO I. Der letzte Zuj aus Madrid (The last Train from Madrid) Schicksale Im Sturm des BUrgarkrl«ses> In den Hauptrollen: Dorothy Lamour, Olympe Bradna, Helen Mack, Gilbert Roland, Lionel Atwill, Anthony Qulnn ,rfla»- Regie Jarnos Hogan y 0 r l g I n a I-Vsr t I on!> PARAMOUNT-FILM S I N freüliche Propaganda entfaltet. Auch die größte arabische Zeitung der Welt, „A l-A hram", veröffentlichte einen großen Artikel über die Makkabi-Bewegung. * Makkabi-Weltverband, London. Judentum und Christentum im Dritten Reich Man lasse sich nicht täuschen: „diese Leute" haben Logik im Leibe, ihr Furor ist die Logik des Teufels und Jiät eine Dynamik, der nur die Dynamik Christi gewachsen ist. Darum lasse man sich nicht täuschen: Es wird dem Christentum in Deutschland gehen wie dem Judentum: der totale Kriegsstaat wird den letzten Hirten auf dem Felde erschlagen, der seine Augen «um Stern von, Bethleliem erhebt. F. W. Förster („Europa und die deutsche Frage", 1937)', Praktische Politik Nordau sieht die Lösung (der zionistischen Palästina-Frage) nicht in einer großen arabischen Auswanderung, sondern in einer großen jüdischen Einwanderung, sagen wir, eine halbe Million Juden in einem einzigen Jahre. Man sagt natürlich, die Politik müsse praktisclb sein. Doch der Weg des geringsten Widerstandes ist weder der Weg wahrer staatsmännischer. Kunst noch die Straße zur nationalen Rettung. I. Zangwill („Die Stimme Jerusalems")^ Eine logische Frage Es sind jetzt zwanzig Jahre seit der Verkündung der Balfour-Deklaration vergangen und wir können die Lage im Licht der aufeinanderfolgenden Ereignisse klar sehen. Hätte sich die Politik des jüdischen Nationalheims als Mißerfolg erwiesen, so könnte man kaum erwarten und verlangen, daß die Mandatsregierimg diese Politik fortführe. Wenn sie sich andererseits als erfolgreich erwies — und wir behaupten steif und fest, daß sie erfolgreich war — wäre es dumm und strafwürdig, sie aufzugeben. Darf irgendeine Regierung die Politik, die erfolgreich ist, aufgeben? J. M. Machover („Judenstaat oder Ghetto"). Verb« d* Judenstaatszionisten Oesterreichs Der Termin der diesjährigen Landeskonferenz wurde endgültig für Sonntag, den 31. Oktober, festgesetzt. Judenstaats Tugend und Sektion Prater. Freitag, den22. ds., halb 9Uhr abends, im Heim, Erlafstraße 5, Oneg Schabbat. — Samstag, den 23. ds., Filmvorführung: Der XX. Zionistenkongreß; Palastina im Bild. Eintritt frei! * Der Verband der Judenstaatszionisten und Judenstaatsjugend gratulieren ihrem Gg. Herrn Filip Issersohn zu seiner Verlobung mit Frl. Sali Goldberg aufs herzlichste. * Balfour-Gedenkfeier. Samstag, den 30. d., halb 9 Uhr abends, im Festsaal des Hotel Continental. Sprecher: Dr. I. Z. Kann er, J. Ehren ik?ranz, Robert S t r i c 'k e r. Aus New York kommt die Nachricht, daß der Bankier Felix Warburg, Mitglied des Bankhauses Kuhn, Loeb & Co., im Alter von 66 Jahren am 20. Oktober gestorben ist. Der Verstorbene stammte aus Hamburg, wo zur Zeit noch seine beiden Brüder Max und Dr. Fritz Warburg als Bankiers leben. Mit Felix Warburg verliert vor allem das jüdische Amerika eine seiner führenden Persönlichkeiten, seiner großen Philantropen und gesellschaftlichen Repräsentanten. Wie man weiß, stand Felix Warburg an der Spitze des American Joint Distribution Committees (kurz „Joint) genannt), einer Institution, die im Jahre 1915 gegründet wurde und fast zwanzig Jahre hindurch für hunderttausende verarmte und entwurzelte jüdische Familien sorgte. Mit der zionistischen Bewegung und Organisation trat Felix Warburg im Jahre 1929 bei der Gründung der sogenannten erweiterten Agency in Berührung, wo er als einer der einflußreichsten Männer den nichtzionistischen Teil dieser Agency vertrat. Bei der letzten Tagung des Councils der erweiterten Jewish Agency erwies sich Warburg als Gegner des Teilungsplanes, allerdings nicht aus vollzionistischen judenstaatlerischen Motiven heraus, sondern aus einer Einstellung, die sich von einer Nachgiebigkeit gegenüber dem arabischen Nationalismus eine Fortsetzung der , kolonisatorischen Tätigkeit für die Juden versprach. Felix Warburg hatte Sinn und Verständnis für die Interessen des Judentums, und wenn er sich auch der politisch-zionistischen Auffassung der Judenfrage verschloß, so hat doch sein großzügiges philanthropisches Wirken viel zur Linderung der jüdischen Not in aller Welt und zur Förderung der jüdischen Kolonisationsarbeit in Palästina beigetragen. Gegen den arabischen Terror Der Mufti weilt nicht mehr in Palästina. Allerlei Gerüchte beschäftigen sich mit ihm. Die einen besagen, daß er sich in Syrien aufhält; die anderen, daß er in Aegypten eine Zuflucht gefunden hat. Aber wie dem auch sei — an der Tatsache läßt sich nicht rütteln, daß das Zugreifen der Palästina-Regierung überall Eindruck gemacht hat. Nach den vielen Jahren des Gewährenlassens war man auf eine energische Haltung der palästinensichen Behörden nicht mehr gefaßt; man muß jedoch mit Erstaunen feststellen, daß — nach den zahlreichen Ueberfällen zu schließen — die arabischen Terroristen immer noch in einem Ausmaß bewaffnet sind, der für die nächste Zeit noch Schlimmes befürchten läßt. Die täglichen Schießereien und Bombenwürfe stellen an die Nerven des Jischuws die größten Anforderungen; die jüdische Jugend ist, soweit sie nicht als Hilfspolizei und KolonienSchutztruppe eingestellt wurde, den Angriffen der Banden gegenüber wehrlos, da man ihr nicht gestattet, sich selbst zu bewaffnen. Afi) Wie die Berichte aus Palästina besagen, wird die Lage von Tag zu Tag gespannter. Die Verhaftung und Deportierung der extrem nationalistischen arabischen Führer hat nicht vermocht, den Terror einzudämmen. Im Gegenteil: die Maßnahmen der Mandatsregierung scheinen vorläufig die geheime arabische Propaganda nur gestärkt und den Widerstand der Extremisten erhöht zu haben. Die Ausschaltung der verhafteten arabischen Führer aus dem politischen Leben des Landes ist viel zu spät gekommen, als daß sie sich hätte unmittelbar auswirken können. Noch gibt es zu viele und zu gut organisierte Elemente, welche allen Versuchen der Pazifizierung trotzen, im Vertrauen auf Kräfte, die außerhalb Palästinas stehen und für' ihre eigenen Interessen im Vorderen Orient und im Mittelmeer wirken. Nur wenn man auch diesen Erscheinungen sein Augenmerk zuwendet, kann man einen Ueberblick über das, was jetzt in Palästina geschieht, gewinnen. Wir haben in unserer letzten Ausgabe berichtet, daß ein reichsdeutscher Nationalsozialist namens Bock die Führung einzelner Bebellengruppen innehat und als Verbindungsoffizier zwischen dem Dritten Reich und den extrem nationalistischen Arabern fungiert. Die von Deutschland geführte Hakenkreuzpropaganda hat nicht wenig zu der arabischen Eevolte beigetragen. Den palästinensischen Konflikt nützt der vom Dritten Beich geleitete Weltantisemitismus zu seinen Zwecken aus, im Vorderen Orient ebenso wie in Nordafrika, wo es in der letzten Zeit wiederum zu Aufständen gekommen ist. Die italienischen Versuche, sich die Sympathien der 0FEN1CHWEMME IX, PORZELLANGASSE 2 KONKURRENZLOSE PREISE Araber, bzw. der Mohammedaner zu sichern, tangieren die gespannte Lage im Mittelmeer, und so erkennt man, welche Bedeutung den gegenwärtigen Vorgängen in Palästina zukommt. Die englische öffentliche Meinung ist bisher noch nicht zu präzisem Ausdruck gekommen, aber sie scheint darüber einig zu sein, daß es der schwerste Fehler wäre, den Terroristen gegenüber Nachgiebigkeit zu zeigen. Der größte Teil der englischen Presse verlangt eine entschiedene Politik, besonders seitdem durch die Terrorakte verkehrspolitisch und militärisch empfindliche Punkte und Einrichtungen des britischen Imperiums in Mitleidenschaft gezogen sind. Ueber die Ereignisse Selbst liegen folgende Mit« teilungen der J. T. A. vor: Morde, Brandstiftungen, Deportierungen Die Spannung im ganzen. Lande ist aufs höchste gestiegen. Auch in amtlichen Kreisen rechnet man jetzt mit der Möglichkeit eines baldigen allgemeinen Aufstandes. Die Vorbereitungen zur Verkündung de» Kriegsrechtes in einem solchen Falle sind getroffen. T a 1 p i o t, einer der modernen jüdischen Teile des neuen Jerusalem, ist einer heftigen Beschießung ausgesetzt gewesen. In der Jerusalemer Altstadt wurde, am Sonntag abends ein Araber von unbekannten Tätern getötet. Die jüdischen Siedlungen S e d j e r a ' und Ramat Hakowesch wurden stark beschossen. In Jaffa explodierte eine Bombe, die jedoch -keinen Schaden anrichtete. Bei einem Ueberfall auf eine jüdisch» Kolonie wurde ein jemenitischer Knabe getötet. In der Kolonie Ness-Ziona wurde, nach einer Meldung der United Press, ein Jude getötet. In Jerusalem wurde ein Jude durch einen Araber durch einen Messerstich so schwer verletzt, daß er ins Krankenhaus gebracht werden mußte. In Jerusalem wurde das Holzmagazin einer arabischen Firma in Brand gesteckt. Es dürfte sich, da der Eigentümer der ge- CafeAkketkaQ I, Hoher Markt - Lichtensteg Nr.4 mäßigten Nashashibi-Bartei angehört, um einen Racheakt der Mufti-Leute handeln. Auf dem Flugplatz Kalandian bei Jerusalem wurde ein Feuerüberfall verübt. Der Flughafen wurde außer Betrieb gesetzt. Auf der Straße Jerusalem—Jaffa wurde eine Straßen« brücke gesprengt. In Haifa ist die Lage gespannt. Das Mitglied des Obersten mohammedanischen religiösen Gerichtes, Scheich Emin Effendi, wurde zusammen mit einer größeren Anzahl von Scheichs und Ulemas verhaftet und nach Akko gebracht. Insgesamt wurden allein am Samstag, den 19,

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