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Die neue Welt · 1937-10-22 · Heft 696 (22.10.1937) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 696 (22.10.1937)
Date
1937-10-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 696 vom 22. Oktober 1937 WETTERKARTE MENSCHEN fürchten keinen Regen, keinen Sturm, keine Anstrengung, denn sie verwenden standig zur Pflege und zur Stählung ihres Körpers den vielfach bewahrten iQ.no. Franzbranntwein mit Menthol Kraftigt durch tägliche Einreibungen (Massagen) Muskeln und Sehnen, erhöht tilastUität und Ausdauer, erfüllt mit verjüngender frische. Ebenso wertvoll zur Mund und Haarpflege. Ifl jedem besseren Geschält erhälftich. Verlangen Sie ausdrücklich DiANa und neinnen Sie nur DIANA. Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurückzuweisen meinde in Tetuan mitgeteilt, daß sie sie für jeden einzelnen Fäll einer „Desertion" verantwortlich machen. Der 17jährige Sohn des jüdischen Einwohners von Arcila, Samuel Bangio, wurde auf Befehl der Militärbehörden erschossen. Die Söhne, des jüdischen Bürgers Juda Nahon wurden ohne Angabe eines Grundes verhaftet. Ueber ihren Verbleib kann man nichts erfahren. Zahlreiche Juden in Arcila wurden gezwungen, große Mengen Rizinusöl (!) einzunehmen, weil sie in ihren Fenstern nicht die faschistische Fahne gehißt hatten. In Larache wurde ein junger Jude namens Pariente von den Faschisten ohne jeden Grund erschösse n. Als die jüdische Gemeinde in Ceuta die Herausgabe der Leiche des Erschossenen verlangte, erklärten die Faschisten, sie würden sie erst herausgeben, wenn 30.000 Pesetas erlegt werden würden. In Meilila wurden 16 Juden erschossen, die der Freimaurerei angeklagt waren. Vor neuen ahtijudischen Maßnahmen in Deutschland Aus Paris wird berichtet: Nach, einer Meldung des Korrespondenten des „Petit Parisien" wird der antijüdische Kurs in Deutschland in der nächsten- Zeit eine weitere Verschärfung erfahren. Die Reichsregierung hat die Gauleiter der NSDAP, beauftragt, die erforderlichen Maßnahmen zur Durchführung ihrer gegen die jüdische Minderheit gerichteten Politik zu treffen. Daß die „endgültige Liquidierung der Judenfrage" geplant ist, beweist die soeben erfolgte Errichtung eines jüdischen Referates im Rassenpolitischen Amt. Die Gefahr der Verschlechterung der jüdischen Situation in Deutschland geht daraus hervor, daß nunmehr die nationalsozialistische Partei bei der Ausarbeitung von Gesetzesvorschlägen betreffs der Liquidierung der Judenfrage mitwirken wird. Man muß mit den schärfsten Verordnungen seitens der einzelnen Gauleiter rechnen, insbesondere auf wirtschaftlichem Gebiete, da nunmehr auch aus dem letzten wirtschaftlichen Bereich, dem gesamten Detailhandel, die Juden auf Grund der letzten behördlichen Maßnahmen ausgeschlossen werden sollen. EISE SELCHWAREN 3 MAL TÄGLICH FRISCH a==========aN ALLEN FILIALEN Italien und Palästina Weazmann wnd demnächst König des Judenstaates Aus Jerusalem: Der italienische Rundfunksender in Bari hat seine proarabische, antienglische und antizionistische Propagandatätigkeit unter den arabischen Ländern des Nahen Ostens wieder in verstärktem Maße aufgenommen. Mittwoch nachts gab der Sender einen Ueberblick über die Lage in Palästina, wobei für Freitag, 15. Oktober, der Ausbruch neuerblutiger Geschehnisse in Palästina angekündigt wurde. (Der Ausbruch erfolgte tatsächlich.) Gleichzeitig sagte der Sprecher, es seien Nachrichten eingetroffen, wonach die Palästina-Regierung auf alle Eventualitäten vorbereitet sei. In einer anderen Sendung aus Bari wurde mitgeteilt, daß Dr. Weizmann in kurzem als „K ö n i g des neuen jüdischen Staates in Palästina auf den Thron erhoben" werden wird. Aus Rom: Die hiesigen Zeitungen melden aus Tripolis, daß die mohammedanischen Notabein aus ganz Libyen eine Kundgebung an Mussolini gerichtet haben, in der sie ihre Solidarität mit den Arabern Palästinas versichern, „zumal nach den Ereignissen, die sich dort in den letzten Tagen abgespielt haben infolge der von der Mandatsmacht ergriffenen Maßnahmen" Scharfe Ausfälle gegen England Aus Mailand: Däs italienische Regierungsorgan- ,,P o p o 1 o d'l t a 1 i a" richtet einen heftigen Angriff gegen die englische Politik in Palästina. In dem Artikel heißt es: „Die Nachrichten aus Palästina können in der zivilisierten Welt nur Entsetzen erregen. Gesetze, die seit Jahrtausenden für die zivilisierte Menscheit gelten, werden verletzt. Unschuldige Bürger werden bestraft für Taten, für die sie gärnicht verantwortlich sind." In bezug auf die englischen Strafmaßnahmen wegen der Brandstiftung auf dem Flugplatz von Lydda erklärt das Blatt, ganze Straßen würden niedergebrannt. Was eine Verletzung der Zivilisation in Europa darstellt, ist auch in Palästina als eine solche Verletzung zu betrachten. Niemand hat irgend jemandem das Mandat übertragen, um im Heiligen Lande Verwüstungen und Metzeleien anzurichten. Aus Addis Abeba melden die italienischen Zeitungen, daß der Kadi und das dortige Haupt der arabischen Gemeinden dem Völkerbund eine Protestnote gesandt haben, worin es heißt, „die Mohammedaner und die arabischen Gemeinden ganzAbess i n i e n s bringen ihr schärfstes Mißfallen über die von; der britischen Regierung in Palästina verfolgte Politik zum Ausdruck und sie vereinen sich aus ganzem Herzen mit ihren Brüdern in Palästina, um in der entschiedensten Weise jedwedes Projekt zu bekämpfen, das auf die Zerstückelung Palästinas gerichtet sei". Diese Protestnote wurde auch an den britischen Regierungschef, an den Großmufti von Jerusalem und an die arabischen Zeitungen in Kairo und Alexandrien versendet. Aus Rom: Die Nachricht, daß der Mufti nach Rom kommen werde, wird hier entschieden dementiert. Dagegen liegt eine Meldung aus Beirut vor, nach der der Mufti dortigen Berichterstattern ausländischer Zeitungen folgendes erklärte: „Ich hoffe, man wird mir hier den Aufenthalt gestatten. Meine Absicht ist, jede politische Tätigkeit aufzugeben. Ich werde das Dasein eines vereinsamten MJen-' sehen führen. In Europa leben zu müssen, wäre für mich schmerzvoll." Das muß nicht sein Es ist publizistische Pflicht, von Zeit zu Zeit einen Blick in den Gerichtssaal zu werfen; einen Blick, der .bisweilen Dinge sehen läßt, die der Alltag allzu leicht dem Auge verwehrt. Es gibt nämlich ,,Gesinnungen", die mehr ins. kriminelle als ins politische Gebiet 'hinüberreichen und darum den Richter ebenso intensiv beschäftigen wie den Parteigänger. . . . Da spielte sich kürzlich in Wien eine „weltanschaulich" pikante Sache ab. Der Gesellschafter, einer Wiener Exportfirma, ein holländischer Staatsbürger, Süchte die inm' seit langem bekannte-Kassenfabrik C h w a 1 a auf, ,um mit dessen Chef persönlich wegen eines Geschäftes zu verhandeln. Bei der nicht gerade günstigen Geschäftslage sollte man meinen, daß der Kassenfabrikant froh sein werde, einen Auftrag zu bekommen. Nun gibt es — auch abgesehen von dieser profanen Betrachtung —■ Usancen des guten Tons, des Anstands und der Sitte, die zwischen zwei Partnern geübt werden, auch wenn es aus irgendeinem Grund zu keinem Abschluß kommen sollte. So ist's in aller Welt, bei allen vernünftigen kultivierten Menschen, sollte man meinen. Herr C h w a 1 a hält es nicht mit diesem Prinzip. Er lehnte den Geschäftsverkehr mit dem holländischen Interessenten ab, sein Bruder tat noch ein weiteres: er gab dem Holländer, einen heftigen Stoß und schrie ihn an: „Drahn S' net auf, dreckiger Judenbua, bei uns heißt's nur .Heil Hitler!'" Dieser Vorfall bildete die Substanz eines Ehren-, beleidigungsprozesses, in welchem Josef Chwala zu. einer bedingten Geldstrafe von 40 Schilling verurteilt wurde. Allerdings faßte der Richter den Beschluß. Abschriften des Verhandlungsprotokolls zur weiteren Amtshandlung der Staatsanwaltschaft und der Polizei zu übermitteln. Die Gerechtigkeit geht ihren Gang. Es ist ijdcht' unsere Sache, sie zu kommentieren. Aber es wirft sich hier eine Frage auf, die das antisemitische „Wiener Cafi Jungwirth Familiencafe Montagblatt" allwöchentlich über eine ihrer Rubriken gesetz hat, nämlich „Muß das so sein?" Man bedenke: Die österreichische Industrie soll einen Exportauftrag bekommen und der Firmeninhaber refüsiert den Auftrag mit der Motivierung, er wolle — als Nazi natürlich — mit dem bestellenden Juden nichts zu tun haben! Hier liegt der krasseste Fall der Wirtschaftssabotage vor, von der in der letzten Zeit die verantwortlichen Leiter der österreichischen Politik so besorgt gesprochen haben. Es ist kein Zugereister, kein „ungebetener Gast aus dem Osten", kein „Polischer", sondern — sagen wir es ohne Hemmung heraus — ein Bodenständiger, der bewußt die Wirtschaft des im WD B.^MUmU.m £|g*IUlll& IffD II, Taborstrate 12 © Telephon R.48-4-46 HUGO und JULIE HERLINGER geb. Zollner Erstklassige renommierte Küche, große Auswahl Reichhaltige Menüs von 1.60 aufwärts / Exakte Bedienung Täglich frische Fische ' Neu renovierter Speisesaal / Angenehmer Aufenthalt Aufbau begriffenen Oesterreich schädigt. Wir nehmen keinen Anstoß an dem Namen des österreichischen Fabrikanten, der, philologisch gesehen, gewiß nicht den Anforderungen des germanisch geeichten Hakenkreuzes entspricht. Für uns ist er ein österreichischer Schädling. Das „Wiener Montagblatt" und die ihm artverwandte Presse kann sich an Angriffen gegen die jüdischen Gewerbetreibenden, die angeblich der Allgemeinheit nur Schaden zufügen, nicht genugtun. Fast jede Woche präsentiert die antisemitische - Presse bei uns jüdische, bzw. jüdisch klingende Namen von Kaufleuten, deren man wegen ihrer staatsschädlichen „Manipulationen" das Handwerk legen solle. Die Herren Chwala und Genossen allerdings darf man nicht anrühren: sie sind bödenständig, artgemäß, verwurzelt, deutschblütig. Wenn wir sagen, daß das nicht sein i muß, sö glauben wir, uns keiner Uebertreibung schuldig gemacht zu haben. AnwaltfUnion und Arierparagraph Auf der vor kurzem in Paris abgehaltenen Tagung der Union Internationale des Avocats, hat der Wiener Rechtsanwalt und Altpräsident der Wiener Advokatenkammer . Dr. Siegfried Kantor, Mitglied des Conseils, einen Antrag auf Ausschließung der rumänischen Rechtsanwaltskammer eingebracht, da diese Juden, Deutsche und Angehörige anderer Minoritäten nicht als Mitglieder anerkennt. Der Kongreß lehnte diesen Antrag zwar'ab, faßte aber folgende Resolution: „Angesichts des Umstandes, daß in gewissen Ländern eine Gruppe von Staatsangehörigen an der Ausübung des Advokatenberufes verhindert bzw. aus OPTIKER KAS3L S EI DU Ell I, Franz-Josefs-Kal 33 / II, HollandstraQe 7 Fachmännischer Rat / Reiche Auswahl / Beste Qualität / Preiswert . den Anwaltslisten entfernt werden, bringt der Rat der Internationalen Advokäten-Union allen seinen Mitgliedern die Devise der Vereinigung „Omno fraterne" in Erinnerung. In Uebereinstimmung mit diesem Prinzip erklärt er, daß die Bewilligung und Berechtigung zur Ausübung des Advokatenberufes unabhängig bleiben müsse von allen Fragen der Rasse, der Religion oder der Klasse und ausschließlich eine Angelegenheit der Befähigung sein dürfe." Arierparagraph im polnischen Aorzteverband Aus Pös'eh: Auf einer außerordentlichen ganzstaatlichen Konferenz des Verbandes polnischer Aerzte, die auf Antrag der nationaldemokratischen Aer-zte ein. berufen worden war, wurde eine Resolution angenommen, die das Verbandsstatut 'in der Richtung abändert, daß künftighin Mitglieder des Verbandes nur mehr polnische Staatsbürger, die von Geburt an der katholischen Religion angehören, werden'können. Aerzte, die diesen Bedingungen nicht entsprechen, können Mitglieder des Verbandes nur dann werden, wenn ein Sonderbeschluß des Zentralausschusses vorliegt. Die jüdischen Mitglieder des Aerzteverbandes sowie zahlreiche demokratische Mitglieder waren der Konferenz ferngeblieben.

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