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Die neue Welt · 1937-10-19 · Heft 695 (19.10.1937) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 695 (19.10.1937)
Date
1937-10-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. m van iö. Oktober MB NEUE WELT rr"^-""-1 vi - •.....; Seite« Mtfr Orotsmann London und die Palästina-Ereignisse Man entfernt sich immer mehr vom Teilungsplan Vor ungefähr neun Wochen haben der Kolonienminister Ormsby-Gore und der englische Sachverständige Hall vor der Mandatskommission in Genf erklärt, daß es der englischen Regierung unmöglich sei, drastische Mittel gegen das Arabische Oberste Komitee mit dem Mufti an der Spitze anzuwenden, solange dieses keine, direkt ungesetzlichen oder kriminellen Handlungen begangen habe. Die beiden englischen Vertreter bejaühten sich, die Initiatoren und Agitatoren des Terrors reinzuwaschen. Wegen „politischer Tätigkeit" verhaftet man doch nicht Männer vom Rang des Mufti. Die ganze Hetz- und Terrorkampagne, die ganz offen vom Arabischen Komitee geführt wurde, stellte man als einen nationalen, ja legitimen Kampf dar. Sowohl der Kolonienminister als auch der gewesene erste Sekretär der Palästina-Regierung, Hall, der „Mann auf dem Ort", waren der Ansicht, daß kein gesetzlicher Grund vorhanden sei, die Mörderbande auseinanderzujagen. Noch mehr: Die Einmischung in die Angelegenheiten des Moslemischen Rats sei verboten; sie würde bloß die arabischen Maseen «rregen. Und plötzlich: eine radikale Aenderung dieser vornehmen Haltung. Plötzlich gelten nicht mehr all diese Argumente und Rücksichten. Im Verlauf einiger Tage hat sich die Taktik der Palästina-Regierung geändert. Keine Spur mehr von Ormsby-Gore und Halls Genfer Motiven. Das Arabische Komitee wurde als illegal erklärt. Dessen Führer wurden verhaftet und deportiert. Der Mufti hat de facto Hausarrest. Die ganze Schutzmacht wurde mit einer Schnelligkeit und Energie mobilisiert, die selten in Palästina zu sehen sind. Und dieselbe Regierung, die noch vor kurzem mit den arabischen Hetzern kokettierte und sie in einem gewissen Maß in Schutz nahm, hat öffentlich die arabischen Führer für die Terrorakte verantwortlich gemacht. Das energische Eingreifen der Palästina- Regierung hat hier in England die wärmste Aufnahme gefunden. Sogar Zeitungen wie „Daily Express" und ..Daily Mail", die jede Gelegenheit benützen, um den Zionismus anzugreifen, haben sich diesmal an die Seite der Regierung gestellt. In ausführlichen Artikeln wird der Mufti als Abenteurer, als Hetzer, als verbrecherische politische Natur dargestellt. Natürlich ist die Ermordung des Distriktsgouverneurs Andrews und seiner zwei Beamten die direkte Ursache der merkwürdigen Haltungsänderung. Man hat jetzt gesehen, um was es geht. Zuerst Ueberfälle auf Juden, hierauf auf (gemäßigte) Araber und schließlich auf die Engländer selbst. Die Regierung, welche ihr Prestige verloren hatte, hat erkannt, daß sie bei weiterer Entwicklung würde zerstampft werden. Das Blut der eigenen Brüder schrie zum Himmel; es hat die antizionistische, antisemitische, proarabische Stimmung in den Hintergrund gedrängt. London begann zu revoltieren, indem es Zweifel hegte, bezüglich der politischen Weisheit seiner Vertreter in Jerusalem. Die britischen Militärs in Palästina hatten schon seit langem das Vertrauen zu den zivilen Beamten verloren und waren ungeduldig geworden. Und fast gegen den Willen von Wauchope und Ormsby-Gore wurde beschlossen, dem unhaltbaren Zustand ein Ende zu machen. Auch trugen die bitteren Wahrheiten, die sich die Engländer in Genf sagen lassen mußten, zur Haltungsänderung bei. :i: Diese Frontänderung in London und Jerusalem ist außerdem das Resultat zweier Geschehnisse, welche den Verdacht der Engländer bestätigt haben: Die Verbindung der arabischen Führer mit Italien und die offenen Vorbereitungen zu einem Aufstand. Schon fast zwei Jahre hindurch verfolgt der britische „Intelligent Service'* die Tätigkeit und die Bewegungen gewisser Araber. Man ist — langsam und systematisch — jedem Schritt nachgegangen, bis man die Quellen der Geldmittel und Waffen feststellte, anstatt mit deren Vernichtung Zeit zu verschwenden. Anstatt die „Nester" zu vernichten, hat man alle Vorbereitungen reifen lassen. Jetzt endlich ist das Katze-und-Maus-Spiel zu gefährlich geworden. Der Reinigungsprozeß steht erst am Anfang, obwohl sich in den Händen der Regierung schon lange Beweise arabischer „Freundschaft und Loyalität" befinden. Der arabische Kongreß in Blaudane (Syrien) war der zweite Faktor, der die Regierung gezwungen hat, die Auflösung des Arabischen Komitees mit ihren Abteilungen und Agenten zu beschleunigen. Der Kongreß selbst hatte keinen Erfolg. Es fehlte eine Menge wichtiger arabischer Führer, vor allem der, Mufti, aber die dreisten öffentlichen Erklärungen haben den Beweia für die arabischen Absichten geliefert, das Jahr 1936 in verstärktem Maß zu wiederholen. Da kam der Augenblick für das Militär, dreinzureden: ob es besser sei, auf einen Ueberfall zu warten oder selbst anzugreifen, um der geplanten Offensive des Gegners zuvorzukommen? Zur größten Ueberraschung der Araber geschah das zweite, und es fand überall Zustimmung. Wer mit den Methoden der englischen Außenpolitik vertraut ist, wird die Bedeutung der letzten Geschehnisse nicht überschätzen. Zunächst ist's nicht mehr als ein Schritt vorwärts, um zwei Schritte rückwärts zu machen. So ist es beispielsweise kein Zufall, wenn in allen Artikeln der „Diplomatischen Nachrichten", die vom Kolonienministerium inspiriert werden, betont wird, daß es sich nicht um die Aenderung der britischen Politik gegenüber den palästinensischen Arabern handle. Gott behüte. Charakteristisch ist dabei, daß sich gleichzeitig mit schweren Beschuldigungen gegen den Mufti ein Ton der Entschuldigung bemerkbar macht, wonach die Regierung gezwungen ist, derart radikale Mittel zu ergreifen. *' Selbstverständlich sind Ruhe und Ordnung die Vorbedingungen unserer Aufbauarbeit in Palästina. Aber es wäre ein Fehler, zu glauben, daß die englische Regierung jetzt so weit ist, eine klare und mutige prozionistische Haltung einzunehmen. Man wird versuchen, eine arabische „A g e n c y" zu schaffen. Man wird ein paar neue Versuche machen, die Araber finanziell zu befriedigen. Man wird gegenüber den Juden zugeknöpfter werden. Und nur dann, wenn all diese Bemühungen unter dem Druck des arabischen Extremismus zunichte gemacht sein werden, wird man sich einer aufrichtigen Mandatspolitik zuwenden. Das, was jetzt in Palästina geschah, ist gewiß von großer Bedeutung und von großem Nutzen für unsere weitere politische Arbeit. Es hat sich erwiesen, daß die jüdischen Beschwerden und Anklagen gegen die palästinensische Administration gerecht gewesen sind. Man wird jetzt unserer Stimme mehr Aufmerksamkeit schenken müssen. Aber was auch immer geschehen mag — die letzten Geschehnisse in Palästina werden noch Folgen nahen. Wir stehen erst am A nf ang. Man muß auf Ueberraschungen gefaßt sein. CofeAtdteekoQ I, Hoher Markt- Lichtensteg Nr. 4 Die Revisionisten bleiben draußen Zwei Resolutionen Die in der Vorwoche in Warschau abgehaltene Konferenz der Zionisten-Revisionisten Polens hat nach Anhörung des Referates von Jabotinsky mehrere politische Resolutionen beschlossen, von welchen zwei hier hervorgehoben werden sollen. Die eine behandelt das Verhältnis der Zionisten-Revisionisten zur Zionistischen Weltorganisation (Z.-O.). Sie besagt, daß von einem Wiedereintritt in die Z. 0. keine Rede sein könne. Es hätten keine diesbezüglichen Verhandlungen stattgefunden. Alles was darüber mitgeteilt wurde, sei u n b e g r ü n d e t e s Gerücht. Der Inhalt dieser Resolution ist sehr bedauerlich. Die seinerzeitige Spaltung der revisionistischen Organisation und der Austritt ihrer Mehrheit aus der Z. 0. ist von allen zionitischen Patrioten als höchst beklagenswertes Ereignis eingeschätzt worden. In der Folge hat sich gezeigt, daß der Austritt wohl die Z. 0. geschädigt und — was noch viel verhängnisvoller ist — die Stellung der Herzl-Zionisten, der Judenstaatler in der Z. 0. geschwächt hat, aber auch die Hoffnungen der ausgetretenen Revisionisten haben sich nicht erfüllt. Es ist ihnen nicht gelungen, die Z. 0. zu zer-, schmettern und eine neue Organisation an ihre Stelle zu setzen. Unter diesen Umständen war es nur selbstverständlich, daß sich zionistische Patrioten, vor allem aber Mitglieder der Judenstaatspartei, darum bemühten, die Zionisten-Revisionisten wieder in die Z. O. zu bringen und alles daransetzten, ihnen den Weg zu ebnen. Sie wurden hiebei dadurch ermutigt, daß viele Zionisten-Revisionisten, und gewiß nicht die schlechtesten, den Fehlschlag ihrer auf den Austritt gesetzten Hoffnungen offen einbekannten und sich dem Wiedereintritt geneigt zeigten. Wie es dazu kam, daß diese Elemente auf der Warschauer Konferenz zum Schweigen gebracht wurden und die Konferenz sich zu einer schroffen Ablehnung des Wiedereintrittes entschloß, entzieht sich der Beurteilung. Wie dem auch sei, den Judenstaatlern tut leid, daß ihre ehrlichen Bemühungen um den Wiedereintritt der Revisionisten durch den Warschauer Beschluß vereitelt wer- AtkScUümcUt Mir Volksschulen, Haup«<hulen, Hltt«ltcHul«n und and. Lehranstalten in den richtigen Auflagen, auch antiquarisch, toten« tu atl«rni«drifl«t«n Pralsan liefert Antiquariat Uwn. ImcUmc ll,Eck«TaB*l*tr«BeS2 / Telephon R-41-4-20 Ankauft TaUSCh zu günstigen Bedingungen den, sie haben aber keinen Anlaß, diese Bemühungen, zu bereuen oder gar sich ihrer zu schämen. * Die Warschauer Revisionistenkonferenz hat untet! keinem guten Stern getagt. Sie war schlecht beraten, das beweist auch der von der Jüdischen Telegraphen- Agentur bekanntgegebene Wortlaut einer zweiten Resolution, in welcher es heißt: „Wir begrüßen die Mitarbeit der - polnischen Regierung an der Verwirklichung der zionistischen Ziefe. Wir sehen in dieser Mitarbeit die Fortsetzung der edelsten Traditionen des polnischen Volkes, das selbst im Kampf um seine Freiheit gelitten hat und für den Kampf des Weltjudentums um seine nationale Wiedergeburt stets Sympathien gezeigt hat . . ." Dieser brünstige Dankesausbruch erfährt durch den schüchternen Nachsatz, daß sich die drei Millionen polnischen Juden nicht in ein polnisches Ghetto sperren lassen wollen, keine wesentliche Einschränkung. In Polen wird gerade jetzt den Juden Schmach angetan, wie im Dritten Reiche, und sie werden beraubt und gepeinigt und gedemütigt, ärger als unter der zaristischen Herrschaft. Und die von den „edelsten Traditionen" beseelte polnische Regierung hat ihren vollen Teil daran! Diese Regierung ist für die Förderung der jüdischen Einwanderung in Palästina, aber — sie bekennt es offen und frei — nur, weil sie ihre Juden loswerden will. Zionistische Politik mag das bei ihrem Kampfe um die Oeffnung Palästinas für eine große jüdische Einwanderung als helfender Faktor in Rechnung stellen. Aber in dieser und aus diesem Anlasse dieser polnischen Regierung als Trägerin „edelster Tradition" zu huldigen! Wer soll das begreifen? Die Warschauer Revisionistenkonferenz hat wirklich unter keinem guten Stern getagt. Der Proteststreik der jüdischen Hochschüler Aua Warschau: Der Schulstreik der jüdischen Hochschüler, der zum Zeichen des Protests gegen die Einführung der Ghettobänke an den Hochschulen am Donnerstag, 14. Oktober, begonnen hat, wird lückenlos durchgeführt. An allen Warachauer Hochschulen sind Streikposten aufgestellt. Ueber 1000 Studenten und Studentinnen versammelten sich im jüdischen akademischen Haus in der Warschauer Vorstadt Praga. Zahlreiche nichtjüdische demokratische Studenten erschienen am frühen Morgen vor dem Haus und boten ihre Unterstützung bei der „unblutigen Blockade" an. Die Streikenden blieben die ganze Nacht hindurch im akademischen Haus und verharren im Hungerstreik. Der Jüdische Parlamentsklub hat an sie eine Botschaft gerichtet, in welcher er die jüdischen Hoonschüler ermutigt, „den Kampf für die Ehre und Würde des jüdischen Volkes" fortzusetzen. Die Rektoren der Warschauer Hochschulen haben beschlossen, gegen jene jüdischen Hörer, die es abgelehnt haben, ihre Mätze auf den Ghetto-Bänken* einzunehmen, disziplinarisch vorzugehen. * Aus Wilna. Anläßlich der Semester-Eröffnung an der Wilnaer Universität erklärte der frühere Rektor Prof. Staniewicz, ein Teil der Studentenschaft habe durch sein Verhalten im letzten Jahre das Andenken von Marschall Pilsudski entehrt; denn dieser habe bei der Wiedereröffnung der Universität nach 120 Jahren polnischer Knechtschaft erklärt, daß an dieser Hochschule keinerlei Feindschaft zwischen den Gruppen verschiedener Nationalität und Abstammung herrschen solle. Die Polen, die bisher unterdrückt gewesen seien, würden brüderliche Beziehungen zu den Angehörigen der anderen Nationalitäten unterhalten und sie nicht verfolgen. — An der Eröffnung des neuen Studienjahres nahmen die jüdischen Studenten nicht teil. Verb« d* ludenitaafsxioiMsten Oe»terrei's<fi» Der Termin der diesjährigen Landeskonferenz wurde endgültig für Sonntag, den 31. Oktober, festgesetzt. Judenstaats jugend und Sektion P v a t e r. Freitag, den 22. ds., halb 9 Uhr abend, ün Heim, Erlafstraße 5, Oneg Schabbat. — Samstag, den 23. ds., Filmvorführung: Der XX. Zionistenkongreß Palästina im Bild. Eintritt frei! * Verband der Judenstaatszionisten — Judenstaats-* jugend. Sektion Prater, II., Erlafstraße 5. Samstag, den 23, Oktober 1937, im Sektionsheim, II., Erlafstraße 5, Filmvorführung: Der 2 0. Zionistenkongreß — Palästina im Bild. Beginn präzise halb 9 Uhr abends. Während des Lichtbildervortrags kein EJinlaiäU Eintritt frei! )

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