Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 695 (19.10.1937)
- Date
- 1937-10-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 2 DDfi NEUE WELT Nr. 698 vööi 19. Oktober 193T erhalten, der an die Familien der jüdischen Opfer der Unruhen verteilt werden soll. Zwecks Verteilung unter die arabischen Opfer sind von der Regierung Pf. St. 9000 ausgesetzt worden. (Palcor.) Entsendung der neuen PalästinaiKommission verschoben Aus London: Einer Meldung des „Manchester Guardian" zufolge, soll die neue, zur Erhebung von Tatsachen nach Palästina zu entsendende Kommission erst zu einem späteren Zeitpunkt als ursprünglich beabsichtigt die Ueberfahrt nach Palästina antreten. Bisher ist noch kein einziges Mitglied der neuen Kommission ernannt worden. Die Verzögerung, so wird in dem Blatt erklärt, scheine auf zwei Ursachen zurückzuführen zu sein: die Arbeit der Regierung an der Niederkämpfung der arabischen Mordkampagne in Palästina und den Tod Lord Peels. Lord Peel wäre sicherlich in die Kommission entsandt worden. Es war stets die Absicht der Regierung, daß ein Mitglied der ursprünglichen Kommission auch in der zur Tatsachenerhebung bestimmten Körperschaft mitarbeiten solle, und es hätte dies kaum jemand anderes als Lord Peel sein können. Das Blatt bemerkt weiter, daß nach den aus Palästina eingetroffenen Berichten das Vorgehen der Regierung scheinbar keinerlei Unwillen unter den Arabern hervorgerufen hat. Verantwortlichen Arabern seien die Maßnahmen keineswegs unwillkommen gewesen und es heißt, daß sie in arabischen kaufmännischen Kreisen durchaus gebüligt werden. * Aus Jerusalem: Von zuverlässiger Seite wird mitgeteilt, daß der Vorsitzende der Arabischen Verteidigungspartei und ehemalige Bürgermeister von Jerusalem, Ragheb Bey Nashashibi, dem Vorschlag der Regierung zugestimmt hat, daß er vor der neuen Palästina-Kommission den Standpunkt der Araber vertrete. Damit bestätigt sich die allgemein verbreitete Ansicht, daß Nashashibi nach der Amtsentsetzung des Mufti Wortführer der palästinensischen Araber werden wird. Aus Südamerika Aus New York (J. T. A.): Die jüdische Gemeinde von Paraguay hat bei den paraguayischen Behörden Vorstellungen wegen der Landesverweisung mehrerer angesehener Mitglieder der Gemeinde und der Verhaftung zahlreicher Gemeindemitglieder erhoben. Führende Persönlichkeiten der Gemeinde, unter ihnen solche, die bereits 30 Jahre und mehr in Paraguay ansässig sind, wurden wegen angeblicher kommunistischer Betätigung ausgewiesen; die Ausweisung von weiteren 200 Familien ist zu Defürchten. Bs wird erwartet, daß die Regierung der Vereinigten Staaten in dieser Angelegenheit bei der Regierung von Paraguay vorstellig werden wird. In jüdischen Kreisen hegt man den Verdacht, daß die Verhaftungen und Ausweisungen auf eine Denunziation seitens nationalsozialistischer Kreise zurückzuführen sind. * Aus Warschau: Das polnische Auswanderungsamt hat Kenntnis von neuen Einwanderungsbeschränkungen erhalten, die die Staaten Zentral- und Südamerikas eingeführt haben. In Mexiko stehen sämtliche Einwanderer, die auf Grund von Touristenpässen ins Land gekommen sind, vor der Ausweisung, soferne sie nicht den Nachweis erbringen, daß sie eine Anstellung oder Aussicht auf eine Anstellung haben. Die Einwanderung in die brasilianische Kolonie „Santa Rosa" wurde überhaupt verboten. Oberstrichter Black und die Juden Aus N e w Y o r k (J. T. A.): In der amerikanischen Oeffentlichkeit wurde in letzter Zeit ein heftiger Feldzug gegen den neu ernannten Richter am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten, Black, geführt. Es wurde ihm vorgeworfen, daß er als ehemaliges Mitglied des Ku-Klux-Klan nicht die für sein Amt nötige Voraussetzung völliger Objektivität, insbesondere Juden, Katholiken und Negern gegenüber, mitbringe. Diesem Vorwurf ist Richter Black bereits wiederholt öffentlich entgegengetreten. Anscheinend um ihn völlig zu entkräften, hat er nunmehr einen jungen jüdischen Rechtsanwalt aus Birmingham in Alamba, den 24jährigen Jerome Cooper, telegraphisch zu seinem Gehilfen berufen. Handelsminister Valer Pop läßt eine Synagoge niederreißen Aus Bukarest (J.T.A.): Auf dringende Anordnung des Handels- und Industrieministers V a 1 e r P o p ist die einzige Synagoge der Stadt Alba Julia in Transsylvanien samt den anschließenden in jüdischem Besitz befindlichen Gebäuden von drei Rekrute ndetachements innerhalb von vier Stunden niedergerissen worden. Wie die nationalistische Tageszeitung ,-,Universul" mitteilt, wohnte Minister Pop den unter Leitung des Polizeikommissariats durchgeführten Abbruchsarbeiten persönlich bei. Mit Genugtuung stellt das Blatt fest, daß es „in dieser Stunde in Alba Julia, dem Heiligtum Rumäniens, keine einzige Synagoge mehr" gibt. Sittlicher Beweggrund unsittlich! Wir haben manchmal die Empfindung, daß man uns. wenn wir vom Dritten Reich berichten wollen* „Genug, genug!" 2urufen möchte. Aber der Drang, das Entsetzliche, mag es noch so oft auftreten, zu registrieren, ist größer als die Rücksicht auf die Nerven gewisser Leser. Darum wieder etwas aus dem Alltag des reichsdeutschen Nationalsozialismus: Im Juni 1935, als die sogenannten „Mischehen" noch nicht verboten waren, heiratete ein „deutschblütiger" Rechtsanwalt eine „Nichtarierin". Das Ehrengericht erster Instanz erklärte die Heirat als schweren Verstoß gegen die deutsche Ehre und bestrafte ihn mit dem Ausschluß aus den Reihen der deutschen Rechtsanwälte. Und der oberste Ehrengerichtshof bestätigte dieses Urteil, obwohl der Anwalt folgendes geltend machte: Seine Ehefrau habe ihn mehr als sechs Jahre hindurch aus ihrem Arbeitsverdienst als Röntgenassistentin unterstützt und ihn im Jahre 1930 beim Baden unter eigener Lebensgefahr vom Tode des Ertrinkens gerettet Unter diesen Umständen habe die Verehelichung mit dieser Frau für ihn eine moralische Verpflichtung bedeutet. Er habe also aus sittlich einwandfreien Beweggründen sich zur Ehe entschlossen. Dieser sittlich begründete Beweggrund wurde im Sinne des Dritten Reiches für unsittlich, das ehrenhafte Verhalten des Rechtsanwaltes für unsittlich erklärt. Der Rechtsanwalt, der eine moralische Pflicht erfüllte, darf seinen Beruf nicht mehr ausüben. Er ist brotlos und vogelfrei. Siehe Band 30 der Entscheidungen des Ehrengerichtshofs der Reichs-Rechtsanwaltskammer, Berlin 1937. Und es gibt bei uns Kreise, die mit diesem Reich „Kulturaustausch" pflegen wollen. OPTIKER ARL SEIDNER I, Frans-Jooefs-Kal 33 / II, Hollandstraße 7 Fachmännischer Rat / Reiche Auswahl / Beste Qualität / Preiswert Märchen für Sportfreunde und auch für Sporthemde Bei den österreichischen Staatsmeisterschaften im Staffel-Laufen im heurigen Juli gewann die „Hakoah" zwei Staffeln, wurde in der Olympischen Staffel Zweite — dank der Mitwirkung ihres Mitglieds König. Von diesem jüdischen Sportler ist zu sagen, bzw. zu wiederholen, daß er trotz des Unmuts seiner , jüdischen Freunde und Anhänger" an den Olympischen Spielen in Berlin teilgenommen hatte, als nichtösterreichischer, sondern türkischer Staatsbürger, in der Hoffnung (wie er glaubte), durch seinen Start für die österreichischen Farben in. Berlin die ihm, falls er nach Berlin fahren sollte, von österreichischen Sportbehörden in Aussicht gestellte österreichische Staatsbürgerschaft zu erlangen. Das war im Jahre 1936. Inzwischen geschah nichts ... Als nun heuer, im Juli 1937, der Leichtathletikverband sich wegen der Startberechtigung Königs an die vorgesetzte Sportbehörde, die Sportfront, wandte, erklärte diese, König sei startberechtigt, denn er habe ja im Vorjahr an den Olympischen Spielen für Oesterreich teilgenommen. Und es kam der Tag ... Als König wieder starten sollte, protestierten zwei „nationalbetonte" Vereine gegen seine Startbewilligung, denn: König sei nach wie vor türkischer Staatsbürger, sein Ansuchen um die österreichische Staatsbürgerschaft sei abgelehnt worden. Was tun? Die protestierenden Vereine waren theoretisch im Recht, König bekam die Starterlaubnis nicht. Ja, noch mehr. Die Vereine, welche schon seinerzeit Proteste gegen die Gültigkeit der Staffelerfolge der Hakoah wegen der Teilnahme Königs eingebracht hatten, setzten jetzt durch, daß die Staffelmeisterschaften und die Olympische Staffel, in der Hakoah ihre großen Erfolge errungen hatte, annulliert wurden und daß eine Neuaustragung im kommenden Frühjahr angeordnet wurde. Eine Komödie der Irrungen, an der — wenn man der Sache auf den Grund geht — außer König die (gelinde gesagt), Inkonsequenz der österreichischen Sportinstanzen eine wenig ehrenvolle Rolle spielte. Entweder hätte man den Start Königs bei der Berliner Olympiade für Oesterreich nicht erlauben dürfen oder hätte man König nach getaner Arbeit die österreichische Staatsbürgerschaft zuerkennen müssen. Da man keine der beiden Entscheidungen getroffen hat, gibt's nichts als Scherereien: Proteste, Annulierung, Neuaustragungen, Verstimmungen und — Blamagen! Wird der Fall König den österreichischen Sportinstanzen und den jüdischen Sportlern zur Warnung dienen? Kranke Frauen erfahren durch ein Glas natürliches „Franz-Josef'-Bitterwasser ungehinderte, leichte Darmentleerung, mit der oft eine außerordentlich wohltuende Rückwirkung auf die erkrankten Organe ver-„ bunden ist, Fragen Sie Ihren Arzt, Die Umsiedlung von 3X00 Flüditlmgen in der Tidtediöfl<wdkei Aus Prag: Unter dem Titel „In den Ministerrat!" veröffentlicht der bekannte Publizist und Jurist; Friedrich Bill im „Präger Mittag" folgenden Appell zugunsten der jüdischen und politischen Flüchtlinge in der Tschechoslowakei: „Die Deportierung von 3500 reichadeutfiohen Flüchtlingen in zwei Landbe2irke ist nicht allein eine Tragödie von 3500 schuldlosen Menschen: diese Verfügung des Innenministeriums geht uns alle an, sie ist Angelegenheit jedes tschechoslowakischen Bürger» t sie ist Ehrensache der demokratischen Republik. Heute vor einem Monat ist Masaryk ge« storben. Da gelobten tausend Schwüre Beinen Geist, den Geist der Menschlichkeit, der uns Freunde und Ver* bündete in der ganzen Kulturwelt geworben hat, im allen Zeiten ehrfurchtsvoll zu pflegen. Im Namen des großen Toten und seines in uns lebenden Geistes muß man die Oeffentlichkeit, alle zuständigen moralischen und bürokratischen Instanzen gegen eine Verfügung aufrufen, die ohne Notwendigkeit 3500 hilflos« Menschen neuen Irrfahrten und in vielen Fällen dem Verderben preis* gibt. Der Erlaß gehört vor allem zur Uebei^rUfung in den Ministerrat, denn es ist in der demokratisehen Republik gleicherweise eine Angelegenheit der, sozialen Fürsorge, der Justiz und des Außenamtes, ob 3500 Flüchtlinge mit Kindern durch Poliseimaßnahmen, die unnötig und dazu unpraktisch sind, jeder Fürsorge beraubt, dem Verbrechen, dem Selbst* mord oder dem Verhungern preisgegeben wer« den... in Masaryks Land. Unmöglich ist es, die wiederholten Erklärungen Dr. Benesch' als Außenminister und unseres Völ« kerbundsgesandten Künzl-Jizerskys durch die unsagbare Tat des Deportationserlasses vor aller Welt zu widerrufen. Zur Ueberprüfung der Verfügung gegen 3500 Emigranten ist jede Instanz kompetent, die Magaryks Vermächtnis zu wahren hat. Vor allem der Ministerrat!" Das Los der Emigranten Aus Prag: Ueber die Aktion zur Umsiedlung der Emigranten in das böhmisch-rnährische Hügelland berichten die „Lidov6 Noviny", das Innenministerium erneuere den Emigranten die Aufenthaltserlaubnis, wenn sie abgelaufen ist, nur unter der Bedingung, daß sie in die betreffenden Bezirke übersiedeln. Unterwerfen sich die Emigranten dieser Be- , dingung nicht oder berufen sie an die höhere Instanz, so würden sie unverzüglich aus der Republik ausgewiesen. Das sei in den letzten Tagen sechzehn Emigranten geschehen. Das Blatt vermerkt, daß die Vorsteher der betreffenden Gemeinden sich unter Hinweis auf den Mangel an Unterbringungs- und Ernährungsmöglichkeiten gegen die Umsiedlung der Emigranten aus* gesprochen haben. Palästina im Aufbau Neues Handelszentrum in Tel-Aviv Aus Tel-Aviv wird gemeldet: Auf dem großen Terrain gegenüber dem Tel-Aviver Elektrizi« tätswerk wird jetzt ein neues Geschäftszentrum erbaut. Elf Dunam wurden der Stadtverwaltung zum Zweck der Errichtung einer Zentralremise und Station für die städtischen Autobusse, die die Stadt mit den Siedlungen in der Umgebung verbinden, übergeben, Auf dem Rest des Grundstückes werden große Gebäude mit sechzig Geschäftslokalen errichtet. Die Geschäftslokale sind an Großkaufleute verkauft worden, der Kauf« preis wird innerhalb von zehn Jahren in monatlichem Raten abgetragen. Die Autobusstation muß nach dem Vertrag, den die Unternehmer mit der Stadt geschlossen haben, bereits in nächster Zeit gebaut werden. Das Ge«» bäude wird das größte von Tel-Aviv sein. Die Arbelt wird der Tel-Aviver Wirtschaft zweifellos einen starken, Auftrieb verleihen. Hunderte Arbeiter werden sieben Mo* nate lang beschäftigt sein. (J.T.A.)] Hauptpost Jerusalem Aus Jerusalem: Die Postverwaltung hat bekanntgegeben, daß der Betrieb in dorn neuen Gebäude! der Jerusalemer Hauptpost im März 1938 auf« genommen wird. Die Telephonzentrale wird im Mai in das neue Gebäude verlegt. (J.T.A.)j Zentrale Markthalle Aus Jerusalem; Im südöstlichen Teü von Tel« Aviv ist mit dem Bau einer zentralen Markthalle begonnen worden, die 110.000 pal. Pfund kosten und 500 Arbeiter beschäftigen wird. In der Nähe des Marktes werden Endstationen für Autobusse errichtet werden. (Palcor.) Vom Hafen Tel-Aviv Aus Jerusalem: Im Zusammenhang mit der bevorstehenden Eröffnung des Tel-Aviver Hafens für Passagierverkehr werden jetzt vou dor Regierung dio nötigen Vorkehrungen getroffen. (Palcor.)