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Die neue Welt · 1937-10-19 · Heft 695 (19.10.1937) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 695 (19.10.1937)
Date
1937-10-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis 10 Groschen Dienstag/ den 19* Oktober 1917 II* Jahrgang Nr« 60$ V« b. b« DIE NEUE Zeitung vom Verleger versendet »Journal expedie par VMiteux*4 186 Titl. Universitätsbibliotheli Wien, I. R EVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Reformrabbi'ner für die Araber *; J Es klingt wie eine Erinnerung an die Protestrabbiner, wenn man hört, daß der ..liberale" Rabbi Israel- M a t' tu e k in' seiner Liberalen- Synagoge in London gegen die Errichtung eines Judenstaats gepredigt hat. Vor vierzig Jahren, als Herzl bei der Vorbereitung des ersten Zionistischen Kongresses, vom Judentum als seinem Vokstum sprach und-das Wort „Wir Juden sind ein Volk, ein Volk" prägte, protestierten die-sogenannten liberalen Rabbiner und wollten nicht zulassen, daß sich die Juden zur Manifestation > ihres . nationalen Willens gammeln. Herzl nannte .diese - Rabbiner „Protestrabbiner". Man sollte heute ..den Aufsatz Hcrzls „Prötestrabbiner" in der „Welt" nachlesen: „Wenn sie yon -Ziön sprechen, ist alles darunter zu verstehen, nur um Gottes willen nicht Zion." Da aber nicht alle Rabbiner, so waren, sondern einzelne, wie Mohilewerin Etialystock, Zadok Kohn in. Paris, Rülf in Memel,- Gaster in London,, sich für die nationale Sache einsetzten, „wollen.wir die.Angestellten der Synagoge, die sich' gegen die Erlösung ihres Volkes verwahren,. Protestrabbiner nennen". Das war, wie. gesagt;, vor .vierzig Jahren. Seither ist, viel, geschehen, , viel Schlimmes . und. viel, Schönes —im Bereiche des jüdischen Volkes. Jüdische .Massen. wanderten: nach Nord- und; Südamerika,: Südafrika, JJirobidscban, .Frankreich,. Spanien. Nach Palästina, Sind di& Juden,.nicht ^gewandert,.- sondern/Ä'u.'r..ü\:c.kr?' g:&Xe.hr,t, -kraft Rechtens,..,kraift'der Anerkennung' dieses Rechts diirch die Kulturs'taateni Nur auf rGrund.; des 'Rechts, des ' pö li.tis cheir .^eichte'^unä^auf""' Grund der: Aussicht auf künftige politische Souveränitätvollzog und, vollzieht sich 'die. Repatriierung der Juden., Öh h 'e dieses Recht wäre dem Zionismus die Basis entzogen und es wäre keinem Juden möglich7 gewesen, in das türkische oder arabische oder englische Palästina hineinzukommen. " Das sollte ein in der Hauptstadt der Mandatsmacht lebender und predigender. Rabbi wohl wisäen und sich nicht auf den Vorschlag unseres gewesenen jüdischen, Oberkommissärs 'Lord, Herbert Samuel unseligen Andenkens berufen, der seinerzeit den berüchtigten Mufti, zum Vorsitzenden des Moslemischen Rates gemacht hat, und jetztvon uns verlangt, wir möchten Minoritätsuntertanen dieses Mufti werden. Rabbi Mattuck meint weiter, daß uns die arabischen Länder als Ersatz für das Aufgeben unserer politischen Aspirationen ihre. Tore für jüdische Einwanderung und Niederlassung öffnen würden. Ein . bewundernswerter Opitimismus und, eine staunenswerte Naivität! Das kommt davon, wenn ein liberaler Rabbiner auf der einen Seite das Judentum reformieren (modernisieren), auf der anderen Seite politische Richtlinien' geben 'will.. In beiden Fällen greift er daneben. Wenn er den Sinn «der Traditio n nicht versteht, versteht er auch die Ansprüche des volklich erwachten Judentums nicht. Er protestiert. "Wir haben' also wieder „P r o t e s t r ä b b i n e r", sind uns aber; bewüßt,'daß sie uns genau so wenig behindern wer den wie. ihre Kollegen zu Herzls Zeiten. Kein jüdisches Blut Aus London: Lord C am rose, der Besitzer des ,,Dai.l y Tele g.raph and- Mo.r.ning- Post", hat gegen; das. faschistische; Organ „A.c. t i o n". einen Ver- Jeumdungsprozeß angestrengt, der am Mittwoch, 13. Oktober, zur Verhandlung gelangte. Die „Actlon" hatte behauptet, daß Lord Camröset j.üdi scher Abstammung sei und die Interessen des Weltkapitals vertrete. Der Presselord, der selbst im Gerichtssaal erschien, versicherte, daß in seiner Familie; die sich durch viele Generationen in Wales rückverfolgeh lasse,, kein jüdisches Blut sei.; •! '! ■ ■ . ' <; . Aus London: Das faschistische Blatt „Action" wurde wegen der Behauptung, der Hauptinhaber de3„Däüy Telegraph", Lord Camroae, sei. jüdischen. Ursprungs und das Blatt von internationalen Finanzleuten beherrscht, zu 12.500 Pfund Sterling Schadenersatz an Lord Camrose und 7500 Pfund Sterling Schadenersatz an den „Daily Telegraph" verurteilt, £BZUGSBEDINGÜNG|iN: Oesterreich monatlich S 1.40. vierteljährig 8 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.80} Tschechoslowakei monatlich Kc 6.*-, vierteljährig Kö 18.—; Jugoslawien monaUich Dinar 14.-. vierteljährig Dinar 40.-; ftrtmänlen monatlich Lei 60.-, vierteljährig Lei 150.-; DentschUnd monatUch Mark 1.-, vierteljährif Mark 3.—; Bulgarien/monatlich Lewa 30.-, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.—s Schwei» und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50. vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u.Verwaltunz: IX, Universitätsstr.8f Tel. A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitag Der unglückselige Teilungsplan Die letzten Geschehnisse in Palästina Die letzten Nachrichten aus Palästina besagen, daß die arabischen Extremismen, in gleicher Weise wie im Jahre 1936, das Land in Unruhe versetzen und durch Terrorakte der englischen Regierung ihre Politik gegen den Teilungsplan diktieren wollen. Die Verhaftung und Deponierung der arabischen Führer mit dem Mufti an der Spitze hat zwar in gaähz Palästina Eindruck gemacht, aber der arabische Terror geht in noch verschärfter Form weiter. Hiezu meldet J.Tii A. aus Jerusalem: In mehreren Teilen Palästinas wurden am Donnerstag, 14. Oktober, eine Reihe schwerer Terrorakte verübt. Fünf Meilen von Jerusalem entfernt wurde ein jüdischer Autobus beschossen, wobei fünf Personen verletzt wurdem An einer anderen Stelie in der Nähe von Jerusalem wollte ein Araber eine Bombe gegen einen jüdischen Autobus Herfen; die Bombe explodierte jedoch vorzeitig in seiner Hand und riß ihn in Stücke. Am Abend desselben Tages wurde an der Eisenbähnstrecke Haifa—Lydda in der Nähe des arabischen Dorfes Kalkil'ia ein ungewöhnlich schwefer Anschlag verübt; Terroristen brachten einen Zug zum Entgleisen. Die Zahl/der Opfer soll groß sein. . . Zu schweren Terrorakten ist es auch in den Gebieten von: Beisan und. Beer-Scheba gekommen, wo »die Telephonleitungen unterbrochen wurden. ', ■; l' i r_ Kleidungen aus ..Beisan-. zufolge: -wurde imclrak die-';Oe 1 i ei.tu.n g an* zwei.; Stellen.angebähr^iuitö^däs :.;äua-- strömende. Naphtha angezündet. •. '\ .'. : ' ■-"' Anr T^ttagT dem'515.;;d;M., - wurde to-Palästina - wieder '< eine ' Reihe ' schwerster Terrorakte verübt, ' die .Menschenleben gekostet haben. Zu einem Zusammenstoß "zwischen der britischen,Polizei und einer größeren Gruppe bewaffneter Araber kam es unweit von Bethlehem. Bei dem Zusammenstoß wurden zwei Polizisten getötet. , •'"-/• -' .-■ Die syrisch-palästineasisehe Grenze wurde. geschlossen. Die jüdische Kolonie Rosh Bina,; in ''Obergaliläa, hart an der syrischen 6renze gelegen, Ist heftig beschossen worden. Terrororganisation in Damaskus Aus Jerusalem meldet Telcomp: Das Oberste Arabische Komitee, das von den englischen Behörden aufgelost und dessen Mitglieder verhaftet worden sind, istvon einer geheimen Organisation abgelöst worden, deren Hauptsite Damaskus ist. Flucht des Mufti .; Nach Meldungen aus Syrien ist es dem Mufti gelungen, in Verkleidung aus der Omar-Moschee zu fliehen und . nach Beirut zu gelangen. Die weiteren Gerüchte über den Verbleib und die Absichten des Mufti lassen sich vor. läufig nicht überprüfen. Nach einer Meldung der „United PJresse" soll der Mufti sich nach Aegypten gewendet haben. Vor Verhängung des Belagerungszustandes Die Jerusalemer Korrespondenten des .„Daily Herald" und „Daily Express" melden ihren Blättern, daß stündlich mit der Verhängung des Belagerungszustandes gerechnet wird. Keine Todesopfer Meldungen über Verluste an Menschenleben liegen nicht vor. Nach den bis jetzt eingelangten Nachrichten waren nirgendwo im Lande jüdische Todesopfer zu verzeichnen. In Galiläa wurden Freitag vormittags mehrere Kolonien beschossen. In S a f e d und T i b e r i a, s herrscht Ruhe. In der Umgebung von Tel-Aviv ereigneten sich keine nennenswerten Zwischenfälle, Nur das Kjinderdorf Ben Schemen war eine Stunde lang einem heftigen. Feuer arabischer Banden ausgesetzt. Es wurde jedoch niemand verletzt. Besonders gespannt ist die Läge in Jaffa. Ein Nazi als Bebellenführer Zu der Landesverweisung der weiteren fünf Mitglieder des Obersten Arabischen Ausschusses meldet „Palestine Gazette", das Amtsblatt der Palästina-Regierung, in einer Sonderausgabe, daß diesen vorläufig die Rückkehr nach Palästina verboten worden ist. Bei einem der fünf Mitglieder, der unter dem Namen A. Roch Abdul bekannt ist, handelt es sich um den berüchtigten Judenfeind Alfred Rock, einen gebürtigen Deutschen, der sich den Arabern assimiliert hat und einer ihrer Würdenträger geworden ist. Nach der Flucht des Rebellenführers Fauzi Bey el Kaukadyi aus Palästina übernahm Alfred Rock die Führung der zersprengten Rebellengruppen. Er fungiert auch als Verbindungsoffizier zwischen den nationalistischen Arabern und dem Dritten Reich. Flughafen niedergebrannt Samstag, 16. Oktober, brannten in Lydda, dem größten Flughafen Palästinas, die Telegraphenstation, das Zollamt und das Gebäude der Paßkontrolle nieder.. Es wird Brandstiftung angenommen. Der unglückselige Teilungsplan Die Londoner Freitagsabendpresse, berichtet .. in großer Aufmachung über die* neue Terrorwelle in Palästina. „E venin gS tan dar d" bezeichnet die englische Situation in^ Palästina äls schwierig und sieht den Grund: für-den Ausbruch der Unruhen in dem - P-a l ä s t ih a- Teilungsp.Ian. Man müsse,', schreibt das Blatt, der Wahrheit ins Auge sehen: der Teilungsplan sei durchaus schlecht. Es gebe nur eine einzige logische und befriedl--" gende Lösung des Palästina-Problems, nämlich die Umwandlung Palästinas in eine britisohe Kronkolonie. England müsse seine Macht wirksam geltend machen. Terrorgeld aus dem Irak „Teraps" meldet aus Kairo: Die palästinensischen Behörden haben in den Räumen der Arabischen Bank in Jerusalem eine Hausdurchsuchung vornehmen lassen und hiebe! einen Geheimfonds des Hohen Arabischen Komitees in der Höhe von 100.000 Pfund entdeckt. Der größte Teil dieser Summe konnte beschlagnahmt werden. „AI Difaa" veröffentlicht hiezu eine Information aus Bagdad, wonach die Regierung des Irak eine Summe von 20.000 Pfund für die englandfeindliche und antizionistische Propaganda in Palästina aufgewendet hat. Der widerspenstige Mufti Aus Jerusalem wird gemeldet: Syrische Zeitun« gen melden, daß der M.ufti von Jerusalem, Haj Amin> el Husseini, sich mit einer Denkschrift an die Palästina- Regierung gewandt hat, in welcher er erklärt, seine Absetzung als Präsident des Obersten Moslemitischen Rates und als Vorsitzender des Waqf-Komitees nicht zur Kenntnis zu nehmen; vielmehr werde er diese beiden- Aemter auch in Zukunft bekleiden.. (J. T. A.) Palästina und die Nachbarstaaten Aus Jerusalem: Wie der J. T. A. aus den arabischen Nachbarländern Palästinas mitgeteilt wird, hat sich dort in den letzten Tagen die Propaganda für eine Einmischung der arabischen Staaten in die palästinensischen Angelegenheiten verstärkt. Dies soll häuptsächlich darauf zurückzuführen sein, daß der Vorsitzende der arabischen Nationalpartei in Palästina, Jamal el Husseini, in Bagdad eingetroffen ist und dort ein neues arabisches Propagandazentrum für Palästina eingerichtet hat, das die Arbeit des aufgelösten Obersten Arabischen Ausschusses fortsetzt. Er wird von dem früheren politischen HaupU mitarbeiter des Mufti, Izzat Darwaza, unterstützt. Entschädigung für die Opfer Aus Jerusalem: Der Waad Leumi wird von der Palästina-Regierung den Betrag von Pf. St. 18.000 V E R B AND DER JUDE N S T A AT SZIONISTEN fafre Qedeultfeiet fik Jtctd Batytäe Samstag, den 30. Oldo&ec 793?, um $ UUc abends im Hotel „ConÜHewtol"

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