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Die neue Welt · 1937-10-15 · Heft 694 (15.10.1937) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 694 (15.10.1937)
Date
1937-10-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 694 vom 15. Oktober 1937 DIE NEUE WELT Seite T AUS ALLER WELT Zum antifdeutschen Boykott Der amerikanische Arbeiterverband Aus D e n v e r (J. T. A.): In seiner Begrlißungs-, anspräche auf der 57. Jahreskonferenz der American Labour Federation geißelte Präsident William. Green scharf die Verfolgungen der Juden, der liberalen Elemente und der Arbeiter durch das nationalsozialistische Regime in Deutschland und erWärte, daß der Verband den Boykott deutscher Waren und Dienstleistungen fortführen werde. Wir hoffen, fügte er hinzu, daß wir den Boykott wirksam durchführen werden. Zum Schluß erklärt Green: Unter Protest gegen die Verfolgungen der Juden und der anderen. Minoritäten in Deutschland ist heute ebenso nachdrücklich wie am ersten Tage, da wir ihn erklärt haben. Ein südafrikanischer Minister Aus Johannesburg (J. T. A.): Die in Johannesburg erscheinende Zeitung „Cape Times" befaßt sich mit einer Rede, die der Minister im südafrikanischen Kabinett Pirow vor der deutschen Gemeinde „Wartburg" hielt, in welcher er eine Warnung an die für den antideutschen Boykott Verantwortlichen richtete und sich scharf gegen die antideutsche Propaganda jener wandte, die sich der „Gästfreundschaft Südafrikas" erfreuen, „Dies ist", schreibt das Blatt, „eine offenkundige Anspielung auf die Juden, die nicht Gäste, sondern, ebenso wie die Deutschen, vollberechtigte Bürger Südafrikas sind. Die Andeutung des Ministers, als ob die Juden etwas Geringeres wären, ist, gelinde gesagt, eine ganz ungeheuerliche Taktlosigkeit." Der südafrikanische tlnterrichtsminister Hofmeyr greift Kriegsminister Pirow wegen seiner judenfeindlichen Aeußerungen an Aus Johannesbu r g (J. T. A.): Der Unterrichtsminister der Südafrikanischen Union, Hofmeyr, hielt im Parlament eine Rede, in der er in scharfer Weise gegen die Aeußerungen des Kriegsministers Pirow polemisierte, der in ein^r , Rede vor der deutschen Gemeinde „Wartburg" - die Juden Süd-, afrikas vor der Fortsetzung des antideutschen Boykotts gewarnt und. erklärte , hatte,, die Juden mögen sich größerer Zurückhaltung befleißen, da sie „die Gastfreundschaft Südafrikas" genießen. .Wir haben, erklärte. Minister Hofmeyr, wohl das Recht, die Einwanderer, die wir nach Südafrika zulassen, auszuwählen. Haben sie sich aber, einmal bei uns eine Heimat geschaffen, darin haben wir nicht die leiaeßte Spur ein es Rechtes, gegen sie in irgend einer sie diskriminierenden Weise vorzugehen. Die Erklärung des Unterrichtsministers ist in den Kreisen der jüdischen Bevölkerung Südafrikas mit Genugtuung aufgenommen worden. Vor der Gleichschaltung Danzigs Wird der Völkerbund die Danziger Juden schützen? Wie aus D a n z i g gemeldet wird, sind die beiden kommunistischen Abgeordneten des Danziger Volkstages S e r o c k y und Langenau als Hospitanten in die Nationalsozialistische Partei eingetreten. Die Nationalsozialistische Partei verfügt nunmehr — nachdem vor längerer Zeit die Deutschnationalen sich ihr angeschlossen hatten — über 51 von insgesamt 72 Stimmen im Volkstag, also über eine Zweidrittelmehrheit, die zu einer Verfassungsänderung notwendig ist. Man befürchtet daher, daß der Volkstag im Wege einer Verfassungsänderung die Gleichschaltung mit dem Dritten Reich auch gesetzlich vollziehen wird. Für das Danziger Judentum, entstehen erneut sehr ernste Gefahre,n. Zu befürchten ist u. a., daß die Nationalsozialisten versuchen werden, die berüchtigten Nürnberger Gesetze auch in Danzig einzuführen. In der Praxis werden auch schon die Juden aus allen Zweigen des öffentlichen Lebens zurückgedrängt, im Staats- und Gemeindedienst sind sie kaum noch vertreten. Das Danziger Statut steht immer noch unter der Kontrolle des Völkerbundes, der durch seinen in Danzig amtierenden Hohen Kommissar u. a. darüber zu wachen hat, daß nationale und religiöse Minderheiten nicht entrech t e t und depossedlert werden. Man kann es nicht glauben, daß der Völkerbund, der seinerzeit dxe Saar-Juden und später die oberschlesischen Juden, deren gesetzlicher Schutz legal erloschen war, ihrem tragischen Schicksal hat Überlassen müssen, jetzt auch die Danziger Juden im Stich lassen Wird, Wo doch das international garantierte Danziger Statut auch bei einer Zweidrittelmehrheit der Nationalsozialisten im Volkstag in Kraft bleibt und vom Völkerbund kon* trolliert wird. (J. T. A.) Vf ■ i Ergänzend wird jetzt aus Danzig gemeldet: Der Führer der nationalsozialistischen Partei in Danzig-, Albert Förster, gab bei dem Parteikongreß bekannt, daß in der Freien Stadt Danzig zu Beginn des Winters eine neue judenfeindliche Kampagne eröffnet werden wird. Er erklärte, daß die „Verteidigung det Danziger Deutschen gegen die j.üden in großem Maßstabe durchgeführt werden wird". Es kann kein Zweifel darüber herrschen; daß der Völkerbund däs Recht und die Pflicht hat, auch gegen eine solche offiziell angekündigte antijüdiache Kampagne im Freistaat einzuschreiten. In tiefer Trauer feilen wir alten Freunden und Qesinhußsgen<i»8«ti mit, daß unser guter Oade und Vater, Herr Dr. Rudolf Glücklich B«hnrat I. P. Sekretär der Hllachdufh Olel Ausrrla Palästinas, und ehemalrfcr Sekretär de« Zionistischen Landeskomitees Oesterreichs, am 4. Oktober 1937 nach schwerem Leiden im 60. Lebensjahr verschieden ist. Er wurde am S. OktobTin helüser Erde zur ewigen Ruhe bestattet. In unseren Hetzen lebt er auf immer fort. Josefintt Glücklich Juda und Eva Glücklich als dattin als Kinder Inn. Hofrat Karl Glücklich, Richard Glücklich Als Brüder Ell! Löwenbein, Hermine Roth, Anna Lord als Schwestern TEL-AV1V-WIEN Aus Griechenland Aus Saloniki: Der griechische Ministerpräsident John Metaxas empfing in Saloniki, wo er sich auf der Fahrt zu den Heeresmanövern in Serres aufhielt, den Ober-, rabbiner Dr. Koretz sowie den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde. Oberrabbiner Koretz dankte dem Ministerpräsidenten im Namen der jüdischen Bevölkerung für die Arbeit der Nationälregierung und für sein perlicheis Eingreifen zugunsten der ' jüdischen Bevölkerung, der er Hilfe gewähre. „Die Juden", sagte Oberrabbiner Koretz, „haben unter Ihrer Regierung Rühe gefunden." Ministerpräsident Metaxas erwiderte, er habe das größte Vertrauen'zu der jüdischen Bevölkerung, die auch in den schwierigsten Augenblicken ihre Vaterlandsliebe unter' Beweis gestellt habe. ~ Mit ' großer Genugtuung habe er' darum erfahren, daß einige die jüdische Bevölkerung betreffenden Probleme in letzter Zeit zufriedenstellend gelöst worden sind. ■■- yy ..; (• . Der Stadtrat von Saloniki hat der Jüdischen Gemeinde'von Saloniki eine Subvention von 823.000 Drachmen für jüdisch-karitative Institutionen und den jüdischen Sp^örtvereinigürigen > ' „M a k fc ä b i" * und ,,H a k o a h" .Sütesidieh' iÄ^er^krihe'Drachmen gewährt. ' ... . .v-.,;: - i-.-yy •:. ' ■ ■<' fapaner ridifen eonen Juden hin Aus Cn a rbin. fj^,:A,): Jetzt .wird bekannt, daß de? polnische Staatsbürger Jakob Elchanan Hamm e r, der vor sieben Jahren, mit Frau und Kind in Charbin eingewandert .war,, nach einem geheim geführten Verfahren wegen'angeblicher Spionage zugunsten Sowjetrußlands h i h g e r j c h t e t worden ist. Hammer, der 33 Jahre alt war, betrieb einen kleinen Laden. Vor etwa neun Monaten wurde bei ihm eine Haussuchung vorgenommen. Hammer, seine Frau und einige zufällig anwesende Personen wurden ver: haftet. Sämtliche Verhafteten, außer Hammer unc|, seine Frau, wurden bald darauf wieder freigelassen. Alle Versuche, über das Schicksal des Ehepaares näheres zu erfahren, blieben ergebnislos. Vor etwa zehrt Tagen nun wurde die Frau Hammers aus der Haft entlassen und einige Tage später wurde das Präsidium der Jüdischen Gemeinde Von der japanischmandschukuischen Polizei'- verständigt, daß das japanische Kriegsgericht ' Hammer z u m T ö d e v e r-" urteilt hat und hinrichten ließ. Die Gemeinde ließ »die Leiche Hammers aus'dem provisorischen Grab auf dem chinesischen Friedhöf exhumieren und auf dem jüdischen Friedhof beisetzen. Der Körper Hammers •wies Spuren schwerer Mißhandlungen auf; Paderewski -— Protektor der antisemitischen „Arbeitspartei" Aus Warschau: Die christlich-demokratische Partei, und die. Nationale Arbeiterpartei haben sich zu einer vereinigten „A r b e i t s p a r t e,i" zusammengeschlossen und hinsichtlich der Judenfrage eine Resolution gefaßt, daß es notwendig sei, die jüdische Auswanderung aus Polen zu organisieren und dem Einfluß der Juden in Handel und Industrie entgegenzuwirken. Es heißt in der Resolution: „Die Juden müssen aus Polen auswandern, Industrie, Handel und Gewerbe müssen in polnische Hände gelangen." Jetzt wird bekannt, daß als Protektor der, neuen Partei der berühmte polnische Pianist und gewesene erste Ministerpräsident der Republik Polen, Ignacy Paderewskl, auftritt. Gefördert wird. die. P.ärtei ferner von General Hall er und dem gewesenen Staatspräsidenten Stanislaw Wojclecho wski. * . Das Hauptorgan der Nationaldemokratischen Partei, „Warszawski Dziennik Narodowy", fordert die allmähliche Einführung eines territorialen Ghetto». Zunächst soll den Juden das Wohnrecht in. der Festung 'Brest-Litowsk und in tfem-religiösen Zentrum Czenstochau genommen werden................... ... ...... . . Argentinien» Präsident gegen Antisemitismus Aus Buenos Aires (J. T, A.): Zum Präsidenten der Republik Argentinien ist seoben Dr. Roberto M. Ortlfc.als Nachfolger des Präsidenten General Justo, in dessen Kabinett er den Posten dea Finanzministers bekleidete, gewählt worden. Orti2 vertritt eine Koalition, die von den Konservativen (Agrupaeion Populär Conciliacion) geführt wird. Während des Wahlkampfes veröffentlichte Dr. Ortia in den führenden argentinischen Zeitungen einen Aufruf gegen den Antisemitismus, in welchem er die antisemitische Doktrin als „eine Verbrecherische Lehre" bezeichnete. Während der Präsidentschaft von Dr. Roberto M. Ortiz wird ein Gesetz, das jede Aufforderung zur Gewalt mit Strafen belegt, angenommen werden. Dieses Gesetz soll . Gruppen und Vereinigungen sowie Veröffentlichungen verbieten, die zu Judenverfolgungen auffordern. In der Motivierung zu dem Gesetzentwurf heißt es, daß Katholiken und Israeliten in gleichem Maße zur kulturellen und materiellen Größe der Nation beitragen. Proteststreik Die 8500 Mitglieder zählende jüdische Hochschülerschaft Polens hat beschlossen, zum Zeichen des Protestes gegen die Einführung von Ghetto-Bänken für die jüdischen Studierenden an einer Reihe polnischer Hochschulen ab Montag, 11. Oktober, in einen siebentägigen Schulstreik zu treten. n Theater Premiere Im / Jüdischen Kultur thealer „Jakob und Christian" ,Wio bei einem Humoristen vom Bang Sammy Grone-' m a n n s nicht anders zu erwarten, Ist in seiner Komödie der „Jüdenpnnkt" In ein heiteres Licht gerückt und, soweit er nach nazistischer These behandelt wird, ad absurdum geführt — so daß ein amüsanter Abend zustande kommt, bei dem man sich des Lachens, des Lächelns und der schimmernden Träne nicht schämen muß. Das von Rudolf Weiß brillant einstudierte Siiick hatte mit Georg W e r n e r, Fritz Links, M. O r 1 a n, J. L a a t z durchschlagenden Erfolg. Wir kommen auf die Premiere noch zurück. Sammy Gronemann, der bis zum Jahre .1933 als einer der angesehensten Rechtsanwälte und Notare in Berlin tätig war, zählt zu den bekanntesten deutsch-jüdischen humoristischen Schriftstellern. Seiner Initiative war es zu danken, daß di« beruhete Xjjftrnee der Wlinacr: jüdischen Schauspieler seinerzeit in Westeuropa ermöglicht wurde. Im Jahre 1920 veröffentlichte er seinen ersten satirisch-Jüdischen Roman ,,T.» hu W ab o h ii", drei Jahre später erschienen unter dem Titel „H a w d o 1 o h und Zapfenstreich" seine prachtvollen humorvollen Erinnerungen aus dem "Weltkrieg, die ihn mit ostjUdischen Kreisen in nähere Berührung gebracht hatten. Im Jahre 1927 veröffentlichte er „Schalet", Beiträge zur Philosophie des „Wenn schon'-' Der Umsturz in Deutschland bewog ihn, sich in Paris niederzulassen; Im Februar 1936 siedelte er nach Tärez Israel über. Jüdische Künsllerspielc ,,Der polnische Puretz" Nach dem sensationellen Erfolg des „Dybuk" bringen die Mitglieder des Morrls-Schwartz-Ensembles M. . h i p m a n, J. Grudberg, N. Lipman und Eny Liton A. Kazisncs historisches Volksstück „Der polnische. Puretz" zur Erstaufführung. Außerdem tritt in diesem völlig neuinszenierten Stück das ganze heimische Ensemble auf. Scala. „Die Herrin auf La Paz", eine Komödie von Edith El Iis, ist eines jener Stücke, die man aufführt, gleichgültig, ob sie interessant sind oder nicht, nur weil sie eine Bombenrolle für den gastierenden Star enthalten. In diesem Stalle ist es Sari F e d a k, die man nach einer Rsihe von Jahren wieder in Wien begrüßen kann. Sie ist die jugendlich-mondäne Großmama einer zahlreichen Schar, sie regiert mit fester Hand diese große Familie und hält fest die Zügel ihres großen Gutes in der Hand. Sari Fedak macht das mit unnachahmlichem Charme. Ihr rassiges Temperament beherrscht die Bühne vom ersten bis zum letzten Moment. Kein Wunder, daß das Wiener Publikum das Wiedersehen mit stürmischem Applaus feiert. Neben Sari Fedak sind es hauptsächlich die Frauen des Stückes, die vorzügliche Leistungen bieten: die. reizende Hortense Racky, Elfriede Datzik und Elisabeth Markus. Sehr gut der Schwede Gunnar Ström, Mihail Xantho, Robert Valberg, Paul Morgan und Karl Bachmann, e. kr. KREUZ-KINO DerFilmvoUSpannung I, Wollzeile 17 |g) Telephon R-24-2-16 Voittaltunsch: 4,Vi8, 'Alft CHWEDEN Baairn: >\3, 5, u. %10Uhr.T«I.A-4f-e.*0 Unv«rg«tmich-wie „Die gute Erde"! Spencer Tracy Freddie Bartholome w in Rudyard Kiplings Seeteufel Vorverkauf ab 10 Uhr vormittags ununterbrochen ugarten II, Untere Augijrten- Straße 28 Telephon A-40-5-03 f*m- » .<. M. '»•> ' »10 Uhr Ur> und Alleinaufführung in Wien Der erste Tonfilm in jidd. Sprache JUM, hiil'k fUU mit deutschen Fußtiteln Mit MALY PIC0N

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