Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 694 (15.10.1937)
- Date
- 1937-10-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. m vom 15. Oktober 1937 DIE NEUE WELT Säte 5 Hitlers Blatt zur italienischen Judenfrage Der „Völkische Beobachter" nimmt den Besuch Mussolinis zum Anlaß, über dessen Haltung in der Judenfrage zu schreiben. Er stellt mit Bedauern fest, daß Mussolini sich bisnun nicht zum „Rassismus" hat bekehren lassen, und daß noch immer Juden im öffentlichen Leben Italiens eine gewisse Rolle spielen. Stellt aber befriedigt fest, daß in Italien immerhin gegen den Zionismus Stellung genommen wird und auch Anzeichen einer Annäherung an den „Rassismus" festzustellen sind. Der römische Korrespondent des Blattes schreibt: „Beide Richtungen des Risorgimento, der nationalen Erhebung Italiens im 19. Jahrhundert, die Cavoursche und die Mazzinische Richtung, traten für die Judenemanzipation ein. Mazzini verkehrte während seines Londoner Exils hauptsächlich in jüdischen Kreisen, und man hat sogar behauptet, daß der spätere Oberbürgermeister von Rom, Nathan, sein unehelicher Sohn gewesen sei. Sein jüdischer Anhänger Man in brachte es in der Venezianischen Revolution von 1848 sogar zum Diktator Venedigs. Cavour wählte einen Juden, A r t o m, zu seinem politischen Generalsekretär. Es fand ein Wiederaufleben des Geistes der „streitbaren Makkabäer" statt, der besonders die Judenachaft der piemonteßischen Grenzstadt Casale ergriff. Zu Anfang des Jahrhunderts brachte es der Jude Ottolenghi zum italienischen Kriegsminister. Am Ende des Weltkrieges war der von spanischen Juden abstammende Diaz Oberstkommandierender der italienischen Armeen. Als Mussolini den Marsch auf Rom unternahm, war die Verteidigung der Hauptstadt einem Juden, Pugliesi, anvertraut, der Vallona vor dem Angriff der Albanesen gerettet hat. Er ist heute kommandierender Genera 1, und es gibt in hohen Stellen eine erheblich große Zahl jüdischer Offiziere. In der Politik haben die Juden einen beständig steigenden Einfluß ausgeübt. Luz-' zatti, dessen Vorfahren im venezianischen Ghetto Achse Rom—Berlin ist ihnen geradezu ein Dorn im Auge. So hat man es für angebracht gehalten, den Juden einmal den Standpunkt in aller Deutlichkeit klarzumachen. Zum erstenmal erschienen zwei Bücher, die sich mit der Judenfrage beschäftigen: das von dem Mitglied der Akademie Paolo Orano und das von Livi. Coni konnte sogar ein Buch veröffentlichen, das sich sympathisch über die Rassentheorie äußerte, zu der sich die Italiener praktisch in Abessinien bekehrt haben, und die sich schwer lokalisieren läßt. Das Entscheidende aber ist, daß diese Schriften ausführlich in der Presse besprochen wurden, so daß das große Publikum zum erstenmal mit dem Judenproblem bekahntgemacht wurde. Zwei faschistische Blätter wurden direkt antijudäisch: der römische „Tevere" Telesio. Interlandis, der sogar ein langes Verzeichnis Cafe AkketUtf I, Hoher Markt - Lichten steg Nr. 4 aller jüdischen Namen brachte, und das „Regime Fascista", das der frühere erste faschistische Parteisekretär, Roberto Farinacci, in Cremona herausgibt. Dieser erteilte den Juden den Rat, wenn es ihnen in Italien nicht paßte, könnten sie ja ein Haus weiter ziehen, und jener drohte, wenn sie mit der italienischen Freiheit nicht zufrieden seien, könne man sie ja wieder in das Ghetto einsperren. Der „Popolo d'Italia" Mussolinis aber stellte das italienische Judentum vor das Dilemma: „Erklärt euch glatt als Feinde des internationalen, freimaurerischen, umstürzlerischen und vor allem antifaschistischen Judentums und beschränkt eüch in euren Aeußerungen auf das rein Religiöse, oder verzichtet auf die Staatszugehörigkeit und den Aufenthalt in Italien." Ankauf, Tausch zu günstigen Bedingungen ALLE SCHULBÜCHER für Volksschulen, Hauptschulen, Mittelschulen und anderen Lehranstalten, in den richtigen Auflagen, auch antiquarisch, solche zu allerniedrigsten Preisen, liefert ANTIQUARIAT HERMANN TUCHNER II, ECKE TABORSTRASSE 5 2 / TELEPHON R-41-4-20 gelebt hatten, und Sidney Sonnino, der aus Alexandrien stammte, brachten es sogar zu Ministerpräsidenten. Der Triestiner Jude Barz i 1 a i brachte es zum Führer der Republikanischen Partei. Die Führer des italienischen Marxismus waren bis auf wenige Ausnahmen, wie Turati, sämtlich Juden. (Der Verfasser vergißt hinzuzufügen, daß auch Mussolini einst ein Führer der italienischen Sozialisten gewesen ist.) Indem der Faschismus die Freimaurerei vernichtete, entwurzelte er auch die politische Stellung des Judentums in Italien. Man brauchte es nicht direkt anzugreifen, weil es in der Freimaurerei getroffen wurde, und der Faschismus es vermeid$| wollte, mit dem Weltjudentum in K o n f 1 i \0 zu geraten. Dennach ist ein Anti-Judaismus in Italien lange Zeit auch unter dem Faschismus nicht aufgekommen. Mussolini steht auf dem Standpunkt Friedrichs des Großen, die Juden zwar zu benutzen, aber gleichzeitig zu verhindern, daß sie zu viele werden und zu viel Einfluß gewinnen. So wurde mit der Neuorganisation der italienischen Luftflotte sogar ein Nichtarier, 'Finzi, beauftragt. Jung, um nur einige Namen zu nennen, wurde Finanz- und E r c o 1 e Kultusminister, M a y er aus Triest Leiter des Istituto Mobiiiare und del Vecchio war lange Jahre Rektor der römischen Universität. Die Italiener haben von Anfang an an der Errichtung des National Home in Palästina Anstoß genommen; es stellte eine weitere Verstärkung der englischen Macht im Mittelmeer dar, und dies wurde besonders während der abessinischen Krise peinlich empfunden. Der italienische Anti-Judaismus ist aber von dem deutschen in seinen Beweggründen wesentlich verschieden. Er lehnt nicht nur die Rassentheorie ab, sondern vertritt beinahe den entgegengesetzten Standpunkt. Er wendet sich zu allererst gegen die zionistisch gesinnten Juden und er macht es ihnen zum schweren Vorwurf,, daß sie sich gegen Mischehen zwischen Ariern und Nichtariern erklären. Er erhebt sogar die Anklage, daß die Juden den Rassismus erfunden hätten. Aber der eigentliche Grund des Antijudaismus liegt auf außenpolitischem Gebiet: die italienischen Juden sind in den englisch-italienischen Gegensatz hineingeraten. Und schließlich sind die italienischen Juden dem nationalsozialistischen Deutschland gegenüber alles andere als freundlich geginnt« und die Die jüdische Mitgründerin der faschistischen Partei . gestorben Aus Rom (J. T.-A.): Im Alter von 60 Jahren ist in Livornö die jüdische Schriftstellerin und Dramaturgin Mary R o s s e 11 i gestorben. Sie war die einzige Frau, die im Jahre 1919 in Mailand an der Versammlung „auf der Piazza San Sepolcro", der Gründungsversammlung der faschistischen Partei, teilgenommen hat, In den letzten Jahren hat sich Mary Rosselli stark mit philanthropischen Aufgaben befaßt. Die italienische Presse veröffentlicht eingehende Schilderungen ihres Lebens und ihrer öffentlichen Tätigkeit. Vernachlässigte Darmverstopfungen werden durch täglichen Gebrauch einer kleinen Menge natürlichen „Franz-Josef "-Bitterwassers bald beseitigt; die Magenverdauung wird hiebei angeregt, die Gallenabsonderung erhöht, die Harnausscheidung gesteigert, der Stoffwechsel belebt und das Blut erfrischt. Fragen Sie Ihren Arzt. Ghetto-Bänke an den Hochschulen Polens Aus Warschau: Wie die Jüdische Telegraphen- Agentur bereits gemeldet hat, haben maßgebende polnische Zeitungen die bevorstehende Einführung von besonderen Bänken für jüdische Studierende an den polnischen Hochschulen angekündigt. Nunmehr liegen die diesbezüglichen Verordnungen einer Reihe von Rektoren polnischer Hochschulen vor. Der Rektor der Technischen Hochschule in Warschau hat angeordnet, daß sowohl den jüdischen eis auch den katholischen Studenten, «sowie jenen, die keiner Organisation angehören, b esondere Bänke angewiesen werden. Zum Zeichen des Protestes gegen diese unverkennbar die Juden diffamierende Maßnahme, die unter dem Druck der lange dauernden Kampagne der radauantisemitischen Studentenschaft, in deren Verlauf es wiederholt zu schweren judenfeind- 8imon$brot nodj immer unerreicht eil« ©efunbheitsuttb Ätoft* Brot. 3teidj an ben fo willigen «Rä^tfaljen. 6cBr bequem: ©imoit8brot«@c&mtteiuincfchen in©tanntol. grücfjteitbrot: Aufbau» unb T -rmaSReguIator. #u ijabenm ^emfoftbanblmtgen nm> in »ielen Sädereten. .©tmonsbrotfabril 2Bten»ßögtan ob. Sägt. $6ftüttf.. liehen Ausschreitungen gekommen war, getroffen wurde, erschienen bei der Eröffnungsvorlesung nur wenige Judött, und auch diese wohnten den Vorlesungen stehend bei. An der Warschauer Universität sind die Sitz« numeriert. Den arischen Studenten wurden gerade Nummern auf der rechten Saalseite zugeteilt; die Juden erhielten numerierte Sitze auf der linken Hälfte der Hörsäle. An der Technischen Hochschule sind die Sitze nicht numeriert, jedoch gilt auch dort die Verordnung, daß Juden die linke Säalseite einzunehmen haben. Die radikal-antisemitische nationalistische Presse, mit dem „ABC" und den „Gonier" an der Spitze, bezeichnet diese Anordnung als einen Sieg ihrer Idee und veröffentlicht die Nachricht von der Einführung der Ghettobänke in großer Aufmachung an erster Stelle. Der „Gonier" spricht von einer „kühnen Entscheidung der Regierung". Dieser Schritt der Hochschuldirektoren hat auf die jüdische Bevölkerung Warschaus einen niederschmetternden Eindruck gemacht. Die jüdischen Hochschüler hielten Versammlungen ab, in welchen sie gegen die Anordnung, daß sie in besonderen Bänken zu sitzen haben, Protest erhoben. Die jüdische Presse bezeichnet die Verordnung ara eine Verletzung der Verfassung. Der jüdische Parlamentsklub hat beschlossen, bei der Regierung gegen die Verfügung der Hochschulrektoren Protest zu erheben. In maßgebenden jüdischen Kreisen hält man es kaum für zweifelhaft, daß andere polnische Schulen, auch Volks- und Mittelschulen, dem Beispiel der Warschauer Hochschulen folgen werden. Wie berechtigt diese Befürchtung ist, erhellt aus einer aus Lemberg eingetroffenen Meldung, wonach an einer dortigen städtischen Volksschule den jüdischen Schülern besondere Bänke zugewiesen werden. Ein Protest ■'' ":!TÖer"Sohn des1 jüdischen Gründers der Technischen Hochschule in Warschau und bekannten Philanthropen, Michael Wawelberg, hat im Unterrichtsministerium eine Denkschrift überreicht, in welcher er gegen die Diskrimierung der jüdischen Hochschülerschaft durch Einführung von Ghettobänken Protest erhebt. Wawelberg beruft sich hierbei auf das zwischen seinem Vater und dem Unterrichtsministerium im Jahre 1919 getroffene Abkommen, dessen erster Punkt lautet: „Das Unterrichtsministerium verpflichtet sich, die Technische Hochschule auf Kosten der Regierung zu erhalten und zu führen. Es verpflichtet sich, keinerlei Ausnahmebestimmungen gegen Hörer gewisser Nationalitäten und Religionen zu treffen, sofern sie polnische Staatsbürger sind." * Der Rektor der Warschauer Universität hat es abgelehnt, eine Abordnung der jüdischen Hochschülerschaft, die einen offiziellen Protest gegen die Einführung der Ghettobänke überreichen wollte, zu empfangen. Verb« d« luden§ftaateziomsten Oesferreisdhs Landeskonferenz der Judenstaatszionisten. Samstag:, den 23. d., und Sonntag, den 24. d., findet die diesjährige Landeskonferenz der Judenstaatszionisten Oesterreichs statt. Die Tagung findet im neuen Verbandsheim, II., Praterstraße 30, statt und beginnt Samstag, den 23., um 8 Uhr abends. Sonntag, den 24. d., werden die Beratungen fortgesetzt. Judenstaatsjugend. Freitag, den 15. d„ halb 9 Uhr abends, im Heim, IL, Erlafstraße 5, Oneg Schabbath. •— Dienstag, den 19. d., gemeinsam mit der Sektion Prater, Lichtbilde.rVortrag im Heim, IL, Erlafstraße 5, Beginn halb 9 Uhr abends. — Mittwoch, den 20. d., Sektion XIV/XV, Schanzstraße 32, halb 9 Uhr abends, Vortrag M. S. Braf mann: Unser Weg. Gäste willkommen. Brith Hakanaim. Gdud Herzl, VII., Halbgasse la. Samstag, den 16. d., Werbeneschef. Beginn halb 5 Uhr nachmittags (für Jugendliche bis 14 Jahre) und 7 Uhr (für Jugendliche über 14 Jahre). An alle MakkabiffTurtu und Sportvereine des Makkabi*Weltverbandes X Am 13. April 1938 wird die III. Makkablah in Tel- Aviv eröffnet. Einigkeit, Kraft und Gewandtheit unserer Jugend sollen der Welt von neuem Zeugenschaft von der ungebrochenen Vitalität unseres Volkes ablegen. Die Zeit drängt. Im nächsten halben Jahr muß in Erez, aber auch bei uns in der Galuth, eine Unmenge guter Arbeit geleistet werden, wenn das Fest gelingen soll. Funktionäre! Setzt euch mit euren übergeordneten Makkabiinstanzen wegen der III. Makkabiah unverzüglich in Verbindung. Beginnt und fördert großzügige Sammelaktionen. Ermöglicht, daß beim Treffen der jüdischen Jugend der Welt eine imposante Abordnung eures Kreises teilnehmen kann. Makkabisportler und Turner! In die Turnhallen! Auf die Laufbahn! Heuer arbeitet ihr nur für das Gelingen unserer III. Makkabiah! Wir rechnen mit euch! Ihr dürft uns nicht enttäuschen! Für die Hanhalah teohnith Olamith des Makkabi-Weltverbandes: Der Vorsitzende: Belnhacker. 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