Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 694 (15.10.1937)
- Date
- 1937-10-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 694 vom 15. Oktober 193T Mtsmxic^Sujedjto „Ich lasse mich mit Diäna.Franzbrännt* wein massleren .'«• — „Warum gerade mit Diana- Fransbranntwein?•• — „Well ich mich überzeugt habe, daß Diana solche Schmerzen lindert, welche von Ueberanstrengung und schwerer Arbeit herrühren. Eben darum kaufe ich nur ana FRANZBRÄNNTWEiN mHMENTHOL Wache mit in Kauf nehmen. In Atlit wurde Herr Chaldi auf einen englischen Dampfer gesetzt, wo er seine Kollegen aus dem Höchsten Arabischen Komitee begrüßen konnte, um zusammen mit ihnen die angenehme Reise nach den Segrelles-Inseln anzutreten. Es verlautet, daß die Regierung die Absicht habe, den stellvertretenden jüdischen Bürgermeister Jerusalems, Dr. A u s t e r, an die Stelle des Dr. Chaldi zu berufen. Ob der Mut der Regierung wirklich so weit reichen wird, bleibt abzuwarten. Man kann ohne Uebertreibung sagen, daß Doktor Chaldi nur ein OpferderZick-Zack-Politik der Regierung darstellt. Es handelt sich um eine Person, die in ihrer Politik sich von bloßer Herrschsucht leiten ließ und keine Prinzipien kannte. Herr Chaldi wurde auf den Posten des Jerusalemer Bürgermeisters .mit jüdischen Stimmen gewählt, nachdem er den jüdischen Wählern versprochen hatte, sich für ihre Interessen in der Munizipalität tatkräftig einzusetzen. Sobald er aber wirklich zum Bürgermeister gewählt worden war, kehrte er den jüdischen Wählern den Rücken und ging so weit, dem Höchsten Arabischen Pogromiomitee beizutreten und den Mufti in seinem Ausrottungskampf gegen das Judentum zu unterstützen. Der Bürgermeister einer Stadt, die eine jüdische Majorität aufweist, hielt es für opportun vor der Kgl. Kommission mit einen*Scharfen a n t i j ü d isehen Angriff hervorzutreten. Er tat dies, nti cht etwa weÜ er judenfeindlich gesinnt war, sondern weil er an. die judenfeindiiehe Gesinnung der britischen Administration aufrichtig glaubte und dieser mit seinem eigenen Judenhaß dienen wollte ... ..Hätte Herr Chaldi eine Ahnung gehabt, daß die Regierung es anders wolle, wäre er zweifelsohne judenfreundlich geworden. Deshalb muß das Schicksal dieses Mannes bitter beklagt werden; die Undurchsichtigkeit der Regierufigspläne ist es, die diesen aufrichtigen Karrieristen zu Fall-gebrächt hat; Jamal Hussein* ist es gelungen, nach Syrien zu entfliehen. Was den Vorsitzenden des Arabischen Komitees, den Jerusalemer Mufti anbetrifft, Hausti. Küchengeräte Glas- und Porzellanwaren, Edelker'amik, Bleikristalle. Komplette Ausstattungen in bester Qualität Samuel Zuckermann Wien II, Im Werd 1, Telephon A-41-6-45 so sitzt er nach seiner Absetzung in der Omar- Moschee, wo er schließlich die Gelegenheit erhalten hat, seinen eigentlichen Beruf als moslemischer Priester auszuüben. Das Priesteramt kann ihm seitens der Regierung nicht abgesprochen werden, und so sollte eigentlich seine Situation verhältnismäßig erträglich sein. Da aber der Mensch zum Leiden geboren wurde, dürfte sich auch das Schicksal des Mufti nicht besonders günstig gestalten: Ich höre, daß in der Kasse des Obersten Moslemischen Rates * 72Ö.Ö00 Pfund fehlen, für die der abgesetzte Präsident des Rates, Seine Eminenz der Mufti, keine Belege vorlegen kann. Es verlautet, daß die Information bezüglich der abhandengekommenen 720.000 Pfund von Raheb Nashashibi, dem alten Feind des Mufti, stammen soll. Man erwartet infolgedessen, daß demnächst ein Prozeß gegen den' Mufti angestrengt wird, der zur Folge haben kann, daß Seine Eminenz das Gerichtsgebäude mit einem nicht unwesentlichen Makel wird verlassen müssen. Diese Situation dürfte kaum einem Mann zusagen, 'der noch vorige Woche so mächtig war, daß er im Arabischen Komitee gegen die Beileidsbezeugung anläßlich der Ermordung von Andrews stimmte. Eine zweite Geldunterschlagung wurde in der Arabischen Bank aufgedeckt, deren Direktor das andere Mitglied des eben aufgelösten Arabischen Komitees, Hilmi Pascha, gewesen ist. Hier handelt es sich „nur" um eine Summe von 100.000 Pfund, für die keine Belege vorhanden sind. Es ist anzunehmen, daß sowohl diese als die obige Summe zum Hauptteil fürdieUnterstützungdervor-und diesjährigen arabischen Unruhen verwendet worden ist. Natürlich blieb ein gewisser Teil der obigen Beträge an den Händen derjenigen kleben, die damit in Berührung kamen. Man muß in diesem Zusammenhang unterstreichen, daß der Mufti vor 15 Jahren vom jüdischen Oberkö»m£Sar Herbert Samuel auf seinen Pö*t«n berufen worden iet. Nach den Unruhen von 1021, an denen der Mufti beteiligt war, wurde er von einem englischen Gericht zu 18 J a h* ren schweren Iterk er s für Pogrom tlti k e 11 verurteilt. Herbeft Samuel befreite diesen Schwerverbrecher aus dem Gefängnis und setate ihn in das Amt des Präsidenten des Obersten- Moslemischen Rates ein, obwohl der Moslemische Rat selbst mit 18 gegen 6 Stimmen sich einen anderen Mann zum Präsidenten gewählt hatte. Der liberale Politiker Herbert Samuel mißachtete jedoch den Willen der Majorität des Moslemischen Rates und setzte den Minoritätskandidaten Haj Amin Hussein!, der nur sechs Stimmen erhalten hatte, durch. Es steht nunmehr zu erwarten, daß Herr Samuel seinem Favoriten jetzt eine Kondolenzdepesche schicken wird... -' Es sind Gerüchte im Umlauf, daß in den Regie rungsräumen in Jerusalem ein Gesetzentwurf in Vor bereitung ist, demzufolge das Auffinden von Waffen bei Privatpersonen mit dem Tod bestraft werden soll. Die heute erschienene Gesetzabänderung, wonach kein zweiter Augenzeuge in Mordprozessen mehr notwendig sei, wird allgemein als Vorstufe zum obengenannten Gesetzesentwurf erachtet. Die bisherigen Regierungsmaßnahmen haben aber einen derart einschneidenden Einfluß auf die öffentliche Meinung des Landes ausgeübt, daß es zweifelhaft erscheint, ob weitere Verschärfungen in der Gesetzgebung notwendig wären. Denn es war und ist ein Irrtum zu glauben, daß /zur Beruhigung Palästinas besonders scharfe Maßnahmen notwendig wären; * "( :'" \ - ™ Restaurant Monte II, Tabcrstrale 12 Telephon R.48-4-46 HUGO und JULIE HERLINGER geb. Zollner Erstklassige renommierte Küche, große Auswahl Reichhaltige Menüs von 1.60 aufwärts / Exakte Bedienung Täglich frische Fische ' Neu renovierter Speisesaal \ Angenehmer Aufenthalt Ich höre von einer anderen Quelle, daß zwei Tage vor der Auflösung des Höchsten .Arabischen Komitees ein Attentat auf den Chief. Secretary, B u 11 e r ssh i ll, verübt worden sei, und. daß dies dazu beitrug, die Maßnahmen über, dag'Arabische Komitee zu verhängen. Wegen der hier verhängten ZensuWorschriften mußte aber diese Nachricht von der Presse •verschwiegen, werden." In. 'den \ Redaktidnen|' sämtliche* Zeitungen wurden seit Vörge&tenr R egier ü ri gs- Zensoren eingesetzt, die' das" Material vor der Drucklegung lesen. In Jerusalem lind Jaffa sowie in den rein:aräbischen Ötädten würde ein Versuch unternommen, die a r"a b i s c h e h G eVc h ä f t e zum Zeichen des Protests zu schließen. Die Urheber dieser Kampagne sind die arabischen „Shabab" (arabische Jugendliche, welche sich führend an der Boykbttbeweguhg beteiligt haben). Diesmal wurde ihr(e Initiative aber nicht von Erfolg gekrönt, denn die wenigen arabischen Geschäftsleute, welche ihre Geschäfte anfangs geschlossen hatten, öffneten dieselben wieder, nachdem ihnen bekannt wurde, daß die Regierung diesmal die Schließung der Geschäfte nicht gütheißen würde. Heute berichtet man uns aus Jerusalem, daß auch dort sämtliche Geschäfte geöffnet wurden. Gestern nachts wurde in Nazaret'h ein Araber auffindig gemaclit, der sich in einem geschlossenen Raum der Wohnung eines bekannten arabischen Führers versteckt gehälten hatte. Es ist Grund zur Annahme vorhanden, daß es sich um einen der fünf Terroristen' handelt, die auf Andrews geschossen haben. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß diesmal die Polizei die Schuldigen eruieren wird, weil sie ihrer diesmal habhaft werden will. Verwaltung von Jffllllfl1 HfillSBNl, die in östßfreiclilsclieiti Besitz sind, sucht derzeit hier anwesender Direktor einer deutschen Qrund8tUckverw»ltunK«Kftselnchaft. Ei Uuschriftei\ zwecks oersttnlicher Kückaorachi* unter „Fachmann* an die Ann.-Exp. Tausky. Wim I, bingerstratie 12 # Aus Aegypten sind als Vorsichtsmaßnahme' 700 britische Soldaten eingetroffen. Es genügte einfriedlicher Spaziergang der eingetroffenen Soldaten durch Haifa, Jerusalem und Jaffa, um vollkommene Ordnungund Ruhe zu sichern. Wenn man bedenkt, daß im vorigen Jahr 15.000 Soldaten die Ruhe angeblich „nicht herstellen konnten", so wird man verstehen, daß manchmal die entschlossene Stellung einer Regierung mehr ausmacht als die Zahl der Bajonette. Sollte die Entschlossenheit der Regierung weiter anhalten, so dürfte dem arabischen Bandenführer,' der sich „Captain Haig" nennt, nichts anderes übrigbleiben, als sich wiederum nach Amerika einzuschiffen... Zur Tagesordnung Y . Alpenlindliche Mittuen Es läßt sich nicht leugnen, daß die antisemitischen Propagandamethoden hakenkreuzleriacher Provenienz in Oesterreich Schule machen. Kaum ein Tag vergeht, ohne daß die jüdischen Staatsbürger, besonders in den Provinzblättefn, verunglimpft, verleumdet werden. Im allgemeinen geht man über diese Dinge mit Stillschweigen hinweg. Man begnügt sich damit, einzelne Fälle zu registrieren. Manchmal aber ist es notwendig, dem aufgetischten Material nachzugehen, um festzustellen, wie weit die moralische Versumpfung, bzw. Schamlosigkeit der Nachrichtenverbreiter gediehen ist. 1»3 Sun Rßmo.PcnsIone Feilte Carlo d«ll' Impero 1*4. Unter Aufsieht «et Hlmhurgef Vereine«. Direktion: Dr. m«d. Al«x Schwarz So teilt die Klagenfurter Wochenschrifft .Alpenländische Rundschau" ihren Lesern mit, die 3. T. A. (Jüdische Telegraphen-Agentur) hätte im Juli 1920 eine Rede des Größrabbiners von Jerusalem verbreitet, der nach einer Rückreise aus England in „Jaffa" folgendes gesagt haben soll: „Die Juden erscheinen schön heute als die wirklichen Beherrscher der Welt, heute herrschen, sie Uber Rußland, Oesterreich und Deutschland, bald wird die Herrschaft Uber andere. Länder folgen und so wird das Judentum die Flagge Uber die ganze Welt entfalten." Das Blatt fügt hinzu: „Ein Blick auf die heutige Welt zeigt,, daß das Judentum mit bolschewistischer Unterstützung ein gutes Stück vorwärtsgekommen ist." Sebstveratändlich hat niemals „ein Großrabbiner von Jerusalem", noch sonst irgend ein Rabbiner solch eine Erklärung abgegeben, noch hat die J. T. A. diese oder eine ähnliche Nachricht verbreitet. Zunächst einmal muß konstatiert werden, daß im Jahre 1920 die Jüdische Telegraphen- Agentur noch gar nicht existiert hat. Hier liegt der typische Fall der Nachahmung des „Stürmer" oder der „Protokolle der Weisen von Zion" vor, wenn nicht die „Alpenländische Rundschau" ihr Lügengespinst dem berüchtigten antisemitischen Weltdienst des Ullrich Fleischhaüef" '(Erfurt) entnommen hat. Wie dem auch sei — das Märchen von der jüdischen Weltherrschaft wird'- nunmehr auch in den schönen Alpenländern verbreitet... * ■ V , ■ ,. , ■ . Anftisemitenbündlerische Märchen .Der'-Antisemitenbund, den sein Abzeichen öff entlich 'tragen darf — wir beneiden ihn nicht um, dieses Privileg —, hat seine erste große Propagandaversammlung abgehalten. Was die einzelnen Redner, dort vorgebracht haben, wissen wir nicht, aber wir können annehmen, daß sie den Phrasen des traditionellen österreichischen Antisemitismus (plus einer Dosis Hakenkreuzlertum, ohne das OPTIKER KARL SEIDNER I, Prans-J»»«f s-Kal 33 ' II, HollandstraBe 7 Fachmännischer Rat / Reiche Auswahl / Beste Qualität / Preiswert es auch bei. uns nicht mehr abgeht) treugeblieben sind. Den „Wiener Neuesten Nachrichten" entnehmen wir die. Resolution der Versammlung, in der die Herren des Antisemitenbundes - so beiläufig .. verlangen, daß die „V o rherrschaf t,( (!); der Juden auf den Gebieten der Industrie, des Handels, der Kultur, des Theaters, der Presse und was es sonst noch im Leben eines Staates gibt, beseitigt werde. Den Resolutionshelden mit Statistiken dienen, die ihre Forderung als überflüssig erscheinen lassen, hat keinen Sinn. Es ist ihnen ja nicht um die Wahrheit, sondern um die Verhetzung zu tun. Aber es muß ihnen und ihren gedankenlosen Nachplapperern ins Gedächtnis gerufen werden, daß es im autoritären Oesterreich die Vorherrschaft eines Bevölkerungsteils oder einer Gesellschaftsgruppe nicht gibt; daß es nur eine, das gesamte politische und kulturelle Leben umfassende Willensbildung gibt, die der Vaterländischen Front zukommt. Es wäre wahrhaftig an der Zeit, mit den Phrasen von der jüdischen Vorherrschaft bei uns ein Ende zu machen. Oder huldigen die Gauleiter des Antisemitenbundes der These, daß keine Parole genug verlogen sein kann, wenn sie nur Anhänger herbeilockt? Palästina-Regierung plant Einsetzung einer besonderen Einwanderungs-Kommission Aus Jerusalem: Die Jüdische Telegrapen- Agentur erfährt, daß die Palästina-Regierung die sofortige Einsetzung einer besonderen Einwanderungskomm isaion erwägt, die die Aufnahmefähigkeit des Landes für die nächste Alija studieren soll. Die Kommission soll aus neun Mitgliedern bestehen; Araber und Juden werden zu gleichen Teilen in ihr vertreten sein. Die Palästina-Verwaltung wird sich den maßgebenden Einfluß auf die Entschlüsse der Kommission durch einen englichen Vertrauensmann sichern.