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Die neue Welt · 1937-10-15 · Heft 694 (15.10.1937) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 694 (15.10.1937)
Date
1937-10-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 20 Groschen Freitag/ dien 15« Okiober 1937 II« Jahrgang Nr« 694 V« b« b* Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedle par rediteur" W«. VniV[ ersit^bibUothek Wien, i. REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, viertel Jährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.60, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Ko 6.—, vierteljährig Ke 18.—; Jnroslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Bumänlen monatlich Lei 60.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 80.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 6.—. vierteljährig Lira 14.—% Schweis und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca L60, vierteljährig Schweizer Francs 4.60. Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u.VerwaUung: lX,Universitätsstr.8,let. A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitag Palästinensische Redaktion der „Neuen Welt" Seitdem Palästina, unter dem Einfluß der zionistischen Aufbauarbelt, nach Jahrhunderten wiederum ein Weltproblem geworden ist, fließen ohne Unterlaß Nachrichten und Betrachtungen Uber dieses Land im Vorderen Orient ein. Die Fresse aller Länder verzeichnet täglich Meldungen über die Vorgänge in Palästina. Der jüdischen Presse obliegt hier die Pflicht, alles, was in Erez Israel geschieht, mit äußerster Gewissenhaftigkeit zu registrieren und auch die Stimmungen im jüdischen und arabischen Lager sowie alle Nuancen der britischen Palästina-Politik wiederzugeben. Für diese Aufgabe genügen nicht die zweifellos wertvollen Berichte der Nachrichtenagenturen. Die Juden in der Galuth verlangen eine ausführlichere und umfangreichere Berichterstattung. Aus diesem Grunde hat sich die „Neue Welt" entschlossen, in Palästina eine eigene Redaktion einzurichten. Das politische, kulturelle und soziale Material wird von dieser Redaktion in Tel-Aviv und Jerusalem verarbeitet und geht uns mit raschester Postverbindung zu, so daß unsere Leser alles Wissenswerte aus Palästina prompt und unverfärbt durch unser Blatt erfahren. Wien, Mitte Oktober 1937. Verlag „Die Neue Welt"*! Wieder;?ruie ich euch aufzum Kampfe gegen Hunger und Kälte. Beteiligt euch alle, Mann für Mann, jung und alt, an der Winterhilfe und spendet nach besten Kräften, wie es eurem Stande, eurem Einkommen und Vermögen entspricht. Allen, die in den vergangenen Jahren die Winterhilfe gefördert haben, sei hiemit öffentlich gedankt. Mit ihrer Unterstützung ist die österreichische Winterhilfe zu einem beispielgebenden und beachtlichen Erfolg im Interesse ihres Zweckes geworden. An jene, die bisher wenig oder gar nichts gegeben haben, trotzdem sie in der Lage hiezu gewesen wären, richte ich meinen besonderen Mahnruf: Erkennet endlich eure Pflicht; die Augen eurer Mitbürger sind auf euch gerichtet! Wir wollen allen, die in Not sind, Familienvätern, ihren Frauen und Kindern sowie der arbeitslosen Jugend, wirksame Hilfe bringen. Dazu müssen alle, nie es vermögen, ohne Ausnahme, entsprechend beitragen. TN t e n, im Oktober 1937. f Der Bundeskanzler: Dr. S c h u s c h n i g g. rasiert besser, rasiert, .uier, rasiert glatter, Swing ist die Kling: für Sie! Daher kauft jedermann, der Vorteile schützen kanne nur noch die Swing_ Der neue Bürgermeister von Jerusalem Dr* Daniel Auster ernannt. Aus Jerusalem meldet Palcor: An Stelle des verhafteten und deportierten Doktor K h a 1 d i, der zu den Förderern des arabischen Aufstandes gehörte, hat die englische Regierung den bisherigen Vizebürgermeister Dr. Daniel Auster zum provisorischen Bürgermeister ernannt. Dr. Auster hat bereits die Führung der Geschäfte übernommen. Dr. Daniel Auster, der aus Oesterreich stammt, hat an der Wiener Universität seine juristischen Studien absolviert und ist im Krieg als Oberleutnant eingerückt. Nach Kriegsende wanderte Dr. Auster nach Palästina aus, wo er sich als Rechtsanwalt in Jerusalem niederließ. In einem Zeitpunkt, da die Einwohnerschaft Jerusalems in ihrer Mehrzahl jüdisch geworden war, wurde Auster In den Stadtrat gewählt und später, obwohl ihn die vereinigton jüdischen Parteien als Bürgermeister kandidierten, zum ersten Vizebürgermeister gewählt. Nunmehr bekleidet er provisorisch das. Amt des Bürgermeisters, Skandal auf dem Stephansplatz Ein empfehlenswertes Cafö Eine Wiener Tageszeitung brachte die Nachricht über einen skandalösen Vorfall, der sich im weltbekannten Cafe Europe auf dem Wiener Stephansplatz abgespielt hat. Eine Gesellschaft von Herren und Damen, unter ihnen der namhafte Schauspieler Anton Edthofer, wurde von „Stammgästen" überfallen. Das Blatt schreibt: „Edthofer, dessen Herkunft durchaus den nationalsozialistischen Abstammungsvorschriften entspricht, und seine Gesellschaft wurden mit „Juden hinaus!" attackiert, und schließlich wurde die Parole durch das Lokal gebrüllt: „Das ist ein deutsches Kaffeehaus, hier haben Juden nichts zu suchen!" Die Gesellschaft zog es angesichts der Tatsache, daß Damen in den Streit einbezogen waren, vor, das Lokal zu verlassen. Eine Beamtin der Direktion des Theaters in der Josefstadt blieb aber zurück und setzte sich mit der Feststellung: „Da das Nazitum hier nichts zu reden hat, lasse ich mir auch nichts gefallen!" gegen die Rüpeleien zur Wehr. Als die Nazigesellschaft darauf Miene machte, sich auf die Beamtin zu stürzen, wurde sie von einigen K a f f e e h a u s g ä s t e n verteidigt. Dem : skandalösen V^b^ Wachet ein Ende." ' "" '■' f'"'' : Ali dieser Mitteilung ist besonders beachtenswert, daß zufällig . anwesende Gäste sich bemühen mußten, eine Frau vor rohen Insulten zu schützen; Von einem Eingreifen des Besitzers, des Direktors oder des Personals ist c h a r a k t e r i s t i s c h e r w e i s e k e i n e' R e d e. # Der Stephansplatz ist das Zentrum Wiens und Tag und Nacht dicht frequentiert, besonders von EISEN- WURSTE m_, VERTRAUENSWARE DER KENNER■ Fremden. Es gibt wohl keinen ausländischen Besucher, der sich auf dem weltberühmten Platze nicht aufhalten würde. Den ersten und nachhaltigsten Eindruck von Wien erhält der Gast hier. Und gerade hier macht sich jetzt der Terror unterm Hakenkreuz breit. Das ist kein Zuf all. Alle verantwortlichen Stellen Oesterreichs führen über das Treiben der vom Dritten Reiche beeinflußten „National-Betonten" Klage, weil diese Elemente planmäßig dahin arbeiten, Oesterreich wirtschaftlich, vor allem als Land des Fremdenverkehrs, zu diskreditieren. Auch Bundeskanzler Schuschnigg hat in seiner letzten Rede gegen die Umtriebe dieser Saboteure der österreichischen Wirtschaft leidenschaftlich Stellung genommen. Sind der Stephansplatz und ein seit Jahrzehnten in aller Welt bekanntes und förmlich als Treffpunkt der fremden Gäste geltendes Etablissement nicht der geeignetite* rPunkt, von wo aus der Ruf Wiens und Oesterreichs am gründlichten ruiniert werden kann? Es ist kein Zufall, daß gerade dieses Cafe Europe auf dem Stephansplatz zum Schauplatz wüster Pöbeleien gemacht wird. Drastisch soll demonstriert werden, was Gäste, die nicht „national" geeicht sind, dort zu erwarten haben. Drastisch soll den Fremden bewiesen werden, wie unerquicklich1 und gefährlich ein Aufenthalt in-W-ien ist! Was wird dagegen unternommen werden? „Juden hinaus!" Daß gegen die Wirtschaft Oesterreichs gerichtete Demonstrationen mit antisemitischen Schlagworten verbrämt werden, das gehört nun einmal zum System. Wie die anständigen Juden darauf reagieren werden, ist leicht vorstellbar. Sie werden die Besitzer und die auf Rassenschutz bedachten Stammgäste des noblen Lokals durch ihre Anwesenheit kaum weiter belästigen. Was jene unanständigen Juden tun werden, welche unentwegt zu rassenreinen Filmen laufen und die antisemitischen Kinos füllen, daß weiß man nicht. Ihre Gesellschaft sei den „betonten" Helden auf dem Stephansplatz herzlich gegönnt. fünf Tage Ruhe und Ordnung Nach dem Erwachen der Regierung. — 820.000 Pfund ohne Belege. — Die Gerüchte um Buttershill. —• 700 Soldaten genügen, wo einst 15.000 nicht ausreichten. — Wo bleibt jetzt „Generalissimus" Captain Haig? Von Dr. N. Vardi Tel-Aviv, 9. Oktober. Es sind jetzt acht .Tage her, daß sich die Regierung entschlossen hat, aus ihrer bisherigen Reserve herauszutreten und den Arabern zu zeigen, daß das Land Palästina ebenfalls eine Regierung habe. Und siehe da — es gelang ihr soweit ausgezeichnet, den Beweis hierfür zu erbringen. Man kann ohne Uebertreibung sagen, daß im1 Laufe der letzten zehn Jahre keine so vollkommene Ruhe und Ordnung! m.Lande herrschten wie jetzt, trotzdem, es genügend Pessimisten gab, die mit einer stürmischen arabischen Reaktion auf die Regierungsmaßnahmen rechneten. Natürlich blieben die Pessimisten im Unrecht: es gibt, keinen „arabischen Sturm in Palästina", wenn dieser der Regierung wirklich, unerwünscht ist. , Es ist wirklich staunenswert, wie elegant und mühelos die Regierung mit den paar arabischen Hetzern fertig wurde; in zwei Stunden waren die Haupthetzer erfaßt, in zwölf Stunden sahen sich die meisten von ihnen bereits auf einem prächtigen englischen Seedampfer unterwegs nach dem Indischen Ozean und nach vierundzwanzig Stunden waren bereits die wichtigsten Unruheherde im Lande yon berufenen Polizeifachleuten gründlich durchsucht und die Unruhestifter unter Schloß und Riegel gesetzt. Das war eine vernünftige Sprache, die allein unseren arabischen Freunden verständlich ist. Am Morgen nach der Säuberung ließen arabische Muktare in einer Weise von sich hören, wie wir es von ihnen bisher nicht gewöhnt waren: Was wir wollen, erklärten sie einem Regierungsvertreter gegenüber, ist nichts anderes, als daß die Regierung uns die Möglichkeit gibt, friedlich unserer tagtäglichen Arbeit nachzugehen und die Politik loszuwerde n,' Auch das sind vernünftige Worte,' die immer nach einer vernünftigen Tat seitens der Regierungsbehörden vernehmbar werden. Ich erfahre aus guter Haifaer Quelle, daß der ehemalige Jerusalemer Bürgermeister Dr. Chaldi bis zum letzten Augenblick geglaubt habe, der Regierung sei es nicht Ernst mit ihrem „neuen Kurs", und alles würde, wie so viele Male bisher, mit einer neuerlichen englisch-arabischen Versöhnung enden. Er hatte deshalb bis zu seiner Beförderung auf das Motorboot, das ihn nach Atlit bringen sollte, die stolze Haltung eines revolutionären Kämpfers, dessen Sieg unmittelbar bevorstehe, angenommen. Er weigerte sich, das Boot zu besteigen und mußte einige „handkräftige" Argumente der ihn begleitenden

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