Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1937-10-12 · Heft 693 (12.10.1937) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 693 (12.10.1937)
Date
1937-10-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2711613-2712245-2712318--6766-2720561
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 2 DAß HEtfiß WELT Nr. 693 vom 12. Oktober iffl O P T I K E R KAHL SEIDNER I, Frans-Josefs-Kal *8 ' M, Mottendstraft« f Fachmännischer Rat ' Beiohe Auswahl / Beste Qualität / Preiswert Die letzten Ereignisse in Palästina Die M&ftftaltftieit feg«» iten Tetrof haben kann. Nur ein „engster Mitarbeiter" Weidmanns, welcher über das Vorgehen Weizmanns begreiflicherweise entsetat war, aber nicht die Kraft fand, selbst einanschreiten, und es vor*og, -einen der Führer im Kampfe gegen die Teilung von Weizmanns Vorgehen in Kenntnis zu setssen und selbst im Dunkel zu bleiben. Wenn Dr. Weizmann und Ben-Gurion von „Diebstahl" sprechen, dann sollen sie den „Dieb" bei sich suchen.) Man kann sich wohl vorstellen, welche Entrüstung und Bestürzung sich Großmanns und der anderen Juäenstaatler bemächtigte, als sie Dokumente zu Gesicht bekamen, aus denen hervorging, daß falsches Spiel gespielt wird um den Zionistenkongrefc, um die Lebensfrage des jüdischen Volkes. Nicht nur das ganze jüdische Volk, die ganee jüdische Welt blickte gespannt nach Zürich, weil dort über die Stellung des jüdischen Volkes zum Teilungspian beschlossen werden sollte. Auf dem Kongreß wurde leidenschaftlich gekämpft. Man fieberte der Entscheidung entgegen... Alles Komödie! Alles Spiegelfechterei! Der Führer und sein Stab hatten schon der Zerreißung Palästinas zugestimmt und sich verpflichtet, die Juden unter Druck zu stellen, gefügig zu machen. Ein schnödes Spiel hinter dem Rücken eines verzweifelt kämpfenden Volkes. Großmann wandte sich zuerst an Mitglieder der Zionistischen Exekutive, wies die Dokumente vor und verlangte Aufklärung. Sie wurd,e ihm verweigert! Dann teilte er einer vertraulichen Sitzung des Kongresses den wesentlichen Inhalt der Dokumente mit und forderte den anwesenden Präsidenten -Weizmann auf, zu erklären, ob die Dokumente echt oder falsch seien. Weizmann yer w eige r t e die Antwort! Dafür fiel er in einer öffentlichen Sitzung über Großmann her und verhöhnte ihn als „Sensationsmacher", ohne nur mit einem Wort die Dokumente und seine Abmachungen mit Ormsby-Gore zu erwähnen. In den Couloirs und in der Presse wufde dann von den „gestohlenen" und „gefälschten" Dokumenten Großmanns gesprochen. Und dann tat Großmann, was er als zionistispJ^BF Pajtrjot tun mnjäte, Er veröffentlichte die Dokumente, um die Täuschung zu enthüllen und ihrer Fortsetzung vorzubeugen! Wer gehört vor ein zionistisches Gericht? Großmann oder Weizmann? Der Mann, der den Kongreß vor Täuschung bewahren wollte, oder der Mann, der den Kongreß getäuscht hat? Und nachher ♦ ♦ ♦ Großmann hat mit Einsatz seiner Person auf dem Kongreß dagegen gekämpft, daß man den Präsidenten Weizmann hinter dem Rücken und gegen den Willen des jüdischen Volkes als Bevollmächtigten dieses Volkes für die Teilung Palästinas arbeiten lasse. Es war in erster Linie diesem Kampfe zu danken, daß die Kongreßmajorität wohl der Exekutive Vollmachten für die Verhandlungen erteilte, aber ausdrücklich erklärte, daß damit keine Zustimmung zur Teilung Palästinas ausgedrückt sei. Was aber tat Weizmann? Er fuhr nach dem Kongreß nach Genf und arbeitete dort für die Teilung. Er handelte dort nicht wie ein Vertreter des jüdischen Volkes, sondern wie eine Hüfskraft jener englischen Bürokratie, die den unseligen Teilungsplan in die Welt gesetzt. Der französische Außenminister D e 1 b o s, ein Gegner der Teilung, verkündete öffentlich, daß Wßizmann zu ihm gekommen sei, um ihn für die Teilung unizust^mmen. Dasselbe erfolgte, soweit bekannt, im Falle des pojnischen und rumänischen Ministers. Wenn es schließlich der Völkerbund ablehnte, dem Teilungsplan zuzustknmeij, so ist es wahrlich nicht Weizmanns „ßchuld"! Er tat für die Teilung alles, was man nur tun kann. Wer gehört vor ein Zionistisches Gericht? Weizmann oder Größmann? Palästina-Vortrag — Dr. Nahum Goldmann. Die zweite große Veranstaltung des rührigen Rings der Altherren-Verbände der Zionistischen Verbindungen in dieflem Herbst. 4-.m 13. Septeinjjer sprach, der Leiter der Juden» staatspartei, Meier Groß mann, im Konzerthaus über das Thema „Judenstaat oder Ghetto?". Nach Monatsfrist tritt ein anderer bedeutender Redner der zionistischen Leitung vor das Wiener Publikum an das VortragspuJt: Dr. Nahum Goldmann, der Vertreter der Jewish Agency in Genf, spricht am 12. Oktober 1937 um 8 Uhr abends im großen Musikvereinssaal über das Thema „Palästina — ein Weltproblem". So wie sein Vorredner, wird auch er sich mit der das Judentum der ganzen Welt tief aufwühlenden Präge der beabsichtigten Teilung von Erez- Israel befassen. Es ist dem Ring zu danken, daß er der Wiener Judengehaft Gelegenheit gibt, informierte Männer über das Für und Wider der Frage sprechen zu hören. Für den Vortrag Goldmanns gibt sich allgemeines Interesse kund. Die gesamte englische Und pMäBtintfctiSchhebräische Presse Stellt fest, daß die Palästina- Administration von der britischen Regierung umfassende Vollmachten zur Unterdrückung des Terrors erhalten höbe. Insbesondere seien die britische» Streitkräfte in Palästina ermächtigt Worden, auf eigene Verantwortung die weitestgehenden Maßnahmen zu treffen. ES ist bezeichnend, daß engHeche Blätter, welche bisher mit der zögernden Haltung der Palästina- Administration mit Rücksicht auf weltpolitische Interessen einverstanden waren, jetzt die „starke Hand" anerkennen und begrüßen. „S t a r" veröffentlicht die Mitteilung, daß bei den höchsten Stellen der Palästina- Verwaltung tiefgreifende Aenderungen -bevorstehen. „Sunday Times" loben die Behörden für den entscheidenden Schlag gegen die Mordkampagne. „Times" erklären, daß die arabische öffentliche Meinung sehr langsam auf die Ereignisse reagiere. Die bloße Tatsache, daß die Verwaltung entschlossene Sehritte unternommen habe, sei von großer •moralischer Wirkung, ebenso die Verhaftung der sechs arabischen Führer. Der Weg sei frei für eine konstruktive, feste und unparteiische Verwaltung in der Zukunft. Die neue Kommission Die in Bethlehem erscheinende arabische Zeitung „Saud el Schaab" will aus „zuverlässiger Quelle" erfahren haben, daß zwischen England und Frankreich ein grundsätzliches Einvernehmen über die Teilung Palästinas nach folgenden Richtlinien erzielt worden sei; Das Gebiet des geplanten Judenstaates wird im Süden erweitert, Nordpalästina dagegen in arabischem Besitz bleiben. Der Judenstaat soll bis zur Wüste Sinai ausgedehnt werden und den Status eines britischens Dominiums erhalten. Der arabische Staat erhält volle Unabhängigkeit und wird an den arabischen Staatenbund angeschlossen. Die britische Regierung verpflichtet sich, alle erforderlichen finanziellen Mittel für die durch den Völkerbund zu bestimmende Uebergangszeit zur Verfügung zu stellen. fom Mandat über die heiligen Stätten (JetW ««fem und Bethlehem) soll Frankreich alskathöH« scher Macht, die schon eine alte Tradition als" Schützerin heiliger Stätten besitzt, übergebet! Werden« Des französische Mandat ebll unbegrenzt sein. England und Frankreich Wollet! sich bereit erklären, dt§ italienische Souveränität über Abessinien an* zuerkennen, falls Italien der Regelung in Palästina tt& «tattimt. Die neue Kommission Wie aus London gemeldet wird, ist die Ent«* Sendung der zweiten englischen Untersuchungskommissio» nach Palästina gesichert und die palästinensischen Behörden hahett bereits vorbereitende Untersuchungen für die Arbeit der Kommission in Angriff genommen. Zum Vorsitzenden de* neuen Kommission soll der stellvertretende Vorsitzende der Peel-Kommission, Sir Horace Rumbold, ernannt werden. Zur Lage an Palästina Kirkbride Nachfolger des ermordeten Andrews In Jaffa sind die Leichen zweier Araber, deren Identität noch nicht festgestellt werden konnte, aufgefunden worden. Die pal äs tinensi sc h-Iibanesische Grenze steht, nachdem 17 verhaftete palästinensische Araber, unter ihnen mehrere Notabein, einen Fluchtversuch nach Libanon unternommen hatten, unter crhöhter polizeilicher und militärischer Bewachung. Der Führer der arabischen Verteidigungspartei, Ragheb Bey Nashashibi, der bekanntlich als einer der gemäßigten arabischen Fuhrer gilt, hat eine Proklamation an die arabische Bevölkerung Palästinas erlassen. In dieser wird zugegeben, daß unter den Arabern Palästinas eine Terrorkampagne geführt wird, gleichzeitig wird aber erklärt, daß der Oberste Arabische Ausschuß diese Kampagno verurteilt und ausdrücklich abgelehnt habe. Zum Nachfolger des ermordeten Distrikiskommissärs von Obergaliläa, Lewis Andrews, ist der britische Beamte in Transjordanien, Alec Seath K irkbride, ernannt worden. Die palästinensischen Zeitungen melden,, daß High Coramissioner Sir Arthur Wauchope am 20. Oktober nach Palästina zurückkehrt. Gdud Herzl, VII., Halbgasse 1 a. Dienstag, den 12. d,. 7 Uhr abend«, Treffen der jüdischen Jugend. Es spricht Ch. Chaim MeiseU: „o&s Schicksal der Jüdischen Jugend"» Arierparagraph und Blinde Auswirkung Die J. T. A. meldet aus Wien: Die diesjährige Straßensammlung für die Blinden Wiens hat ein viel geringeres Ergebnis gezeitigt als in früheren Jahren. Dies wird nicht zuletzt auf die große Mißstimmung zurückgeführt, die in weiten Kreisen der Wiener Bevölkerung, insbesondere.der Wiener Juden-« schaft, wegen der Einführung des Arier Paragraphen im Verein blinder Musiker herrscht. Der Gesamtverband der Blindenvereine hat nun eine Erklärung veröffentlicht, daß der Verein blinder Musiker als Folge der Einführung des Arierparagraphen von den Erträgnissen der Sammlung ausgeschlossen ist. Wie der J.-T.-A.-Vertreter erfährt, erhält der Verein blinder Musiker zahlreiche Gratulationen und Zustimmungserklärungen aus Deutschland, die vielfach von ansehnlichen Geldspenden begleitet sind. Die blinden jüdischen Musiker sollen durch die Einführung des Arierparagraphen völliger Erwerbslosigkeit preisgegeben werden. „Oesterreiebische Zeiterscheinungen" Unter diesem Titel schreibt die Prager Tageszeitung „Bohemia" — kein Judenblatt — über den durch die Einführung des Arierparagrazhen ruinierten österreichischen Film und dann über den Arierparagraphen bei den Blinden wie folgt: „Die .Interessengemeinschaft blinder Musiker und Klavierstimmer" hat den Arierparagraphen eingeführt und, als der Verband der Blindenvereine ihn ablehnte, sich als selbständiger Verein eintragen lassen. Die Statuten mitsamt jenem Paragraphen sind vom Magistrat zu Wien genehmigt worden. Die Blinden, unglücklichste aller Verkrüppelten, die blinden Musiker, unglücklichste aller Künstler, angewiesen zum großen Teil auf das Menschliche ihrer Mitmenschen, haben ihr Menschentum vergessen, und ob sie das mit oder ohne Genehmigung des Magistrats tun, bleibt siPh leider schon ganz gleich. Wenn der Wiener Magistrat zuläßt, daß die Sorge für einen Teil jener, denen die Sonne entzogen ist, mit der Rassenideologie in Zusammenhang gebracht wird, so ist es seine Sache, wie er diese Einstellung mit jenen Worten des Bundeskanzlers in Uebereinstimmung bringt, in denen er Oesterreichs Aufgabe dahin kennzeichnet, Pionier und Missionär christlich-deutschen Geistes und christlich-deutscher Kultur zu sein. Das also ist des Magistrats, nicht des Außenstehenden Sache; Sache aller Menschen alper, d}e Menschen sein wp)len, ist; es, aufzuhorchen und festzustellen! wohin wir gelangen, wohin wir gelangt sind» Die seelische Verelendung Im physischen Elend, Haßgesang jener, die auf Liebe rechnen, auf Liebe zu rechnen höchstes Recht haben, widerspricht allem, was das Abendland Kultur nennt." „Und weil es so ist, weil jeder Mensch, der Mensch ist, weiß, daß es so ist, stellt es für Oesterreich eine jener Ausnahmserscheinungen dar, die das traurige Bild der Zeit um einen schwarzen Rand vermehren." Hubermans Flugzeugunfall Er sagt seinen Palästina-Besuch ab Aus Den Haag (Holland) meldet die J. T. A.'s Wie die letzten Berichte aus Palembang (Java) besagen, ist der Zustand des bekannten Violinisten und Gründers des Palästina-Symphonieorchesters, Bronislaw Huberm a n, der auf einer Konzertreise bei einem Flugzeugunglück Verletzungen ernsterer Natur erlitt, nicht so befriedigend, wie man zuerst angenommen hatte. Dia Röntgenuntersuchung hat ergeben, daß der Künstler außer den ganz unbedeutenden Schrammen am Hals und im Gesicht auch Knöchelbrüche an beiden Händen und einen Rippenbruch erlitten hat. Wie die behandeln-» den Aerzte jedoch erklären, sind die Brüche an den Händen derart, daß eine vollständige Heilung ohne bleibende Folgen erwartet werden kann, per Künstler hat sich schon so weit erholt, daß die Aerzte ein kurzes Interview mit ihm gestatteten, man, „daß mir nichts Ernsteres zugestoßen ist, und ich w}ll nicht klagen. Meine Hände schmerzen mich äugen«* blickjich stark, aber das macht nichts. Die Haupt«« sache für mich ist, daß ich wieder werde apiejen, köimen. Jen bin auch glücklich darüber, daß meine Geige Jceipen Schaden gelitten hat. Ueber das U/n* glück kann ich nichts sagen, weil ich mich an nichts erinnere. Meine Sekretärin hat die beiden rückwärtigen Sitze für uns reservieren lassen, weil sie das sicherer fand. Diesem Umstand, glaube ich, haben wüü unser Leben zu verdanken." Huberman wird in 49$ nächstep Monaten nicht konzertieren können. Toscaniiu dirigiert in Pajtfcfi'no Aus Jerusalem: Arturo TopcaninJ, der be* reits im Vorjahre mehrere Konzerte des Falästina-Syww phonierorchesters dirigierte, trifft am 7. November in Palästina ein, um drei von den neunzig Konzerten, di« das Symphonie-Orchester in dieser Saison geben wird, zu dirigieren. Es verlautet, daß die Konzerte vom Jerusalemerj Rundfunk nicht übertragen werden, Das Palästina-Symphonie-Orchester ist durch den Beitritt von zehn neuen Musikern aus Deutschland, Hol«* land und Polen verstärkt worden. Die Zahl der Abonnenten ist von 2500 in der ersten Saison auf 4Q0Q in der laufenden Saison gewachsen»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.