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Die neue Welt · 1937-10-12 · Heft 693 (12.10.1937) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 693 (12.10.1937)
Date
1937-10-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Press 10 Groschen Dienstag/ den IS* Oktober 1937 II« Jahrgang Nr. 693 V* b. b« Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedle par i'editeur" 187 Tit/. VniversiUiti R E VU E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER ßBZÜGSBM>lNGDNQBN: Oesterreich monatlich S 1.40, vlerteliäürlg S 4.~, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty L50. vierteljährig Zlöty .4.60: Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Ko 18.—: Jnafosliwlen monaülch Dinar wWj. jährig Dinar 40.—: Büminlen monatlich Lei 60.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark JL-, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monaülch Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monaülch Lire 6.—. vierteljährig Lira 14.—3 Schwel» und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.60, vierteljährig Schweizer Francs 4.50, Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u,Verwaltung: IX, Vniversitätsstr.8t7el.A-2Q-2-78 - Erscheint Dienstag u.Freitag Schweizer Fronti'§ten und österreidnsdie Unentwegte In der Schweiz gibt es eine der deutschen Nazipartei nachgebildete Organisation nationalbetonter Schweizer» die sich „Nationale Front" („Fro nifiaten") nennt und mehrmals schon durch antisemitische ' Hetzpropaganda von sich reden machte. Mitglieder der Frontisteripartei : waren es, die dem Berrier Prozeß um die „Protokolle der Weisen von Zion" das, Gepräge gaben und während des letzten Züricher Kongresses durch Anpöbelongen von zionistischen Delegierten, Werfen von Stinkbomben und andere Exzesse Aufmerksamkeit erregten. Die Schweiz gab dieser Gruppe, welche „für die nationale Erneuerung ihres Vaterlandes" kämpft, die passende Antwort. Der Berner 'Protokoll-Prozeß endete bekanntlich mit der schmählichen Niederlage der Verbreiter dieses Falsifikat» und mit der moralischen VerurteÜung der Schüler des reichsdeutschen Hakenkreuzes. Herr Ulrich FJeisphhakerj der berüchtigte Experte aus Erfurt [(Chef der Erfurter Antisemitenzentrale), und seine Schweizer Jünger hatten eine Blamage einzustecken, die weit über die Schweiz hinaus Beachtung fand, und die antisemitischen Stänkerer der Kongreßdelegierten' in Zürich, das sind die Frontisten, mußten sich von ihrem Bürgermeister sagen lassen, daß die deutsche, Schweiz! deren Agitation als Kulturschande, empfinde. Kultur.sc.hände „ . . . : , "'. Nun erifäM^ tu3g",...äaß tiber die finanzielle "itfÄeVs4ü*t*" zjin'g der'. Schweizer Frontisten durch. Imitier-Deutschland kein Zweifel' mehr bestreht. Diese Tatsache;wird von den Frontisten ausdrücklich zügegeben. Wir erfahren welters, daß das reichsdeutsche Geld zur Finanzierung des Prozesses um die „Protokolle" gebraucht wurde und daß die Frontisten - ununterbrochen von ihren reichsdeutschen Freunden — für_ antisemitische Zwecke — Geld verlangen. Das Schweizer Volk, schreibt die „Neue Zürcher Zeitung" hat kein Verständnis dafür, daß eine angeblich für 'die nationale Erneuerung kämpfende Partei ausländisches Geld annimmt, ja sogar erbettelt. Und ' in dein Brief eines Schweizer Frontisten findet 'sich das prophetische Wort,; daß der Verdacht, iri deutschen Diensten zu stehen1, heute in der Schweiz den „moralischen Tod" bedeutet. ' Wenn* die Schweizer das In-deutschem-Solde- Steh'en als moralischen Tod des betreffenden Schweizer' Bürgers bewerten, beweisen sie damit ihren gesunden Sinn und Verständnis für nationale Anständigkeit und Ehrbarkeit. Bei uns ist solch ein rigoroser Maßstab nicht vorhanden. Weder politisch noch moralisch haben jene „nationalbetpnten" oder ijlegal, arbeitenden nazistischen Kreise gelitten, die nachgewiesenermaßen auch heute noch, nach dem deutsch-österreichischen Befriedungsabkömmen, ihre Propagandagelder aus dem Dritten'Reich .beziehen; ja diese Kreise verstehen sogar mit der Tatsache, daß sie von Deutschland subventioniert werden, zu prahlen und sich .mit einer Gloriole; zu umgeben — ein Beweis, daß das vom Hakenkreuzlertum verspritzte Gift auf die Moral gewisser „politischer"'Kreise in Oesterreich verheerend.gewirkt hat. Es sind'das die Kreise, welche den wirtschaftlichen Aufbau Oesterreichs sabotieren, jede Gelegenheit zu antiösterreichischen Kundgebungenr benützen und die Parole „Juda verrecke!" ungehindert in die Massen tragen. Ihnen hat, nebenbei gesagt,1 Bundeskanzler Doktor: Schuschnigg den Geist der .Freiheit für .Oesterreich,!der Freiheit als Verfassurigsziel, entgegengestellt: Mit ihnen hat der österreichische Bundeskanzler beim Froritappell am 8. Oktober abgerechnet. '; - Aber bei der bloß pol i t i sc h e n Zurückweisungdes Hakenkreuzes besteht' die Gefahr, daß man bei Exzessen; auf dem sogenannten „k u 11 u r e 1 l'e n"s Gebiet ein-Auge zudrückt. Jeden Tag wird Oesterreich,1 insbesondere die österreichische Provinz, von Presse.-: erzeugnissen überschwemmt, die in hemmungsloser Weise-den. jüdischen Staatsbürger beleidigen, verdächtigen und beschimpfen und oft nicht einmal vor der Verbreitung der Ritualmordlüge haltmachen. Es gibt Leitungen bei uns, die sich in Wort und Bild nur unwesentlich vom berüchtigten türmet Julius SensationumdjeErmo^ Die geheimnisvolle Rolle des DistriktsgouverneiK Roadh Spezialbericht der „Neuen Welt", Jerusalem, 8. Oktober. Im Zentrum des. öffentlichen Interesses steht das Keat-Roach-Rätsel. Es ging vorgestern von Mund zu Mund, daß Keat Roach, der Gouverneur des Norddistrikts und Andrews' ehemaliger Vorgesetzter, in die Mordaffäre Andrews v e r m i s c h t sein soll. Es ist bekannt,, daß Andrews, sehr wichtige Dokumente über die Tätigkeit der arabischen Terrorbän-, den und über die bedenkliche Tätigkeit mancher b r itischen Beamten, welche die Banden zu ihrer Tätigkeit ermutigt hätten, hinterlassen habe. Diese. Dokumente sollten u.. a. ein s c h i e f e s L i c h t a u f . K e a t R o ach werfen, was letzerem. bereits Seit Monaten bekannt gewesen sein sollte. Man behauptete,;; Keat Roach habe S e l b s t 'm o r d begangen, was sich; ■ aber nicht bestätigt hat. Tatsache ist, daß spezielle Beamte des Scotland-Yard nach Palästina gekommen sind, um im Haifaer Regierungsgebäude eine eingehende Untersuchung vorzunehmen. Hiebci wurden' nicht nur arabische/ sondern auch hohe englische Beamte vernommen. Die Sache erreichte ihren Höbepunkt vorgestern mit der in der Privatwohnung Keat R o a c h s vorgenommenen Hausdurchsuchung. Es ist ein einzig dastehender Fall, daß die Privatwohnung eines Distriktgouverneurs von Scotland-Yard-Beamten zu ähnlichen Zwecken aufgesucht wird. Man glaubt, daß dies im besten Falle zum Rücktritt Keat Roachs aus dem palästinensischen Staatsdienst führen werde. Es ist kaum anzunehmen, daß ein derartiger Ausgang der Affäre von der jüdischen Bevölkerung allzu sehr bedauert werden wird, denn Keat Roach gehört zu denjenigen, die sich in der rück« sichtslosen Zurückdrängung des jüdischen Elements auf allen Gebieten des Staats« lebens besonders hervorgetan haben. . Robert Stricker : m Die Affäre Weizmann—Großmann : . .:A;uf dem -Züricher Zionistenkongreß im August- 1937.. . kam es zu .heftigen Angriffen gegen meinen- Freund vMeir Gr oß m ann, den Vorsitzenden der; Judenstaatspartei.. Er wurde beschuldigt, geheime, die. zionistische Politik betreffende" Dokumente,- in-deren. Besitz; er: widerrechtlich gekommen ' sei, der Oeffent-! lichkeit: preisgegeben zu" haben. Der Sprecher der; I Zionistischen Exekutive, Herr Ben-Gurion^ unternahm es, auf dem. Kongreß von einem Dokumentendiebstahl, zu sprechen, den man mit verächtlichem Schweigen, Strafen müsse. Nach dem Kongreß wurde die.Kampagne gegen Großmann fortgesetzt. Die Kreise um den Präsidenten .Weizmann und die ihm ergebene zionisti- . sehe Presse sprachen weiterhin von „Vertrauepsbruch'<; und davon, daß .Großmann vor das Kongreß-: gericht; geladen werden würde. Großmann :wurde vor kein Gericht geladen. Aber das böse Gerede ging_ weiter. Wenn ich jetzt diese Angelegenheit behandle, so geschieht dies nicht nur, um den Ruf eines zionistischen1 Patrioten zu schützen, dessen Freund zu seinmir größte Ehre ist. Es geschieht nicht zuletzt, um aufzuzeigen, wie der Zionistenkongreß und mit ihm \ die ganze Oeffentlichkeit getäuscht wurden und welche •fr;'' ' *_ ' " _ '. : ' , jnmmmmmmmKmmmmmmmmmmmmmiKmm Streichers unterscheiden. Solange.; nicht auch dies.et Nachahmung, der reichsdeutschen Hakenkreuzmethoden moralischen Tod bedeutet, sondern in - vielen Kreisen mit wohlwollender Neutralität aufgenommen, wird, kann die von Zeit zu Zeit, zur Schau getragene,! Ablehnung des neudeutschen Nazismus keine Besserung bringen. .' .' ,0. r/ Selbstmord einer jüdischen Aerzü'n m Wien , Von vertrauenswürdiger Seite wird uns geschrieben:, „Eine. junge jüdische Äerztin, Fräulein Dr. Margarete Hirschhaut, die auf der Klinik Prof. Jagtö arbeitete, beging am 8. Oktober d. J. Selbstmord, indem sie sich mit Verona! vergiftete. Der Grund zum Selbstmord bestand darin, daß Fräulein Hirschhaut für sich als . Jüdin keine, Mbg 11chke 11 sab, einen bezahlten Posten zu. bekommen. Der Vater der lebensmüden Aerztln, aktiver Oberstleutnant (Genietruppe) der alten österreichisch-ungarischen Armee, ist im Jahre 1915 einer Verletzung erlegen." Politik hinter dem Rücken eines vertrauensseligen Volkes betrieben .wird. , Der Tatbestand: Wenige Tage nach der Kongreßeröffnung wurde, Großmann verständigt, daß auf der .Präsidialtribüne ein Brief für ihn erliege. Grpßmann fand'dort auch einen-Brief vor, dessen Umschlag die Worte „Mr. Meir Großmann" trug, sonst aber keinerlei Kennzeichen- Der Umschlag enthielt kein Schreiben, sondern lediglich zwei Dokumente, und zwar: 1. Das Protokoll über eine im .englischen Kolonialministeriura am 19. Juli 1937 um 10 Uhr 45 Min. vormittags abgehaltene Unterredung zwischen Minister Ormsby- Gore und Dr. Ch. Weizmann in Gegenwart des Staatssekretärs Lord Duff er in; 2. den Entwurfeines am nächsten Tage verfaßten Briefes Dr. Weizmanns an Ormsby-Gore, in welchem der Inhalt der Aussprache am Vortag zusammengefaßt und bestätigt wird. Aus dem Protokoll ging hervor, daß Dr. Weizmann bereits am 19. Juli seine Zustimmung zur Zerreißung Palästinas und dazu gegeben hat, daß nicht ganz ein Fünftel Palästinas den Juden übriggelassen wird, daß vier Fünftel den Juden verschlossen werden. Er hat auch zugestimmt, daß der neue Judenstaat dem neuen arabischen Staat tributpflichtig sein solle. Er hat lediglich den Wunsch vorgebracht, daß die neuen, rein jüdischen Vororte Jerusalems dem Judenstaat zufallen sollen, daß das zeitweise englische Mandat über einige im Judenstaat liegende Städte befristet werden solle und daß der von den Juden an die Araber zu entrichtende Tribut nicht über Befehl, sondern auf Grund von Abmachungen zwischen Judenstaat und Araberstaat geleistet werden soll. . Das war alles! Aus dem Brief ging hervor, daß Dr. Weizmann versprochen hat, für den Teilungsplan bei Juden und bei den Mächten des Völkerbundes zu arbeiten, die Abmachungen zwischen ihm und. Ormby-Gore geheimzuhalten, auch vor dem Zionistenkongreß, und sie nur privat - den Mitgliedern der Mandatskommission 1 in Genf und seinen „engsten Mitarbeitern" in Zürich bekanntzugeben. (Die Schlußbemerkung läßt erkennen, welche? Anonymus diese Dokumente Großmann zugeschoben 1.

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