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Die neue Welt · 1937-10-08 · Heft 692 (8.10.1937) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 692 (8.10.1937)
Date
1937-10-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 692 vom 8. Oktober 1937 DIE NEUE WELT Seite 3 töavketosfäe$d Sicherung der jüdischen Palästina« Wanderung Im Hinblick auf die Bedeutung der Frage der jüdi- •eften Einwanderung nach Palästina wünschen die Staaten der Kleinen Entente insbesondere, daß die endgültige Regelung den Wünschen des jüdischen Volkes entgegenkommet daß die Zahl der jüdischen Einwanderer nach Palästina erhöht und daß auch in Zukunft die Möglichkeit der jüdischen Einwanderung nach Palästina gesichert werde. Der tschechoslowakische Gesandte Künzl-Jisersky in Genf (September 1937). Das wahre Gesicht des jüdischen Ostens Wer einiges Verständnis für das heutige jüdische Lehren und Lernen im Osten gewinnen will, der muß sich vor allem von den pseudoromantischen und pittoresken Bildern und Vorstellungen freimachen, wie sie gewisse geschmacklose Kabarettsgenen und leider auch ein aus Amerika importierter und durch moderne Zutaten schmackhaft gemachter jüdischer Theaterkitsch dem Westjuden vom sogenannten „Ghetto" vermittelt. Efraim Frisch. Ein Bekenntnis Spinoza und Rembrandt gemeinsam ist das unendliche Mitgefühl für ihre Mitmenschen und vielleicht ist auch in mir etwas davon dank meiner Abstammung, die neben (leider!) nur zu vielem Schmerzlichen das eine Gute hat, weniger gefühllos fremdem Leide gegenüber zu sein. Max Liebermann (Briefe). Die erledigte Blalenderreform Wir behaupten, daß kein wie immer geartetes Bedürfnis nach einer Kalenderreform vorhanden ist, das die Wiederaufrollung der Frage rechtfertigen könnte. Die Untersuchung des Völkerbundes hat zu dem Ergebnis geführt, daß der Resolution nicht einmal ,die Ehre zuteil würde, im Völkerbundrät erörtert zu werderi; sie wurde vielmehr von der Tagesordnung abgesetzt. Es wird Jahre, vielleicht Jahrzehnte dauern, ehe die Judenheit wieder mit dieser Angelegenheit behelligt werden wird. Oberrabbiner Dr. J. Hertz (London). Die Sünden der Mandatsregierung Die währe7id des Aufstandes 1986 versuchten Methoden haben offenkundig Schiffbruch erlitten. Aber man hat sich die Lehre dieses Mißerfolges nicht zu Herzen genommen. Das hat die arabischen Terroristen bloß in ihrem Glauben bestärkt, daß die Mandatsverwaltung und vielleicht die Mandatsregierung nicht die Macht und vermutlich auch nicht den Willen hätten, die Im Kreuz-Kino, I, vaeWHO^ro Der stärkste Kreuz-Kino Film, der je da warI Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung zu erzwingen. Die Kgl. Kommission hat schon in ihrem Bericht im Juli festgestellt, daß die elementare Pflicht, die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten, nicht erfüllt worden ist. Seither sind wieder zwei Monate vergangen, aber der Terror dauert immer noch ungehindert fort. „Times" (Oktober 1937). Die Frage der hebräischen Kultur Die hebräische Bewegung in der Diaspora ist heute schwach, weil sie sich auf die Kräfte der Zionistischen Organisation allein verlassen hat. Die Zionistische Organisation ist aber zu sehr mit anderen Aufgaben überlastet, und diese Belastung wird in Zukunft noch größer werden. Die hebräische Bewegung muß die organisatorischen Kräfte in sich selbst finden. Was not tut, sind gute Schulen, tüchtige Lehrer, Klubs für Erwachsene und vor allem eine Atmosphäre, welche der nationalen Sprache und ihrer Kultur günstig ist. Man darf die Diaspora nicht einfach als Konsui..ent für die hebräische Literatur Palästinas ansehen, sie muß vielmehr selbst Produzent werden. Die hebräische Bewegung braucht einen eigenen Apparat, braucht Menschen, welche im Hebräischen die eigentliche* Auf gäbe sehen. Es tut not, einen Jiebräischen Weltkongreß einzuberufen, der die Wiederbelebung der hebäischen Sprache und Kultur nach außen und vor allem mach innen demonstriert. „Haarejtz" (Tel-Aviv* September, imh Tragödie der jüdi'§dien Jungärzfe in Oesfeireida Der Sohn verübt Selbstmord — Die Mutter folgt ihm Das „Mitteilungsblatt der Vereinigung jüdischer Aerzte" in Oesterreich schreibt: „Seit viereinhalb Jahren werden österreichische Staatsbürger, welche ordnungsgemäß ihre Studien vollendet haben, zum Hilfsarztdienst in den öffentlichen Spitälern nicht zugelassen. Sie werden zu einem Dienst nicht zugelassen, der nicht etwa mit einem wesentlichen Einkommen verbunden ist oder eine Lebensstellung bedeutet, sondern dem jungen Arzt Gelegenheit bietet, seine Ausbildung unter Anleitung von Vorgesetzten zu vervollkommnen und ihn zu befähigen, dereinst, seinem Ideal gemäß, der leidenden Menschheit zu helfen. Diesem mit vielen Opfern und wenig materiellen Erfolgen verbundenen Ideal streben die Besten der Jugend nach, die entschlossen sind, alle möglichen persönlichen Opfer auf sich zu nehmen, um sich dem edlen Heilberuf und der Forschung widmen zu können. So geartete, so hilfsbereite Menschen werden zu diesem Dienst am Kranken nicht zugelassen, nicht etwa, weil ihnen die Befähigung fehlt oder abgesprochen wird, sondern — weil sie Juden sind und obwohl „Gleichheit aller Staats bürge r" besteht. Wir haben seit Jahren unablässig darauf hingewiesen, welche Verzweiflung und Enttäuschung sich der unschuldig Ausgeschalteten bemächtigt, und man darf sich, da es sich um Menschen handelt, die sich vor die Vernichtung ihres Lebenszieles gestellt sehen, nicht wundern, daß manche der fortdauernden, erfolglosen Kämpfe und Opfer müde werden! Nachdem vor einiger Zeit ein Kollege, der die vorzeitige Beendigung seiner Spitalszeit nicht verwinden konnte, aus dem Leben geschieden ist — seine Mutter ist ihm dieser Tage freiwillig gefolgt! —, ist vor wenigen Tagen ein junger Kollege, der denselben Weg gehen wollte, nur mit Mühe dem Freitod entrissen worden. . . . Als er nach angemessener Zeit den Spitalsdirektor bat, ihn zum Aspiranten vorzuschlagen, wurde ihm von diesem bedeutet, daß dies mit Rücksicht auf sein Judentum unmöglich sei. „Nur wenn ich von oben die Weisung bekomme, Ihr Gesuch vorzulegen, kann ich es tun. Sie sehen ja, daß ich ältere Kollegen, die auch den besten Ruf haben und gegen die auch nichts vorliegt, bisher nicht vorschlagen konnte." .. . Angesichts dieser Aussichtslosigkeit grübelt Dr. S. darüber nach, daß er auf lange Sicht seinem ehemals bemittelten, jetzt aber verarmten Vater zur Last fallen werde, versucht durch Inserate, durch Lektionensuche usw. ein paar Schillinge monatlich sicherzustellen, um weiter hospitieren zu können — vergeblich! Er versucht auszuwandern — vergeblich! Er verzweifelt an seiner Zukunft und spritzt sich eine große Dosis Morphin ein. Gott sei Dank, daß er gerettet wurde, denn er ist ein wertvoller Mensch, der seinen Mitmenschen noch manches zu geben hat! Wir aber fragen: Wie lange noch wird diese Ausschaltungspraxis dauern? Wie lange noch werden unschuldige, strebsame, junge Menschen auf eine so harte Probe gestellt?" ,* Wie lange noch? . . . Auf diese Frage des jüdischen Fachblattes ist zu antworten: Solange sich nicht alle ihres Volkstums bewußten Juden zusammenschließen werden, um gemeinsam den Kampf für die Rechte des jüdischen Volkes zu führen. Solange der Ruf nach Organisierung aller nationalen Kräfte, den auch die „Neue Welt" so oft ergehen ließ, nur auf Gleichgültige und Gegnerschaft stoßen wird, wie bisher. OFEN SCHWEMM IX, PORZELLANGASSE 2 KONKURRENZLOSE PREISES Wie §ie Ge§di£dife falschen Vor einiger Zeit wurde, wie bereits gemeldet, der Freund Einsteins und"Nobelpreisträger Geheimrat Planck von der Leitung des Kaiser-Wilhelm-Instituts enthoben. Zu seinem Nachfolger wurde jetzt der Industrielle Karl Bosch ernannt. Die nationalsozialistische Presse feiert Bosch als den „bekann- Nach Bauchoperationen bewährt sich das natürliche „Franz-JoSef"rBitterwasser als ein besonders nützliches Abführmittel, da es den Verdauungskanal leicht und vollkommen reinigt und den gesamten Stoffwechsel nachhaltig fördert. Fragen Sie Ihren Arzt. ten Erfinder der Stickstoffverbindung aus der Luft, die Deutschland die völlige Unabhängigkeit auf dem Gebiete der Düngemittel und Sprengstoffe einbrachte". In Wirklichkeit ist Bosch lediglich ein Ausnützer der Lebensarbeit des berühmten jüdischen Chemikers und Nobelpreisträgers Fritz Haber, früheren Präsidenten des Kaiser- Wilhelm-Instituts, der nach Hitlers Machtantritt in die Emigration gehen mußte und in Basel unter tragischen Umständen starb. Er beging Selbstmord. Die Tatsache, daß Bosch nichts weiter istals ein Ausnützer der Haberschen Arbeit, wird in Meyers Lexikon, Ausgabe 1926 (als man in Deutschland noch wahrheitsgetreue Angaben machen durfte), wie folgt festgestellt: „Bosch, Karl, Chemiker, 27. August 1874 Köln, trat 1899 in die Badische Anilin- und Sodafabrik ein, wo er im Jahre 1914 stellvertretender Direktor wurde. Seit 1919 leitet er als Vorsitzender des Vorstandes diese größte chemische Fabrik der Welt. Er hat sich außerordentlich große wissenschaftliche Verdienste erworben, namentlich durch Ausgestaltung des Haberschen Verfahrens der Ammoniaksynthese aus Luftstickstoff." Somit hat Bosch nur eine sekundäre Rolle bei der Erfindung gespielt. Hingegen teilt der „Meyer" von 1926 über Fritz Haber mit: „Fritz Haber erfand 1910 ein technisch verwendbares Verfahren für die synthetische Darstellung von Ammoniak aus den Elementen und erwarb sich während des Weltkrieges durch die Organisation der chemischen Kriegsführung hervorragende Verdienste." In einem bei J. B. Lippincott, New York, soeben erschienenen Buche „Poi son in the Air" erzählt Franz Liepmann: Es war im Spätherbst des ersten Kriegsjahres, als Hauptmann Bauer, der später so intime Mitarbeiter Hindenburgs, von einem „obskuren" W'achtmeister aus dem Schützengraben eine knapp und klar verfaßte Abhandlung über die praktische Verwendung von Gif tgas im Grabenkampf erhielt. Die Unterschrift des Verfassers, Fritz Haber, sagte dem preußischen Offizier weiter nichts,, als daß es sich um einen Juden handle. Der Häbersche Gaskriegsplan wurde dienstlich weiter befördert und nach einiger Zeit erhielt der Wachtmeister einen Marschbefehl, sich im General-Hauptquartier zu; melden, hatte man doch inzwischen in der Armee herausgefunden, daß der geniale Wachtmeisters und der weltberühmte Chemiker Frite Haber, Professor für Physikalische Chemie am Kaiser-Wilhelm-Institut ein und dieselbe Person seien. Prof. Haber wurde in sein; Laboratorium zurückkommandiert und nach monatelanger Zusammenarbeit mit den chemischen Fabriken standen im Frühling 1915 genügend Giftgasmengen zur Verfügung, um eine erfolgreiche Offensive wagen zu dürfen, aber nur unter der Bedingung, das betonte Professor Haber ausdrücklich, daß die oberste Heeresleitung die Gewißheit habe, den Endsieg noch i m. gleichen Jahr zu erringen. „Wenn nämlich der Krieg nicht im gleichen Jahr der Inszenierung des Gaskrieges gewonnen wird", versicherte Haber, „so wird diese neue Waffe Deutschland zum Verhängnis werden, denn die Entente ver-< Cafe AtiketkeQ I, Hoher Markt - Lichtensteg Nr. 4 fügt über unerschöpfliche Rohstoffquellen, um auf die Dauer ganz Deutschland mit Giftgasen überschwemmen zu können, während Deutschland seine Rohstoffe bald erschöpft haben wird." Professor Haber behielt nur allzu recht. Professor Haber hat sich aber nicht bloß bei der deutschen Heeresleitung verdient gemacht. Dank seiner Methoden konnte auch der Landwirtschaft synthetischer Stickstoffdünger massenhaft zur Verfügung gestellt werden, wodurch die Widerstandskraft Deutschlands um ein Jahr verlängert wurde. Dr. Rudolf Glücklich gestorben. Aus Jerusalem kommt die Nachricht, daß Herr Dr. Rudolf Glücklich im Alter von 59 Jahren Montag, den 4. Oktober, in Jerusalem plötzlich gestorben ist'. Der Verstorbene gehörte seit seiner Studentenzeit der Zionistischen Organisation an, für die er unermüdlich bis zu seinem Tode arbeitete. Er war vor kurzem zu Besuch in Wien, wo er keinerlei Anzeichen einer Krankheit merken ließ. — Die näheren Umstände seines plötzlichen Todes sind bisher nicht bekannt. Unsere Leser werden auf die Buchhandlung Hermann T u c h n e r (siehe Inserat) besonders aufmerksam, gemacht, wo für alle Lehranstalten sämtliche Schulbücher (auch antiquarisch) zu ermäßigten Preisen erhältlich sind. Leihbibliothek eröffnet. 10 Groschen täglich, Keine Nebengebühren. Für Anfragen Tel. Nr. R-41-4-2&

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