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Die neue Welt · 1937-10-05 · Heft 691 (5.10.1937) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 691 (5.10.1937)
Date
1937-10-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seit« 2 DIB NEUE WELT Nt. 0Ö1 vom 5. Oktober 1037 abgefertigt werden. Als Draufgabe erhalten sie die gnädige Erlaubnis, den erbärmlichen" Rest Palästinas Judenstaat zu nennen. Zur Beschönigung eines Wortbruches sprachen diese pflichtvergessenen Engländer das bisnun verpönte Wort Judenstaat aus und von da ab war es den Führern der zionistischen Mehrheit, war es Weizmann und seinen Getreuen — den eingefleisch ten Judenstaatsfeinden von gestern — heilig. Wenn jüdische Patrioten es aussprachen, da war das Wort Judenstaat ein verfluchtes Wort Nun, da antizionisti sehe Engländer es aus dem Munde gelassen haben, ist es ein gesegnetes Wort ... Judenstaatler auf Befehl. Ich will hier nicht von der Bösartigkeit und Unsinnigkeit reden, welche hinter dem Plane der Errichtung eines lebensunfähigen Zwergjudenstaates in einem zerstückelten Palästina stehen. Ich will nur auf eine moralische Verfallserscheinung hinweisen, welche aus Anlaß dieses Planes so offenkundig geworden ist. Wer sind heute die Führer im Zionismus? Judenstaatler auf Befehl! Männer, die nach der Pfeife englischer Kolonialbeamter tanzen, sind jetzt Lenker der größten jüdischen Volksbewegung. Und diese sollen die Nation, welche ins tiefste Elend und in tiefste Schmach gestoßen wurde, zur Freiheit erziehen und In die Freiheit führen. Als Theodor Herzl den politischen Zionismus schuf, da gab er ihm als Hauptinhalt das Streben, dem jüdischen Volke ein Leben nach eigenemWillen zu ermöglichen. Zionismus ist Festhalten am eigenen Willen. Preisgabe des eigenen Willens ist Abkehr vom Zionismus. Und nun ist der Zionismus in die Hände von Männer geraten, in denen der eigene Wille so locker sitzt, daß ihn ein Pfiff aus fremdem Munde fortbläst. Wenn es gilt, sich fremdem Willen zu unterordnen, dann gibt es keine Vernunft und keine Scham. Kein vernünftiger Mensch glaubt an die aus hilfloser Verlegenheit entstandene Farce eines Zwergjudenstaates. Aber man bejubelt ihn, weil engliche Beamte es wollen. Man schämt sich nicht, vor dem Volke laut zu preisen, was man vor wenigen Stunden ebenso laut verflucht hat. Man schämt sieh nicht, weil antizionistische englische Beamte es so wollen. Gestern gegen den Judenstaat, heute für ihn, weil ein Dritter so befiehlt, und morgen gegen ihn, wenn ein Vierter es wollen wird. Wehe dem Zionismus, der nicht von Männern starken Willens geführt wird, sondern von Judenstaatler auf Befehl! Die Hölle Deufsdh'Oberedilesfen 10.000 Juden erbarmungslos preisgegeben Schweiz gegen die diffamierende Judengefelzgebung Deut fdilands Aus Zürich wird uns geschrieben: „Die T h evag (Theater- und Verlagsaktiengesellschaft in Zürich) hatte der U f a in einem Manuskriptvertrag vom 24. Februar 1933 das Verfilmungsrecht an einem W7erke des Regisseurs Eric C h a r e 11, „Die Heimkehr des Odysseus", gegen eine Pauschalsumme von 130.000 Reichsmark abgetreten. In dem Vertrag behielt sich die Ufa den Rücktritt und die Rückforderung schon bezahlter Ratenzahlungen für den Fall vor, daß der zwischen ihr und Charell geschlossene Regievertrag „infolge Krankheit, Tod oder ähnlicher Gründe" von Charell nicht ausgeführt werden könne. Daß Charell Jude ist, war beim Vertragsschluß beiden Gesellschaften bekannt. Nach Erlassung der deutschen Judengesetzgebung erklärte die Ufa, gestützt auf diese Bestimmung des Vertrages, ihren Rücktritt, indem sie zugleich eine schon geleistete Teilzahlung von 26.000 Reichsmark von der Thevag zurückforderte. Sie stützte sich dabei auf ein Urteil des deutschen Reichsgerichtes, das erklärt, es liege ein „d e m T o d ä h n 1 i c h e r G r u n d" vor," denn Charell sei durch die deutsche Judengesetzgebung „bürgerlich tot". Das Züricher Obergericht hat nun die Forderung der Ufa mit der Begründung abgewiesen, das reichsgerichtliche Urteil stehe mit der öffentlichen Ordnung, wie man sie im Schweizer Rechtsstaat versteht, und mit den Auffassungen über Treu und Glauben, wie man sie in der Schweiz hat, nicht im Einklang. Dem Urteil sei Vollstreckung in der Schweiz zu versagen. Die Ufa wendete sich darauf an den Schweizer Staats gerichtshofin Lausanne. Dessen staatsrechtliche Abteilung hat jetzt erklärt, das deutsche Urteil ziehe die deutsche Judengesetzgebung heran, die mit ihrer Rechtloserklärung eines Teiles der Bevölkerung mit dem Schweizer Rechtsempfinden und der Schweizer öffentlichen Ordnung unvereinbar ist. Darum liege der in dem deutsch-schweizerischen Abkommen vorgesehene Fall vor, wo der ausländische Entscheid ein Rechtsverhältnis verwirklichen wolle, das aus Rücksichten der öffentlichen Ordnung in der Schweiz nicht anerkannt werden könne. Der Rekurs der Ufa wurde abgewiesen und vom höchsten Gerichte der Schweiz die Vollstreckung versagt." Hier wird also seitens des höchsten Gerichtes eines Kulturstaates öffentlich festgestellt, daß die sogenannten „Nürnberger Gesetze" mit dem Rechtsempfinden nicht vereinbar sind und die öffentliche Ordnung verletzen. Das Schweizer Urteil ist prinzipiell wichtig. Es schlägt eine Bresche in die nationalsozialistische Rechtsordnung, welche den Juden in seinen Rechtsansprüchen als Menschen und Staatsbürger degradiert, und kann bei logischer Konsequenz auch für die anderen Kulturländer richtunggebend werden. Aus Kattowltz (Polnisch-Oberschlesien): Ein Sonderberichterstatter derJüdischenTeiegraphen- Agentur hat mehrere Städte in Deutsch-Oberschlesien besucht. Er berichtet? Das mehr als vierjährige Maryrium, welches die Juden in Deutschland seit Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft durchzumachen hatten, hat sich für die Juden in Deutsch-Oberschlesien auf vier Monate verdichtet. In diesen vier Monaten, die seit dem Erlöschen der deutsch-polnischen Oberschlesien-Konvention verstrichen sind, wurden nicht allein alle die Entrechtung und Depossedierung der Juden betreffenden nationalsozialistischen Gesetze und Verordnun gen zur Durchführung gebracht, sondern auch alle Mc thoden des Boykotts, des Terrors und der Schikane, die sich im Verlauf von vier Jahren gegen die Juden in Deutschland „bewährt" haben, wurden in Oberschlesien im Verlauf von nur vier Monaten so gründ Uch nachgeholt, daß sich hier die Lage der Juden wirtschaftlich, politisch und in bezug auf die Sicherheit noch ungünstiger gestaltet als im übrigen Deutschland Die antijüdische Kampagne wird hier durch aus Berlin entsandte Fachleute für Propa OPTIKER KARL SEIDNER I, Franz-Joseft-Kal 33 / II, Hollandsfraße 7 Fachmännischer Rat / Reiche Auswahl / Beste Qualität / Preiswert ganda organisiert. Hinausstoßung der Juden aus ihren wirtschaftlichen Positionen und Ermunterung des Pöbols zu Ausschreitungen liegen in der Richtung dieser Propaganda, und weil sich die oberschlesische Bevölkerung im großen ganzen in der jüdischen Frage apathisch verhält und nicht mit dem Pöbel gehen will, setzen die nationalsozialistischen Beamten und Propaganda-Agenten großen Eifer daran, diese Gleichgültigkeit zu durchbrechen. Ein Beispiel für die Haitung der Behörden: In der Stadt Langendorf wurden sämtliche 70, künstlerisch wertvolle Fensterscheiben der Synagoge zertrümmert. Die Beamten der jüdischen Gemeinde forderten ein Einschreiten gegen die Exzedenten. Der Bezirkskommissar erwiderte, es liege kein Beweis vor, daß die Fenster der Synagoge erst jetzteingeschlagen wurden, vermutlich schon lange zertrümmert gewesen. Schließlich warnte der Bezirkskomissarm die Beamten der Jüdischen Gemeinde vor einer Wiederholung „unbegründeter Beschuldigungen", die als „Greuelpropaganda" geahndet und für die Urheber von „ernsten Folgen" begleitet sein würden. Die gleiche Taktik wird in G1 e i w i t z angewandt. Die rund 1500 Juden in Gleiwitz sind ein besonderes Ziel der nationalsozialistischen Propaganda. Polizeichef in Gleiwitz Ist Pachewski, einst Adjutant des Fememörders Edmund Heines, der zu den Hingerichteten des 30. Juni 1934 gehört. In Gleiwitz hatte eine Gruppe Jugendlicher einen vor dem Restaurant seines Vaters stehenden jüdischen Knaben überfallen und fürchterlich verprügelt. Der Knabe, der anfänglich stillhielt, konnte sich schließlich seiner Angreifer nicht anders erwehren, als daß er zurückschlug. Dies war ein Anlaß zum Ausbruch des „Volkszornes". Der Pöbel rettete sich zusammen, demolierte das Restaurant des Vaters des jüdischen Knaben und sehlug Fenster und Türen auch in vielen anderen jüdischen Betrieben ein. Viele Gleiwitzer Juden wurden schwer verprügelt. Der Polizeichef Pachewski weigerte sich, Klagen der Juden entgegenzunehmen, sondern er kehrte den Spieß um und „warnte" die Juden vor „Provokation e n". Er erklärte den Führern der Jüdischen Gemeinde, sie mögen sich mit den Ereignissen zufrieden geben, in Hinkunft würden solche „Provoltationen" strenge geahndet werden müssen. Dann die Aktion der Behörden gegen die j ü d 1schen Restaurateure und Kaffeehausbesitzer. Ohne daß den Besitzern vorher auch nur eine warnende Mitteilung davon gemacht worden war, wurden mehr als vierzig Juden gehörende Restaurants und Kaffeehäuser in verschiedenen Städten Deutsch-Oberschlesiens unter dem Vorwand behördlich geschlossen, daß irgend welche Munizipalverfügungen verletzt werden seien. Mehrere dieser Unternehmungen waren seit weit über 100 Jahren im Besitze der betreffenden jüdischen Familien. Die jüdischen Händler werden von den öffentlichen Märkten in Oborschlcsien systematisch vertrieben, obwohl sie im Besitze ordnungsmäßiger Marktlizenzen sind und die Marktgebühren und sonstigen Steuern pünkttich entrichtet hatten. Man läßt die jüdischen Händler ihre Stände aufbauen und die Waren auslegen. Ist das geschehen, erscheinen sofort nationalsozialistische Propagandisten und fordern die jüdischen KINO'PROGRAMME CHWEDEN Beginn: 'A3, 5, V<t8 u. ttlOUhr.T«!. A-49.0.40 Spencer Tracy Freddie Bartholome«* In Rudyard Kiplings Seeteufel Unvergeßlich-wie „Die gut« Erde"! Vorverkauf ab 10 Uhr vormittags ununterbrochen ugarten- Kino II. Untere Augarten« straSe 28 Telephon A-40-5-88 Bralnni V»4, VA V»«» Vi'O Uhr Ur- und Allelnaufführung in Wien Der ersteTonfilm in jidd. Sprache pdthät'tim mit deutschen Fußtitela Mit MALY PIC0N Händler auf, einzupacken und sofort den Markt zu verlassen. Gleichzeitig ertönt über dem Markt ein Lautsprecher, der immer wieder den Ruf ausstößt: „Wer beim Juden kauft, ist des Volksverrats schuldig." „ In jeder Stadt Oberschlesiens stehen vor den Sin« gängen zu den jüdischen Geschäften Posten von SS- Leuten, um die Käufer einzuschüchtern. Käufer werden mit Gewalt davon zurückgehalten. In Krappitz bei Oppeln werden die Käufer in jüdischen Läden bei Betreten und Verlassen des Geschäftes von „Stürmer"*Leuten photographlert, um dann als „Verräter" angeprangert zu werden. Eine besondere Aktion wird gegen jüdische Apo« theker und Kolonialwarenhändler geführt. Die Warenlager derselben werden immer wieder Überfalls« artig kontrolliert, um irgend einen Vorwand zur Schließung zu finden. Berufungen sind erfolglos, die unter der Kontrolle der Nazi-Institutionen stehenden städtischen Verwaltungsgerichte bestätigen ausnahmslos die erst« instanzlichen Entscheidungen. Auch aus vielen anderen Geschäftszweigen, in denen Konzessionen und Lizenzen er« forderlich sind, werden die Juden systematisch hinausgestoßen, Indem laufende Lizenzen für ungültig erklärt und neue Lizenzen an jüdische Bewerber nicht ausgefolgt werden. Sofort nach Erlösehen der Oberschlesien-Konvention wurden sämtliche jüdische Beamte und Notare ihrer Aemter enthoben. Seitdem wurden zahlreiche jüdisehe Anwälte und Aerzte, auch solche, die Frontkämpfer waren, des Rechtes der Ausübung ihrer Praxis beraubt. Die Aktion richtet sich auch gegen Angehörige anderer freier Berufe. Die Juden in den deutschen Konzentrationslagern 1 Aus Prag (J. T.-A.): Aus Berlin kommt die Mit-, teilung, daß der Chef der deutschen Polizei und der SS, Himmler, seine Zustimmung zu einer Maßnahme ge« geben hat, nach der die deutschen Juden, die sich in Kon«, zentrationslagern befinden, entlassen und de« Landes verwiesen werden sollen. Der Grund sei, daß die Lager überfüllt sind und man keine neuen zu eröffnen wünsche. Das Dachauer Konzentrationär lag er, in welchem besonders viele Juden untergebracht sind, soll demnächst geschlossen werden. Die Zahl der] gegenwärtig in den verschiedenen Konzentrationslagern inhaftierten 'Juden soll die Ziffer 1000 Über* schreiten. Wieviele dieser Juden zwangsweise exiliert werden sollen, steht noch nicht fest. Sehr viele der jüdl« sehen Häftlinge sind seit mehr als vier Jahren in den Lagern untergebracht, zum Teil wegen ganz gering-« fügiger Vergehen. Ein großer Teil der jüdischen Häftling« wird als „Rückwanderer" in den Lagern festgehalten. Die nunmehr zur Exilierung bestimmten 'Juden müssen sich durch Unterschrift verpflichten, Deutschland; unmittelbar nach ihrer Freilassung zu verlassen, Sie werden mit Pässen und Visa versehen. Die Reichsvertretung der. Juden In. Deutschland) ist angewiesen worden, vorbereitende Schritte zur Er«, leichterung der Auswanderung der zur Entlassung kein-, menden jüdischen Häftlinge zu treffen* Jüdische Kampf wählen in Rom , Aus Rom: Der Innenminister hat für 15. Oktohe» 1937 die Wahl des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde In Rom, die gegenwärtig von einem Re« gierungskommissär geleitet wird, ausgeschrieben» Der Innenminister hatte vor einigen Monaten, nachdem, die nichtzionistischen Mitglieder des Vorstandes der Jüdl« sehen Gemeinde ihre Demission gegeben hatten und der, Vorstand aus diesem Grunde seine Tätigkeit nicht fort« setzen konnte (statutenmäßig wird der Vorstand bet Ausscheiden von mehr als einem Drittel der Vorstands« mitglieder beschlußunfähig), einen Regierungskommissär; zur provisorischen Leitung der Geschäfte der Gemeinde eingeestzt. In maßgebenden jüdischen Kreisen befürchtet man einen äußerst heftigen Wahlkampf swi« sehen ZionistenundNichtzloisten. Der Aufruf der italienischen Rabbiner zur Einheit hat nicht den gewünschten Erfolg gehabt Der Rabbiner von Turin, Dr. Diesgni, der den Aufruf mitunter* schrieben hatte, hat infolge der Opposition den nichtzionistischen Elemente gegen ihn, sein Amt als Rabbiner zurückgelegt. Die Turiner Jüdische Ge« meinde ist einer der stärksten Stützpunkte der Antt« zlonisten. ' Palästina — ein Weltproblem. Dr. Nahum Gold«* mann, der Vertreter der „Jewish Agency for Palestine1* beim Völkerbund, spricht über Einladung des Ringes den Altherren-Vepbände der Zionistischen Verbindungen ami 12. Oktober d. J. um 8 Uhr abends im Großen Musllk* vereinssaal über das Thema: „Palästina — ein) Welt prob lern." Der Vortragende, der von den eben] beendeten Beratungen des Völkerbundes aus Genf hier eintrifft, wird die gegenwärtige Lage in Palästina und die Erwartungen bezüglich der Zukunft des Landes auf Grund der letzten Entwicklung dieser Frage beleuchten* Magendarmstörungen, besonders dann, wenn der, Verdauungsapparat durch zuviel Essen und Trinken über«, lastet ist, erweist sich ein Glas natürliches „Franz-Josef"- Bitterwasser oft als eine wahre Wohltat. Bs wird ärztlich, bestens empfohlen. E Unsere Leser werden auf die Buohhandlung Her-* mann Tuchner (siehe Inserat) besonders aufmerksam; gemacht, wo für alle Lehranstalten , sämtliche Schul« bücher (auch antiquarisch) zu ermäßigten Preisen er« hältlich sind. Leihbibliothek eröffnet. 10'Groschen täglich« Keine Nebengebühren.. Für Anfragen Tel.. Nr, R-iM-SQj

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