Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 691 (5.10.1937)
- Date
- 1937-10-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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* 185 Preis 10 Groschen IHemtag, den 5* Oktober 1937 Titl. U«' Ufr* 691 V« b# b* Zeltang vom Verleger versendet uJournal expedle par rediteur" R E V U E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig 8 16.—: Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.60; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertele jährig Dinar 40.—; Bnmänien monatlich Lei 60.—, vierteljährig Lei 160.—; Deutschland monatlich Itok 1.-, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monaülch Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; ItaUen monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lira 14.—j Schwel« und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.60, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion U.Verwaltung: IXtUniversitätsstr.8t7el.A-2Ö-2-78 - Ersdieint Dienstag u. Freitas» Palästina-Administration will Terror brechen Endlich sdtawtes Eingreifen Die Frage der inneren Sicherheit Palästinas ist in ein neues Stadium getreten. Laut den letzten Nachrichten ist die Palästina-Administration entschlossen, nicht nur die Akteure des blutigen Terrors in ihre Hand zu bekommen, sondern auch der intellektuellen Urheber, Inspiratoren und finanziellen Helfer habhaft zu werden. Anders ist das plötzliche Zügreifen und die Verhaftung führender arabischer Persönlichkeiten nicht zu verstehen. Lange Jahre hindurch hat die Palästina-Regierung nicht gewagt, die notorischen arabischen Aufwiegler, soweit es einflußreiche, und in hohen Stellungen befindliche Männer waren, auch nur anzurühren. Obwohl; bekannt war, wer die-Aufstände organisierte und die Banden mit Geld und Waffen unterstützte, obwohl t man auf die Führer des arabischen .Streikkomitees in : Jerusalem mit Fingern sieigte und obwohl schließlich das .Oberste Arabische Komitee Aufrufe gegen die britische Verwaltung erließ, Konnte diese sich zu keinem Einschreiten entschließen, .letzt, da (die, englischen Behörden selbst zu Opfern des arabischen Terrors ausersehen wurden, vollzieht sich endlich ein Wandel. Die Männer, die bisher als unantastbar, ^^ten, werden sichergestellt;. entweder hinter Schloß und, ÜJiegel gesetzt, oder deportiert. Die moralische Wirkung dieses Zugreif ens auf die < arabische Bevölkerung, PalaV ^tftnas kann nicht ausbleiben — in einem Äugenb^cjr, wo. das Prestige Englands im Nahen . Orient überaus gefährdet war. lieber die Geschehnisse selbst liegen folgende'. Meldungen vor: . Arabisches Komitee aufgelöst Aus Jerusalem (Reuter) vom 1. Oktober': Ein offizielles Kommunique besagt: 1 Insbesondere"in den; letzten vier Monaten hat sich der Terror in, Palästina' verschärft. Infolge* der Ermordung von1 zwei britischen' amtlichen Persönlichkeiten wurde es für notwendig befunden, eine -Aktion gegen gewisse Personen einzuleiten, deren Tätigkeit der Aufrechterhaltüng der öffentlichen Ortung und Sicherheit in Palästina nicht zuträglich ist." Das Arabische Oberste Kamitee und alle seine' Organismen sind, als ungesetzlich erklärt worden, Haitbefehle sind gegen bedeutende arabische Persönlich- '• Ketten erlassen worden, die aus Palästina werden ausge- > .wiesen werden. Der Großmufti'von'Jerusalem ist seines Postens als Vorsitzender des' Arabischen Komitees »hthoben worden;- Er hat sich in die Omar-Moschee geflüchtet. Arabische Führer deportiert Aus:London (2. Oktober): Der britische Kreuzer, „j3u&sex'* hat -heutebei Morgengrauen Haifa verlassen. An Bord befanden; sich vier der verhafteten, arabischen, Führer,' nämlich .der. Bürgermeister von Jerusalem Doktor. Hussein: Khalidi, der Sekretär des Obersten Arabi-C sehen Komitees Fuad Efendi S a b a,, der Schatzmeister. dieses Komitees Ahmet Hilmi Pascha sowie der. Direktor ider arabischen Bank in Haifa, Drei Stunden später kehrte der Kreuzer nach Haifa zurück. Man ininmt w, ■ daß die verhafteten, Araber, auf, ein anderes Kriegsschiff gebracht und bereits nach den Seychelles,, einer Inselgruppe im ■ Indischen Ozean, transportiert wurdeft. Der Vorsitzende der Arabischen Partei Jemal Hussein, dessen Verhaftung angeordnet war, ist geflüchtet und konnte bisher nicht ergriffen werden. , Ein Engländer — Bürgermeister von Jerusalem Aus Jerusalem (2. Oktober): Heute wurden, hier weitere1 Verhaftungen vorgenommen. Im ganzen Land herrscht Rühe, aber Spannung. Zum Protest gegen die Maßnahmen der Palästina-Regierung schlössen' in Jerusalem, Jaffa und Haifa viele arabische Kaufleute ihre Läden. Ein Versuch, das Arabische Komitee neu zu. konstituieren; : wurde verhindert. : Ein bekannter arabischer Agitator, der für die Schließung der Läden in Jerusalem Propaganda machte, wurde verhaftet. Es verlautet, daß an Stelle des verhafteten Dr. KhaUdl ein britischer Beamter zum Bürgermeister von Jusalem er« »annt werden soll* Militärische Sicherungen Aus Jerusalem (2. Oktober); berichtet Tel.- Comp.: Die Palästina-Regierung hat alle wichtigen strategischen Punkte des Landes durch starke Polizei- und Militärabteilungen besetzt. Das Sussex-Regiment hat Befehl erhalten, in Jerusalem zu bleiben. Die von den Behörden ergriffenen Maßnahmen haben zu keinerlei Ruhestörungen geführt. Die palästinensische Presse bekam den Auftrag, bezüglich der inneren Lage nur die von der Regierung ausgegebenen Kommuniques zu veröffentlichen. Versuchte Streikagatation Aus Jerusalem (Reuter) vom SO. September: In Jerusalem hält die Spannung an. Der Streik der Geschäftsinhaber ist nicht gelungen, obwohl zahlreiche Läden unter dem Terror junger Araber geschlossen werden mußten. Der Großmufti von Jerusalem hält sich, bewacht von ein paar hundert Anhängern, noch immer in. der Omar-Moschee auf. Er hat einen Aufruf erlasseh, worin er die Araber auffordert, unverzüglich die Arbeit wieder aufzunehmen. In Jaffa dauert die Streik-* agitation an. Der Hafen von.Jaffa ist geschlossen. Der Vorsitzende des mohammedanischen religiösen Gerichtes von Jaffa wurde gestern verhaftet und in die Festung Akko gebracht. In den Räumlichkeiten der mohamme« danischen Jugendvereinigungen wurden Hausdurchsuchungen vorgenommen. In Safad bei Haifa wurde das Judenviertel von drei Seiten unter lebhaftes Gewehrfeuer genommen, doch wurde niemand verletzt. Was die Presse sagt Palcor meldet aus Jerusalem: Die hebräische Presse macht die Schwäche der Regierung für das Blutvergießen verantwortlich. „Haaretz" betrachtet es als Unverschämtheit, daß diejenigen, welche für den Terror, in erster Linie verantwortlich sind, die Mordopfer be-i klagen und zur Ruhe mahnen. „Palestine Posit" erklärt, daß diejenigen, deren Verworfenheit das Heilige! Land geschändet und die Heiligtümer in Mordstätten veri . wandelt haben, dafür büßen müssen. Terroristen fühlen sich sicher — eine Frucht der Politik falsch angewandter Versöhnlichkeit. Robert Stricker: Darf man sein Volk täuschen t i. Judenstaatler auf Befehl Seit fünfzehn Jahren wird in zionistischen Kreisen um den Begriff „Judenstaat" gestritten. Auf der einen. Seite die klein gewordene Gruppe jener, für welche der Zionismus mit der großen Staatsidee Theodor Herais steht und fällt, welche einen Zionismus ohne das Ziel Judenstaat für sinnlos erachten. Auf der anderen Seite die vielen, welche kein Empfinden für ■ den Begriff Judenstaat haben und das Streben nach einem. Judentaat als völlig aussichtslos ansehen. Die Ablehnung der Judenstaatsidee artet schließlich in. einen Kampf gegen sie aus. Die Judenstaatler wurden als „extremistische Schädlinge" in Acht und Bann getan. Als ich im Jahre 1924 auf einer Konferenz der österreichischen Zionisten eine Entschließung beantragte, welches das Bekenntnis zum Judenstaat als Endziel der, zionistischen Bewegung zum Inhalt hatte, da legte der anwesende Vertreter der zionistischen Weltleitung ein Veto ein. Er erklärte namens der Weltleitung, daß der Begriff Judenstaat dem Programm der Zionistischen Organisation entgegenstehe, daß' er eine gefährliche Verfälschung ihrer Bestrebungen sei. Schon die Diskussion über meinen Antrag sei unzulässig, weil sie das zionistische Aufbau- Ring der Altherren-Verbände der zionistschen Verbindungen NAHUM GOLD MANN spricht über Uät&Siuui - I^WV^VWrfHF m MetofMtlm im GROSSEN MUSIKVEREINSSAALL am Dienstag, den 12. Oktober 1937, 8 Uhr abends Sin Voctcoty vw* fceftftencUlee Aktualität Karten von S 1— aufwärts bei: Jüdische Kulturstelle, Wien I, Franz-Josefs-Kai 3, Tel. R-28-2-36; Buchhandlung LanyU Wien I, Kärntnerstrasse 44, Tel. B-25-6-75; Buchhandlung Rath, Wien n, Taborstraße 20a, Tel. R-45.3-05; Buchhandlung Mejstrlk, Wien I, WoIlzeile 0, Tel. R-25-4-53. werk in Palästina stören könnte ... Nicht genannt darf es werden, das Wort Judenstaat. Als ich später, im Jahre 1930, auf einer Sitzung des zionistischen Aktionskomitees gewisse Spaltungserscheinungen im Zionismus als Folge der Preisgabe der Judenstaatsidee charakterisierte, da trat mir Weizmann, der Präsident der Weltorganisation,, entgegen und hielt eine flammende Rede gegen den Judenstaat. Das Streben nach einem Judenstaat ist absurd, aussichtslos und gefährlich. Es ist auch vom ethischen Standpunkte aus zu verwerfen, denn Juden« Staat bedeutet Vergewaltigung der Araber. Das Streben nach ihm ist eine schädliche Verirrung zioni« stischen Denkens, aus der Zeit Theodor Herzls und jener Zeit, da noch der. „Nebel der Nachkriegstage'* über den Gehirnen lag. So sprach der zionistische Prä-, sident. Und drei nachfolgende Zionistenkongresse be« stätigten, was er gesprochen hatte. Sie lehnten nicht nur die Judenstaatsidee selbst ab, sondern auch jede Diskussion um das Problem. Diese Einstellung findet , ihren prägnanten Ausdruck darin, daß in der zionistischen Leitung und Bürokratie — vom Präsidenten bis > zum jüngsten Schreiber — kein einziger erklärter Judenstaatler anzutreffen ist. So lagen die Dinge bis in den Juli 1937. Dann kam eine Wandlung, besser gesagt: dann brach eine Wandlung herein, deren Radikalismus und Raschheit ohne Beispiel ist. In den ersten Augusttagen 1937 er« Öffnete der enragierte Judenstaatsgegner Weizmann die Verhandlungen des Zionistenkongresses mit einer. Rede, in welcher er schleunige Errichtung eines Juden« Staates in Palästina als einzigen Ausweg aus der ver« zweifelten Not, in welche das Judenvolk geraten ist, bezeichnete. Sein Verlangen" nach dem Judenstaat fand hundertfaches Echo. In rascher Folge standen die Führer der Majoritätsgruppen auf und schrien brünstig nach dem Judenstaat, der ihnen und ihrem Meister noch vor Tagen ein Greuel war. Ein Judenstaat — und sei er noch so klein und krüppelhaft — ein Juden« Staat muß sein! Wie kam es zu dieser jähen Wendung? Wer brachte die zionistischen Führer dahin, einzuschwenken wie Rekruten auf dem Kasernenhof? Der Befehl,' welchen eine Gruppe englischer Beamter erließ! Ein englischer Kolonialminister und sein Stab, unfähig und unwillig zu weiterer Kolonisationsarbeit in Palästina, überdrüssig der ihnen durch die Balfour-Deklaration und das Palästina-Mandat auferlegten Pflicht, wollen das ihnen lästig gewordene Palästina zerreißen. Die betrogenen Juden sollen mit einem kleinen Fetzen Lan4