Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 690 (1.10.1937)
- Date
- 1937-10-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 690 vom 1. Oktober 1937 DIE NEUE WELT Seite 5 Palästina in diesen Tagen Wenn England nidit will ♦ ♦ ♦ — Wo bleibt die wohltuende wiHsdiaftlidie Auswirkung der Teilung t — lieber die Tätigkeit der Uta»*reunde im Lande Von Dr. H. Rosenblnm, Tel-Aviv Die arabische Konferenz, welche eben im Städtchen Biodan, in Syrien, stattgefunden hat, kann als kompletter Mißerfolg bezeichnet werden. Diese Konferenz, welche auf Initiative des Jerusalemer Mufti und der extremistischen arabischen „Istaklal"- Partei einberufen wurde, sollte vor der gesamten politischen Welt „die geschlossene Einheit des Arabertums im Kampfe für das ungeteilte arabische Palästina" demonstrieren. Es ist der zweite großzügige Versuch dieser Art von. Seiten des Mufti. Ein ähnlicher Versuch fand bereits im Jahre 1931 statt, als der Mufti und die ihn umgebenden arabischen Kreise die sogenannte „moslemische Woltkonferenz" in Jerusalem mit begeisterter Zustimmung der britischen Mandatarmacht abhielten. Diesmal sollte an Stelle der pan-moslemkchen die p a ti-a rabischcLosung treten, die im Laufe des letzten Jahres eine erhöhte Popularität gewann. Die Ambition des Mufti ging dahin, die arabischen Völker fester an seine Person zu binden und der Außenwelt, insbesondere der Genfer Völkerbundstagung das Bild einer geschlossenen arabischen Opposition gegen die Teilung Palästinas und gegen die Fortsetzung der jüdischen Einwanderung vorzuführen. Das Resultat seiner Bemühungen ist — Null. <|fer allem konnte er selbst nicht bei der Konferenz erscheinen: er muß gegenwärtig seine kostbare Zeit in Wohnungshaft verbringen, und seine Hoffnung, die Regierung werde ihm zur Reise nach Biodan einen einwöchigen Urlaub samt Auslandspaß gewähren, ist diesmal entgegen seinen bisherigen Erfahrungen nicht in Erfüllung gegangen. Auch die Hoffnung, die Regierung werde die Konferenz in Jerusalem einzuberufen erlauben, wie sie es im Jahre 1931 tat, hat sich als trügerisch erwiesen. Und so mußte die Konferenz in Biodan (nicht einmal in der syrischen Hauptstadt) ohne den Hauptakteur abgehalten wurden. Die andere Blamage der Konferenz war die glänzende Abwesenheit der Vertreter sämtlicher arabischer Staaten, auf deren Kooperation der Mufti soviel Wert gelegt hatte. Die libanesische Regierung hat die Teilnahme an der Konferenz offen und in klaren Worten abgelehnt: der Libanon, hieß es in der Erklärung der dortigen Regierung, empfinde kein Verlangen danach, weder mit. den jüdischen noch mit den arabischen Freunden einen Krieg zu beginnen. Natürlich wurde die libanesische Regierung und deren Präsident vom radikalen Teile der Blodaner Konferenz als „Judenknechte" verschrien. Aber das Geschrei fiel nicht allzu laut aus, denn das Konferenzpräsidium hatte der syrischen Regierung für würdigen und anständigen Verlauf der Verhandlungen gebürgt und sah sich infolgedessen genötigt, den Herren Extremisten ein S e h 1 o ß vor den Mund zu hängen. Dies führte zu einer hellen Empörung der Herren Extremisten. Die anderen arabischen Regierungen haben zwar keine öffentlichen Erklärungen über ihre negative Beziehung zu Biodan abgegeben, sind aber faktisch dem Libanon nachgegangen und haben weder Vertreter noch Begrüßungsschreiben zur Konferenz gesandt. Es half kein Flehen , und kein Bitten der Binberufer der Konferenz, die an die arabischen Königshöfe spezielle Delegationen schickten. Niemand von den Königen erschien. Die wenigen Anwesenden durften nur wenig oder überhaupt nicht sprechen. Es wurden ihnen einige dürftige vom „Arabischen Komitee" präsentierte Resolutionen zur Abstimmung vorgelegt, die sie auch schlucken mußten. Keine beleidigenden Ausdrücke gegen die Juden, kein lautes Wort gegen England — man fühlte auf jeder Schrift die Hand der syrischen und vielleicht manch einer anderen Zensur. Einige jugendliche Delegierte wollten zum Schluß ein „Komitee zur Rettung des Libanon vor zionistischer Gefahr" wählen, wurden aber vom Konferenzpräsidhim zur Vernunft gerufen ... Die arabische Presse Palästinas hatte von der Konferenz so wenig wie nur möglich berichtet, um den Mißerfolg nicht allzu klar aufscheinen zu lassen. Die arabische Presse Aegyptens schrieb jedoch ganz offen, daß kein arabisches Land jemanden nach Biodan geschickt hatte, und daß keiner der dort anwesenden Herren von jemandem gewählt wurde. Klarer könnte man sich wohl kaum ausdrücken. Auch der bekannte palästinensische Scheich AI Farouki, Herausgeber der „Islamia", schreibt heute in seinem Blatt, nach einer Woche des Schweigens, daß die sich an den Blodaner Beratungen beteiligten Herren keine Möglichkeit erhielten, ein Wort zu sprechen, und daß die Konferenz überhaupt in Eile und ohne nötige Vorbereitungen zusammentreten mußte. Er sieht das Gute an der Konferenz darin, daß nunmehr genügend Erfahrung gesammelt wurde, um die nächste Konferenz mit mehr Erfolg zu organisieren... Der letzte etwas komische Satjs von AI Farouki ist vielleicht die einzige ernste Schlußfolgerung. Die Juden sollten ihr Augenmerk auf sie richten. * Die wirtschaftliche Lage Palästinas ist jetzt keine rosige: es wird wenig gebaut, wenig Kapital in Industrie und Landwirtschaft investiert, was auf die unklare politische Lage und die Sistierung der jüdischen Einwanderung zurückzuführen ist. Es treten somit Zeichen großer wirtschaftlicher Schwierigkeiten, insbesondere im Handel des Jischuw, in Erscheinung. Gerade diese Kreise waren es, die mit besonderem Impetus die Teilung des Landes forcieren wollten, und zwar nicht so sehr aus politischen wie aus wirtschaftlichen Motiven: Sie glaubten, jede weitere Verzögerung in der Lösung des politischen Hauptproblems müßte zu schwerwiegenden wirtschaftlichen Komplikationen führen, die auf die jüdische ökonomische Betätigung verderblichen Einfluß ausüben könnten. Und da meinten sie, daß eine sofortige Teilung des Landes, wenn auch politisch riskant, doch wenigstens zu einer schnellen Klärung der Situation und somit zur Belebung der Wirtschaft, ja vielleicht zu einer neuen Prosperity führen würde. Die letzten Berichte aus Genf dürften dieser Philosophie einen tödlichen Schlag versetzt haben. Erst soll eine neue Ausforschungskommission ins Land kommen; dann soll nach anderthalb Jahren eine Grenzkommission herkommen, nach drei Jahren soll man erst in der Lage sein, die ersten Schritte zur Realisierung des Teilungsplanes einzuleiten und, wie die „Morning Post" aus Regierungskreisen mitteilt, soll mit der definitiven Realisierung des Teilungsplanes nicht vor dem Jahre 19 4 2 gerechnet werden... Wo bleibt denn hier die „sofortige Erledigung des politischen Hauptproblems", die sich auf die jüdische Wirtschaft so wohltuend auswirken sollte? Ich erinnere mich bei dieser Gelegenheit an die Worte Dr. Weizmanns in Zürich. Sich an die Nein-Sager wendend, sagte er: ein eventuelles Nichtzustandekommen des Teilungsplanes dürfte dazu führen, daß die nächsten fünf bis zehn Jahre Unfinb oft bic Urfacfic übltm aJltntbflcrudjS, ruei£ fic in gäulniS u&crgefjeu wtb 2}tflä»iQüw l'U'itav, bic ben foftbaten 3alnt* fchmelj ä^ltött. CK ift toicijii?., bic ©betferefte auS beu 3al)nähttfäcntäumeit Dusch grünöliefie Reinigung mit £hto£oboni*3ni>ltyalie 5U entfernen. CPjfovobont ftmterläjji burd) feinen fäftttthen s.jßfcffermui5»©efehmacf noch lange nadj bem ©ebrauef) ein &efüljl bet $nf<*>c unb (Sauber* feit im SKunbe. Zubc (fehäumenb ober uidjtfajäumenb) S —-90. Unb immer barmt beulen: Morgans als Erstes, abends ö& Letztes Älippiill;^V;::#%^^2::;vÄJ(i;^&^»'^ * •..» ••••>•. .'FStfHBii..........kiEöstülkki«jitLAJu&-£m7ty i ,<> ■■■ klarheit und Unsicherheit nicht nur auf politischem, sondern auch auf w irtschaftlichem Gebiete bringen würden. Und das könnte unsere Wirtschaft kaum ertragen. Ich glaube, daß dieses Argument Weizmanns das entscheidenste gewesen ist, soweit Argumente in der Züricher Atmosphäre überhaupt eine Bedeutung gehabt haben. Nun stellt sich heraus, daß auch die eventuelle Durchführung des Teilungsplanes mit einer fünfjährigen (und. falls die Araber Krawall schlagen — vielleicht acht- oder zehnjährigen) wirtschaftlichen Unsicherheit und Stagnation verbunden werden muß! Wo bleibt also die gesegnete „wirtschaftliche Auswirkung der Teilung"? Auf welche Weise wird es uns gelingen, das Land bis zur Teilung ökonomisch aufrechtzuerhalten? Im Zusammenhang mit dem Obenerwähnten gewinnt die in der palästinensischen Presse erschienene Berichterstattung über die neue Orientierung der palästinensischen Barclays Bank erhöhte Bedeutung. Diese große englische Bank beschloß letztens, ihre Kredite an die jüdischen Handels- und Industriefirmen in ganz drastischer Form zu reduzieren. Es sind Gerüchte im Umlauf, daß dies auf Weisung höherer britischer Kreise geschehen sei, die daran interessiert sind, den Jischuw durch wirtschaftliche Repressalien aufdieKniezuzwingen und die zionistische Weltbewegung zu weiteren Kapitulationen zu bewegen. Denn es unterliegt gar keinem Zweifel, daß die Politik der Barclays Bank, an der ein Großteil der jüdischen Wirtschaft hängt, große jüdische Wirtschaftskreise in Mitleidenschaft ziehen wird, und zu der von der Regierung herbeigeführten künstlichen politischen Krise eine künstliche wirtschaftliche Krise hinzufügen wird. Wir hören schon, daß der Schritt der Barclays Bank eine derart abschreckende Wirkung auf die zionistische Anglo«Paläatina Bank ALLE SCHULBUCHER richtige Auflagen, für nnli<juartsc.tie atlrrblMiKSt« Preise: Größte Auswahl; Spesenfreie Zusendung. Verzeichnisse umsonst — Zett spart, wer kauft im . SohtilMirlicr-Afitfquarltt Hermann Tuchner, Wien II. Eck* TabarjttroO* sa, Telephon n-4l-«-»0 ausgeübt hat. daß auch diese ihre Kreditpolitik weiteren Beschränkungen unterzogen hat. Und insofern es noch kleine Banken in Palästina gibt, die gewillt sind, das Kreditbedürfnis der Wirtschaft zu befriedigen, geht die Regierung daran, diese kleinen Banken zu schließen und nur denjenigen von ihnen die weitere Existenz zu gestatten, die im Laufe des nächsten halben Jahres ein Mindestkapital von 10.000 Pfund an Aktien aufweisen können werden. Welche Kräfte uns unter diesen Umständen, bin zum Jahre 1942 an der Oberfläche halten werden, ist vorläufig nicht ganz klar. * Und zum Schluß eine halb tragische, halb komische Angelegenheit: Einige profitgierige Juden wandten sich im vorigen Jahr an das hiesige Boykott-Komitee mit der Bitte, ihnen die Einfuhr deutscher Filme, die unter Arierparagraph stehen, nach Palästina zu gestatten. Die Bitte wurde abge- OPTIKER KARL SEIDNER I, Frans-Jotefs-Kal 33 / II, Hollandslraße 7 Fachmännischer Rat ' Reiche Auswahl / Beste Qualität / Preiswert lehnt, Da sind sie auf einen neuen Einfall gekommen: sie verbanden sich mit dem Sohn eines hohen englischen Regierungsbeamten, der sich bereit erklärte, in dieser Frage die Agency-Exekutive und den Waad Leumi aufzusuchen. Die Person des Bittstellers machte diesmal Wirkung, um so mehr, als die Transfer- Direktion diese Transaktion befürwortete und sie durch ihre Departements realisieren wollte. Der Sohn des Regierungsbeamten und die hinter ihm stehenden Juden wollten, daß man ihnen die Erlaubnis und da» Monopolrecht auf Einführung von siebzig Ufa- Filmen'nach Palästina erteile, wogegen sie sich verpflichten wollten, einer gewissen jüdischen Institution eine finanzielle Vergütung zu gewähren. Sowohl die Agency als der Waad Leumi befürworteten diese edle Bitte, deren Folge die gewesen wäre, daß blonde arische Götter und Göttinnen, bekleidet und im Neglige, vor dem jüdischen Publikum Palästinas auftreten dürften... Von dieser Sache erfuhren die amerikanischen Filmvertreter, die darauf hinwiesen, daß sogar die arabischen Besitzer der ägyptischen Kiuotheatcr die Gefühle ihrer jüdischen Be-. sucher schonen und keine deutschen Filme bestellen. Glücklicherweise hatte die Sache ein happyend: Das Boykott-Komitee lehnte die Bitte und die Intervention der jüdischen „Nationalorgane" einstimmig ab. Es bleibt nun abzuwarten, ob die Energie der Drahtzieher so weit geht, einen dritten Versuch einzuleiten... , Hoher Markt - UchtenstegNr.4 Die Zionistcji'Revisionisien zum Raubs Überfall in Tel»Aviv Aus London (J. T. A.): Das Exekutivkomitee der revisionistischen Weltuuion in London hat im Zusammenhang mit dem Ueberfall auf einen Beamten der Arbeiterbank in Tel-Aviv folgende Erklärung veröffentlicht: „Im Zusammenhang mit dem Ueberfall dreier junger Männer in Tel-Aviv, der ganz der Praxis gleicht, die die jung-russische revolutionäre Bewegung ausgeübt hat, nämlich de« Raubes von Geld einer gegnerischen Institution für angeblich ideologische Zwecke, ist mau bemüht, die revisionistische Bewegung zu | beschmutzen. Es ist daher wichtig:, daß bekannt j werde, daß alle drei jungen Leute bereits vor dem betroffenden Vorfall aus der revisionistischen Partei ausgeschlossen waren. Angesichts der Tatsache, daß sie vor Jahren unserer Bewegung angehört haben, erscheint es jedoch notwendig, die Stellung der revisionistischen Bewegung zu solchen oder ähnlichen Methoden revolutionärer Aktion festzustellen. Das Exekutivkomitee erklärt: 1. Solche Methoden haben nichts gemeinsam mit der Frage der .Hawlaga*. 2. Solche Methoden stehen keineswegs in Einklang mit der revisionistischen Ideologie. 3. In der Revisionistischen Union ist kein Raum für Anhänger solcher Methoden." Unsere Leser werden auf die Buchhandlung Hermann Tuchner (siehe Inserat) besondere aufmerksam gemacht, wo für alle Lehranstalten sämtliche Schul budvr (auch antiquarisch) zu ermäßigten Preisen erhältlich sind. Leihbibliothek eröffnet. 10 Groschen täglich. Keine Neben» gebühren. Für Anfragen Telephon Nr. IMM.20,