Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 690 (1.10.1937)
- Date
- 1937-10-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seit« 2 DIE NEUE WELT tidik ji'wim' Hungen eine tinmtüH^ mit Diana stärkt Sic für dsa ganzen Tag. Sie. arbeiten flott und ermüden nicht. Massen mit „DIANA" erfüllen mit verjüngender Kraft, stählen Körper und Nerven. Ebenso wertvoll zur Mund- und Haarpflege DIANA FRANZBRANNTWEIN MIT NENTHOL tuung über die Entwicklung des Jüdischen Nationalheims zum Ausdruck gebracht. Die für den jüdischen Staat vorgesehenen Cirenien seien tax eng, um eine Einwanderung aufzunehmen, die den jetzigen Bedürfnisseft des jüdischen Volkes entsprechen könnte. Der Retiner erinnerte die Kommission daran, daß den »luden auch die O c f f n u n g Transjoidan iena für die Einwanderung versprochen worden aei. Sollte es nicht möglich »ein, dem Juden- Ätaat das Dreieck zwischen dem Toten Meer, dem Golf von Akaha und dem Mittelländischen Meer (den Negew) anzuschließen? Es sei dies ein Wüstengebiet mit »ehr geringer Bevölkerungszahl. Man habe versichert, daß es bei entsprechender Bewässerung möglich sein würde, eine große Zahl von Menschen dort anzusiedeln. Die Juden hätten in anderen Teilen Palästinas ihre Befähigung für Kolonisationsarbeit bewiesen. Die wenigen arabischen Stämme im Negew könnten leicht in ein anderes Gebiet üherführt werden, die Juden würden die hierfür notwendigen Mittel sicherlich zur Verfügung stellen. Minister Lange wies welter darauf hin, daß es geplant sei, in bestimmten Teilen des Landes den Arabern das B e r g 1 a n d und den Juden die daran angrenzenden Ebenen zu geben. Das schaffe eine sehr unsichere Lage und müsse geändert werden. Zu dem geplanten britischen Korridor bemerkte Lange, es sei gut, daß die Heiligen Stätten In diesen Korridor fallen sollen, keineswegs aber sei es notwendig, auch das neue Jeriisa- 1 e m mit seiner 75.000 Seelen starken jüdischen Bevölkerung, der Hebräischen Universität und vielen .anderen jüdischen Institutionen diesem Gebiet anzuschließen.'Zum Schluß erklärte er, es sei unbedingt notwendig, das jüdische Territorium zu vergrößern, damit es den Bedürfnissen jüdischer Einwanderung gerecht werden könne. FAHRRAD. F tt B R 5 K KINDERWAGEN- F A B R . K Kinderwagen verkauf: von s 35-' VII, Neubaugasse 2t ' XVII, Kulmgasse 34 X, LaxenburgefstraBe 82 XX, Jäg&straBe 41 Fahrradfabrik: VII, Burggasse 110 Bequeme Teilzahlung! Kataloge gratis: Der Vertreter von Hai ti, Fr an g.ul i s, erklärte, das Palästina-Problem habe eine Komplikation erfahren, als in manchen Ländern eine unterschiedliche Behandlung der jüdischen Einwohner eintrat. Rechtsgleichheit der Juden in allen Ländern würde das Palästina-Problem lösen. Frangulis trat für eine internationale Konvention ein, durch die eine rechtliche Sicherung der Juden in ihren VVohnländern erfolgen soll. Der Vertreter Polens, Minister Komarnicki, erklärte, man müsse sich vor Augen halten, daß um die Jahrhundertwende bei den jüdischen Massen in Ost- und Mitteleuropa Strömungen entstanden sind, die die Schaffung eines unabhängigen nationalen Lebens für die Juden anstreben. Die zionistische Bewegung hat in Ost- und Mitteleuropa eine außerordentliche Entwicklung gezeigt. Darum würde jede Aenderung in dem Status Palästinas bedeutende Rückwirkungen in diesen Ländern nach sich ziehen. Diese Rückwirkungen interessieren naturgemäß die Regierungen, insbesondere die Regierung Polens, wo dreieinhalb Millionen Juden leben, also zehn Prozent der Oe3amtbevölkerung. Neben diesen psychologischen Momenten gebe es auch wirtschaftliche Faktoren, die die Polen zwingen, au dem Schickaal Palästinas Interesse zu nehmen. Die Juden Polens, die zehn Prozent der Bevölkerung bilden, machen dreißig Prozent der städtischen Bevölkerung aus. Tu gewissen östlichen Bezirken Polens bilden die Juden fünfzig Prozent der städtischen Bevölkerung. Polen ist ein übervölkertes Land. Die polnischen Bauern, die gezwungen sind, ihre Dörfer zu verlassen, blicken nach einer Existenz in den Städten aus. Dieser Zug in die Stadt berührt die u ngünstige soziale Struktur der Juden. Während »n den Jahren vor dem Kriege die Auswanderung von Juden die Wirkungen des Mißverhältnisses in ihrer Berufsverteilung zu vermindern mithalf, sind jetzt alle Auswanderungsmöglichkelten beschränkt worden. Vor dem Kriege wanderten jährlich 6 5.0 00 Juden aus Polen aus; doppelt soviel wie der natürliche Zuwachs der Juden. Nach dem Kriege wurden die überseeischen Länder den Einwanderern verschlossen mit dem Ergebnis, daß die jüdische Einwanderung sich nach Palästina verlagerte. Unter diesen Umstanden glaube die polnische Regierung, daß das Jüdische Nationalheim für die Juden nicht nur ein Zentrum des ge I s tl ge n und politischen Lebens schaffen dürfe. Das Jüdische Nationalheim muß daher für die jüdischen Massen und nicht nur für einen a u s e r vv ä h 11 e n Teil des jüdischen Volkes die Grundlage für eine unabhängige und natipuale wirtschaftliche Existenz schaffen. Um dies zu ermöglichen, muß da» Jüdische Nationalheim In der Lage sein, in »einen Grenzen einen großen Teil der jüdischen Massen unterzubringen, deren wirtschaftliche Existenz nur durch Auswanderung gesichert werden kann. Die polnische Regierung betrachtet von diesem Standpunkt aus jede« von der britisches Regierung vor- Lord Peel plofxh'di gestorben Aus London (Reuter): Am 29. September Ist der ehemalige Staatssekretär für Indien, Lord Peel, im Alter von 70 Jahren einem Schlaganfall erfegeii. Lord Peel war Vorsitzender der Königlichen Kommission (Peel-Kommission), welche zur Prüfung der Ursachen der Unruhen in Palastina eingesetzt worden war und den Antra« auf Teilung Palästinas, welcher in diesen Tagen vom Völkerbund, behandelt wurde, eingebrächt hatte. geschlagene Projekt, welches das Palästina-Problem zu lösen sucht. Die Ansieht der Vertreter son Albanien, Litauen, Aegypten, Uruguay und Lettland. Der Bevollmächtigte von Albanien, Trascheri, meinte, die beste Lösung des Palästina-Problems sei ein Kantonalsystem nach dem Muster der Schweiz. Der Vertreter von Litauen, Außenminister Lazoraitis, sagte, Litauen habe immer eine große jüdische Bevölkerung gehabt. Seine Juden pflegten nach Südamerika auszuwandern, in letzier Zelt ging aber eine größere Anzahl nach Palästina. Er sprach die Hoffnung aus, daß die Lösung des Palästina-Problems entsprechend den A u s w a n d e r u n g s w tt n s c h e n der Juden und Ihrem Verlangen, einen eigenen Staat zu errichten, erfolgen würde. Der Außenminister Von Aegypten, Boutros Ghali Pascha, betonte, daß die Lösung der Palästina-Frage mit Zustimmung von Juden und Arabern erfolgen müsse. Der Vertreter von Uruguay sagte, sein Land wurde jede Lösung unterstützen, die den Juden gestattet, Ihr eigenes, u n a b h ii n g 1 gre s Land zu haben. Der Vertreter von Lettland brachte die Hoffnung zum Ausdruck, daß die Beschränkung der jüdi- Oeine besten Begleiter I. Reise U.Weekend s i n (I d i c altbekannten Feinwurst- und Selch* Spezialitäten EISEN waren Zentrale und Postversand: Wien II;Rotenstern jasae 12 £ sehen Einwanderung nach Palästina nur eine zeitweilige Maßnahme sein würde. Der irakische Außenminister Tewfik eI Swaidy forderte Abschaffung der Balfour- Dekläration und des Palästina -Mandats. Namens der Kleinen Entente sprach der tschechoslowakische Gesandte in Bern, K tt n z 1 - J i z e r s k y\ und führte aus: Die drei Staaten der Kleinen Entente (Tschechoslowakei, Rumänien und Jugoslawien) verfolgten immer mit der wohlwollendsten Sympathie die Entwicklung der nationalen jüdischen Heimstätte in Palästina. Wir glauben; daß es sich hier um ein Werk handelt, dessen internationale und besonders europäische Bedeutung offensichtlich heute mehr denn je zutage tritt. Wir sind uns der Schwierigkeiten, mit welchen diese komplizierte Problejqn /verbunden ist, voll bewußt. Weriri es - auf de* einen 7,*eltö"vWbr* ist, daß da$ palästinensische Mandat die historischen Bande, welche^ das jüdische Volk an Palästina binden, sowie die Gründe - für die Erneuerung der nationalen jüdischen Helmstätte in diesem Lande anerkennt, so ist es auf der anderen Seite nicht minder wichtig, daß auf gewisse Befürchtungen, welche aus dem arabischen Lager kommen, Rücksicht genommen werde. Im Hinblick auf die Bedeutung der Frage der jüdischen Einwanderung nach Palästina wünschen die Staaten der Kleinen Entente insbesondere, daß die endgültige Regelung den Wünschen des jüdischen Volkes e'n t g e g e n k o m*m e, daß die Zahl der jüdischen Einwanderer nach Palästina erhöht und daß auch in Zukunft die Möglichkeit der jüdischen Einwanderung nach Palästina geslohert werde. oBKiaMHMtanMmrwHHMMiHMHraMM Blutstauungen Im Unterlelbe, Hämorrhoidenbildung und Leberanschoppung werden durch das natürliche „Franz-JoseP'-Bitterwasser — morgens und abends davon ein Gläschen — meistens bald beseitigt. Zum Schluß sprach der Redner die Hoffnung aus, daß Großbritannien Im Geiste Balfourg im stände Sein werde, alle gegenwärtigen Schwierigkelten zu überwinden. Der französische Vertreter Paul-Bancour befürwortete das bisher vom Völkerbund in der Palästina- Frage beobachtete Verfahren. Er meinte, theoretisch sei das Palästina-Problem ein Teil der ganzen Jüdenfräge, die mit ihrem internationalen .Charakter vom Völkerbund behandelt werden sollte. Praktisch sei dagegen zu befürchten, daß das ganze Problem sich komplizieren würde, wenn man jetzt die ganz e J u d e n frage zur Sprache bringe. Der Vertreter Mexikos, Thele, führte aus, die Balfour-Deklaration habe den jüdischen Hoffnungen eine Tür geöffnet, die nicht wieder geschlossen werden dürfe. Man. dürfe die Grundlage der Bai- BANKGESCHÄFT Dr. OFFENBERQER Wien I, Freyung 1 Telephon: U - 27 - 2 - 11, U - 28 - 2 - 55 Durchführung sämtlicher Bank- und Börietransaktlonen four-Deklaration nicht verlassen, müsse aber die Interessen der Araber im Auge behalten. Der Irische Ministerpräsident de Va 1 e r a empfahl eine abwartende Haltung, die nichts von einer endgültigen Lösung vorwegnehme. Er meinte, daß die Teilung keine Lösung darstelle. Der Delegierte von Iran (Perslen) wandte sich gegen den Vorschlag, daß Palästina im Zusammenhang mit der gesamten Judenfrage behandelt werden solle. Er begründete dies damit, daß eben die Judenfrage zu den Schwierigkelten in Palästina geführt habe. Der Delegierte trat für eine Lösung ein, die die Achtung vor den Kochten der Araber in Ihrem Lande mit den berechtigten Interescn der Juden versöhnt. Kr. 690 vom 1 Oktober*0937^ Eilte schwere Anklage Unter dem Titel „Ich suche Antisemitismus" veröffentlicht soeben die bekannte polnische Schriftstellerin Vanda Waschilewska in einer Zeitschrift „Lfd.. Literackia" einen Bericht über ihre Rundfahrt durch Polesien. „Ich habe mich intensiv bemüht", schreibt. Frau Waschilewska, „Antisemitismus zu suchen und ich habe ihm auf einer Strecke von 400 Kilometer an den Ufern der polesischen Seen und Sümpfe nachgeforscht" Wahrlich, eine sonderbare Feststellunjr, daß man in Polen Antisemitismus erst suchen muß, in einem Land, wo der Antisemitismus notorisch frank imd frei durch die Gassen schreitet. . . . Aber die Autorin erklärt: „Es geht mich im Augenblick nichts an. ob in Polen eine Judenfrage gibt und wie sie gelöst wettden soll — ich will die Frage von einem anderen Gesichtspunkt betrachten. Und zwar: Existiert bei uns Antisemitismus, nicht der. der „pro Stück" bezahlt wird für Angriffe, demolierte Läden, Boykottposten — sondern der wirkliche Antisemitismus, der aus der Tiefe des Bewußtseins kommt und die breiten Massen erfaßt, da doch nur solch ein Antisemitismus eine Erscheinung wäre, die uns zu gewissen Konsequenzen zwingen würde?" Und nun gibt Frau Waschilewska ihre Eindrücke vom Besuch des Städtchens N. in Polesien wieder. „Wir haben das einzige Gäßchen des Städtchens durchwandert, um den Gemeindepolizisten zu finden. Im Hofe eines großen Hauses las man über der Tür ein Schild: „Gemeindepolizei der Gemeinde N." Die Tür führte in eine Tischlerwerkstätte und über einer Schichte von, Brettern wurde das Gesicht eines langbärtigen Juden sichtbar. Es stellte sich also heraus, daß der Gemeindewachmann des Dorfes N. edn Jude war." Hier und in der Umgebung fand Frau Waschilewska zahlreiche jüdische Bauern, die in bestem Einvernehmen mit der weißrussischen Nachbarschaft leben, und in Gesprächen mit den weißrussischen Bauern kam ihre Abscheu über die Geschehnisse in Czehstochau zum Ausdruck, wo die Juden verschiedener, von Antisemiten verbreiteter Gerüchte Gegenstand blutiger Exzesse waren. „Man fragt uns", erzählte ein Bauer, „warum wir nicht gegen die Juden losgehen? kann doch nicht von uns verlangen^ daß wir. die Juren schlagen, die mit uns zusaramenwohnen und mit denen wir von Kindheit an befreundet SnnRßmoÄionßFßllcß Corso tffell' imoerö 184. Unter Aufsieht des Nimburger Vereines. Direktion: bt. m«d. Alex Schwan sind. . . Und ein Gastwirt sagte: „Ich lebe hier in H. bereits fünfzehn Jahre und jetzt zum erstenmal beginnt die antijüdische Hetze, die mir zum Bewußtsein bringt, daß ich Jude bin. Niemals hatte ich meiner jüdischen Abstammung wegen Unannehmlichkeiten. Ich lebe und arbeite zusammen mit der bäuerlichen Bevölkerung, man kennt hier keinen Antisemitismus. Er wird von draußen hereingebracht." Wer ihn hereinbringt? Einzelne Geistliche, die Zeitungen, Zugereiste, Agitatoren, welche Versammlungen abhalten. Versammlungen! „Es war mir schwer", schreibt Frau Waschilewska, „etwas Ausführliches über diese Versammlungen zu erfahren. Ich konnte bloß erfahren, daß an ihnen bloß das einzige, hier befindliche polnische Element teilnimmt — die Administration. In dieser .Feststellung liegt eine schwere Anklage gegen die verantwortlichen .Faktoren, die offiziell verlautbaren, daß sie jede Störung der öffentlichen Ruhe mit entsprechender Strenge zu unterdrücken . entschlossen sind. Audi ein Nekrolog» Man kann ohne Uebertreibung sagen, daß die ganze Kulturwelt die Persönlichkeit des tschechoslowakischen Staatspräsidenten T. G. Masaryk anläßlich seines Todes gewürdigt hat. Niemand konnte dem Verstorbenen Größe absprechen, niemand seine sittliche Kraft und Verehrung der Gerechtigkeit bezweifeln. Was immer man über Masaryk jetzt schrieb und sagte, war eine Huldigung für eine Erscheinung größten ethischen Formats. Unter den Pressestimmen konnten natürlich die des nationalsozialistischen Deutschland nicht fehlen. Wir greifen die bezeichnendste heraus. Sie findet sich — man könnte sagen: natürlicherweise — im „Völkischen Beobachter" (15. September) und lautet: „. .. da schlugen ihm die Studenten die Fenster ein und eine überhitzte chauvinistische Presse verfluchte den Tag seiner Geburt. Und nicht ander» erging es ihm, als er aus falsch verstandener Humanität für einen jüdischen Ritualmörder eintrat und sich damit gegen den berechtigten Volkszorn wandte." Wir fügen diesem neudeutschen Nekrolog kein Wort hinzu. Jede Kritik könnte den Eindruck dieser paar Zeilen abschwächen.