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Die neue Welt · 1937-10-01 · Heft 690 (1.10.1937) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 690 (1.10.1937)
Date
1937-10-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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185 Preis 20 Groschen Freitag, den U Okiober I#i7 HEUE NEUE Ti«. Universifc _ ¥♦ Ii« k> R E V U HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig 8 4,—, ganzjährig a 16.—; JPolen monatlich Zloty 1.80, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Ke 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 1«.--, *i«twjährlg Dinar 40.—; Bümänlen monatlich Lei 60.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährif Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljahrig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lira 14.—j Schwei» und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.60. vierteljährig Schweizer Francs 4.60. Mit E bezeichnet« Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion U.Verwaltung: IX,Universitätsstr.8,7eLA'20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitag Die Kr he des judenr einen Seit Jahren betrachten wir den sogenannten Österreichischen Film und sein Schicksal unter dem Gesichtspunkt seiner Abhängigkeit vom Dritten Reich und mit dem deutlich ausgesprochenen Hinweis, daß auch jüdische Filmkapitalisten, um mit ihren deutschsprachigen Produkten ins Geschäft zu kommen, den Wünschen des nazistischen Diktats Rechnung tragen. Unsere These ging dahin, daß die Unterwerfung des österreichischen Films unter die Diktatur der reichsdeutschen Filmprüfstelle, d. i. des reichsdeutschen Propagandaministers Dr. Goebbels, den Niedergang dieses Films zur Folge haben müsse, den materiellen und den künstlerischen, wobei schließlich auch der jüdische Filmproduzent zum Handkuß kommen werde. Man verübelte uns da und dort die Kampfweise gegen den pseudp-österreichischen Film, da man nicht recht verstand, daß unter der Knute des Arierparagraphen erzeugte Filme ihren ästhetisch-kulturellen Wert und damit ihre internationale Attraktivität verlieren müssen. Wenn man nicht nach künstlerischen, sondern nach beschränkt-rassischen Gesichtspunkten bei der Wahl des Sujets, des Regisseurs, der Schauspieler, der Techniker usw. vorgehe, werde der Punkt erreicht werden, wo der Film den Anspruch auf objektive' Bewertung verliert. Und wir zogen für die österreichische Filmindustrie die Konsequenz, daß sie an dieser Abhängigkeit vom Efakenicreüz' zugrunde gehen werde. Dabei stellten wir ein finanzielles Moment gar nicht in Rechnung: Wir änderten unsere Bewertungsgrundlage auch dann nicht, als e3 hieß, daß die in Deutschland eingefrorenen Filmguthaben nunmehr in reicherem Maß nach Oesterreich fließen werden. Allerdings erwiesen sich die diesbezüglichen Hoffnungen als übertrieben. Die Verbesserungen im Devisentransfer waren nicht ausreichend, um die österreichische Filmerzeugung von ihren finanziellen Sorgen zu befreien. Wir standen in unserem Kampf gegen das hakenkreuzlerische Filmdiktat so ziemlich allein. Man unterstellte uns Absichten, die mit der Österreichischreichsdeutschen Kulturverbundenheit nicht vereinbar seien und schwieg; und wenn man reagierte— es tat dies die betont nationale Presse Oesterreichs —, so geschah dies in gehässiger, unsere Kritik verdächtigender, den reichsdeutschen Partner schützender Weise. Nun ist endlich Klarheit in die Sache „Oesterreichischer Film" gekommen. Die Wiener katholische „R e i c h s p o s t", die in der letzten Zeit eine Reihe gediegener Aufsätze über die Möglichkeit und Notwendigkeit einer österreichischen Filmproduktion auf kultureller Basis veröffentlicht hat, beschäftigt sich in ihrer Ausgabe vom 22. September mit der Krise des österreichischen Films. Klar und sachlich setzt das Blatt die Gründe dieser Krise auseinander. Es bereitet uns Genugtuung, zu erfahren, daß die „Reichspost" für die kritische Lage des österreichischen Films dieselben Motive anführt wie wir — in unserem Kampf des heimischen Films gegen das nationalsozialistische Diktat. Allerdings geschieh^, dies seitens der ,.Reichspost" in noch schamhaft-verschleierter Art. Aber es ist Hoffnung vorhanden, daß jetzt endlich die Sünden des österreichischen Filmregimes schonungslos aufgedeckt werden. „Mit Bedacht kann hier", schreibt die „Reichspost" in bezug auf die kommende österreichische Filmproduktion, „nicht von einer Erzeugung neuer österreichischer Filme gesprochen werden, sondern eben nur von Filmen, erzeugtin Oesterreich. Der Unterschied, ist klar: Der Filmkaufmann, der in Oesterreich nur 8 bis 10 Prozent, im Deutschen Reich aber rund dreiviertelhundert Prozent der Kosten seines Films hereinbringt, fragt vorsichtig nach den Wünschen des nachbarlichen Abnehmers und erfüllt diese Wünsche." Diese Wünsche besagen bekanntlich im wesentlichen: Ausschaltung aller nichtarischen, d. i. jüdischen Kräfte, ferner Berücksichtigung des haken- Völkerbund xur Palästina-Frage: r Teilungsplan nicht genehmigt! Mehrere zionistische Blätter haben die Vorgänge in Genf so dargestellt, als hätte der Völkerbundrat der Teilung Palästinas zugestimmt. Das ist eine tendenziöse Irreführung. Wir bringen nachstehend die Aeußerung eines Staatsmannes, welcher die Palästina-Resolution des Völkerbundrates vorbereitet hat, also mit der Meinung des Rates absolut vertraut ist. Aus Prag (J. T. A.): „Medina Iwrit" reproduziert ein in der „S e w o d n j a" (Riga) erschienenes Interview mit dem lettischen Außenminister Munters, der eines der Mitglieder des vom Völkerbundrat zur AutfärbeitungderPalästina-Resolution eingesetzten Dreierkomitees war. Außenminister Munters erklärt, daß die Ausarbeitung der Resolution lediglich auf der Balf our¬ Deklaration und auf Art. 22 des Palastina -Mandates basierte. Die Kommission sei zunächst zur Feststellung der UnantastbarkeitdesMandates vom 24. Juli 1922 gelangt. Diese Unantastbarkeit bleibt in Kraft, sagte der Minister, solange der Völkerbund nicht anderweitig beschließt. Da aber Minister Eden erklärt bat, England könne unter den heutigen Bedingungen das Mandat nicht ausüben, wurde beschlossen, dem Plenum zu empfehlen, eine neue Kommission nach Palästina zu entsenden, welche die Möglichkeiten einer Teilung untersuchen und studieren soll. Das aber bedeutet keinesfalls, daß der Völkerbundrat das Prinzip der Teilung anerkannt hat. Bezüglich der Einwanderungsfrage hat die Kommission in ihrer Resolution aufmerksam gemacht,* daß etwaige Beschränkungen seitens Englands, nur provisorischen Charakter tragen dürfen und das Grundprinzip der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes wiederhergestellt werden müsse. Dieser Teil der Resolution befriedigte vor allem Polen, Rumänien und andere osteuropäische Staaten. . '-. '*'■><< -:0Mr' V0lkerbund§faafen zum Teiliang§plan Aus G e n f: Die 6. (politische) Kommission des Völkerbundes führte unter dem Vorsitz des Vertreters von Kolumbien, S a n to s, die Debatte Uber das Palästina-Prob 1 f*m.ydurcjy dessen Behandlung',ihr vom Plenum der Vö 1 ker bü ridsv. ersamml.u.ng.zugewiesen worden war. .. . Der norwegische. Vertreter. Langesagte, eskämen zwei Dinge in Betracht: Die Interessen der Araber Palästinas und der arabischen Welt im allgemeinen und die Interessen der Juden Palästinas nnd der gesamten Judenhelt der Welt. Nicht nur zwei Nationalitäten kämen heute in Palästina zusammen, sondern auch zwei Kulturen: die eine, eine primitive, die andere — die jüdische — eine vvest- , liehe. Minister Lange wies auf die bedeutende Rolle hin, die die Juden in der Kultur des Abendlandes gespielt haben. Zweifellos hätten die abendländischen Völker den Juden,, viel .zu^verdanJien« - ., o^Zwei ..Versprechungen sind in bezug auf Palästina gemacht worden. Das eine Versprechen ist den Arabern gegeben worden und. betraf ihre Unabhängigkeit. Es müsse hier festgestellt werden, daß dieses Versprechen in weitem Umfange verwirklicht worden ist. Das zweite Versprechen ist den Juden durch die Balfour-DekSeration gemacht worden; mit dieser habe die britische Regierung dem jüdischen Volke gegenüber formell eine Verpflichtung übernommen. Die Völkerbundversammlung habe wiederholt ihre Genugkreuzlerischen Geschmacks. Dazu weiter die „Reichspost": „Die angekündigten Filmstoffe sind höchst gleichgültig, nicht nur vom kulturellen, sondern auch vom ausschließlich künstlerischen Blickpunkt her. Sich auf der Durchschnittslinie der reichsdeutschen Spielfilme zu halten, . ist zu wenig und ist abzulehnen." Man wird sich erinnern, daß eine Zeit hindurch Oesterreich stolz war auf seine Filmproduktion. Es war dies die kurze Epoche der echt österreichischen Filme, wie „Leise flehen meine Lieder" (Schubert-Film mit einigen Nichtariern), ferner „Maskerade" und „Episode" (mit Paula Wessely) des jüdischen Regisseurs Walter R e i s c h der Welterfolg hatte. Lange hielt dieser Zustand nicht an. Man gönnte dem jüdischen Filmdichter und Filmregisseur seine Lorbeeren nicht und ging mit einem bezeichnenden Seitenblick auf den reichsdeutschen Markt daran, den durch einen Juden in die Welt hinausgetragenen Namen der arischen Schauspielerin Paula Wessely für einen rein arischen Film zu benützen, der („Die ganz großen Torheiten") mißglückte und durchfiel. Noch einmal setzte man mit Ausschaltung jüdischer Kräfte an. Die „Reichspost" sagt hiezu: „Es geht nicht an, daß man nach .einem verunglückten Wessely-Film diese Schauspielerin nun geradezu in einen Filmskandal hineinstellt, da es sich um einen neuen Film mit ihr in der Hauptrolle handelt." Der Filmskandal ist da. Es handelt sich nämlich um das Filmbuch eines Autors, von dessen nationalbetonten Beziehungen man sich eine gute Stimmung in deutschen Landen versprach, bis sich schließlich das Filmbuch als ungeeignet erwies und die Produktionsvorbereitungen unter großem Verlust abgebrochen werden mußten. Wer richtig zu lesen versteht, wird den Ausführungen der „Reichspost" entnehmen können, daß sich die Unterwerfung der österreichischen Filmproduktion unter das Berliner Diktat katastrophal ausgewirkt hat: Künstlerisch, kulturell und finanziell! Das Berliner Diktat hieß und heißt: Arierparagraph. Seit Beginn dieses Diktats haben wir die österreichischen Filmproduzenten, die „arischen" und „nichtarischen", gewarnt. Es half nichts. Man blickte fasziniert nach Berlin. Auch die auf die Würde Oesterreichs bedachten Blätter wie die „Reichspost" kokettierten mit den Begriffen „österreichisch" und „bodenständig". Und sogar heute noch verlangt die „Reichspost" „ausgiebige Beschäftigung österreichischer Schriftsteller, Musiker, Darsteller usw.", wobei sie unter „österreichisch" wahrscheinlich „arisch" verstellt. Der ersten Enttäuschung wird zweifellos die zweite folgen, wenn die nunmehr angekündigte hakenkreuzfreie österreichische Filmproduktion andere als künstlerische Motive anwendet. o. r. J^^^S^^fSßi^Q

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