Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 689 (24.9.1937)
- Date
- 1937-09-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. tS9 vom 24. September 1937 / DIE NEUE WELT weite 5 Und sie (ragen den Namen „Mensch ♦ ♦ Jüdische Kinder im Dritten Reich Im Prager „Jüdischen Almanach569 8", dem „Jüdischen Kind" gewidmet, berichtet Hans Martin über „Das jüdische Kind im Dritten Reich": „Kinder als Opfer des Einbruchs des Rassismus in das XX. Jahrhundert." „Aus den SA.-Kasernen und aus den Konzentrationslagern dringen manchmal Rufe, Berichte ans Licht Aber in den Schulen? Hat jemand eine Ahnung davon, wie es in den Seelen jüdischer Schulkinder aussieht, die von 8 bis 12 und 2 bis 4 durchs antisemitische Fegefeuer ziehen? Ihre nichtjüdischen Mitschüler gehören durchwegs der nationalsozialistischen Hitler-Jugend an. Diese umfaßt so ziemlich die gesamte junge deutsche Generation, die erst nach etlichen Jahren im politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Leben zur Geltung kommen wird. Dafür tobt sich momentan ihre Begeisterung und Gesinnung in der Schule aus. . . . Wer sich auch nur vage an seine Schulzeit erinnert, wird sich unschwer vorstellen können, welch tausenderlei Demütigungen, Erniedrigungen und Quälereien jüdische Schulkinder in einem solchen Milieu ausgesetzt sind. . . ." „Im Sommer 1933 erzählte mir die Mutter eines achtjährigen Mädchens: ,Mein Kind will nicht mehr zur Schule gehen. Es schläft schon fast nichts mehr des nachts, am frühen Morgen wird es unruhig, beginnt zu zittern und zu weinen. Vor einiger Zeit wurde an den Schulen Schlageter gefeiert. In der Ankündigung, die in allen Klassen verlesen wurde, hieß es: „N e g e r n u n d J u d e n ist die Teilnahme, untersagt." Der Lehrer gibt Anordnungen zum Fest, die ganze Klasse kommt dort und dort zusammen. Mein Kind meldet sich: ,Soll ich auch kommen, Herr Lehrer, ich bin nämlich Jüdin?' In der Klasse bricht ein johlendes Gelächter aus, in das auch der Lehrermiteinstimm t. Mehr ist nicht passiert. Aber es kann für ein ganzes Leben ausreichen." * Im „Weltkampf", Organ des Alfred Rosenberg, Reichsschulungsleiter der N. S. D. A. F., schreibt ein Dr. Walter Scharrer in einem Artikel „Juden ge gn er s ch af t und Schulen": „Der Bemerkungen Das Staunen über den Rückgang Die von den Juden bevorzugten österreichischen Kurorte und Sommerfrischen haben einen Frequenzrückgang zu verzeichnen. Kürzlich reproduzierten wir eine diesbezügliche Betrachtung einer österreichischen Fachzeitschrift, die eine bemerkenswerte Feststellung machte. Diese Zeitschrift, „Da* sioderne Hotel", führte nämlich den Rückgang auf die Ausschaltung der Juden aus dem Wirtschaftsleben, das heißt, auf die fortschreitende Verarmung der östei-elchischen Judenschaft zurück. Dieses Motiv ist jedenfalls unbezweifelbar. Es geht den jüdischen Aerzten, Rechtsanwälten, Kaufleuten und Angestellten sehr schlecht. Von den Stellen des öffentlichen Lebens, der Staats- und Städteverwaltung, der Staats- und Städtebelieferung sind die Juden sogutwle ausgeschlossen, und der enge Wirtschaftsraum bietet bei fort- Junglehrer zieht mit Feuereifer frisch vom Leder und nennt die Dinge beim richtigen Namen. Zitiert den Talmud, erörtert die Geschichte der Erzväter, streicht bei allen sich bietenden Gelegenheiten die Verbrecherrolle des Juden in der Geschichte und Politik hervor, hängt „Stürme r"- Bilder aus, kämpft gegen das Märchen vom sogenannten „anständigen Juden" an, pflanzt allenthalben Haß und Verachtung für den fremdrassigen Schmarotzer in die Kinderseelen. . . . Der jüdische Schüler wird so in die Rolle des vollkommen überflüssigen Gastes gedrängt. Ausgeschlossen von allen Höhepunkten des Schullebens, Landheim, Wanderfahrt, Theater, Film, Gemeinschaftsempfang, Schulfeiern, sieht er sich auch im täglichen Leben durch eine unüberschreitbare Schranke von allen arischen Kameraden geschieden, er merkt, daß er überhaupt nicht mehr im Unterricht zählt und vorhanden ist. Der Lehrer kann jetzt ohne Scheu und ungeschminkt alles Notwendige erörtern, ja selbst, wo er nur andeutet, trifft sein Blick nicht mehr entschuldigend das Judenk i n d, sondern er liest in den Augen seiner deutschen Schüler Zustimmung und Begeisterung, auch ohne daß es vieler Worte bedarf. Es ist großartig, wie gerade der kleine Pimpf (Hitler-Jugend) hier viel sicherer und taktvollerdas einzig richtige Verhältnis herausfühlt, als viele verbildete Erwachsene." Hipieffrt lefcenfce&ertaeiige bc§ menfäjücbm Störys. ©d)Icd)tc 3cu}iitoerijeuge fcebeuten fd)Ied)te Slauarbeit tmb fü^vcit $u embfmblidjcn ©tönrnflcit bei natürlidjcit gmiltioncn beS Organismus. 3at;npflcfje tft bafjcr ©tenft an ber Öcfunbfictt. Söemujen ©te aber ftetö Gfitorobont, bie fcerrltd) erfrifdjcnbe ^feffermtna^arjubafte. £uöe (fdjäumcnb ober ntcfitfd)äumenb) S —-90. Uitb karten ©te al§ roiä)ttg[te§ ©ebot ber 3afcnbflegc: JU^ Morgens ate Erstes, abends als Letztes ■ schreitender, ungehinderter Boykottpröpaganda seitens der antisemitischen Elemente aller Couleurs nur geringe Existenzmöglichkeiten. Daneben gibt es noch ein psychologisches Motiv für das Fernbleiben der Juden von zahlreichen Kurorten und Sommerfrischen: es ist dies das hemmungslose Auftreten hakenkreuzlerischer Elemente, die dem Ruhe suchenden Großstädter den Aufenthalt vergällen, zumal er auf Schritt und Tritt Gefahr läuft, angerempelt zu werden. Hiebei läßt sich konstatieren, daß diejenigen Faktoren, die für die Prosperität der betreffenden Orte zu sorgen hätten, sich gar nicht die Mühe nehmen, die nazistische Atmosphäre zu reinigen. Bei aller Anhänglichkeit für die schöne Natur und heilwirkende Kraft der einzelnen Kurorte wird der jüdische Kurgast sich veranlaßt fühlen, sein schwer verdientes Geld für seine Gesundheit dort anzulegen, wo er als Mensch und Gast in gleicher Weise geschätzt wird. ALLE SCHULBUCHER richtige Auflagen, für antiquafische allerbilllgate Preise! Größte Auswahl! Spesenfreie Zusendung. Verzeichnisse umsonst — Zeit spart, wer kauft im Schulbücher-Antiquariat Hermann Tuchner, Wien II. ecke Taborsfrane 32, Telephon R*41-4-20 Die österreichischen Kurorte westlich von Wien laufen Gefahr, „judenrein" zu werden, also einen Zustand zu ereichen, der dem Nazismus als Ideal vorschwebt, natürlich solange er nicht auf Kosten ihrer Tasche zustande kommt. Aber wie dem auch sei — wenn die Herren Hoteliers und Caf6tiers und Kurdirektionen über den Frequenzrückgang in den österreichischen Kurorten Klage führen, sollen sie sich daran erinnern, daß sie durch die Duldung der antijüdischen Nazihetze diesen Rückgang mitverschuldet haben. (Selbe ludrnbänke In Deutschland wird bei jeder Gelegenheit der Kontrast zwischen dem „heroischen, heidnischen, herrlichen Menschen": dem „Nationalsozialisten", und dessen Gegenteil: dem „Juden" dargestellt. Der Jude wird mit so viel Lärm und in solcher Weise geschildert, daß 65 Millionen Deutsche und die übrige „arische" Welt ihn ansehen und entsetzt sein sollen: der Jud! In hakenkreuzlerischer Manier zeigt sich da ein Januskopf, ein Doppelgesicht, das heißt, der Jude ist beides: Bolschewik und Kapitalist, Streikender und Streikbrecher, das Volk auspressend und es gegen die Auspressung aufwiegelnd, Kriegshetzer und Pazifist, Kriegsschiff und Unterseeboot,, das das Kriegsschiff torpediert, konservativ und revolutionär, Hammer und Amboß ... Man soll ihn erkennen, den Juden; mit Fingern auf ihn zeigen können; ihn seine Existenz als den ins Ghetto Zurückgeworfenen fühlen lassen. Die Aufschriften „Arisches Geschäft" oder „Juden Eintritt verboten" waren harmlose Vorzeichen eines härteren Markierens. Nach Anordnung des Berliner Oberbürgermeisters dürfen nunmehr die in Berlin weilenden Juden nur die für sie bestimmten Bänke auf dem Kurfürstendamm benützen. Nicht rote, nicht schwarze, nicht braune, sondern — gelbe Bänke in historischer Anlehnung an den gelben Fleck. Hier ist, wie in ähnlichen Fällen, nicht bloß eine Trennung, sondern vor allem eine Diffamierung beabsichtigt. Man konnte da und dort lesen, daß die Juden in Berlin der höflichen Einladung, auf den gelben Bänken Platz zu nehmen, nicht Folge leisten werden, so daß diese jüngste Heldentat des Hakenkreuzes wirkungslos bleibt. Die Juden werden, konnte man da und dort hören, diesem schändlichen Ghetto-Akt nicht zum Sieg verhelfen. Es gibt aber auch hier eine entgegengesetzt© Auffassung. Mit deutlichem Hinweis auf das geflügelte Wort: „Tragt ihn mit Stolz, den gelben Fleck!" könnte man der Parole dienen: „Besetzt sie mit Stolz, die gelbe Bank!" Vielleicht werden sich der um Deutschland so .sehr besorgte jüdische Lord Herbert Samuel und die jüdischen Transfer-Propagatoren, wenn sie zum Besuch Hitlers gelegentlich nach Berlin kommen, zu ihnen auf die gelben Bänke setzen ... Movd auS EeleM des Mufti Aus Jerusalem: Unter der Ueberschrift „S i e mordennchPlan" weist die englisch-palästinensische Tageszeitung „P a 1 c s t i n e Post" darauf hin, daß sämtliche bekannten arabischen Persönlichkeiten, die während der letzten Monate ermordet wurden, ein und derselben politischen Gruppe angehörten — nämlich der Opposition gegen den Muf ti in Jerusalem. Das Blatt gibt eine eindrucksvolle Liste aller Ermordeten und erklärt, hier könne man nur einen Schluß ziehen: daß diese Morde nach einem System ausgeführt wurden, das mit totsicherer Präzision arbeite. Die äußeren Umstände der Ermordungen in der letzten iZeit erinnerten auf eine bedenkliche Art an das System der römischen Proskriptionslisten. Das Blatt fordert, daß die Regierung das Uebel erbarmungslos ausrotte, sonst würde auch weiterhin auf allen gemäßigten Elementen Furcht und Schrecken lasten. * Jerusalem, 17. September. In der Nähe von Dschenin wurde gestern nachts ein führendes Mitglied der Nashashibi-Partei (Anti-Mufti-Partei), Abdul Barkawi, angeschossen und schwer verwundet. Jerusalem, 19. September. Der vor zwei Tagen in Jenin angeschossene Abdul Barkawi erlag heute seinen Verletzungen. Vor dem Tode erklärte er, daß Anhänger des Mufti von Jerusalem auf ihn wegen seiner oppositionellen Einstellung geschossen hätten. Schulbücher für Volks-, Haupt- und Mittelschulen, neue und antiquarische, in der Buchhandlung M. Rath, II., Taborstraße 20 A. Viele Unreinheiten der Gesichtshaut, wie rötliche Flecken, Finnenausschlag, Eiterblässhen usw., die von ungenügender Darmtätigkeit und unreinem Blut herrühren, verschwinden nach öfterem Gebrauch den natürliehen „Franx-.TQaer'-BUtcrwaaaers. Es wird ärztlich bestens empfohlen. ej