Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 689 (24.9.1937)
- Date
- 1937-09-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2711613-2712245-2712314--6736-2720527- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seit* 4 DIE NJ5ÜE WELT Nr. 689 vom 24. September IGST —..... ., i —miaj Hausu. Küchengerät« Glas- und Porzellanwaren, Edelkeramlk, Bleikristalle. Komplette Ausstattungen In bester Qualität Samuel Zuckermann Wien II, Im Ward 1, Telephon A-41-8-45 kfa&keksfüe$d (Aus dem Werk „Masaryk erzählt sein Leben". Gespräch mit Karei öapek.) Welchen Einfluß hatten und haben die beiden kleinen Nationen, die Griechen und die Juden, auf die ganse Kulturmenschheit! Die Griechen schenkten uns Kunst, Philosophie, Wissenschaft,, Politik; die Juden Theologie und Religion. Vor ihnen gab es zwar die Aegypter, die Babylonier, aber gerade ihre Kultur war es, die die Antike aufnahm und verarbeitete. Wir leben noch heute von der Antike und dem Judentum, ganz Europa lebt von ihnen; wir wissen es kaum mehr, aber die Antike steht in allem. Der amerikanischen Zivilisation merkt man an, daß sie nicht der Antike entstammt, sie enthält ein neues Element: das Pioniertum, den praktischen Optimismus. Darum können wir von den Amerikanern lernen und sie von uns. * Selbständig sein, auf eich gestellt und selbstgenügsfm, das bedeutet eben, daß man vom andern nicht verlangt, was man für sich selbst tun kann und soll. Es gibt nicht nur Hausbettelei, sondern auch moralische Bettelei. Ich habe immer gewollt, daß jeder über sich selbst Herr sei. Das gilt politisch, sozial, moralisch. Herr über sich selbst sein: das umfaßt die Freiheit und die Zucht. * ich habe lange genug gelebt, um sagen zu können: Ich vertraue auf die Zukunft, auf die Entwicklung und den Fortschritt. Ich möchte sehen, wie das Leben in hundert Jahren ausschauen wird. * Michhinderte immer eine gewisse Scham, Worte wie „Vaterland" und „Volk" auszusprechen. Ich preise mich nicht als Patrioten an, ich schreie nicht, der andere sex' ein Landesverräter; iöh muß geduldig beweisen, daß sein Weg aus den und den Gründen verfehlt sei. An großen Schlagworten können Menschen sich berauschen, nicht aber durch sie arbeiten lernen. Wir haben uns von einer despotischen Herrschaft befreit, nun müssen wir uns noch von großen und despotischen Worten befreien. ' ■■ - * Auch in der Politik geht es um das Gleichgewicht zwischen Verstand und Gefühl. Selbst wenn es sich um noch so aufregende politische Sensationen handelt, muß man beobachten und kombinieren, wie und was und womit zu rechnen ist, das muß so genau sein wie Mathematik; das Gefühl darf in der Beobachtung und Abschätzung nicht irren. Aber das Ziel, das Ideal wird nicht vom Verstand aufgestellt, sondern vom Gefühl. Die Mittel hat der Verstand zu bestimmen, aber je nach dem Ziel kann man sein Verhalten ändern,- etwas Neues, etwas Eigenes hineinlegen. Das ist schöpferisch, das ist Lebens- Lebenspoesie. * Der Mensch hält viel aus, alles, wenn er ein Ziel hat und wenn er sich einmal entschlossen hat, ihm um jeden Preis und allen Ernstes nachzugehen. Wahrhaftigkeit — das ist das Geheimnis der Welt und des Lebens, das ist religiöse und moralische Heiligkeit. Pensionat für jüdische Mädchen in Wien Für das Schuljahr 1937/38 werden jüdische Mädchen aufgenommen. Nachhilfe in allen Fächern, Sprachen- und Musikunterricht wird gewährleistet. Liebevolle Behandlung, Familienanschluß, erstklassige, rituelle Kost, mäßlgo Preise, beste Referenzen. — Jüdisches Mädchenpensionat, Wien, II., Lassingleithnerplatz 2/13 (R.Feder). Referenzen: Rechtsanwalt Dr. Feder. SdiofanBiasen — sechs Mo - ate> Gefängnis Aus Jerusalem: Der Betari Arjeh Katisch e r, der wegen Schofar-Blasens an der Klagemauer am Ausgang des Jörn Kippur verhaftet wurde, ist auf Grund einer im Zusammenhang mit den Unruhen im Jahre 1929 erlassenen Verordnung zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. Vor Gericht erschien Katscher in einen Gebetmantel gehüllt ohne Verteidiger. Der öffentliche Ankläger führte in seinem Plädoyer aus, daß die Unruhen 1929 das Resultat gerade solcher Gesetzesbeugungen gewesen seien. Das Gericht schloß sich den Ausführungen des öffentlichen Anklägers an. Katscher, der vor Urteilsverkündung noch das Wort erhielt, sagte lediglich, er wolle wissen, weshalb die Regierung nicht die Araber wegen Entweihung der Klagemauer bestrafe. * Mehr als hundert Morde wurden im letzten Jahre in Palästina an Juden verübt. Kein einziger Fall wurde gerichtlich gesühnt. Schof arblasen scheint in Palästina riskanter zu sein als Mord. Einiges über sogenannte //Zionistische" Minister Von Dr. H. Rosenblum (Tel-Aviv) Jeder Mann hat seinen guten und seinen schlechten Ruf. Das bezieht sich insbesondere auf Politiker. Als Beispiel dafür kann Herr Ormsby-Gore, der britische Kolonialminister, dienen. Das Beispiel gehört zu den belehrendsten Beispielen seiner Art. Juden und Nichtjuden ist seit langem bekannt, daß Herr Ormsby-Gore begeisterter Schüler von Achad-Haam, alter Zionist und Judenfreund ist. Es geht von Mund zu Mund, daß seine Londoner Privatbibliothek alle zionistischen Ausgaben, die im Laufe der letzten vierzig Jahre auf dem Büchermarkte erschienen sind, enthält. Es ist auch bekannt, daß vor ungefähr neunzehn Jahren Herr Ormsby-Gore eine zionistisch-politische Mission in Palästina zu erfüllen hatte, die er unter der geistigen Führung von Doktor Weizmann erledigte. Diese und ähnliche Gerüchte kitzeln die Nerven der einen zur Zufriedenheit, der anderen zur Unzufriedenheit. Aber was auch immer geschehen mag, die, traditionelle Ueberzeugung, Ormsby-Gore sei „unser" oder, wie es die Nichtjuden ausdrücken, „Ormsby-Gore ist euer", ist nicht mehr aus der Welt zu schaffen. Es ist nicht meine Gewohnheit, jemandes Namen herunterzureißen, besonders einen guten Namen und ganz besonders den zionistischen Namen von Herrn Ormsby-Gore. Ich frage mich nur, ob nicht gerade der zionistische Namen dieses Herrn es ist, der ihn von jeder Aktivität für den Zionismus fernhält? Bei langwierigen Darmkatarrhen, Geschwülsten der Dickdarmwand, Erkrankungen des Enddarmes ist ein Glas natürliches „Franz-Joscf'-Bitterwasser, morgens auf nüchternen Magen genommen, ein äußerst wohltuendes Abführmittel. Aerztlich empfohlen. Ich fürchte, es ist wirklich so. Was Herrn Herbert Samuel immer verhinderte, sein Judentum zu sehr in den Vordergrund zu rücken, hinderte Herrn O r m s b y - Gore, seinen Zionismus zu sehr zu unterstreichen. ,Im Augenblick als Herbert S ä m u e I zum Oberkommissar Palästinas eingesetzt würdet war, eV als „Jude", und sogar als „warmer Jude" derart bekannt, daß er sich genötigt sah, seinen jüdischen Ruf etwas abzubauen und die nicht-jüdische Seite seines' Wesens, mehr ins Licht zu rücken. Als Ormsby-Gore zum Kolonialminister eingesetzt wurde, war er als „Zionist" und sogar als „warmer Zionist" derart bekannt, daß er sich genötigt sah, seinen zionistischen Ruf etwas abzubauen und die. nicht-zionistische Seite seines Wesens, mehr ins Licht zu rücken. Nur unter der Herrschaft eines so prominenten Zionistenfreundes konnte sich das vorjährige Blutbad in Palästina ganze sechs Monate hinziehen. Und nur in der Amtsperiode dieses Judenfreundes konnte das englische Kabinett, in so auffallender Eile den für den Zionismus ruinösen Peel-Plan bestätigen. Denn Ormsby-Gore ist nicht nur Minister, dessen Aufgabe es ist, zu herrschen, sondern auch ein Politiker, der des Zionismus verdächtigt und folglich verpflichtet ist, fortwährend Beweise seiner Unschuld zu erbringen. Und auf der Suche nach eben diesen „Beweisen" gerät er auf den Holzweg. Ich hörte einmal aus dem Munde des verstorbenen Leo Motzkin, daß er seinerzeit alle Kräfte aufgeboten habe, um die Einsetzung eines Juden zum ersten" palästinensischen Oberkommissar zu verhindern. Das legt für den gesunden politischen Instinkt Motzkins Zeugnis ab, und ich bin überzeugt, daß, falls es bei Motzkin gelegen, er zweifelsohne alles darangesetzt hätte, um die Einsetzung eines Judenfreundes und Besitzers einer zionistischen Bibliothek zum britischen Kolonialminister zu verhindern. . . . Es dürfte den Leser interessieren, was die Engländer selbst über einen Mann vom Schlage Ormsby-Gores denken. Die englische Presse bringt hierüber fortwährend pikante Einzelheiten, die auf die politische Karriere des britischen Kolonialministers ein sonderbares Licht werfen. Die Zeitungen kommentieren das veröffentlichte Geheimdokument .über! das Gespräch Ormsby-Gore- Dr. Weizmann als eine, moralische Blamage für den Kolonialminister. Die meisten Zeitungen fügen jedoch gleich hinzu, daß sie überzeugt seien, Ormsby- Gore werde aus dieser Blamage mit heiler Haut davonkommen, denn er hätte auf diesem Gebiete große Erfahrung — es sei keineswegs die erste politische Blamage im Laufe seiner staatsmännischen Karriere. Als das britische Kabinett seinerzeit über den Locarno-Vertrag verhandelte, erklärte . Ormsby-Gore in einer öffentlichen Versammlung zu Manchester in seiner Eigenschaft als Regierüngamltglied, die „wahre Bedeutung des Locarno-Vertrages liege in der Vereinigung der Hauptmächte Europas gegen Sowjetrußland". Diese Erklärung rief einen Sturm sowohl in Moskau als im britischen Parlament hervor. Ormsby-Gore verteidigte sich damit, daß er sagte, die Redesei eine Improvisation gewesen, d. h. er hätte seinen Gedanken in einer viel vernünftigeren Weise Ausdruck geben können, wenn er nur genügend Zeit hiezu gehabt hätte. ... Eine zweite Blamage heimste er im Jahre 1928 ein. Als stellvertretender Kolonialminister besuchte er damal Malaiisch-Indien. Und da geschah es, daß an einem zu seinen Ehren von den Chinesen veranstalteten Empfang Herr Ormsby-Gore sich gegen ein lokales Blatt, das ihn tags zuvQr angegriffen hatte, derart erhitzte, daß er es „dieses echte Chineserblättchen" nannte ... Es erübrigt sich, hinzuzufügen, welchen Eindruck diese Worte gerade auf die chinesischen Gastgeber und Gäste des Abends machten. Die englischen Blätter und insbesondere das lokale „Malay Mail" betonten, Ormsby-Gore sei offenkundig jedes „sense of humour" und „sense of Proportion" bar. Eine weitere Blamage zog er sich am 21. August 1931 bei der Gründung der gegenwärtigen britischen Nationalregierung zu. Ormsby-Gore widersetzte sich der Idee einer nationalen Regierung, und zwar sehr heftig: „Stoßen Sie jeden Gedanken einer nationalen Koalitionsregierung ab!" — rief er einer Versammlung zu. Und neun Tage später, am 30. August 1931, nahm er das Amt eines Postministers in der Nationalen Koalitionsregierung freudestrahlend an. . . . Am Schlüsse der ersten Jahresperiode der Nationalen Koalitionsregierung bekleidete Ormsby- Gore den Posten eines Hauptkommissars für Arbeitsangelegenheiten. Sein erster Schritt in diesem Amt war der, daß er nach Staford ging und dort öffentlich erklärte, eine schwere Krise nahe heran. . . . Ramsay Macdonald, der damals Premierminister war, lud daraufhin Ormsby-Gore in sein Privatzimmer und erklärte am nächsten Tage seinen Freunden, er habe dem Hauptkommissarfür Arbeitsangelegenheiten ordentlich den Kopf gewaschen. Mr. Peter Howard, einer der bestinformierteh Journalisten Londons, der diese Einzelheiten bekanntgibt, rollt eine interessante Frage auf: Wie konnte es passieren, daß ein Mann wie Ormsby-Gore, der sich zweimal wöchentlich Blamagen zuzuziehen versteht, nicht von der politischen Bühw^ verschwindet? Die Antwort, welche Herr P. Howaro; erteilt, ist im hohen Maße überzeugend: Herr Ormsby-Oore besitze ein kostbares Vermögen, und das ist seine Frau. Er hat in das Haus C e c i 1 eingeheiratet und „im öffentlichen Leben Englands bedeute ein Heiratszeugnis, an dem ein Cecil-Sprößling beteiligt sei, einen Passierschein in die Regierungsräume". Herr Howard fügt dem hinzu, daß die Cecils keineswegs die einzigen sind, die solche Passierscheine liefern. Auch die Guinness, die Stuarts usw. gehören zu jenen Familien, in welche verunglückte Politiker sehr gerne einheiraten. Ich glaube, daß der Zionismus an der Politik des gegenwärtigen Kolonialministers nie seine Freude haben wird. Ein Mann, der soviel Mühe daranwendet, die arabische und christliche Welt an seinen Nicht¬ Zionismus glaubenzumachen, und der um seine politische Stellung so hart zu kämpfen hat, dürfte kaum für Rücksichtnahme auf zionistische Forderungen Zeit finden. Kaufet Schulbucher neu und antiquarisch in der Bücherstube Rath&Co. Wien II, Taborstr. 20 a / Telephon R-45-305 Ankuuf und Umtausch antiquarischer BUchor zu höchsten Preisen I Moderne Leihbibliothek / Alle Neuerscheinungen Monatsgebuhr s 3.10, keine Bandaebühr, täglich Umtausch, od. Monutsgeblihr S 1.60 u. 10 Groschen Bandgebtthr Modernes Sortiment und Antiquariat Judaiea und Hebraica Ein Denkmal Aus Nürnberg: Die neue Monumentalbrücke über die Pegnitz In Nürnberg erhielt den Namen „Wilhe Im-Gustl off-'Brücke". Ein acht Meter hoher Obelisk in der Mitte der Brücke trägt ein Relief» blld Gustloffs mit der Ueberschrlft: „Wilhelm Gustloff — von einem Juden ermordet." Julius Streicher weihte die Brücke ein. Wir verweisen unsere Leser auf das Inserat der Maturaschule „Universum", IX., Garnisongasse 3, in unserer heutigen Nummer und empfehlen dieses bekannte Institut unseren Lesern auf das wärmste. Unsere Leser werden auf die Buchhandlung Hermann Tuchner (siehe Inserat) besonders aufmerksam gemacht, wo für alle Lehranstalten sämtliche Schulbücher (auch antiquarisch) zu ermäßigten Preisen erhältlich sind. Leihbibliothek eröffnet. 10 Groschen täglich. Keine Nebengebühren. Für Anfragen Telephon Nr. R-41-4-20, %