Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 688 (14.9.1937)
- Date
- 1937-09-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 688 vom 14. September 1937 Paläitma* Orchester und jüdische Musik Von Professor S. O. Braslavsky (Boston, U. S. A.) Der auch durch seine Tätigkeit in Wien bekannte Orchester- und Chordirigent, der jetzt im Musikleben Amerikas eine hervorragende Rolle spielt, nimmt in einem Briefe an den Herausgeber zu einem Artikel in der „Neuen Welt" Stellung. Sehr geehrter Herr Stricker! Gestatten Sie mir, daß ich zu dem in Ihrer Zeitschrift „Neue Welt*« erschienen Artikel „Das Palästina-Orchester boykottiert jüdische M u 3 i k" Stellung nehme. Ich halte es für nicht gut, ein neues Orchester schon nach der ersten Saison seiner Tätigkeit so scharf zu kritisieren, besonders in seiner Beziehung-zur jüdischen Musik. Jedes neue Orchester, sei es auch aus allerbesten Kräften zusammengesetzt, braucht Zeit, um sich ordentlich einzuspielen und den Geschmack seiner Zuhörer kennenzulernen. Das dauert gewöhnlich ein bis zwei Jahre. Während dieser Zeit muß die Zusammenstellung der Programme ganz der Intelligenz und Erfahrung des Dirigenten überlassen bleiben. Ich gebe zu, daß ein jüdisches Orchester, besonders eines in Palästina, die Förderung jüdischer Musik und Komponisten an erste Stelle zu setzen hat. Man muß aber auch die Umstände, die Möglichkeiten für jüdische Konzertprogramme in Erwägung ziehen. Einige Fragen: 1. Wie ist es derzeit um die jüdische Musik und die jüdischen Komponisten bestellt? Die bei Ihnen genannten Komponisten sind bekannte Musiker, manche — ich möchte keinesfalls alle in einen Topf werfen — genießen Weltruf. Haben aber all diese Komponisten auch gute, genügend gute Orchestermusik geschrieben, um abendfüllende Programme jüdischer Musik bringen zu können? Nicht alle guten Komponisten können gute Orchestermusik schreiben und nicht jede gute Orchestermusik eines Juden paßt für das Palästina- Orchester und -Publikum. Die Gurre-Lieder von Schönberg sind zum Beispiel bestimmt gute Chor- und Orchestermusik, deren Vortrag in jedem anderen Konzertsaal eine Selbstverständlichkeit wäre. In Palästina jedoch, wo Ost und West zusammenleben, und dazu noch im ersten Konzertjahr des Orchesters, wäre es nicht ratsam, da die Hälfte des Publukums diese recht schöne Musik — weil zu modern — gar nicht verstehen könnte. Andererseits gibt es eine Monge Komponisten, di.e durch Sonaten, Chöre. Lieder usw. Weltruf erlangten* ohne je eine nennenswerte1'Orchestermusik komponiert zu haben. Kennen Sie viele Symphonien von Wagner? Oder Opern von Brahms? Um bei Juden zu bleiben. Kennen Sie viele Symphonien von Meyerbeer oder Weprik oder Achron? Mit der Ausnahme der Werke von Bloch, die ohnedies in Palästina aufgeführt werden, scheint mir eine große Auswahl jüdischer Komponisten guter Orchestermusik nicht gegeben. Woher also die gute jüdische Musik, die für das Palästina-Orchester und -Publikum passen würde, nehmen? Es geht doch nicht an, daß ein erstrangiges Orchester, wie das palästinensische, durch Aufführung; irgendwelcher „Jüdischen Phantasie" sich Ruf und Prestige untergräbt. Ich habe leider selbst in dieser Hinsicht recht bittere Erfahrungen" hinter mir. Das Konzertpublikum ist in der ersten Saison noch nicht reif genug, um viel Schönberg, Weprik, Milhaud usw. verdauen zu können, während Symphonien von Beethoven, Brahms und Mozart beinahe jedem Publikum zugänglich sind. Zuerst kommen die Klassiker, dann die Moderne und Nationalen daran. Das gilt für die Welt, also auch für Palästina. 2. Wer soll denn die Initiative für jüdische Musik ergreifen? Der Dirigent. Wer sonst? Sind die derzeitigen Dirigenten des Palästina-Orchesters — Toscanini ausgenommen —, obwohl Juden von Geburt, auch imstande, spezifisch jüdische und hebräische Musik richtig zu verstehen, ohne zuerst den palästinensischen Geist, die Sprache und Menschen zu kennen? Die derzeitigen Dirigenten sind alle international bekannte Musiker, die hebräischen Musiker aber sind keine Dirigenten. Das Publikum zahlt und will die Konzerte verstehen, keinesfalls mit Experimenten einer neuen Musik geplagt werden. Was tun? Hier die Antwort: Die gute jüdische Orchestermusik für Palästina ist noch nicht da, sie muß erst geschaffen werden. Geduld, meine Herren! 3. Wie Ihnen bekannt sein dürfte, war ich einer der ersten, welcher Psalmen in Originalsprache für Solo, Orchester und Orgel in klassischem Stil, jedoch mit Verwendung traditioneller Melodien vertonte. Da ich Berufsdirigent und zugleich Hebräer bin, wollte ich die für Palästina gedachten und geschaffenen Werke dortselbst aufführen. Ich schrieb daher vor einigen Jahren einem Freund und Landsmann in Palästina, welcher dort eine prominente Stelle innehat, und bat um paar Konzerte. Ich wollte den Reinertrag in Palästina lassen. Mir glnp: es keinesfalls um das Geld, sondern darum, richtige Musik an richtiger Stelle und vor richtigem Publikum aufzuführen. Die Antwort: Spesen und Risiko sind zu groß. Ja, wenn die Herren gar keine Spesen machen wollen, um jüdische Musik ins Land zu bringen, wenn die Herren in Palästina einem jüdischen Musiker, der sein ganzes Leben an jüdische Musik, dachte, keine Gelegenheit geben wollen, jüdische Musik ejaem Publikum zu bringen, welches jüdische Musik hören will und hören soll, mit welchem Recht Kritik und Anklage? Auf diese Frage weiß ich leider keine Antwort! Mitgliederzahl der Palästina-Orchestervereinigung verdoppelt Aus Tel-Aviv: 950 neue Mitglieder mit einem Mindestbeitrag von einem Pfund sind zu Beginn der neuen Saison in T e 1 - A v i v der Palästina-Orchestervereinigung beigetreten. Am Ende der verganenen Saison zählte die Vereinigung in Tel-Aviv 1000 Mitglieder. In Haifa ist die Mitgliederzahl von 450 liuf 550, in Jerusalem von 450 auf 500 gestiegen. Es wird erwartet, daß Toscanini Anfang November in Palästina eintrifft. Bei dem Eröffnungskonzert, das am 21. Oktober in Tel-Aviv stattfindet, wird Hubermann als Solist mitwirken. In den drei großen Städten werden in diesem Jahr besondere Arbeitergruppen organisiert. Man erwartet, daß die Mitgliederzahl der Orchestervereinigung sich bis zum Eröffnungskonzert verdreifacht haben wird. Die Kalenderreform zurückgestellt Eine Kommission des Völkerbundes hatte sich in der vergangenen Woche mit der Reform des Kalenders beschäftigt. Der Reformplan ging vor allem dahin, die Schalttage abzuschaffen. Von jüdischer Seite wurde der Plan von allem Anfang an bekämpft, da er eine Verschiebung des Sabbats auf verschiedene Wochentage des bürgerlichen Kalenders zur Folge gehabt hätte. Aus Genf wird berichtet: Die Kommission des Völkerbundes für Verkehr und Transit hat ihre XX. Tagung geschlossen. Die Frage der Kalenderreform ist von der Kommission im Hinblick auf die von religiöser Seite, insbesondere auch vom HeiligenStuhl, erhobenen Bedenken zurückgestellt worden. Es wird hierüber mitgeteilt: Die Kommission hat die von 32 Staaten dem Sekretariat eingesandten Antworten zur Frage der Vereinfachung des gregorianischen Kalenders und der Pest- 1 egun:g der beweglichen Feiertage zur Kenntnis genommen. Aus diesen Antworten geht hervor, -daß bei den befragten Regierungen annähernde Uebereinstimmung nicht besteht und auch;:nicht herbeigeführt Vierden wird. "; i . :K Es wurde auf die Tatsache hingewiesen, daß die Organe des Völkerbundes stets der^Ansicht waren, daß die Meinung der religiösevit&jfatsr i t ä t e n in Betracht gezogen werden soll. Die •meisten o r t h o d o k e n und protestantischen Kirchen iaaben bereits erklärt,; daß sie nicht gegen die Festlegung .der beweglichen •Fieiertage sind, aber daß dies nur unter Zustimmiihg'.'-^aller christlichen Kirchen geschehen solle. Nach Mitteilungen, die der Kommission von einigen ihrer Mitglieder gemacht wurden, hat der Heilige Stuhl, nachdem er bekanntgegeben hat, daß >r keinerlei Aenderungdes Datums der. beweglichen Feste zustimmen könne, in diesem Jahr eine festere Haltung angenommen und bei gewissen Regierungen Vorstellungen erhoben, wobei betont wurde: 1. daß die Festlegung der beweglichen Feiertage einen wesentlichen Bestandteil der Kalenderreform bilden soll, daß aber diese Festlegung einem Oekumenischen, Konzil unterbreitet werden soll; 2. daß, was die Refonn des gregorianischen Kalenders betrifft, die Einführung von Blankotagenzu einer Unterbrechung der -Kontinuität der Wochen führen würde, was mit jahrhundertealte r Ueberlieferung unvereinbar sei. Aus diesen Gründen glaubte die Kommission, daß fürden Augenblick keine Vorkehrungen zur Einberufung5 einer Konferenz für eine Reform getroffen werden sollen,, die anscheinend, keine Aussicht hat, angenommen zu werden, und daß infolgedessen diese Frage bis auf weiteres von ihrer Tagesordnung abgesetzt werden soll. luden lür Masaryk, Araber für Hiller Aus Prag: Die „Na rodni Politik a" untersucht die Einstellung der Presse verschiedener Staaten gegenüber der Tschechoslowakei. Sie berichtet unter anderem: „In. Palästina ist die gesamte jüdische Presse voller Sympathien für die Tschechoslowakei. Demgegenüber verhält sich aber die arabische Presse sehr reserviert. Am Geburtstag des Präsidenten-Befreiers lehnte es die arabische Presse ab, auch nur kurze Notizen zu bringen. Dafür bringen die arabischen Zeitungen über Hitler und das Dritte Reich täglich ganze Spalten voll Lob und Bewunderung. Die arabischen Zeitungen in Palästina brachten Tendenzmeldungen über Sowjetflugplätze bei uns, ebenso ein-'Teil, der ägyptischen Presse. Je weiter wir nach Osten kommen, um so schärfer ist die Propaganda gegen die demokratischen Staaten, denn Bagdad ist schon seit Jahren eine Zentralerer N a z i p r o p ä;g<a;n d a, die von' hier aus den ganzen Nahen Osten beeinflußt und tendenziös bearbeitet." Dandy putzt, färbt, näselt S PF ORTIGE ABHOLUNG: U-38-0*82 B-37-4-81 <M<«M»M»M»<M«MMMMMO««MMMMIMM<MMMM»< SIEGM. KORNHEHL OROSSFLEISCHHAUEREI Zentrale; IX., Berggasse 19. Tel. A-17-5-99 u. A-16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für i^j.Ftelsch ^^^^^^^^^^^m^m unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr. <t Kultusgemeiude Wien * Autozustellung kostenlos IX.. Barggasse 15 / XVIII., Währlngerstr. 97 j: ' ♦♦»•»♦♦♦»»»♦♦♦»»»♦♦♦♦♦»•»♦•♦♦♦♦♦♦♦♦♦»♦»»♦♦♦♦♦»♦»♦♦♦♦♦♦' i Theater Saisoneröffnung im Theater in der Josefstadt. Denya Amieis „Glück" schildert mit unnachahmlicher Delikatesse den Konflikt zwischen Mutter und Tochter. Er bringt die Probleme Liebe, Ehe, Verhältnis zwischen Eltern und Kindern mit ungewöhnlicher Zartheit und dichterischem Ernst. Dieser erste Abend der Josefstadt gehört der großen Schauspielerin Helene T h i m i g. Doch neben ihr packt die Debütantin Ilse Werner durch ihr jugendlichenthusiastisches, natürliches Spiel. Großartig Alfred Neugebauer, dem in wenigen Strichen vollkommenste Menschendarstel* lung gelingt. Das übrige Ensemble hervorragende „Josef« Stadt". Börserat Josef H. Waltuch und Frau I, Maria/TheresieivStraße 24 roita nwnn Oberkantor Gerson Margoties und Frau II, Tempelgasse 3 rrnto nöw föaziothfabrik Vortrefflich Wien, 2. Bez., Obere Augarfenstrafle Nr. 52 bedankt sich für die aus Bekannten- und Kundenkreisen zahlreich eingelangten herzlichsten Wünsche und entbietet allen herzlichst -j^j £ Filme der Woche (Nachdruck nur mit Genehmigung des Blattes.) 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