Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 688 (14.9.1937)
- Date
- 1937-09-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 688 vom 14. Septemtoer 1937 DÜJ NEUE WUtflP Seite 5 Unpopuläre Betrachtungen Von unserem palästinensischen Korrespondenten Dr. N. Vardi (Tel*Aviv), Die letzten Verhaftungen in Tel'Aviv, Jerusalem und Haifa' haben hierzulande eine allgemeine Entrüstung hervorgerufen. Diese Stimmung findet jo/doch in der hebräischen Presse gar keinen Widerhall, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil jeder ..Widerhall" von der Regierung unter Androhung von Saktionen verboten wurde. Deswegen spricht unsere Presse in diesen Tagen über jüdische Poesie im allgemeinen und über die originellen Feiertagsbräuche des Jahres 1850 im besonderen. Manche Blätter erscheinen mit weißen, von der Zensur verschluckten Seiten: unbedrucktes Papier scheint ihnen heutzutage geschmackvoller zu sein, als Auslassungen über das Zwitschern der Vögel und über die Bubersche Religionsphilosophie („Haaretz"). Die Polizei hat sich für Akko just solche Leute iausgesucht, die mit den politischen Ereignissen der letzten Tagen nicht das geringste zu tun haben. Die Leute wurden ausschließlich nach dem Prinzip der „parteipolitischen Sympathien" herausgegriffen, in der Ueberzeugung, daß, wer einer „extremistischen Richtung" angehört, wahrscheinlich auch ön den Ueberfällen der letzten Wochen beteiligt sein dürfte . . . Da aber die Verhafteten mit gar keinem Beschuldigungsmaterial belastet werden konnten, wurden sie ohne Gerichtsverfahren auf Grund der für die arabischenMörderbanden erlassenen (und niemals auf sie angewandten) Avsnahmsgesetze administrativ nach Akko verschickt. Damit hat die Regierung den Arabern, denen sie fortwährend ins Auge schaut, den Beweis geliefert, daß die arabischen Interessen von ihr aufs gewissenhafteste fcerücksicht werden. Und einen zweiten Beweis wollte ihnen die Regierung liefern: daß den Juden, mögen es Gruppen oder Individuen sein, jegliche Selbstverteidigung vor arabischen Angriffen strengstens untersagt sei und die Polizei derartige Verteidigungsversuche im Keime ersticken werde. Und das ist das Sonderbare an der ganzen Sache: Eine Regierung, die in Zeiten krassesten Blutvergießens die anerkannten und gefeierten Pogromführer vogelfrei herumlaufen ließ; die den Unterzeichnern des Manifests auf Verweigerung der Steuerleistung Liebe und Zärtlichkeit entgegengebracht hat; die den unerhörten Aufruf der 137 Regierungsbeamten vom Jahre 1936 mit . . . Dank und Anerkennung beantwortete; «die dem Befehlshaber der' bewaffneten arabischen Banden, Fauzi Kaukaji, einen liebenswürdigen und triumphalen Rückzug sicherte — dieselbe Regierung sperrt jetzt ungeniert und mit mustergültiger Härte Juden ein, die sie nicht einmal einem Gericht überliefern will! Weil es sich dort um Araber und. hier um Juden handelt, denen die Regierung Seiner Majestät bekanntlich versprochen hatte, „alles in ihren Kräften Liegende" zur Wiederherstellung des jüdischen Nationalheims zu tun. Aus einem Gespräch, das eine hervorragende Tel-Aviver jüdische Persönlichkeit mit dem Jaffaer Gouverneur vorige Woche gehabt hat, geht klar hervor, daß die nunmehr in Szene gesetzte Iudenhatz keinen kriminellen, sondern rein politischen Motiven entspringt. Die Regierung, so führte der Gouverneur aus, beabsichtige, demnächst eine hebräische Zeitung zu kassieren, habe aber noch nicht entschieden, welche Zeitung das sein soll. So geht ss in Palästina zu; zuerst beschließt man, eine Zeitung zu verbieten, dann wählt man das Opfer (inzwischen ist die Wahl auf „Hajarden" gefallen) . . . Nun wird die Leser interessieren, zu erfahren, daß die Zahl der Enthusiasten des Peelschen „Judenstaates' hierzulande im steten Abnehmen begriffen ist. Angesichts der unzweideutigen Regierungspolitik süikt die Zahl derjenigen, die da glaubten, daß uns diese Regierung einem Juden Staat entgegenführen werde; daß uns diese politische Richtung die jüdische Weiterexistenz in Palästina erleichtern wolle; daß wir dieser Regierungsmaschine glauben müßten, wenn sie uns versichert, sie möchte den Juden durch Teilung des Landes einen Dienst erweisen und dem Zionismus zu der vollen Entfaltung seiner Kräfte verhelfen... Die Juden Palästinas beginnen zu begreifen, daß der provinziolistische „Enthusiasmus" Ben Guiions und die Verzichtslehre Dr. Weidmanns uns höchstens in die Akkqer Festung bringen können. Es ist bezeichnend, daß trotz der sechzehn Todesopfer der vergangenen Woche und der im Lande REISENDER PELZWAREN für österreichische Provinz und Wien gesucht. Zuschriften unter „Preiswerte Artikel" an die Adm. d. Bl« Eingeführter (Kommissionär) in konfektionierten herrschenden Spannung der Oberkommissär W a uc h o p e ohne jede Nervosität nach London abgereist ist. Auch Generai Dill soll nächste Woche das Land verlassen: er muß in Urlaub. Diesmal will die Administration offenkundig keine Ausbreitung der Unruhen, uhd da sie sie wirklich nicht will, braucht man sich vor ernsteren Unruhen nicht zu fürchten. Die Häupter der zivilen und militärischen Macht können ruhig verreisen — die Polizei wird diesmal für eventuelles Engreifen, entgegen der Erfahrung von 1936, keine Rüge erhalten..". Alles wird ordentlich verlaufen. Höchstens werden noch zehn bis fünfzehn Juden und Araber ums Leben kommen. Allzu große Unruhen braucht die Macht angesichts der Genfer Verhandlungen nicht: ein wenig — vielleicht, aber nicht mehr... ... Jüdisches Volk, wo bist du? Warum hört man deine Stimme weder in Europa noch in Amerika?! ~' Simönsbröt ~ nodj immer unerreicht al$ ®efuubfjeit$- unb Rroft» brot. Sfteid) an ben fo wichtigen 9lä^tfoijen. ©efir bequem: ©tmonSbrot*8d)nittenpäcfd)en in Stanniol. $rüc&ten&rot: Sluf&au* unb $)arm«$RegulQtor. 3" laben in ftemioftyattblünflftt unb in bieten ©ätftteieti. ^©imongbrotfobril gSten^Qgtan 55. $agl. jßoftperj.^ Die Hand des Mufti Aus Jerusalem wird berichtet: Ibrahim K h a 1 i 1, Schwager des Bürgermeisters von Haifa und erbitterter Gegner des Mufti, ist am Samstag von einem Araber erschossen worden. Der Mörder entkam. Das Begräbnis fand Sonntag unter riesiger Anteilnahme der arabischen Bevölkerung statt. Einer der reichsten arabischen Bürger von Haifa wurde von Arabern überfallen und schwer verletzt. Es handelt sich um einen Führer der Nashasbibi-Partei, welche die Mufti-Partei bekämpft. Im Christenviertel von Safed wurde die arg verstümmelte Leiche eines arabischen Händlers aufgefunden. Einige Tage früher hatten die Agenten der Mufti-Partei den Boykott gegen die Juden proklamiert. Der Ermordete aber hatte nachher, trotz der Warnungen der Terroristen, einem. Juden Rinder verkauft. In das Haus des Bruders des Bürgermeisters von Ramleh. drangen bewaffnete Agitatoren ein und forderten unter Drohungen Geld für „patriotische" Zwecke. Es entspann sich ein Feuergefecht. Der inzwischen herbeigeholten Polizei gelang es nur, die Angreifer zu vertreiben. Gefangen wurde keiner. ALLE SCHULBÜCHER richtige Auflagen, "für antiquarische allerbilligste , Preise J Größte Auswahl! Spesenfreie Zusendung. Verzeichnisse umsonst — Zeit spart, wer kauft im Schulbücher-Antiquariat Hermann Tuchner, Wien II. Ecke Taborstrafle 52, Telephon R-41-4-20 Die Panarabfcdie Konferenz in Syrien Aus Damaskus: In Anwesenheit von etwa 400 Delegierten wurde am 8. September die erste sogenannte panarabische Konferenz in B1 o u d a n bei Damaskus eröffnet. Bs nehmen hur wenige palästinensische Delegierte an ihr teil, da die französischen Behörden den maßgebenden arabisch-palästinensischen Führern kein Einreisevisum erteilt hatten. Auch ist kein bekannter akttyer arabischer Staatsmann zu den Beratungen gekommen. Nur der ehemalige Ministerpräsident des Irak, IJaji Pascha Esweedy, und ein früherer irakischer Minister sind anwesend. Der Konferenzsaal ist mit Flaggen und Emblemen aller arabisohen Staaten geschmückt; die Saalordnung versehen Abteilungen Eisenhemde n-Formationen. ■ Najl Pascha Esweedy bezeichnete den Zionism u8 und den jüdischen Staat als den Krebsschaden am Leib der arabischen Länder, der entfernt werden müsse. Er wies die Anklage, daß die Araber keinen Frieden wollen, zurück, bezeichnete die Politik des Westens als eine Politik der Gewalt und nicht des Rechtes und forderte alle Araber auf, drastische Maßnahmen zu orgreifen. Er betonte die rritisch-arabiache Freundschaft, erklärte jedooh, England dürfe in Zelten der Not nicht auf die arabische Hilfe rechnen, falls es nicht den Zionismus fallen lasse. Großbritannien müsse zwischen Juden und Arabern wählen. Wenn die britische Politik unverändert bleibe, müßse Arabien heue Bündinsse suchen, um sein Recht zu beschützen. Der Vizepräsident des Kongresses und frühere ägyptische Unterrichtsminister Mohammed Ali Pascha erklärte, Aegypten müsse als wichtigster arabischer Staat den palästinensischen Arabern zu Hilfe kommen und sie vor Unterdrückung und Ausrottuug be- ÄcWiUen» Kein Tag ohne Kaffee Trinken Sie Meinl-Kaffee! Der Metropolit von Hama (Syrien) forderte die Fortführung der Einigungsbestrebungen zwischen Christen und Mohammedanern in den arabischen Staaten. Die sogenannten christlichen Mächte, sagte er, wollten das Heilige Land jenen übergeben, die den Begründer des Christentums gekreuzigt hätten. Das werde nicht geschehen, solange es auf der Welt arabische Völker gebe. Das Palästina-Problem auf dem britischen Gewerkschaftskongreß Aua London (J. T. A.): Das Palästina-Problem ist bei der Eröffnung des Gewerkschaftskongresses in Norwich von dem Vorsitzenden Earnest Bovin in seiner Ansprache kurz gestreift worden. Bevin erklärte, er wolle sich zu dem Teilungspan nicht äußern. Von der Arbeiterbewegung aber müsse der Plan daraufhin geprüft werden, ob er zur endgültigen Beendigung der Nöte der jüdischen Rasse beitragen werde. Die Konservativen und das Palästina-Problem Am 7. und 8. Oktober wird in Scarborough der Parteitag der Konservativen Partei Englands stattfinden. Die J. T. A. erfährt von zuverlässiger Seite, daß auf ihm das Palästina- Problem erörtert werden wird. Es werden Winston Churchill und Lord Lloyd als Gegner der Teilung in der Aussprache das Wort ergreifen. Der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Lord. Düfferin and Ava, der seinerzeit in der Oberhausdebatte den Standpunkt der Regierung zu dem'Bericlit der Kgl. Kommission dargelegt hat, wird auf dem Parteitag wahrscheinlich als Sprecher der Regierung das Wort ergreifen. Die Araber in Holläiidisch-Iricfieh gegen Teilung Palästinas Aus Amsterdam (J. T, A.): Am Montag, den 6. September, fand inSoerabaja (Holländisch-Ostindien) eine Protestversammlung g c g en die geplante Teilung Palästinas statt, an der 10 0 0 Araber teilnahmen. Es wurde eine Protestresolution angenommen, die an die bi'itische Regierung, den Völkerbund, den Mufti von Jerusalem und den Kongreß in Bloudan abgeschickt wurde. Revisionistisches Büro unter Polizeiaufsicht Aua Tel-Aviv: Das Büro der Revisionistischen Partei in Tel-Aviv ist vorübergehend polizeilich geschlossen worden. Nach seiner WiederÖffnung wurde es unter polizeiliche Aufsicht gestellt. Ein Polizist hält sich ständig im Büro auf, um alle Vorgännge zu beobachten. GedenktafelsEnthiallung Im großen Gemeindetempel des zweiten Wiener Bezirkes fand die feierliche Enthüllung einer vöm Bund Jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs den gefallenen Offizieren und Soldaten des zweiten Wiener Gemeindebezirkes gewidmeten Gedenktafel statt. Unter den Ehrengästen befanden sich viele hohe Offiziere, ferner Generaloberstabsarzt Univ.-Prof. Dr. Pick, Bundeskulturrat Prof. Dr. Salomon Frankfurter, Rat der Stadt Wien Dr. Jakob Ehrlich, als Vertreter der Kultusgemeinde die Vizepräsidenten Dr. Josef Ticho und Oberbaurat Robert Stricker sowie Amtsdirektor Dr. Josef Löwenherz, ferner Vertreter jüdischer Organisationen. Nach einer Rede des Öberrabbiners Dr. Taglicht wurde die Enthüllung der künstlerisch ausgeführten Gedenktafel, die viele hunderte Namen gefallener jüdischer Frontsoldaten trägt, von Bundesführer Hauptmann Edler v. Friedmann vorgenommen, der bei dieser Gelegenheit u. a. folgendes ausführte: „Die gefallenen jüdischen Helden haben den Judengegnern den unwiderleglichen Beweis erbracht, daß alles Ueble, das den Juden nachgesagt wird, schmähliche Lüge ist und bleibt. Jüdische Helden, gefallen für ein gemeinsames Vaterland, sind, eine Mahnung an das Gewissen all jener, die bis heute eine menschliche Einstellung zu den Juden nicht gefunden haben." KNABEN-INSTITUT FACCHETTI TREVIGLIO (BEI MAILAND) Internat besonders geeignet für Ausländer (lo-i8Jhr.) Piaktischer und schneller Lehrgang der italienischen, deutschen, französischen und englischen Sprache. Alle Handelffächer. Handelsdiplom. Musik. Spotts. Schwimmbad mit gewärmtem Wasser uro eoo.- monatlich Illustrierte Prospekte in den obengenannten Sprachen und Anslaodsrefereiuen durch die Direktion