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Die neue Welt · 1937-09-10 · Heft 687 (10.9.1937) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 687 (10.9.1937)
Date
1937-09-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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687 vom 10. September 1937 mm - ...... r. .....■ DIE NEUE WELT Seite. 5 AntiseimteiuProzeß in Dänemark " Aus Kopenhagen: Am 31. August begann hier öer Prozeß gegen sechs der Verbreitung von Schmähschriften, Verleumdung und Verhöhnung der jüdischen Religionsgemeinschaft angeklagte dänische nazistische Literaten. Um der jüdischen. Gemeinde die Möglichkeit der Abwehr gegen die im Laufe der letzten Jahre unter Ausnutzung der Pressefreiheit immer zügelloser werdende nazistische Hetzpropaganda zu geben, hatte der dänische Justizminister Steineker dem alten dänischen Gesetz, das die Strafbarkeit einer Verhöhnung einer vom Staate anerkannten Religionsgemeinschaft vorsieht, neuerdings Geltung verliehen. Als erster Angeklagter stand Lemvigh- Müller vor Gericht, der beschuldigt wird, eine Broschüre „Die Moral der Juden" aus dem Deutschen übersetzt und herausgegeben zu haben, in welcher biblische und talmudische „Gesetze" zitiert werden, die den Juden angeblich Mord, Betrügereien, Wucher und sonstige schwere Verbrechen gegen Christen vorschreiben. Der Staatsanwalt Bach begründete in einem dreistündigen Plädoyer, gestützt auf das dem Gericht vorliegende Gutachten des Oberrabbiners Dr. Friediger, die Anklage. Er wies darauf hin, daß man, abgesehen von der Lügenhaftigkeit im Inhalte der Broschüre des Angeklagten, die Gesetze des Talmud für die heutige Zeit ebenso wenig als maßgebend betrachten kann, wie man die Raubzüge oder die blutigen Kämpfe des Mittelalters zur Beurteilung der Moral der heutigen Generation in Dänemark heranziehen darf. Die inkriminierte Broschüre stelle sowohl eine Beleidigung der einzelnen Juden wie auch der jüdischen Gemeinschaft dar. Der Staatsanwalt beantragte zwei Jahre Gefängnis für den Angeklagten. Der Verteidiger Pontoppidan führte aus, der Angeklagte habe aus ehrlicher Ueberzeugung heraus gehandelt. Er versuchte an Hand von Zitaten aus dem Jüdischen Lexikon, aus dem Philo-Lexikon, aus den Nachrichten der Jüdischen Telegraphen-Agentur und der „Jüdischen Rundschau" den Nachweis zu erbringen, daß nicht nur die Thora, sondern auch der Talmud für die Juden bindendes Gesetz sei. In seiner Replik stellte der Staatsanwalt fest, daß der Angeklagte keinen Wahrheitsbeweis für seine gegen die jüdische Gemeinschaft erhobenen Behauptungen habe erbringen können. Es sei unwahr, daß die Juden im Widerspruch zu den Gesetzen des Staates handeln, wie der Angeklagte und sein Verteidiger behauptet haben; es wäre sonst nicht möglich, daß in Dänemark eine seit der Verfassung von 1814 anerkannte jüdische Gemeinschaft besteht, ihre religiösen Bräuche pflegt, im öffentlichen Leben wirkt und mit der übrigen Bevölkerung des Landes friedlich zusammenlebt. Nach einer Duplik des Verteidigers wurde die Verhandlung gegen Lemvigh-Müller geschlossen. In den folgenden weiteren Verhandlungen am 2. und 3. September war die Hauptfigur Aage Andersen, der „Führer" einer der drei Nazi-Parteien. Seine Gruppe ist die aktivste in Dänemark und wendet in der Agitation RosdutiasdianasBotsdiaft des Präsidenten Roo§eveIi Aus Washington: Der Präsident der Vereinigten Staaten Franklin D. Roosevelt hat an die Juden Amerikas anläßlich des jüdischen Neujahrs folgende Botschaft gerichtet: „In hoher Würdigung der Bedeutung der Feier von Rosch Haschana möchte ich meine ernste Hoffnung zum Ausdruck bringen, daß das beginnende neue Jahr durch wachsende Prosperität und Glück nicht nur für unsere jüdischen Mitbürger, sondern für alle Menschen unseres gemeinsamen Landes gekenn- Sieichnet sein wircL" * Aus Melbourne: Der Premierminister des Australischen Staatenbundes Joseph A. Lyons erklärt in seiner Botschaft an die Juden des Staatenbundes: „Ich freue mich über die Gelegenheit, den Juden meine guten Wünsche zu übermitteln. Die jüdische Bevölkerung bildet zahlenmäßig nur einen kleinen Teil der Bevölkerung von Australien, aber ihre Führer haben einen hohen Standard der Bürgerschaft aufgestellt, den zu erreichen die ganze jüdische Gemeinde bestrebt ist." * Aus New York: Der Gouverneur des Staates New York, Herbert H. Lehman, schreibt: „In wenigen Tagen werden wir wieder das jüdische Neujahr feiern. Wir amerikanischen Juden haben Ursache zu tiefer Dankbarkeit für die Segnungen des Frleüene und für das Privileg, in einem Lande zu leben und zu arbeiten, das allen seinen Bürgern religiöse Und politische Gleichheit garantiert. Diese großen Privilegien führen hohe Verantwortlichkeiten mit sich, die — dessen bin ich gewiß — wir als Juden stets erkennen und im vollsten Maße unserer Fähigkeiten erfüllen werden. In dem traditionellen jüdischen Geist müssen wir unser gutes Geschick als eine Gabe betrachten, die wir Ät unseren we*H g*er grl^«kl^%ftJ*-^3Snö*rn .." f V**M?Y;*". - gegen die Juden die übelsten Methoden der deutschen Nationalsozialisten an. Ihm und seinen Mitangeklagten wird zur Last gelegt, in Broschüren und Plakaten die Juden aufs gehässigste beschimpft und die jüdische Religionsgemeinschaft verleumdet zu haben. Die Anklageschrift führt eine Fülle der inkriminierten Ausdrücke, die die Angeklagten gegen die Juden gebrauchten, an, wie „parasitäre Geschöpfe", „Vertreter des Satans auf Erden", „Volk, welches die Sünde zur Religion gemacht hat"; Gott wird „Mammonsgott Jahwe" genannt, Synagogen „Schmutzhöhlen des Teufels" usw. Es wird nach berüchtigtem „Stürmer"-Muster „Awoda Sora" zitiert, wonach den. Juden erlaubt sei, über drei Jahre und einen Tag alte nicht jüdische Mädchen zu schänden. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft weist durch Verlesen des gesamten Textes klar nach, daß es sich nur um theoretische Diskussionen der Talmudisten handelt und nicht um Gesetze oder Tatsachen. Als Tatsache zitiert er dabei eine historische Begebenheit, wo die vierjährige Tochter eines ungarischen Königs mit einem Grafen „verheiratet" wurde. Die Verteidiger und die Angeklagten versuchten nachzuweisen, daß die Angeklagten In gutem Glauben handelten. Der Staatsanwalt wies darauf hin, daß die Angeklagten trotz des schwebenden Verfahrens ihre Tätigkeit nicht einstellten, sondern weiterhin hetzerische Broschüren und Flugblätter herausgeben. Aus seinen Worten war zu schließen, daß auch wegen der weiteren Tätigkeit der Angeklagten ein neues Verfahren stattfinden werde. Als weiterer Angeklagter hatte sich V.Jensen, der Redakteur eines unregelmäßig erscheinenden Blättchens „Stormen" (Sturm), zu verantworten, in welchem er eine Reihe Artikel veröffentlichte, die heftige Angriffe und persönliche Beleidigungen gegen den Ministerpräsidenten Stauning und andere Regierungsmitglieder enthielten. Für diese Artikel wurde er schon mehrmals, verurteilt, zuletzt zu vier Monaten Gefängnis, die er noch nicht abgebüßt hat. Jetzt war er wegen eines weiteren Artikels „Mörder" angeklagt, in dem er über Mordgelüste der Juden gegen Nichtjuden und über den von Juden betriebenen weißen Sklavenhandel schreibt und sie als Gebote der jüdischen Religion hinstellt. — Die Verkündung des Urteils gegen sämtliche Angeklagten wurde für den 7. September festgesetzt. ©eftfctter StröatttSmttS toirft läljmcnb auf ScbenSluff unb 2fr£>eitS£raft. ©efunbc 3äljue ßetfeH, aud) bic üötigen Organe gefunb p erhalten.' 3al)nbf{egc ift bafjer crjte£ ©e&ot ber ßörbcröbcjicnc. 33ct)or.$ugejt <3ie aber Gftforobont, bic 3t$iü;aftc mit bent benf&ar fetnften üßutrtcnt, ber intenfiben SlcimgungSfraft unb bem erfrtfdjett* bat 5ßfeffcrmtnä=©efd)mad. Su&c (fdjäumenb ober nicfjtfdjäu* menb) S —*90. S)ie erprobte $al)nbflcgemetf)obc: w Morgens als Erstes, abends als Letztes . Chlorodont ,(<ä88s*.. -m.- ^-w" x- - Z ah n p aste diesem Lande und in anderen Ländern zu teilen haben. Unsere unglücklichen Glaubensbrüder im Ausland besöndex's bedürfen unserer Hilfe und Ermutigung. Sie sind niedergedrückt unter dem Gewicht von Fanatismus, Haß und Intoleranz, wie sie es in der Geschichte der Welt CafeAitketlu4 I, Hoher Markt - LichtenstegNr.4 niemals vorher gab, und die ein treues und patriotisches Volk in die Tiefen von Elend und Verzweiflung geführt haben. Sie bedürfen unserer Hilfe wie nie zuvor. Wir können in unserer Pflicht ihnen gegenüber nicht versagen. Wir müssen beweisen, daß wir die Privilegien, die uns in diesem gesegneten Lande zugefallen sind, würdigen, indem wir denen helfen, die weniger glücklich sind als wir. Ich wünsche Ihnen allen ein sehr glückliches und zufriedenes Neues Jahr." Die Kampfe um Schanghai 500« Juden betroffen Aus Schanghai. (J. T. A.) Von den andauernden Kämpfen um Schanghai ist die jüdische Bevölkerung1 dieser Stadt, die größ t e j ü dis c h e Niederlassung im Fernen Osten, schwer betroffen. Mit der Fortsetzung der kriegerischen Operationen hat sich ihre Lage verzweifelt gestaltet. Das Rabbinat hat einen Aufruf erlassen, in dem Hilfe für die Kriegsopfer gefordert wird. Zahlreiche jüdische Geschäfte und Wohnhäuser sind den bei der Beschießung entstandenen Bränden zum Opfer gefallen. .Etwa 5000 Juden sind von den Kriegsereignissen betroffen worden. 500 Juden in Schanghai und 200 Juden in Hongkong haben all ihr Hab und Gut verloren. Das Kadoorie-Institut hat einen Hilferuf «riaasen* in dem erkErt-wird, daß es nicht AULE SCHULBÜCHER richtige Auflagen, für antiquarische allerbüligste Preise! Größte Auswahl! Spesenfreie Zusendung. Verzeichnisse umsonst — Zeit spart, wer kauft im Schulbücher-Antiquariat Hermann Tuchner, Wien II. Eck« Taborstrane 52, Telephon R-41-4-20 mehr imstande sei, allein die Last der Fürsorge für die notleidende jüdische Bevölkerung zu tragen. Die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung von Schanghai lebt in den ausländischen Niederlassungen und gehört zu den begüterten Kreisen des Handels, der Industrie und des Bankwesens. Immerhin wohnte ein erheblicher Teil der Juden Schanghais auch in dem Chinesenviertel, dessen Vernichtung durch den Gang der Kriegsereignisse unvermeidlich erscheint. Dieser Teil der jüdischen Bevölkerung ist aufs äußerste gefährdet. Von den jüdischen Einwohnern sind 65 Prozent Angehörige osteuropäischer Staaten. Es gibt auch eine Anzahl von Juden englischer, amerikanischer, französischer, holländischer und deutscher Staatsangehörigkeit. Zahlreiche Juden sind in den letzten Jahren in- Sidfy Haadedm, (Hattet fääsiein Uettotte U/ien, ü» Sefdefntee 193? folge der veränderten Verhältnisse aus Mandschukuo, insbesondere aus der Hauptstadt C h a rbin, nach Schanghai übersiedelt. Ferner gibt es eine Anzahl von Bagdader Juden, die schon vor achtzig Jahren nach der Oeffnung der freien Häfen eingewandert sind. Sie besitzen zum größten Teil die irakische Staatsangehörigkeit und stehen unter britischem Schutz. Viele große Industrie-, Import- und Exporthäuser in Südchina stehen unter ihrer Leitung. Hausdurchsuchungen, bei prominenten Juden in Charbin Aus Charbin: Die japanische Polizei hat gemeinsam mit russischen Weißgardisten Haussuchungen in den Wohnungen prominenter jüdischer Familien in Charbin, die gegenwärtig in dem Badeort Loshagu bei Charbin weilen, vorgenommen. Die Wohnung von Rabbiner Moses Aaron Kisilev wurde ebenfalls durchsucht. Es verlautet, daß die Haussuchungen auf eine Denunziation seitens des „Führers" der russischen Faschisten in Mandschukuo, Rodzajevsk, der ebenfalls in Loshagu weilt, zurückzuführen sind. Judenfrage auf dem Hochschul-Tag Aus Budapest (J. T. A.): Derzeit tagt in Budapest der XIV. Weltkongreß der Internationalen Hochschul - V ö 1 k e r b u n d s - F ö d e r a t i o n, die im Jahre 1924 ins Leben gerufen wurde. Auf der Tagung sind Delegierte aus 22 Ländern vertreten. Palästina wird durch Daniel Sher vertreten. Im Mittelpunkt der Beratungen steht das Problem der Aufrüstung, doch werden auch andere Fragen sozialer und kultureller Art behandelt. Die palästinensische Delegation hat dem Kongreß ein Memorandum betreffend die Lage der jüdischen Studenten in Polen und Rumänien unterbreitet; es werden darin alle krasseren, Fälle der Verfolgung, Beschimpfung und Mißhandlung jüdischer Kommilitonen an den Universitäten und Hochschulen in Warschau, Wilna, Krakau und Lemberg sowie die in Rumänien herrschenden Zustände erwähnt, die namentlich wegen der unwirksamen Maßnahmen der Regierung gegen die „Eiserne Garde" andauern. Zum Schluß wird dem Kongreß die Annahme einer Resolution empfohlen, in der gegen die bereits zur Regel gewordenen antisemitischen Ausschreitungen an den Universitäten Polens und Rumäniens protestiert und den unschuldigen Opfern der Gewaltakte die Sympathie ausgedrückt werden soll. Zugleich soll die Studentenschaft Polens und Rumäniens eindringlich ersucht werden, diesen entwürdigenden Zuständen, die die akademische Ehre beleidigen und das geistige Niveau der Universitätsjugend dieser Länder herabdrücken, ein Ende zu machen. Wie Daniel Sher dem J.-T.-A.-Vertreter mitteilte, soll darüber abgestimmt werden, ob das Memorandum der Palästina-Delegation überhaupt verhandelt und die Resolution angenommen werden soll. Die r u m änische Delegation hat erklärt, sie würde den Kongreß sofort verlassen, wenn dieser Punkt auf die Tagesordnung gesetzt werden würde. Die Polen nehmen als Beobachter einen abwartenden Standpunkt ein und erklären, sie seien nicht vorbereitet und könnten sich daher zur Sache nicht in merito äußern,. Sher meint, es würde wahrscheinlich eine allgemeine Resolution angenommen werden, die sich gegen die Diskriminierung der Rassen und Religionsgemeinschaften überhaupt ausspricht. Die deutsche Delegation nimmt an dem Kongreß ebenfalls nur als „Beobachter" teil. Die Palästinenser sind die einzigen außereuropäischen Delegierten.

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