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Die neue Welt · 1937-09-10 · Heft 687 (10.9.1937) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 687 (10.9.1937)
Date
1937-09-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 687 vom 10. September 1937 DIE NEUE , WELT Seitens ^*^-*? toodtettsfueQrt Das Resultat: Status quo! Von Meir Großmann Die alleinige Antwort Dieses Land Eres Israel ist und bleibt die alleinige Antwort auf die Frage nach unserem Leid in diesem Jahr. Es gibt keine zweite Wirklichkeit, keine andere Realität, die man unseren Menschen ah Antwort reichen könnte, als dieses Land der Renaissance. Dr. M. Nußbaum („Isr. Familienblatt", Berlin). Von den diinesisdien Juden wm cmztger europäischer Jude, der Wiener Liebermann, hat die Juden von Kai-Feng-Fu, und zwar gerade 1857 (während einer feindlichen Belagerung) besucht. Man führte ihn in einen Keller, wo unter Granitplatten drei große Kästen standen, in denen sich die letzten Dokumente des chinesischen Judentums befanden: Gesetzesrollen und Tafeln mit Bibeltexten in Hebräisch und Chinesisch. „Jüdische Revue" 1937 (Mukaöevo). Nein! Echte Realpolitik haben jene Tschechen, Polen, Serben und Finnen geführt, die sich weder durch den Glan« der Throne und die Macht der Armeen blenden noch auch durch die Schrecken der Verfolgungen kleinkriegen ließen, sondern tapfer und stolz „Nein!" sagten m jener Wirklichkeit, die ihre Nationen zu ersticken drohte. Die Welt wartet, ob wir noch die Kraft und den Mut haben, uns zu einer unmißverständlichen Kundgebung unseres nationalen Lebenswillens aufzuschwingen. M. Schabad (Basel). Ein verschwundener jüdischer Beruf Die jüdischen Fischer (in Litauen) waren sehlichte, gottesfürchtige Leute, und morgens, ehe die Netze bei Tagbeginn ausgelegt wurden, sah man sie unter einem Baum stehen, den Tallis und die Tefillin anlegen und beten. Datin gingen sie in die kleinen Boote, und das Tagewerk begann. Es war ein mühseliges Arbeiten ohne Rücksicht auf Unwetter, Sturm, Wolkenbrüche und Frost. H. Abramowitsch (Wilna). lüdische Haltung im Kampf Es ist wohl nicht zuviel gesagt, daß auf den gegenwärtigen Kampf des Judentums die ganze Welt gespannter blickt als auf irgendein Olympia. Der Ausgang entscheidet über keinen Rekord, es sei denn über den metaphysischen, daß ein so altes Volk, sich noch einmal zu verjüngen versteht. Wenn nun die Augen der Menschen auf uns ruhen, indessen wir das Knie für eine neue Stufe unserer Geschichte heben: spiegelt sich der bedeutungsvolle Augen- Brennholz, Kohle, Koks, Spezialholz für Dauerbrandöfen •n gros en detail zu billigsten Preisen bei Samuel Kellmer, VI, Bumpendorferstraße 18 Tel. U-35-2-98, A-34-3-45 blick in unserer inneren und äußeren Haltung? Sehen wir eine Wandlung, findet sich für sie ein angemessener Ausdruck in unseren Gesichtern, in unserem Benehmen, in unserer Haltung? Man sage nicht, dies seien äußerliche Dinge. Es bedarf auch keiner pathetisch-traurigen Miene, zumal da der Trauer fall zu einem Glücksfall werden kann. Jedenfalls gibt es eine Form, eine Würde, für den Kampf, in dem wir stehen. Das ist nicht zuviel verlangt. Der Dichter Alfred Wolfenstein. Franco'Regierung und Juden Aus Tanger. (J. T. A.) Die Lage der Juden in Spanisch-Marokko gestaltet sich wegen der unaufhörlichen antijüdischen Verfolgungen geradezu katastrophal. Die Juden dürfen keine ihrer religiösen Zeremonien öffentlich abhalten. Sogar jüdische Leichenzüge werden vom Straßenpöbel attackiert und mit Steinen beworfen, so daß die Juden ihre Toten nachts begraben und die Särge auf Umwegen zum Friedhof transportieren müssen. Gewisse spanische und mohammedanische Gruppen haben besondere Phalangistenorganisat i o n e n zum Zweck an ti jüdischer Agitation gegründet. Den jüdischen Gemeinden wird ständig von der Franco-Regierung die Zahlung großer Geldsummen auferlegt, die sie aber infolge des scharfen antisemitischen Boykotts, durch den ihre Mitglieder immer mehr verarmen, kaum mehr leisten können. Die in Spanisch-Marokko lebenden, sehr zahlreichen Deutschen wirken bei der Verbreitung der antijüdischen Proäaganda mit und fordern in ihren Zeitungen offen eine antijüdische Gesetzgebung. Die Haltung der Italiener ist weniger feindselig, doch dulden sie die ungerechten Verfolgungen. IIIIIIIIIIIIIIIIIIINIIIIIIIIIH Der Verband der Judenstaatszionisten und die Judenstaatsjugend gratulieren ihrem Leitungsmitglied Herrn Kasiel Glasberg und Frau zur Bar-Mizwah ihres Sohnes Josef aufs herzlichste. * Die Sektion Prater der Judenstaatszionisten gratuliert ihrem Vizeobmann Herrn Kasiel Glasberg und Frau anläßlich der Bar-Mizwah ihres Sohnes Joset ftUfg beste Will man ganz kurz das Resultat des 20. Zionistenkongresses charakterisieren, kann man kaum eine bessere Wendung finden als: „Status quo ante." Alles ist beim alten geblieben, so wie es v o r dem Kongreß war: die Männer und die Politik, die innere Struktur und die Arbeitsmethoden. Es hat sich überhaupt, nichts geändert. Um des inneren Friedens willen oder wegen Mangel an Zivilcourage — wo liegt da der Unterschied? — hat der Jubiläumskongreß sich bemüht, keine Feindseligkeiten aufkommen zu lassen. Im Gegenteil war man bemüht, die organisationeile Einheit zu wahren und schon vorher, vor dem entscheidenden Schritt, jede Klarheit zu vermeiden. Die Absicht ist sicher eine gute. Ob sie die ziohistische Bewegung stärken, insbesondere ob sie eine mächtige Anstrengung der Volkskräfte hervorrufen wird, ist mehr als fraglich. Ein ehrlicher Wähler kann sich fragen: Wenn man einen Kongreß einberuft, um bloß das Existierende fortzusetzen, wozu dann der ganze Lärm, der Wahlkampf, der Appell, seine Pflicht, zu erfüllen? Wenn in solch einer schicksalsschweren Zeit keine Reformen durchgeführt werden, wann denn kann man auf ein neues Wort hoffen, auf eine neue Richtung und auf neue Männer? Der in Zürich zustande gekommene Status quo wird solche Fragesteller absolut nicht zufriedenstellen. * Der Kongreß hätte eine Reihe Fragen erledigen sollen: grundsätzliche wie den Teilungsplan; organisaessen, und sie waren es, welche die Vertagung der Entscheidung und die Wahl des leichten Weges diktiert haben — alles beim alten belassend: die Exekutive, die politische Richtung, die Methoden. * Viele, die für die Mehrheitsresolution gestimmt haben, regen sich gewaltig auf, wenn man sie zur Schar der Jasager rechnet. Sie behaupten, daß sich in der Resolution kein Punkt bezüglich der Teilung Palästinas finde; daß im Gegenteil Peels Plan zurückgewiesen werde; daß es sich bloß um Vollmachten zu Verhandlungen über die Grundlage eines Judenstaates handle. Rein formell haben die Leute recht, obwohl sie sich dadurch, daß sie abgelehnt haben, für die Minderheitsresolution zu stimmen (wo jede Teilung kategorisch zurückgewiesen wird), mit den Jasagern identifiziert haben. Der juristisch-formelle Standpunkt ist schließlich nicht wichtig. Hauptsache ist, daß in Wirklichkeit die Reso« lution die Politik Dr. We izmannsbestätigt — mit kleinen Modifikationen und Einischränkungen —, eine Politik, die er vor dem Kongreß geführt hat? nicht mehr und nicht weniger. Also Status quo, also Verhandlungen mit der Mandatsmacht in derselben Richtung, wie sie schon vor dem Kongreß geführt wurden. Wozu also der fromme Augenaufschlag? Er ist. gar nicht nötig, weil man sich auf den Standpunkt stellen kann, daß Weizmanns vor Zürich geführte Politik eben die richtige gewesen ist. Matura-Schule „UNIVERSUM" «"■sr* iX, Gart? iSO W Sl 2» SSG 3 / Tel. A-20-4-48 / Beginn neuer Anfängerkurse Mitte September ISämtliche Lehrmittel leihweise! I vormittags-, Abend-und NachlfliftfagskurSGfclbSUhr) I Mittelschüler mit Vorkenntnissen können bereits am 1. September in die Vorgeschrittenen-Kr.rse eintreten / Mittelschüler aus der 4. Kl. mit ungünstigen Jahreszeugnissen werden für die Matura vorbereitet tionelle wie Alijah, Hachschara, Wahlreform; und rein palästinensisch-kolonisatorische wie Aufbausystem, gerechte Verteilung der Arbeit, Hilfe für den Mittelstand. Man hat auch damit gerechnet, daß man in Zürich nicht nur die Basis der zionistischen Bewegung verbreitern, sondern auch «die Zusammensetzung der Exekutive ändern werde — durch Hereinnahme neuer Männer hauptsächlich aus dem bürgerlichen Flügel. Ein großzügiges Programm! Eine Reihe schmerzlicher Probleme, die schon seit langer Zeit sowohl die Länder der Diaspora als auch Palästina bedrücken! Ihre Erledigung hat man immer wieder aufgeschoben, und jetzt hat man geglaubt, daß ihre Stunde geschlagen hat. Gewiß sind unsere Kongresse so schlecht organisiert, daß man von ihnen keine großen Leistungen erwarten kann. Man vergeudet die Zeit, ohne sich zu bemühen, ein einziges Problem gründlich zu behandeln. Die Zahl der Delegierten ist zu groß für jede sachliche Arbeit, und für propagandistische Demonstration sind keine zwei Wochen erforderlich. Auch in dieser Hinsicht hätte man eine Aenderung vornehmen müssen. Aber etwas zu beschließen und einige Reformen einzuführen, wenigstens eine entschiedene Stellung in der politischen Hauptfrage anzunehmen oder neue Männer heranzuziehen — all das hätte der Züricher Kongreß in zwei Wochen leisten können. Er hat es aber nicht getan. Ich glaube, nicht bloß deswegen, weil man mit der Teilungsfrage und dann mit der Aufstellung der Exekutave beschäftigt war, sondern einfach deswegen, weil man nicht gewollt oder vielleicht einfach Angst gehabt hat, etwas zu beschließen. Alle — die Linke und die Rechte, die Jasager und die Neinsager, Es war die Furcht vor dem Morgen, vor den Konsequenzen. Unter den Jasagern fanden sich eine Metige Neinsager, welche für die Ganzheit ihrer Parteien fürchteten. Andererseits gab es unter den Neinsagern Elemente, die nicht die Konsequenz aus der Abstimmung ziehen wollten. Ich werde gar nicht überrascht sein, wenn manche von ihnen nach einer gewissen Zeit unter den mächtigen Jasagern zu finden sein werden. Und auch umgekehrt. Ueber allen und allem schwebten mächtige Inter- 2f* den kahen ftiettapen wie alljährlich — auch heuer ins ^RESTAURANT W. Sp&Jhzto jetzt II, Hammer - Purgstallgasse 7 (Nähe Dianabad) Bekannt vorzügliche Wiener Küche Menüs von Schilling 1.60 aufwärts Oriental. Spezialitäten am Kost und Spieß Damit, daß man Dr. Weizmann und Ben Gurion und die Exekutive in corpore wiedergewählt hat — nach den sozusagen sensationellen Erklärungen der beiden; damit, daß man irgend welche personelle und politische Veränderungen vermieden hat — damit hat man besonders kraß das Bestreben demonstriert, den vollständigen Status quo aufrechtzuerhalten. * Auch die Neinsager — mit Ausnahme der Judenstaatspartei und des Haschomer Hazair — waren um die Erhaltung des Status quo bemüht. Ob dies klug oder töricht war, wird die nächste Zukunft beweisen. Aber sich an der Exekutive zu beteiligen, wo außer dem Präsidenten und dem Vorsitzenden fast alle (der Misrachi-Vertreter ist ein fester und der Vertreter der allgemeinen Zionisten B ein wackliger Neinsager) Jasager sind, ist mehr als ein Opfer um des Friedens willen — es ist ein gefährliches Spiel mit Prinzipien. Kämpfen, für eine' die Vollmachten verweigernde Resolution stimmen und schließlich in eine Exekutive der Jasager gehen und dabei nicht einmal zur Politischen Kommission zugelassen werden — ist pure Narretei. Patriotische Motive können solch eine politische Sünde nicht rechtfertigen. Darum ist das erreicht worden, was der linke Block wollte: die Macht ist bei der führenden Exekutive geblieben, welche den Gedanken des Status quo gewiß bis zu seiner logischen Absurdität führen wird*. Zwei Wochen Kampf, um dort stehen zu bleiben, wo man vor der Eröffnung des Kongresses stand! Zuviel Energie, Geld und Zeit für solch ein Resultat! Allerdings, wenn man dadurch ein größeres Uebel verhindert hat — den sofortigen Verzicht ohne Kampf und unter schlechten Bedingungen, war dies, historisch gesehen, doch zu Nutz. Aber der Wähler, der ehrliche Wähler bei allen Parteien, wird nicht aufhören, seinen Sendboten zu fragen: Dazu habe ichdir meine Stimme gegeben? Dazu bist du nach Zürich gefahren? * Alle haben gehofft, daß der Jubiläumskongreß es als seine Hauptaufgabe ansehen werde, die Hachscharah- und die Alijah-Bestimmungen zu reformieren, die Wahlordnung zu verbessern, vielleicht neutrale Arbeitsbüros und nationale Arbitrage in Palästina einzuführen. Erstens haben die Kommissionen schlecht gearbeitet (zum Teil deswegen, weil der Kongreß unter schrecklichen technischen Bedingungen getagt hat), zweitens hatten auch Vorschläge, mit welchen die Kommissionen zum Plenum gekommen sind, nicht das Glück, zur Abstimmung gebracht zu werden. Fast alles wurde dem Aktionskomitee überlassen, welches erst nach ungefähr einem halben Jahr zusammentreten wird. Und was für Sicherheit besteht, daß das Aktionskomitee sich mit den allerernstesten Fragen von der Art, wie der Zionismus verwirklicht werden soll, beschäftigen wird? Wenn man die Kongreßzeitung liest, bekommjt.. man den Eindruck, daß sehr viel geleistet wurde-—»*

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