Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 686 (3.9.1937)
- Date
- 1937-09-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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» Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 686 vom 3. September 1&*7 Kaufet Schulbücher neu und antiquarisch in der BQcherstubeRath&Co. Wien II, Taborstr. 20 a / Telephon R-45-305 Ankauf und Umtausch antiquarischer Bücher zu hflchsten Preisen! Moderne Leihbibliothek / Alle Neuerscheinungen Monatsgebtlhr S 3.10, keine BanclgebUhr, taglieh Umtausch, od. .»lonatsgebUhrS 1.60 u. 10 Uroschen Bandgebuhr Modernes Sortiment und Antiquariat Judaica und Hebraica Sprüche vor aller Welt und mit laufer Stimme deklarieren, die Erfüllung unseres Rechts verlangen. Gewiß, die Zeiten sind hart. Aber mir haben schon schwerere mitgemacht. Bosch Haschana sei für unsere Seele eine Ruhepause. Wir wollen uns prüfen, aus dem Bewußtsein der Volksgemeinschaft. Kraft schöpfen für das, joas uns im kommenden [fahr bevorsteht. Die jüdischen Feste sind solche Kraftspender. Zu missen, daß Millionen Menschen gleichen Stammes, gleicher Hoffnung und gleicher Prüfung in gleicher Stunde sich der inneren Läuterung hingeben, das ist Trost für alle und höchste Beglückung. Wir glauben an die Idee des Zionismus, an die Repatriierung der Juden in Erez Israel, und dieser Glaube steht ungeschwächt an der Schwelte des neuen jüdischen Jahres. Zuradier Nachklänge Die „Baseler Nationialzeitung". bringt eine Meldung ihres Zürcher Korrespondenten Dr. F. Heberlein, in der sich dieser mit dem sonderbaren Verhalten der Zürcher Stadtpolizei bei der Untersuchung der antisemitischen Ausschreitungen während des Zionistenkongresses befaßt. Er schreibt: „Die Zürcher Stadtpolizei hat die Untersuchung gegen die Störenfriede des Zionistenkongresses abgeschlossen und dabei festgestellt, daß kein strafrechtlicher Tatbesta n d erzielt worden - sei. .Viele sich verfolgt fühlende Juden hätten sich überhaupt nicht auf der Polizei eingefunden, so daß oft die Abklärung des Sachverhaltes unmöglich war. In anderen Fällen zeigte es sich, daß die Belästigung sich als viel harmloser herausstellte, als man anfänglich glaubte. Der schwerste Fall betrifft die Belästigung von Kongreßteilnehmern um Mitternacht in einem Cafe durch Tränengas. Der oder die Urheber konnten nicht ermittelt werden. Im übrigen handelt es sich meist um Pöbeleien von Lausbuben auf der Straße, die die Zionisten mit abschätzigen Bemerkungen belästigten. Anläßlich der Hohen Feiertage " findet, wie alljährlich, im Prachtsaal zum „Auge Gottes", IX, Nußdorferstraße 75, ein feierlicher Gottesdienst statt Kartenverkauf dortselbst täglich von 3 bis 5 Uhr nachmittags, Sonn- und Feiertage von 9 bis 12 Uhr vormittags. Erstklassige Kantoren Karten von S 3.— aufwärts. Vorstand des Tempelvereines, Wien IX, Müllnergasse, Vorstand des Vereines c^in np2» Wien IX, Liechtensteinstraße 113 Der Straf richter wird sich somit mit den bedauerlichen Vorkommnissen während des Zionistenkongresses nicht zu befassen haben. Es ist also möglich, daß zu einem Zeitpunkt, da unser Land Hunderttausende von Franken ausgibt, um Fremde nach der Schweiz zu locken, eine Anzahl von Lausbuben, aufgestachelt durch die frontistische Hetze, nicht nur den schweizerischen Fremdenverkehr enorm schädigen dürfen, sondern, was noch schlimmer ist, auch das kulturelle Ansehen der Schweiz beeinträchtige n." Dazu bemerkt das „Israelitische Wochenblatt für die Schweiz": „So schnell stellt die Polizei ihre Untersuchungen ein? Wir denken, sie hat verschiedene Verhaftungen vorgenommen; ist es ihr nicht geglückt, festzustellen, wer die antisemitischen Flugblätter Tag für Tag hergestellt und bezahlt hat? Die Juden hätten sich nicht auf der Polizei zu Protokoll gemeldet? Sollten die ausländischen Gäste vielleicht, nachdem sie dauernd Belästigungen ausgesetzt waren und viele von ihnen auch nicht einmal deutsch konnten, sich durchfragen, wo die Polizei, die sie in keiner Weise genügend geschützt hat, ihre Eirivernahmestelle hat? Wenn es der Polizei ernst gewesen wäre, hätte sie ja ihre Untersuchungsbeamten in das Kongreßgebäude schicken können." RUNDSCHAU Judendebafte im holländischen Parlament D en H a a g (J. T. A.). Die Zweite Kammer des holländischen .Parlaments hat einen Bericht über die laufenden Einbürgerungs-Gesetze santräge (in Holland wird die Einbürgerung durch ordentliches Gesetz vollzogen) veröffentlicht. Dem Bericht ist zu entnehmen, daß innerhalb von zwei Monaten bei der Zweiten Kammer 57 Gesetzesanträge zur Einbürgerung von mehr als 1100 Personen (zu denen noch die miteinzubür;gernden Familienmitglieder kommen) eingegangen sind.- Bei der Erörterung der 'Gesetzesanträge in der Kammer gaben einige Abgeordnete der Meinung Ausdruck, daß das Einreichen einer so großen Zahl von Einbürgerungs-Gesetzesanträgen die Kammer vor eine sphr ernste Frage stellt. Sie meinten, daß die niederländische Staatsangehörigkeit nicht an solche Personen verliehen werden sollte, deren Aufnahme in, das niederländische Volk die U n e i n i gk e i t vergrößern würde. Allein die Norm der Geistes- Kasiel Glasberg und Frau geben hiemit bekannt, daß die BARMIZWAH ihres Sohnes Josef Samstag, den 4. September, 10 Uhr vormittags, im Bethause Petach Tikwah, II, Stuwerstraße 1, stattfindet. und Stammesverwandtschaft sei hier ausschlaggebend. In diesem Zusammenhange gaben sie zu erkennen, daß der Antisemitismus imVolkeimAnwachsen sei. Sie erachteten es nicht für wünschenswert, daß immer mehr Juden von außen in die niederländische Volksgemeinschaft aufgenommen würden. Sie fragten, wieviel Juden unter den in diesen Gesetzentwürfen genannten Personen vorkämen. Verschiedene andere Kammermitglieder erklärten, nicht einsehen zu können, daß Einbürgerungen von Juden die Uneinigkeit im holländischen Volke fördern würde. Von einem wachsenden Antisemitismus ist nach ihrer Meinung; keine Rede. Was die Frage nach der Anza tri d er Juden unter den jetzt einzubürgernden Personen betrifft, s ,o b r a u c h e d i e, R e g i er' u n g. d.i es'e'jiiicilt'zu beantworte n. Einen Unterschied zwischen Juden und änderen kenne weder das niederländische Gesetz, noch die niederländische Gesellschaft, und alles, was zur Entstehung eines solchen Unterchiedes. Anlaß geben könnte, sollte vermieden werden. Von Felix Warburg zumGerer Rahiii Dr. Esriel Carlebach schreibt in der „Ostjüdischen Zeitung" über die Züricher Agency-Tagung und den Marienbader Agudah-Kongreß: Mit dem Flugzeug, das ohne Aufenthalt von Zürich nach Prag fliegt, kann man große Sprünge machen. Von Dr. Magnes, dem Sonntagsprediger, zu karpatho-russischen Rabbis. Und dazwischen liegt Nürnberg (die Stadt von Julius Streicher). So, als ob zwischen beiden, dem wohlrasierten Salonjuden und den wallenden Barten des Ghetto, jüdisches Schicksal läge, für beide gleiches jüdisches Schicksal. Im übrigen scheinen sie einander sehr unähnlich. Wer von draußen kommt, würde nicht glauben, daß sie .zu einem und demselben Volk gehören, von der Sorge um ein und dasselbe Land getrieben, der eine sein Bankgebäude an der 5th Avenue, der andere sein Bethaus irgendwo im Halbdunkel der Geographie verlassen habe. Wer von draußen kommt, würde in Zürich den vollendeten Typ des jungen englischen Parlamentariers, den etwas zu gut gescheitelten Neville Lasky, gesehen haben und hätte gehört, wie der seine Aufforderung ans jüdische Volk, ein würdiges Glied des englischen Imperiums zu werden, mit Zitaten und Bonmots aus Oxford und Eton belegte. Er hätte gehört, wie Felix Warburg, trocken, abgerissen, wie man zu Hausangestellten spricht, dem jüdischen Volk den Vorwurf machte, er, der Herr Bankier sei hinters Licht geführt worden; man habe ihm gesagt, in Palästina wolle man nur arme Juden kolonisieren und nun erfreche man sich, einen Juden Staat zubauen. Er hätte gehört, wie. der. geistige Mentor von .Felix "Warburg, der langjährige Kanzler der Hebräischen Universität, noch einen Vorwurf hinzufügte: Was man dem Judenstaat geben will, ist durch das englische Schwert erobert worden und kein anständiger Mensch nähme solche Geschenke an. Und dann hätte, wer von draußen kommt, ein Dandy putzt, färbt, bügelt SOFORTIGE ABHOLUNG: U-38-0-82 B-37-4-81 paar Stunden später, im Marienbader Kursaal Mannet? gehört, die Neville Lasky gegenüber mit Zitaten aus" kabbalistischen Schriften bewiesen hätten, daß auch das britische Imperium nur ein vergängliches Werkzeug in der Hand unvergänglicher Vorsehung sei. Und er hätte gehört, wie der Führer der Frankfurter Orthodoxie, Jacob Rosenheim, der Führer der Agudäth Jisrael, im Namen Gottes erklärte, man dürfe selbst mit dem Teufel ein Bündnis schließen, um das Monopol der Zionistischen Organisation > zu brechen. Und er hätte den alten Rabbi von Chisinau, Zirelsohn, in die Hände klatschen sehen und ausrufen: Seht, der Erlöser naht auf den Bergen! Und er hätte gehört, wie eine Delegation von Jerusalemer orthodoxen Rabbis mit ebenso langen und ebenso weißen Bärten in die Hände schlägt und sagt: Gott sei Dank, Jerusalem selbst wird nicht zu diesem gottlosen jüdischen Staat gehören, es wird unter der besseren Herrschaft der Engländer bleiben. Und wer von draußen kommt, hätte nicht geglaubt, daß all dies ein Volk ist, oder überhaupt — ein V o 1 k. Auch mir selbst ist es für ein paar Stunden so gegangen. Mir schien, der Sprung von Zürich hierher sei doch zu groß, zu rasch, zu plötzlich. Zur Frage der Kalenderreform Aus London: Bas Jüdische Komitee für Fragen der Kalenderreform, dessen Vorsitzender der Großrabbiner von Frankreich, Israel Levi, und dessen Exekutive-Vorsitzender der Chief Rabbi des Britischeii Reiches, Dr. J. H. Hertz, ist, hat folgende Erklärung veröffentlicht: Die Frage der Kalenderreform ist p 1 ö t z 1 i c Ii Zu einer Angelegenheit von brennendem Interesse für die religiösen Juden in der ganzen Welt geworden. Der Vorschlag, jährlich eine Acht-Tage-Woche einzu- Fiir^.das Schuljahr 1937/38 werden jüdische Mädchen aufgenommen. Nachhilfe in allen Fächern, Sprachen- und Musikunterricht wird gewährleistet. Liebevolle Behandlung, Familienanschluß, erstklassige, rituelle Kost, mäßige Preise, beste Referenzen. — Jüdisches Mädchenpensionat, Wien, II., Lassingleithnerplatx 2/12 (Ii. Feder). Referenzen; Rechtsanwalt Dr. T. Feder. ' \' '' wmmmmammmm&mmummammm......im schalten, was zu einem wandernden, jedes Jahr auf einen anderen Wochentag fallenden Sabbat führt, wird dem Völkerbund von dem Vertreter Chiles unterbreitet, der hierbei von dem Vertreter Sowjetrußlands unterstützt wird. Am 1. August ist endgtilti g ■ beschlos s en worden, diesen Antrag bei der Tagung des Völkerbundsrates zu erörtern. .Sofort, nachdem dies bekannt,geworden war, hat sich Chief Rabbi Hertz, der bei der Frankfurter Konferenz von 1931 zum Vorsitzenden der Exekutive des Jüdischen Komitees für Fragen der Kalenderrcform gewählt wurde, mit den wichtigsten Judenheiten der Welt, ihren Rabbinaten und Konsistorien wegen der zur Verteidigung des Sabbats zu treffenden Maßnahmen in Verbindung gesetzt. Der Chief Rabbi steht in dauernder Fühlung mit Grand Rabbin Israel Levi und anderen religiösen Führern der Judehheit in dieser das gesamte Judentum, zutiefst betreffenden Angelegenheit. Hebrfilschlernen - elnVersnQSen! bei Ben-Chaviv Rufen Sie an : U-13-9-30 (8 bis 10 Uhr früh)' Da§ Dritte Reidi a§ö eingezogen Die „Basler Nationalzeitung" befaßt sich in einem „Oberschlesien seit Ablauf d'es Minderheitenschutzes" betitelten Aufsatz mit der Lage der Juden in Oberschlesien seit Aufhebung der Genfer Konvention und schreibt: „Nachrichten liegen gegenwärtig, in Genf vor, die davon berichten, mit welcher schonungslosen Eile das oberschlesische Gebiet aller bisherigen Freiheiten beraubt worden ist... Man hat mit Befremden davon Kenntnis genommen, daß die Behörden ohne Zeitverlust dazu ermunterten, sich gegen die international nicht mehr geschützte jüdische Minder* h e i t zu wenden. Vor uns liegt z. B. der „Amtliche Anzeiger der Stadtverwaltung B e uthen" in Oberschlesien, der wenige Tage vor den* Erlöschen der Schutzbestimmungeh in großer Aufmachung auf der ersten Seite folgende Verlautbarung veröffentlichte: „Achtung! Deutsche Volksgenossen! Deutsche Hausfrauen! Ab 15. Juli Schluß mit der „Jüdischen Minderheit" in Oberschlesien. Die Nürnberger Gesetze in Kraft. Näheres in der nächsten Ausgab e." „Nach diesem guten Beispiel der amtlichen Stellen brauchte sich der „Stürme r" nicht mehr zu>