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Die neue Welt · 1937-09-03 · Heft 686 (3.9.1937) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 686 (3.9.1937)
Date
1937-09-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 686 vom 3. September 1937 die mm vmus Seite* i DAS IST DAS NATURREINES KOKOSNUSSFETT Die Erzeugung sieht unter Aufsicht Sr. Ehrwörden des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Matters bürg. f türm gegen die geplante Teilung Palästinas hervorzurufen, eine großzügige Kampagne eingeleitet. Das Büro veröffentlicht Berichte, wonach der Oberste Arabische Ausschuß von dem Imam des Jemen, Yahya Mohammed Hamid el Din, ein Telegramm erhalten habe, in dem dieser den palästinensischen Arabern seine Unterstützung im Kampfe gegen die Teilung zusagt. Ferner wird ein Bericht aus Bombay veröffentlicht, wonach dort in einer großen Versammlung der Mohammedaner scharf gegen die britische Palästina-Regierung Stellung genommen und den palästinensischen Arabern vollste Unterstützung versprochen worden sei. Das Organ der Mufti-Partei, „El Liwa", meldet, daß die Palästina-Regierung das Kriegsministerium um militärische Verstärkungen für Palästina ersucht habe. Das Blatt berichtet weiter, daß im Royal Air Force Intelligence Service Palästinas, Transjordaniens und des Irak weitgehende Aenderungen bevorstehen. Die Leiter des Nachrichtendienstes sollen durch der arabischen Sprache mächtige Beamte ersetzt werden. Der am 6. September in Baludan bei Damaskus Stattfindende Panarabische Kongreß wird eine Resolution zur geplanten Teilung Palästinas fassen und insbesondere auch auf den seit dem Beginn der jüdischen Einwanderung in Palästina im Nahen Osten wachsenden Antisemitismus verweisen. CelähmleWi'ftsdiaft an Palästina Eine Folge des Teilungsplanes Aus London: Der Sonderberichterstatter des Londoner „Daily Telegraph" in Jerusalem stellt fest, daß die wirtschaftliche Lage in Palästina sich seit dem Auftauchen des Teilungsplanes dauernd verschlechtert hat. Das öffentliche Vertrauen sei durch die Unsicherheit über die Art der Lösung, über die Zugehörigkeit der verschiedenen Gebiete zu dem jüdischen, dem arabischen oder dem Mandatsstaat, über die weitere Auffechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Ordnung und über die Dauer der Warte- und Uebergangszeit erschüttert worden. Deshalb werden bereits beschlossene Unternehmungen nicht durchgeführt und neue Geschäfte nicht erwogen. Was Warenlager und neue Aufträge betrifft, leben die Kaufleute sozusagen von der Hand in den Mund. Die Bautätigkeit ist infolge des Rückganges der Einwanderung zurückgegangen, die Arbeitslosigkeit steigt, die Löhne sind erheblich gesunken. Für den Fall der Teilung wird ein sinkender Bodenpreis in dem Araberstaat erwartet. Das dürfte sich in gewisser Beziehung heilsam auswirken, denn die Bodenpreise würden damit auf ein Rentabilität ermöglichendes Niveau gebracht werden. Dagegen erwartet man, daß die Bodenpreise in dem Gebiet des j ü d is'chen Staates infolge des Kolonisationsbedürfnisses und in dem Korridor, wohin mit Rücksicht auf das Vertrauen zur britischen Verwaltung bereits ein Zustrom stattfindet, auf gleicher Höhe bleiben oder noch steigen. Aber schon das jetzige Niveau sei wirtschaftlich nicht rentabel. In Jaffa ist das Geschäftsleben tot. Die Hauptstraßen sind von Arbeitslosen erfüllt. Tel-Aviv bietet dank dem vorherrschenden jugendlichen Element ein belebtes Bild. Aber auch dort hat die Entwicklung zweifellos einen Rückschlag erlitten. Die Bautätigkeit ist um über 50 Prozent zurückgegangen. SelbsfeKrififc der Ja«$ager Ueber die Rolle der Majorität, welche sich auf dem Zionistenkongresse für Verhandlungen über die Teilung Palästinas aussprach, schreibt die Prager „Selbstwehr", das Organ der radikalsten Ja-Sager: Freilich — eine begeisterte Zustimmung war es nicht, und man kann auch nicht sagen, wieviel von „Ja"- und „Nein"-Sagen auf diesem Kongreß auch gesprochen worden ist, daß die Reden dieses Kongresses Ja, ja — nein, nein waren. Wir haben schon in früheren Berichten darauf hingewiesen, wie verklausuliert diese Ermächtigung ist. Es ist ein kleines, schüchternes, vorsichtiges „Ja" mitten in kräftigen „Neins". i Es wurde auf das schärfste betont: Ablehnung des Peel-Projektes; unbedingtes Festhalten am Mandat; kein „Ja" zu irgend einer Teilung; sondern nur ein „Ja" zu Verhandlungen über Errichtung eines Judenstaates; und keine Ermächtigung abzuschließen, sondern eben nur zu verhandeln. Die Entscheidung obliegt einem neuen Kongreß; dieser muß neu gewählt sein und zu diesem Zwecke zusammentreten. Also voi'sichtiger kann man schon nicht formulieren. Es ist nichts zugestanden und nichts anerkannt und auf nichts verzichtet worden. Dennoch wurden die „Ja-Sager" im weiteren Verlaufe des Kongresses nicht müde, in immer neuen Erklärungen vorzubringen, daß ihr „Ja" kein „Ja" war, sondern eigentlich nur eine andere Form des „Nein". Man muß offen sagen, daß dieses unstillbare Bedürfnis, von dem „Ja", auch nachdem es gesagt war, durch Interpretationen und Erklärungen immer noch etwas abzubröckeln, keinen geradezu heroischen Eind_r u c k machte, mag es auch dem Gefühl der Verantwortung entsprungen sein. Der unvoreingenommene Beobachter mußte doch den Eindruck haben, daß derartige juristiscne Vorbehalte einer historischen Entscheidung gegenüber nicht ganz entsprechend sind. ««^■■•■■•■•■■■■■i^^mt^mmm Sondervorstellung Markus Hersohkowicz. Der bekannte Schauspieler Markus Herschkowicz veranstaltet am Dienstag, den 7. September 1937, um halb 9 Uhr abends im Theatersaal des „Bayrischen Hof", Wden, IL, Taborstraße 39, einen Lu s/t igen Abend. Unter anderem gelangt zur Aufführung die Volkskomödie „Zurück von Sibirien". Restliche Karten sind an fler Theaterkasse erhältlich. Oskar Rosenfeld: Der Glaube In keiner Jahreszeit fühlt man so sehr mie in der Stimmung des Herbstes die Mahnung, als Jude zu leben; wie in den Tagen, die uns den Beginn des neuen jüdischen Jahres ahnen lassen. Wir finden gleichsam zu uns zurück: zu unserem Volkstum und zu unserem Volksschicksal. Es ist eine Art Selbstbesinnung, die uns drängt, Rechenschaft abzulegen über unser Judesein und über unser Verhältnis zur Umwelt. Allerdings kommt uns hiebet etwas zu Hilfe: der Umstand, daß es keine Pause gibt in dem, ivas uns bedrängt; daß wir ohne Unterlaß durch die Weltereignisse an unser Judesein erinnert werden. So gilt es, vor dem Eintritt ins neue jüdische Jahr auf das vergangene zurückzublicken und bei dieser Rückschau mit Trauer und Freude sich selbst vorzulegen, mas man anders, besser, gerechter und schicksalsmäßiger machen wird. Ein Jahr kommt, ein Jahr gehl — in diesen alltäglichen Worten liegt für uns Juden mehr als die Feststellung eines Zeitablaufs. Wir empfinden hier jedesmal die Wiederkehr einer Verpflichtung gegenüber unserer Gemeinschaft und gegenüber der Well: dafür Zeugnis abzulegen, daß „Gott sein Volk nicht ge str af t" hat, sondern daß er uns führt — zu einem Ziel, dem mir uns von Jahr zu Jahr mehr nähern, auf daß schließlich das Wort von der „Auserivähltheit Israels" für alle sichtbar werde. Was sind?vir denn, daß mir i?7imer noch leben, daß mir noch nicht erstickt sind inmitten der Völker, die uns nicht verstehen und uns schmähen und die schändlichsten Vorstellungen über uns verbreiten, mährend mir ihnen nicht erwidern können, ihnen nicht sagen können, was wir ihnen nicht schon unzähligemal im Verlauf der jahrhundertealten Diskussion gesagt haben? Oder sind m i r w i r kl i c h g e s t ru f t bis ans Ende der Tag e, wie es diejenigen behaupten, welche die „Nichtanerkennung des Messias" für unser Diaspora-Dasein verantwortlich machen? ic Die Auseinandersetzung mit den Völkern ringsum über die Rolle des Judentums in der Geschichte der Menschheil ist an einem Punkt angelangt, wo wir erkannt haben, daß sie in der bisherigen Form überflüssig geworden ist. Wir sind keinen Schritt vorwärts gekommen durch die Manifestationen des Geistes und die erhabendsten Gedanken, die wir der Menschheit geschenkt haben; weitergekommen im Sinne einer Verständigung und einer Lösung der. Spannungen zwischen uns und den andern. Die Hoffnung, daß wir hochgehoben oder toleriert werden, wenn wir die Menschen ringsum auf unsere innere Welt verweisen, hat sich als trügerisch erwiesen. Gemiß gab es im Lauf der zwei letzten Jahrtausende Epochen ruhigen Tuns, aus denen mir mit dem Bewußtsein erhöhter jüdischer Sicherheit heran die Idee vorgingen. Aber es waren nur kurze Epochen beschaulichen Glücks inmitten der Wirrnis, Erschütterung, Verzweiflung. Die Rückschau, die mir heute unternehmen, zeigt trübe, schlimme Dinge, sodaß sie . sich dem Leser unserer Zeitung wie eine Leidensclironik darbietet, die nur selten durch ein paar Zeilen tröstlicher Ereignisse unterbrochen ivird. Die blutigen Unruhen in Palästina, die Fortdauer der Entrechtung der deutschen Juden, der Jammer in Polen und die Gefahr einer brutalen Lösung des zionistischen Problems bilden die Meilensteine am Wege des letzten düsteren Jahres. Und doch haben mir das Gefühl, daß all das, was das jüdische Volks jetzt erlebt, die Bedrohung der materiellen und seelischen Basis, die weitere Verknappung des Lebensraums nur eine Uebergangszeit ist, die eine bessere, heitere Zukunft vorbereitet. Wir staunen oft selbst über das Wunder unserer Existenz, und gerade an den „furchtbaren Tagen", am llosch Haschana und Jörn Kippur, in unserer Zwiesprache mit Gott, überkommt uns der Gedanke, daß mir nur deshalb leben, weiterleben, iveiterleben müssen,- weil mir unser persönliches Schicksal mit der großen jüdischen Aufgabe, der Wieder auf richlung unseres Volkes verbunden haben. Es gibt heute wohl — wenn man von den hartnäckigen Verteidigern der sogenannteii Emanzipationsabsicht — kaum einen Juden, der sich nicht für das jüdische Gesamtschicksal mitverantwortlich fühlen würde. Es gibt heute kaum auch einen Juden, der nicht mit Erez Israel, mit Zion, verbunden wäre. Die Zionsidee, die große erhabene Theodor Herzls, gibt dem Juden das Bewußtsein von der Kontinuität der jüdischen Geschichte .und das Bewußtsein von der Unzerstörbarkeil des Judentums in der Welt. Darum hat auch die von England vorgeschlagene Lösung der Paläslina-FraUe solch einen Eindruck auf das jüdische Volk gemacht. Es wurde dieser Lösungsvorschlag nicht als irgend ein politischer Akt empfunden, sondern als Eingriff in eine Idee, die unser Leben bedeutet. Jeder Jude empfand, daß hier in materiellem und geistigem, ja auch in religiösem Sinn, sein Schicksal mitentschieden wird und daß er, jenseits aller zionistischen Partei-Erkenntnisse, an diesem Land Palästina hängt mie ein Kind an der Mutter. — an diesem Land mit allem, was dort seil Jahrtausenden geschehen ist. Ob Abraham, Jizchak und Jaakob, ob die Glorie der Könige David und Salomo, ob der heroische Freiheitskampf der Makkabäer, ob die Heiligkeit des Großen Tempels — jeder Jude liebt etwas aus jener oder dieser Zeit, und er glaubt an die Idee der Wiederaufrichtung Israels. Und gerade deshalb, weil dem so ist, können wir von diesem Land nicht lassent müssen mir um dieses Land kämpfen, unsere An»

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