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Die neue Welt · 1937-08-31 · Heft 685 (31.8.1937) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 685 (31.8.1937)
Date
1937-08-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 6*5 *om 31. August iflfcf DtB NEÜE WELT Seite 3 1 RUNDSCHAU Obermbbener und Patriarch Rückkehr zum Sabbath Liquidation dt» Itefortfivfitdenitims In seinem an die „Neue Welt" gerichteten Schreiben teilt die Verwaltung des „Temple Isaiah Israel", der größten Synägoge Chikagoa, mit, daß der seit mehf als zehn Jähren in diesem Tempel geübte Sonntagsgottesdiehst nunmehr abgeschafft und der Sftbbatgottesdienst wieder eingeführt Wird. In dem Schreiben wird darauf verwiesen, daß auch die größten Jüdischen fteformgemeinden in New York, Detroit, Cinclnnati, Louisville usw. beschlossen haben, den Gottesdienst am Sonntag aufzugeben und wiedet den Sabbat «u fetem* * Die jüdische Reformbewegung, welche nach der BhttÄhzipation, vornehmlich in den Ländern mit prote- Ätafttiöcher Majorität eingesetzt hat, scheint nunmehr ihren Abschluß gefunden zu haben. Größere Reformgemeinden gibt es vornehmlich in den Vereinigten Staaten, Deutschland und in England. In den Vereinigten Staaten hatte die Reformbewegung einen sehr großen Umfang angenommen und zählte die allerreichsten Tempelgemeinden zu ihren Anhängern. In Deutschland und England blieb die Bewegung be* schränkt. Versuche, in anderen Ländern — zuletzt in Oesterreich und in Ungarn — festen Fuß zu fassen, scheiterten. Man kann, wenn man von Amerika absieht, feststellen,. daß die Reformbewegung antinationalen und antizionistischen Charakter trug. Die Wendung kam auf der letzten großen Konferenz der amerikanischen Reformgemeinden zum Ausdruck.. Der langjährige Präsident der Vereinigung, Rabbi Dr. Felix A. L e v y (Chikago), legte auf dem Kongreß dar, daß die Reform versagt habe. Das Prinzip, durch „Erleichterung" und Angleichung an die Gebräuche der christlichen Mitbürger, die Menschen an das Judentum zu binden oder dem Judentum zurückzugewinnen, habe sich als unhaltbar erwiesen. Abschaffung des Hebräischen, Ersatz des Sabbat durch den Sonntag, Ausschaltung dea Hebräischen und der Gebete für Zion, Preisgabe der Speisegesetze, Einführung der Orgel und andere Maßnahmen ähnlicher Art, haben sich als unwirksam erwiesen und konnten der Interesselosigkeit an jüdischen Dingen nicht vorbeugen und den Abfall nicht hindern. Die größten Reformgemeinden Amerikas haben nunmehr aus dieser Erkenntnis die praktische Konsequenz gezogen, womit' auch das Schicksal der Reformbewegung in Europa besiegelt erscheint. Bemerkungen Nur langsam/ meine Herren ♦ ♦ Schon den ersten Mitteilungen über die geschlossenen Mandatskommissiona-Sitzungen konnte man entnehmen, daß mit Gewissenhaftigkeit geprüft und viel Geduld angewendet würde — im Gegensatz zu dem Kolonialminister Ormsby-Gore und dem Zionistenführer Weizmann, welche die Lösung des Palästina-Problems im Sinne des Teilungsplanes schier nicht erwarten konnten. Die Mandatskommission hat sich manche Empfehlungen des Peel-Berichtes zu eigen gemacht, weicht aber im wesentlichen Punkte, dem imbedingten und prompten Teilungsmodus, von ihm ab. Die Kommission meint nämlich, daß eine sofortige Schaffung des „Judenstaates" unmöglich ist. Denn solch ein Judenstaat, wie ihn die Mehrheitsresolution des Zionistenkongresses implicite zum Ausdruck bringt, wäre nicht imstande, seine politische Unabhängigkeit und Unversehrtheit aufrechtzuerhalten.. Solch ein Judenstaat besäße auch nicht die finanziellen Mittel, über die ein Staat verfügen muß. Die Mandatskommission lehnt also den Vorschlag der Mandatsmacht ab, den Judenstaat im Jahre 1940 zu etablieren, und schlägt eine Uebergangsperiode vor: beide Staaten, der jüdische und der arabische, sollen. auf Grund einer kantonalen Trennung eine weitgehende innere Autonomie erhalten und erst im Verlauf einer zu begrenzenden Periode den Beweis erbringen, daß lie lebensfähig sind. Selbstverständlich ist auch dieser Vorschlag kein idealer, ■ Aber er zeigt wenigstens in weiten Umrissen so etwas wie staatsmännisches Denken, so etwas wie politisches Verantwortungsgefühl für eine Situation, in die das jüdische Volk durch das antijüdische Verwaltungsregime in Palästina und durch das zwanzigjährige Schweigen der zionistischen Führung geraten ist. o. r. Die Jüdischen Künstlerspiele eröffnen am 1. September. Die Mitglieder des Morris-Schwartz-Ensembles M. Ltpmann, Eni Liton, Natalja Upmann und J. Grudberg- Turkow beginnen ihr Wiener Gastspiel in den Jüdischen Kunstlerspielen Dienstag, den 7. September (Moze Rosch- Haschonoh), mit „Moschke Chaser" von Bei'kowitsch. Vernachlässigte Darmverstopfungen werden durch täglichen Gebrauch einer kleinen Menge natürlichen „Fran*-Josef«SBitterwassers bald beseitigt; die Magenverdauung wird hiebei angeregt, die Gallenabsonderurig erhöht, die Harnausscheidung gesteigert, der Stoffwechsel belebt und das Blut erfrischt. Es wird ärztlich bestens empfohlen. E Wir haben in unserer letzten Nummer über die antisemitischen Vorstöße des griechisch-orthodoxen Patriarchen von Rumänien, welche den Protest der Rumänischen Bauernpartei auslösten, berichtet. Nun wird aus London gemeldet: Die Propagierung des Gewaltantisemitismus durch den griechisch-orthodoxen Patriarchen von Rumänien, Miron Christo a, in der Zeitung „Curentul" hat in Londoner jüdischen Kreisen Besorgnis über das künftige Schicksal der Juden in Rumänien geweckt. Der rumänische Patriarch hat ganz im Stüe seines Freundes C u z a die unglaublichsten Anschuldigungen gegen die Juden in Rumänien erhoben und die schwersten Beleidigungen gegen sie geschleudert. Dabei erwähnte der Patriarch, daß er die gleichen Auaführungen bereits gegenüber einer jüdischen Delegation unter der Führung des Oberrabbiners Dr. Beck, die ihn während seines Aufenthaltes in London vor etwa einem Jahre besucht hatte, gemacht habe. Der die in der tschechoslowakischen Republik Anspruch darauf macht, „kraft ihrer kulturellen Höhe" alles] führend in die Hand zu bekommen, was der Staat zu vergeben hat. Die Partei des Herrn Henlein nämlich, hat beim Marienbader Bürgermeister gegen #en Willkommgruß des Stadtrats für die jüdischen Gäste, ja dagegen protestiert, daß der Stadtrat überhaupt den Kongreß in Marienbad zuließ. Die kochende sudentdeusche Volksseele verlangte also Satisfaktion , für den unerhörten Frevel* Diese Wallung entspricht durchaus der Haltung der Sudetendeutschen, die wir ja noch aus der Zeit der" Habsburg-Monarchie zur Genüge kennen. „Juden hinaus!" war die Parole der sudetendeutschen Jünglinge, die, in großdeutschen Couleurs organisiert, die Wiener Alma mater schon vor einem halben Jahrhundert schändeten. Aber wir erfahren von diesen Helden noch ein Weiteres: nämlich „die Tatsache, daß überaus zahlreiche Anhänger der Sudetendeutschen Partei bei der Leitung des Komitees des Jüdischen Weltkongresses das Ersuchen um Zuweisung jüdicher Gäste gestellt haben". Diesen Sachverhalt stellt der I. Vizebürgermeister von Marienbad im „Prager Tagblatt" fest. Oeffentlich protestieren, die sudetendeutsche Heldenbrust im Judenhaß schwellen lassen und sich (Grün dun gs jähr 1931) Matura-Schule „UNIVERSUM IX, GariiiSOftSläSSG 3 / Tel. A-20.4-48 / Beginn neuer Anfängerkurse Mitte September Abend, und Nachmif tagskurse (ab 5 Uhr) | Sämtliche Lehrmittel leihweise E Vormittags- _______________ Mittelschüler mit Vorkenntnissen können bereits am 1. September in die Vorgechrittenen-Kurae eintreten / Mittelschüler aus der 4. Kl. mit ungünstigen Jahreszeugnissen werden für die Matura vorbereitet Patriarch meinte offenbar den Oberrabbiner des britischen Reiches, Dr. J. H. Hertz. Chief Rabbi Dr. Hertz sieht sich nun veranlaßt, in einem Interview mit dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur auf die Ausführungen des Patriarchen Miron Christea das folgende zu erwidern: „Mit Verblüffung habe ich den barbarischen Ausbruch des rumänischen Patriarchen im Zusammenhang mit der Judenfrage gelesen. Außerordentlich betroffen bin ich vor allem von seiner Erklärung, daß er sich in genau den gleichen Worten einer Delegation englischer Juden gegenüber geäußert habe, die ihn besucht hat, um zugunsten ihrer rumänischen Glaubensbrüder zu intervenieren. Das ist einfach nicht wahr. Die Delegation bestand aus Leonard G. Montef i o r e (Präsident der Anglo Jewish Association) und mir. Der Patriarch leugnete damals, irgend ein antisemitisches Vorurteil zu haben, erkundigte sich in freundlicher Weise nach dem Befinden von Dr. Gaster (dem aus Rumänien stammenden Chacham der sephardischen jüdischen Gemeinde Englands, d. Red.) und Dr, Niemirower (Landesrabbiner und Senator in Bukarest) und erklärte mit Nachdruck, daß einige seiner besten Freunde Juden seien. Ueberflüssig, zu betonen, daß weder Leonard Montef iore noch ich auch nur einen Au genblick in der Gesellschaft des Patriarchen verblieben wären, hätte er sich so allen menschlichen Anstandes bar gezeigt, wie in seinen Aeußerungen im „Curentul". Er war damals Gast des Erzbischofs von Canterb u r y, und wir besuchten ihn, um an ihn zu appellieren, dem Beispiel Seiner Gnaden des Erzbischofs zu folgen und nach seiner Rückkehr nach Rumänien Worte zu sprechen, die die erregten Gefühle in seinem Lande beschwichtigen könnten. Als ein Allheilmittel zur Behandlung der Judenfrage in Rumänien erschien dem Patriarchen die Einberufung eines internationalen Kongresses zur Behandlung der Judenfrage. Ich brachte die Meinung zum Ausdruck, daß in der Zwischenzeit er das besondere Privileg haben würde, Worte zu sprechen, die zu Frieden, gegenseitigem Verstehen und Brüderlichkeit unter den Bewohnern Rumäniens führen können. Seine Antwort lautete: ,In e r s t e r L i n i e bin ich R u m ä n e!' In ein gewisses Unbehagen versetzte ihn mein Zuruf zum Abschied: ,Nein.' Eure Heiligkeit sind nicht in erster Reihe Rumäne, in erster Reihe sind Sie Christ!" Die richtige Schule Der Weltkongreß der orthodoxen Judenheit, die Kenessio Gedaulo, die im tschechoslowakischen Kurort Marienbad tagte, wurde vom Marienbader Stadtrat begrüßt. Das ist Brauch und Sitte, bei den Zivilisierten und bei den Wilden. Höflichkeit dem Gast gegenüber gehört zu den Selbstverständlichkeiten des Lebens und wie könnte sie im Lande der Präsidenten Masaryk und Benesch verabsäumt werden? Aber es scheint, daß wir die Rechnung ohne die Sudetendeutsche Partei gemacht haben; die Partei, PENSION HIRSCH, FURSTENHOF SEMMERING Während der Hohen Feiertage Gottesdienst Pitt hintenherum um jüdische Zimmermieter bewerben oder „Juden hinaus!" und hinten „Juden herein!", das ist so recht das Wesen der Bärenhäuterei. „Gemeinnutz geht vor Eigennutz" heißt die patriotische Parole, die den Henlein-Leuten vom großen Nachbar her bekannt sein dürfte. Aber es tut nichts zur Sache, wenn man diese Parole gegenenfalls um einen Winkeh von 180 Grad verschiebt; Vom juth'sdhen Buchhandel in Deutschland Gewissen jüdischen Buchhändlern ins Stammbuch Aus Berlin (J. T. A.): Das Bestreben Adolf Hitlers, die jüdischen Verleger, Buchhändler und Antiquare vollkommen aus dem deutschen Buchhandel aus-« zuschließen, findet jetzt seinen gesetzlichen Ausdruck in einer soeben erschienenen Verordnung, welche besagt: Jüdische Buchverleger und Buchhändler dürfen ihc Gewerbe im Deutschen Reich nur unter Beschränkung ihrer Tätigkeit auf jüdische Literatur und auf a u sschließlich jüdischen Abnehmerkreis ausüben. Als jüdische Literatur sind anzusehen: Bücher und Schriften — gleichgültig, ob in deutscher Sprache, in Hebräisch, Jiddisch oder einer anderen Fremdsprache —, deren Verfasser oder Herausgeber oder Mitarbeiter Juden sind. UeberSetzungen gehören zur jüdischen Literatur, wenn die Verfasser der Originalwerke Juden sind. Die Unternehmen des jüdischen Buchhandels führen in der Firmenbezeichnung neben dem Namen der Firma oder des Inhabers die Bezeichnung „Jüdischer Buchverl a g", wenn sie sich allein mit der Herstellung, „Jüdischer Buchvertrieb", wenn sie sich allein mit dem Vertrieb der jüdischen Literatur befassen. Die Firmenbezeichnung ist oberhalb der Türklinke in Augenhöhe anzubringen, und zwar bei Ladengeschäften durch ein deutlich erkennbares Firmenschild als jüdische Unternehmen zu kennzeichnen. Die jüdischen Buchverlage bedürfen für die Herausgabe jedes einzelnen Werkes der vorherigen ausdrücklichen Zustimmung des Herrn Hinkel. Die jüdischen Buchverlage sind verpflichtet, die von ihnen verlegte Literatur in Antiquaschrift zu setzen, soweit nicht die hebräische Schrift Verwendung findet. Für den Vertrieb von Literatur von allgemeinjüdischem Interesse, aber nichtjüdisch er Verfasser — zum Beispiel für wissenschaftliche Werke aus dem Gebiet der alttestamentarischen Theologie, Archäologie der Sprachwissenschaft, der Weltwirtschaft — kann in Einzelfällen von jüdischen Buchvertrieben die Genehmigung des Herrn Hinkel durch besonderen schriftlichen Antrag eingeholt werden. Auch Werke jüdischer. Verfasser, die in arischen Verlagen erschienen sind, bedürfen zum Vertrieb einer solchen Genehmigung des .Sonderbeauftragten. Leihbüchereien jüdischer Unternehmer sind sowohl als Einzelunternehmen als auch in Verbindung mit einem jüdischen Buchvertrieb verboten. * In unserer letzten Nummer, als im Zeitpunkt des Erscheinens dieser Verordnung, welche die jüdischen Buchhändler an den Bettelstab bringt, mußten wir als trauriges Kuriosüm berichten, daß sich In Oesterreich jüdische Buchhändler (die Inhaber der Firma Lechner Am Graben) dazu hergegeben haben, das Buch Adolf Hitlers „Mein Kampf" zu vertreiben. In Deutschland kämen die Herren dafür ins Konzentrationslager,

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