Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 685 (31.8.1937)
- Date
- 1937-08-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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leite 2 DIB NEUE WEM? Nr» 685 vom 31. August 1037 dient. Es soll dort auch ein Lazarett eingerichtet gewesen sein. Die Polizei hat in Nablus Photographien der in den Unruhen gefallenen Bandenmitglieder beschlagnahmt Indische Boykottdrohung wegen des Teilungsplanes Aus London: In Bombay fand eine große Massenkundgebung von Mohammedanern gegen den Teilungsvorschlag der Kgl. Kommission für Palästina statt. Es wurde eine Entschließung gefaßt, die die moslemitischen Führer Indiens beauftragt, eine besondere Körperschaft einzusetzen, die die Aufgabe haben soll, einen bestimmten Tag als „Palästinatag" zu organisieren. Es wird gegen die Haltung der britischen Regierung zum Palästina-Problem protestiert. An alle Mohammedaner wird appelliert, britische Waren zu boykottieren. Orthodoxie und Judenstaat Der agudistische (trennungs-orthodoxe) Kongreß in Marienbad hat, wie bereits gemeldet, über Empfehlung seines obersten rabbinlschen Rates eine Entschließung angenommen, in welcher die Teilung Palästinas abgelehnt und der Bildung eines Judenstaates unter der Bedingung zugestimmt wird, daß in diesem Staat das in der Thora niedergelegte Recht maßgebend sei. Die Debatte und die Abstimmung ergaben folgendes; Die palästinensischen Delegierten, insbesondere die Arbeiter, sind für den Judenstaat, ebenso die polnischen Delegierten und ein Großteil der tschechoslowakischen. Auch chassidische Rabbiner vertreten diese Richtung. Die Entscheidung des rabbinischen Rates kam nach schweren Kämpfen zustande, nachdem man hinter verschlossenen Türen ununterbrochen von der Mittagszeit bis 1 Uhr nachts gearbeitet hat. Es wurden ganze Bibliotheken von talmudischen Werken und Kommentaren in das Beratungszimmer gebracht. Es lagen zwei Minderheitsanträge vor: der erste forderte prinzipielle Verwerfung eines jüdischen Staates, da er ohne Messias gegen die Religion sei; der zweite forderte gänzliche Ablehnung des Peel-Berichtes vom religiösen Standpunkt. Für die vollständige Ablehnung des Judenstaates setzten sich bis zur letzten Minute die rabbinischen Autoritäten Elchonen Wassermann, Raw Kotler und Rabbiner Rottenberg aus Antwerpen. ein. In der politischen Kommission kristallisierten sich zwei Meinungen: Ja- und Nein-Sager. Was die Frage der Teilung Palästinas ohne Herrschaft der Thora anbelangt, so war es die einstimmige Meinung, daß man nein sagen muß. Es waren aber auch Meinungen gegen einen Judenstaat, sogar wenn die Grenzen erweitert und die Herrschaft der Thora gesichert wären. Diese extreme Meinung hat nicht gesiegt. Gesiegt hat die Meinung derjenigen, welche Verhandlungen mit der englischen Regierung bezüglich des Peel-Berichtes und des selbständigen Judenstaates auf anderen Grundlagen zulassen. Stürmische Szenen in Marienbad Aus M a r i e n b a d (J. T. A.): Während der Generaldebatte kam es im Plenum der Kenessio Gedaulo zu stürmischen Auseinandersetzungen, welche die'Beratungen lahmzulegen drohten. Als Sprecher der Opposition hielt der palästinensische. Führer der Poale Aguda (agudistische Arbeiter), Jankelewicz, eine, sehr scharfe Rede gegen die Leitung, der er vorwarf, daß sie mit Jabotins ky Verhandlungen begonnen habe, ohne die agudistischen Arbeiter vorher, zu befragen. Bei den Revisionisten, sagte der Redner, ist die Waffe die Hauptsache, bei uns ist sie ein Schandfleck. Wir jüdischen Arbeiter aus Palästina kennen den ganzen Bluff der revisionistischen Organisation, die niemand hinter sich hat, außer ein paar Nachläufern. Die Revisionisten führen jetzt das Wort „Thora" im Munde, aber wir wissen, daß es Trug ist. Sie verblenden uns mit ihrer Demagogie, und wir vergessen, daß die ersten, die im Hafen von Haifa den Schabbos entweiht haben, die Revisionisten waren. Der Redner warnte vor den gefährlichen Folgen eines Paktes mit den Revisionisten. Wir müssen, sagte er, das unmoralische Monopol der Zionisten brechen, i aber nicht mit Hilfe derselben Zionisten, die gestern gemeinsam mit den anderen gegen uns gekämpft haben und es morgen wieder tun werden. Schließlich richtete Jankelewicz scharfe Angriffe gegen die Leitung der Aguda, welche die 2000 agudistischen Arbeiter in Erez Israel bei einem Durchschnittslohn von 10 bis 15 Piaster im Tage buchstäblich verhungern läßt und sie unter das Joch der roten Histadruth zwingt. Die agudistischen Arbeiter haben keine Schulen, keine Leihkassen und sind vollständig dem Untergang geweiht, weil die Aguda den agudistischen Arbeitern nur Zertifikate gibt, ohne sich welter um sie zu kümmern. Mit den Worten: „Der von euch geschlossene Pakt mit den Revisionisten wird ein Schandfleck für die thora-. treuen Arbeiter Palästinas sein!" schloß der Redner seine Ausführungen, die einerseits stürmisch akklamiert wurden, andererseits heftige Proteste und Krawalle im Saale hervorriefen. Ihm antwortete der politische Sekretär der Aguda, Harry Goodman. Uns interessiertnicht, sagte er, ob Jabontinsky koscher ißt oder nicht. Wir müssen das unmoralische Monopol der Zionisten brechen und wir werden mit j e d e m zusammengehen, der denselben Zweck Verfolgt. Entweder wir werden das durchführen, oder wir hören auf, zu existieren. Wir wollen nicht, daß an die Stelle des Volkes eine marxistische Internationale tritt. In einem solchen Moment gibt eskeineheiligereAuf gäbe, als dies durch Bündnisse zu verhüten, W6i# mann hat noch vor sechs Monaten einen Pakt über die Teilung geschlossen. Wir werden aber keine Beschlüsse anerkennen, die nur von einer Partei gefaßt werden. Man hat uns nicht gefragt, Aber wir werden unser Wort sagen. Rektor Magnes und die Araber Aus Tel-Aviv: Die Arbeitertageszeitung „Dawar" meldet aus Genf, daß der langjährige Rektor und jetzige Präsident der Jerusalemer Hebräischen Universität, Dr. J. L. M a g n e s, in Genf mit der dort weilenden arabischen Delegation über die Organisierung einer jüdisch-arabischen Round Table-Konferenz verhandelt. Die Araber hätten als Voraussetzung für eine solche Konferenz die Forderung gestellt, daß die Juden sich mit der Einstellung der Einwanderung, Verbot des Bodenkaufs und Schaffung einer arabischen nationalen Regierung in Palästina einver standen erklären. Als Kompensation sollen den Juden die Rechte einer nationalen Minderheit zugestanden werden. Dr. Magnes hätte als Basis für die weiteren Verhandlungen die Schaffung eines binationalen Staates mit beschränkter jüdischer Ein Wanderung vorgeschlagen und versprochen, daß die amerikanischen Mitglieder der Jewish Agency sich bemühen werden, die Zustimmung der, Zionisten zu einem solchen Plan zu erlangen. Dies hätten die Araber abgelehnt. Obwohl die Verhandlungen in Genf bis jetzt kein Resultat gebracht haben, hat allein schon die Tatsache, daß Verhandlungen über eine Round-Table Konferenz stattfinden, unter den arabischen Führern in Palästina eine starke Unruhe hervorgerufen. Sie haben sich an die Mitglieder der arabischen Delegation in Genf, Auni Bey Abdul Hadi und Jamal Husseini, mit der Forderung gewandt, Er klärungen hiezu abzugeben. Darauf hätten die beiden arabischen Delegierten erklärt, sie seien in die Verhandlungen mit Magnes eingetreten, nicht um irgendwelche Resultate zu erzielen, sondern lediglich aus taktischen Rücksichten; ihnen gehe es darum, die Jewish Agency zu spalten und die Erklärung des Kolonienministers Ormsby-Gore, daß die Araber in keinerlei Verhandlungen treten wollen, zu diskreditieren. Wie „Dawar" weiter meldet, hat die Mitteilung über die Vorschläge seitens Dr. Magnes' im jüdischen Palästina allgemeine Verurteilung und Empörung ausgelöst. Dr. Magnes dementiert Die J. T. A. meldet aus Paris: Der jetzt in Paris weilende Präsident Dr. Magnes erklärte, daß die vom „Dawar" in Tel-Aviv gebrachte Mitteilung, er, Magnes, habe in Genf mit der dort weilenden arabischen Delegation über eine jüdisch-arabische Round- Table-Konferenz verhandelt und mit derselben auch einen . Gedankenaustausch über die Bedingungen des arabisch-jüdischen Friedens gehabt (siehe J. T. A. Nr.. 197, Seite 1 und 2), von Anfang bis zu Ende erfunden sei; es handle sich um „komplette Fälschungen" (complete falsehoods). Dr. Magnes erklärt weiter, er habe seit April dieses Jahres nicht in Genf geweüt und habe niemals, weder in Genf noch an einem anderen Platz, mit einer arabischen Delegation — sei es auf der vom „Dawar" angegebenen oder auf, einer anderen Grundlage — Verhandlungen geführt. * Die Entrüstung der Arbeiterpartei wegen der Haltung des Rektor Magnes kommt sehr spät. Doktor Magnes hat sich immer als Gegner eines selbständigen jüdischen Palästina bekannt. Er war immer Führer der Bewegung „Brith Schalom", welche letzten Endes dahin zielt, den Arabern die politische Herrschaft über Palästina zuzuerkennen, und für die Juden im wesentlichen nur ein geistiges Zentrum erstrebt. Fast fünfzehn Jahre hat er die Universität in diesem Geiste geleitet und zum Sammelpunkt aller gegen die Judenstaatsidee eingestellten Faktoren gemacht. Es ist KINO-PROGRAMME f CHWEDEN Von 10uhrvorm'bis6Uhrabend3 wmmmmmmm Lebende Zeitung A - 49 - O 60 Nur y,7 und 0 Uhr abends Metro - Qoldwyn - Mayer - Festspiele 7. Woche Paul Muni, Luise Rainer, Tilly losen i SN *fc Die gute Erde KREUZ-KINO BULLDOG DRUMMQND, ' '' u^'n'" DER MEISTERDETEKTIV Telephon R-24-2« 16 Vorstellungen; «f%«(^vno Roglnald Danny, Ray Milland wiederholt zu Demonstrationen der national eingestell-» ten Studentenschaft gegen ihn gekommen, aber immer stellte dich die sozialistisch organisierte Mehrheit der Lehrer* und Studentenschaft an seine Seite. Wenn nun die Arbeiterpartei ihr Organ gegen Rektor Magnea Sturm blasen läßt, so kämpft sie gegen einen Mann, den sie selbst hat großwerden lassen. Ob Rektor Magnes jetzt einer arabischen Delegation mündlich seine Ansichten bekanntgegeben hat oder nicht, ver« schlägt wenig. Hat er doch erst wenige Tage vorher, auf der Tagung der Jewish Agency in Zürich» sein Bekenntnis zum binationalen Staat und zum Verbot der Einwanderung vor der breitesten Oeffentlichkeit abgelegt. Aus Polen Neue Unruhen Aus Warschau: Aus dem Städtchen Stoeze^ Distrikt Wengrow, sind Meldungen über blutige antijüdische Unruhen eingetroffen, Nationaldemokratisehe Agitatoren und verhetzte Bauern zerstörten die jüdischen Läden und Warenstände, raubten die Waren und mißhandelten zahlreiche jüdische Einwohner. Man zählt etwa dreißig verletzte Juden, von denen Mechel Kleinberg in bedenklichem Zustand ins Hospital eingeliefert werden mußte. Aus Lomza, Kolno und Jedwabne trafen ebenfalls Nachrichten über Marktpogrome ein. Zahlreiche jüdische Läden und Warenstände wurden zerstört und ausgeraubt und jüdische Einwohner schwer mißhandelt. Sehr ernste antijüdische Ausschreitungen erfolgten auch in Bransk, Distrikt Bialystok, im Verlauf des Jahrmarktes. Hunderte nationaldemokratische Huligans überfielen die jüdischen Händler und vertrieben sie vom Marktplatz. Dabei wurden die Juden fürchterlich geschlagen, fünfzig von ihnen wurden erheblich verletzt, davon sieben so schwer, daß sie ins Hospital eingeliefert werden mußten. Die terrorisierten Juden haben sich in ihren Wohnungen verbarrikadiert. In Kaden am Bug wurden fünf Juden ernstlich verletzt. Die Huligans zerstörten die Synagoge und schlugen die Fensterscheiben in etwa hundert jüdischen Wohnungen ein. In den Sommerfrischen Kobilko, Sosnowka und Nov-Wiesz bei Warschau terrorisierten Gruppen junger Huligans die jüdischen Kurgäste. Die jüdischen Familien haben vorzeitig ihre Sommerwohnungen aufgeben und nach Warschau zurückkehren müssen. Wie man sich der Juden entledigt. Die Stadtverwaltungen in Nowy-Dwor, Garwolin* Ostrow-Mazowieck, Wlaclawek, Szydlowte und in anderen Städten Polens haben sich einen originellen Plan zurechtgelegt, ihre jüdische Bevölkerung loszuwerden. Sie haben Verordnungen erlassen, wonach ganze Reihen jüdischer Häuser wegen angeblicher Baufälligkeit niedergerissen werden und das Wohnen in vielen anderen Häusern verboten wird. Die obdachlos gewordenen jüdischen Familien erhalten keine Ersatzwohnungen. In Ostrow-Mazowieck sollen 65 jüdische Häuser, in denen hunderte jüdische Familien wohnen, geräumt werden. Verschiedene Terrormittel werden angewendet, um die jüdischen Eigentümer zu veranlassen, ihre Häuser an Christen zu verkaufen. In Szydlowte ordnete der Bürgermeister die Räumung von vierzig Häusern mit jüdischen Bewohnern an. Noch bevor die Wohnungen geräumt wurden, wurde mit der Niederreißung der Häuser begonnen. Die Lage der obdachlos gewordenen jüdischen Familien ist verzweifelt. Abordnungen der jüdischen Gemeinden dieser Städte sind in Warschau eingetroffen, um gegen die Willkür der Stadtverwaltungen zu protestieren, l ^j^JJII^^ Freitag, den 27. August, wurde in Wien Rechtsanwalt Dr. Herbert Schutzmann zu Grabe getragen. Der im besten Mannesalter dahingeraffte Mann war eine der geschätztesten Persönlichkeiten des Wiener Judentums. Ein edler Mensch, ein untadeliger Charakter, ein ergebener Diener der jüdischen Sache, der seine Verdienste hinter einer auf die Spitze getriebenen Bescheidenheit verbarg. Besonders in den letzten Jahren hat Dr. Schutzmann, welcher im Verband radikaler Zionisten organisiert war, mit besonderer Hingebung dem Zionismus gedient. Als geschäftsführender Vizepräsident der Kommission des Keren Hajessod hat er unermüdlich und unter schweren Umständen gewirkt. Der Tod hat ihn mitten in der Arbeit dahingerafft. Sein Hingang hat seiner Familie, seinem großen Freundeskreis und der Zionistischen Organisation einen unersetzlichen Verlust zugefügt. Ehre seinem Andenken! Bing der Alt-Herren-Verbände der zionistischen Verbindungen. Der Ring beschließt seinen Sommeraufenthalt im Cafe Gartenbau und eröffnet seine Klubräume am 31. August auf dem Kohlmarkt 10. Als erste Veranstaltung des Winter-* Semesters findet am 2, September 1. J. um 8 Uhr 30 abends ein Vortragsabend statt, bei welchem unsere Bb. Bb. Oberbaurat Ing. Robert Stricker und Rechtsanwalt Doktor Oskar .Grünbaum über den 20. Zionisten« koiigreß in Zürich berichten werden<