Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 685 (31.8.1937)
- Date
- 1937-08-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 3 DIE NEUE WELT Nr. 685 vom 31. August 1937 AUS PALÄSTINA Weitere Terrorakte Aus Jerusalem: Der Terror gegen Araber, die geschäftliche Verbindungen mit Juden unterhalten, dauert unvermindert an. Fünf Araber, die für die jüdische Bevölkerung bestimmtes Gemüse nach Safed bringen wollten, sind aus dem Hinterhalt beschossen worden. Ein Maulesel wurde getötet. In dem Dorfe Birza bei Akko wurde von einer Polizeipatrouille eine Durchsuchu'ng vorgenommen. Der Sohn des Scheichs leistete mit dem Revolver in der Hand Widerstand, Er wurde auf der Stelle erschossen. Am Grabe eines Palästina-Märtyrers Aus Jerusalem: An der Stelle, wo Efraim C z i z i k im Jahre 1929 bei der Verteidigung der Kolonie Hulda gefallen ist, wurde in Anwesenheit tausender Siedler und Arbeiter, die aus dem ganzen Lande zusammengeströmt waren, ein von Bathia Lischansky geschaffenes Denkmal für den Märtyrer enthüllt. Der Vorsitzende des Waad Leumi, Jizchak Ben Zwi, erklärte, daß der Jischuw auch in Zukunft mit größter Hingabe für den Schutz seines Landes eintreten werde und zu den größten Opfern bereit sei, um seinen Boden zu verteidigen. Die Teilnehmer leisteten den feierlichen Schwur, keinen Zoll breit von dem durch jüdisches Blut geheiligten palästinensischen Boden aufzugeben, Der neue Kommandant der britischen Truppen in Palästina Aus Jerusalem: Generalmajor Ä. P. Wawell, der als Nachfolger von Generalleutnant J. G. Dill das Oberkommando der britischen Truppen in Palästina übernimmt, ist in Jerusalem eingetroffen, Die Polizei in Te!«Aviv Aus Tel-Aviv: Die Tel-Aviver Stadtverwaltung hat sich in der letzten Zeit mit der Regelung der Polizeiverhältnisse befaßt. Es gibt zur Zelt drei Arten von Polizei in Tel-Aviv. Das eigentliche städtische Polizeikorps besteht aus lOOjüdischenPolizisten, die von der Stadtverwaltung einen Zuschuß zu der Löhnung erhalten, die ihnen die Regierung zahlt. Außerdem gibt es britische Polizisten und schließlich etwa hundert jüdische Hilfspolizisten, die eine besondere Uniform tragen. Diese erhalten nur 6 Pfund monatlich. Da die Stadtverwaltung auf Grund eines Abkommens mit der Regierung Anspruch auf 200 jüdische Polizisten hat, fordert sie die Eingliederung der Hilfspolizisten in die reguläre Polizei, Französisch-jüdische Flieger in Palästina Aus Tel-Aviv: Zu Ehren der beiden französischjüdischen Flieger, Brüder Nicola und Reymond Schuhmacher, die in einem blau-weißen und mit einem MagenDavid gekennzeichneten Aeroplan aus Paris in Palästina eingetroffen sind, veranstaltete der palästinensische Aeroklub einen Empfang. Die Gäste wurden vom Generalsekretär des Magistrats, Nediwi, vom Direktor des palästinensischen Flugwesens, Ydelman, und dem englischen Piloten Andrews begrüßt. Die Flieger überbrachten ein Schreiben des Senators und früheren Ministers Justin G o d a r t an den Bürgermeister von Tel-Aviv, Israel Rokach, in welchem es heißt: „Wir wünschen, daß der jüdische Staat auf der Grundlage weiter Grenzen mit nicht beschränkter Einwanderung und einer arabisch-jüdischen Verständigung errichtet werde." Das Schiff „Tel-Aviv" wird japanisch Aus Jerusalem: Der Personendampfer „Tel- 'Aviv", das „jüdische Schiff" der Palestine Shipping Company, ist in dieser Woche seinen neuen japanischen Besitzern übergeben worden, die ihn für 28.000 Pfund erworben haben. Bevor es zu dem endgültigen Auschluß des Verkaufes kam, hatten Verhandlungen über eine Uebernahme zwischen den bisherigen Eigentümern und der Jewish Agency stattgefunden. Sie scheiterten jedoch daran, daß die Gesellschaft verlangte, die Jewish Agency solle auch einen Teil ihrer Schulden übernehmen. Neue Wasserwerke für Tel-Aviv Aus Tel-Aviv: Die Tel-Aviver Stadtverwaltung hat die Errichtung von neuen großen Wasserwerken zur Versorgung der Stadt beschlossen. Die Errichtung dieser Werke wird einen Betrag von etwa 4 50.00 0 Pfund erfordern. Es soll zu diesem Zweck eine Anleihe b*5i einer ausländischen Finanzgesellschaft aufgenommen werden. Das Wasser soll der Stadt aus dem Jarkonfluß zugeführt werden. Die neuen Werke sollen imstande sein, 100.000 Kubikmeter täglich zu liefern. Die bestehenden Brunnenanlagen liefern nur 36.000 Kubikmeter pro Tag. Investitionen und Kapitalserhöhungen in Palästina Aus Jerusalem: Laut den Veröffentlichungen des Regierungsamtes für Statistik sind im ersten Halbjahr 1937 in Palästina Kapitalsinvestierungen in der Gesamthöhe von 1,722.000 Pfund vorgenommen worden. Im ersten Halbjahr 1936 betrugen die Investierungen 1,056.000, im ersten Halbjahr 1935 2,919.000 Pfund. Die Zahl der neugegründeten Unternehmungen betrug im ersten Halbjahr 1937 112, das auf eie entfallende {Kapital 669.000 Pfund, In demselben {Zeitraum des vergangenen Jahres waren 104 neue Unternehmungen mit einem Kapital von 572.000 Pfund eingetragen worden. Kapitalserhöhungen haben im ersten Halbjahr bei 24 Gesellschaften stattgefunden. Das Aktienkapital wurde dadurch von 1,592.000 um 1,060.000 auf 2,652.000 Pfund vermehrt. Im ersten Halbjahr 1936 hat die Kapitalserhöhung bei 24 Gesellschaften 484.000 Pfund betragen. Andererseits haben drei Gesellschaften ihr Aktienkapital um 7000 Pfund herabgesetzt. Starker Rückgang des Zementverbrauches in Palästina Aus Jerusalem: Der Zementvesbrauch ist in Palästina im letzten Jahr stark zurückgegangen. Nach Schätzung von Fachleuten wird der diesjährige Verbrauch 160.000 Tonnen betragen, das heißt etwa die Hälfte des Verbrauches im Jahre 1934 und 40 Prozent desjenigen von 193 5. Nach der amtlichen Statistik sind in den ersten fünf Monaten dieses Jahres durchschnittlich 6500 Tonnen Zement monatlich eingeführt worden; man berechnet die Gesamteinfuhr von Zement in diesem Jahr mit 77.000 Tonnen bei einem Verbrauch von 160.000 Tonnen. Infolge der gesunkenen Nachfrage hat die Zementfabrik „Nesher" bei Haifa den Betrieb eingeschränkt. Die Fabrik, die technisch in der Lage ist, 300.000 Tonnen jährlich zu erzeugen, hat bereits im vergangenen Jahr den Betrieb auf die Hälfte reduziert. Jetzt wird der Betrieb noch weiter eingeschränkt, weil es weder im Lande selbst genügende Absatzmöglichkeiten gibt noch auch in Nachbarländer, wie zum Beispiel Syrien, exportiert werden kann. Die Betriebseinschränkung hat zu der Entlassung von 250 Arbeitern geführt. Folgen der Züricher Ausschreitungen Aus Zürich: Die von der Nationalen Front während des Züricher Zionistenkongresses organisierten antisemitischen Umtriebe dürften der Kommunistischen Partei des Kantons das Leben gerettet haben. Die von der Bauernpartei ergriffene Initiative zum Kommunistenverbot in Zürich ist jetzt bereits als gescheitert zu betrachten, nachdem die Freisinnigen und die Demokraten erklärt haben, daß sie nicht ein Begehren unterstützen werden, das Ruhestörer von links trifft, um Ruhestörern von rechts das Feld freizumachen. Verdammungsurteil gegen Judenverfolgung m Deutschland gefordert Aus Dublin (J. T. A.): Die führende katholische Zeitung Irlands, „The Standard", fordert, daß die katholische Kirche in ihrer Gesamtheit ein Verdammungsurteil gegen die Verfolgung der Juden in Deutschland spricht. Bis jetzt, schreibt die Zeitung, haben wir von keiner offiziellen Verurteilung der Judenverfolgungen in Deutschland seitens der Kirche Kenntnis erhalten. Daß die Kirche den Antisemitismus verurteilt, kommt in einem Dekret des Heiligen Amtes aus dem Jahre 1928 zum Ausdruck. Das muß heute im Hinblick auf die Lage in Deutschland wiederholt werden. Genau so, wie die Kirche jeden Haß unter Völkern zurückweist, solle sie ein besonderes Urteil über den Geist des Hasses gegen das einst vom allmächtigen Gott erwählte Volk sprechen, über den Geist des Antisemitismus. Wird auf dem kommenden Nürnberger Parteitag gegen die Juden gehetzt werden? Aus Prag: (J. T. A.) Auf allen bisherigen Nürnberger Parteitagen der NSDAP, haben der Reichskanzler H i 11 e t, die Reichsminister und die hohen Parteibeamten maßlose diffamierende Reden gegen die Juden gehalten. Die antijüdischen Gesetze wurden in Nürnberg beschlossen. Jetzt heißt es, daß die Botschafter Englands und Frankreichs zum erstenmal dem kommenden Nürnberger Parteitag beiwohnen werden. Wie Londoner Zeitungen melden, gibt man dazu in Kreisen des Foreign Office folgenden Kommentar: Bisher konnten die Botschafter an den Nürnberger Parteitagen nicht teilnehmen, weil sie hätten gewärtigen müssen, wütende Ausfälle gegen verschiedene Völker, Religionen und Rassen mit anhören müssen. Jetzt sei aber in Berlin die Versicherung abgegeben worden, daß Botschafter Neville Henderson, wenn er am 6. September in Nürnberg erscheint, keine aggressive Rede zu hören bekommen wird. Ob die traditionellen Judenhetzereien der Parteitage diesmal auf einen anderen Tag verlegt worden sind, bleibt abzuwarten. Mannschaftsmeisterschaft der Binger. In der Mannschaftsmeisterschaft der Ringer führt derzeit der S p o r tklub Hakoah mit knappem Vorsprung vor der Polizei-Sportvereinigung. Am Dienstag, den 31. d., findet nun ein Klubkampf statt, der den Verlauf der Meisterschaft weitgehendst beeinflussen wird. Die Hakoah hat hier gegen einen schweren Gegner, die Ringerstaffel des S. C. Herkules, anzutreten, die sie im Frühjahr nur mit einem Punkt Differenz zu schlagen vermochte. Da Herkules selbst noch gute Chancen auf die Meisterschaft hat, wird es einen knappen und spannenden Kampf geben. Beide Vereine treten in stärkster Aufstellung an. Für die Hakoah kämpfen: Lakner, Schneider, Finczas, Gottlleb, Pelzmann, Feldmann und Müller. Der Kampf beginnt um 20 Uhr im Ringlokal der Hakoah, II., Praterstraße 48. Eigentümer, Verleger, Herausgeber: Oberbaurat Robert Stricker. Verantwortlicher Redakteur: Fritz Kolb. — Druck: Druckerei- und Ver!ags-A.-G. Ignatz Steinmann, alle Wien, IX., Unlversitätartraße. 6-8, Porzellan, Steingut, Glas: Einzelne Torzellan-Teller, dekoriert . . S —.89 Porzellan-Schalen mit Tasse, weiß . . . 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