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Die neue Welt · 1937-08-27 · Heft 684 (27.8.1937) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 684 (27.8.1937)
Date
1937-08-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 684 vom 27. August 1937 „Die Sdiändh'dikefe selbst..." Aus Zürich: Der von Hitler-Deutschland geächtete große deutsche Schriftsteller und Nobel-Preisträger Thomas Mann gibt im Oprecht-Verlag (Zürich) eine Zweimonatschrift, „Maß und Wert", heraus. In der Einleitung zum ersten Heft schreibt er: „Die Wiederherstellung des Begriffes aus Verdrehung und Verderbnis liegt uns am Herzen. Wiederherstellung überhaupt, aus Verwirrung und moralischer Herrschaftslosigkeit, scheint uns die dringendste Aufgabe des Geistes und jedes guten .Willen». Daher der Titel dieser Blätter. Es ist wahr: Maß und Wert sind der Zeit verlorengegangen. Länder, Gruppen, Parteien, Dogmen behaupten, und ^erfolgen heute ihre unumschränkte, subjektive Geltung, und in den aberwitzigen Vernichtungskämpi>n, die unsere Welt in Stücke reißen, ist jedes überlegene, gemeingültige, humane Kriterium in grauenhafte Vergessenheit geraten. Not tut die Besinnung auf ein souveränes Maß, an dem die Tatbestände, die Menschen, die Werke zu messen sind, von dem sie ihren rein menschlichen Wert erhalten... Heute ist mitten in Europa ein Schandpragmatismus aufgerichtet worden, welcher den Unterschied zwischen Wahrheit und Lüge anzuerkennen sich weigert; welcher den Geist selbst , zugunsten des Nutzens leugnet und ohne Skrupel Verbrechen begeht oder gutheißt, wenn sie dem Nutzen dienen oder dem, was er so nennt; der vor dem Begriff der Fälschung nicht im mindesten zurückschreckt, sondern dem Fälschung ebensoviel gilt wie Wahrheit, wenn sie in seinem Sinne nützt. Und da alle Sittlichkeit auf die Wahrheit zurückzuführen ist; da Wahrheit und Recht ganz ein und dasselbe sind und Recht nur die Anwendung der Wahrheit ist, so spricht der Menschentyp, der diese Wahrheitslehre erfand, der gesitteten Welt den Satz ins Gesicht: „Recht ist, was dem V o 1 k e nütz t." Das ist schändlich. Es gibt nichts Schändlicheres, sondern dies ist die Schändlichkeitselbst und die Quelle alles Schändlichen. Unmoral und Philisterei werden eins darin; es ist das schlechthin Schlechte, die Barbarei. Zur Lag® der Juden' in Ruminien Der Patriarch geht der Heize voran Carol Peter Petrescu, Führer der Radikalen Bauernpartei Rumäniens, hat durch die Deputiertenkammer an Premierminister Tatarescu ein. Memorandum gerichtet, in welchem die g e w a 11antisemitische Haltung des Oberhauptes der griechisch-orthodoxen Kirche in Rumänien, P a t r iarch Miron Christea, wie in seiner Erwiderung auf die Rundfrage des „Curentul" zum Ausdruck kommt, in scharfen Worten verurteilt wird. In dem Memorandum wird die Aufmerksamkeit der Regierung auf die gefährlichen Folgen gelenkt, die sich aus der Erklärung des Patriarchen ergeben könnten, und darauf hingewiesen, daß die Press e-, zensur alle kritischen Aeußerungen zu dieser Erklärung unterdrückt hat, wodurch der Eindruck erweckt wurde, daß die.Regierung die Ansicht des kirchlichen Oberhauptes guth e i ß e. Das Resultat solcher Erklärungen, heißt es in dem Memorandum weiter, werde eine Stärkung der Herrschaft der primitiven Instinkte und eine Verschärfung des in Rumänien herrschenden Zustandes der Unsicherheit und Unruhe sein, die nur dazu angetan sind, dem Prestige Rumäniens im Auslande zu schaden. Es wird eine sofortige Untersuchung der Erklärung des Patriarchen gefordert, die das Vorhandensein des jüdischen Problems in Rumänien dem Mangel an Voraussicht seitens der Regierung, der Unfähigkeit des Verwaltungsapparates und einer falsch angewandten Gastfreundschaft zuschreibt. Zum Scheuß wird erklärt, daß, das jüdische Problem weder durch Gewaltakte, noch durch innere Zwistigke-iten gelöst werden kann, sondern nur dadurch, daß ein weiterer Zustrom von Juden nach Rumänien verhindert und eine jüdische Auswanderung, durch Zusammenarbeit mit der Zionistischen Organisation gefördert wird. . In den maßgebenden Kreisen der Radikalen Bauernpartei ist man der Ansicht, daß, obwohl das Parlament gegenwärtig nicht tagt, die gewaltantisemitische Erklärung des Patriarchen dem Hause vorgelegt werden kann, da es sich hier um einen Fall von außerordentlicher Wichtigkeit handle; für solche Fälle sieht, das Gesetz eine Sonderbehandlung vor. Die vom Patriarchen Miron Christea veröffentlichte Erklärung ist in ihrem Wortlaut ein von Haß und Böswilligkeit gegenüber den Juden erfülltes Dokument. Er bezeichnet darin die Juden als P a r as i t e n, die eine Epidemie von Korruption und sozialem Uebel hervorgerufen haben. Während des Krieges hätten sie, in Massen aus Gälizien, Rußland, Oesterreich, Ungarn und Deutschland kom'mend, das Land überflutet und die Existenz der Rumänen bedroht. Man möchte, schrieb er, weinen vor Mitleid mit dem armen rumänischen Volke, dessen innerstesMark von den Juden ausgesogen wird. Daa christliche Pehot „Liebe deinen Nächsten wie dicH selbst" bedeute nicht, daß nicht Maßnahmen ergriffen werden dürfen, um sich jener zu erwehren, die wie Blutegel das Blut der christlichen Rumänen aussaugen. Man sei nicht nur berechtigt, sondern es sei sogar heilige Pflicht, sich von dieser Pest zu befreien. Der frühere Premierminister und Historiker Prof. Nicolae J o r g a, unterstützt den Patriarchen in einem von allen nationalistischen Zeitungen veröffentlichten Aufruf an die Rumänen, sich zur Wiedereroberung alles dessen, was ihnen von den Juden genommen wurde, zusammenzuschließen. Tragische Ironie Das Czernowitzer „Morgenblatt" befaßt sich in einem Leitartikel „Z u r ü ck zur Wahrheit" mit der gegenwärtigen Lage der Juden in Rumänien. In dem Artikel heißt es u. a.: „Die Hetzkampagne gegen die Juden zieht immer weitere Kreise. Die Haßwelle steigt und sie erfaßt Stellen, von denen man bisher hätte annehmen dürfen, daß sie in ihren verantwortlichen Positionen sich auch eine gewisse objektive Betrachtungsweise angeeignet haben. Wie wir sehen, ist das Gegenteil der Fall und die Grammophonwalze vom „Steigen des jüdischen Einflusses" wird immer fleißiger eingelegt. Dieser Lärm über die Steigerung der jüdischen Macht begleitet die Tatsache des täglichen wirtschaftlichen Niederganges der Juden und ihrer fortschreitenden Verdrängung aus bisher innegehabten sozialen und wirtschaftlichen Positionen." „Aus allen Aemtern sind die Juden ausgeschaltet. Dieser Umstand hat ihren Zustrom zu freien Berufen zur Folge gehabt. Nun beginnt die Verdrängung auch aus diesen. Die Entwicklung, die heute sich in der Advokatur ankündigt, wird morgen den Aerzteberuf und andere private Berufsarten erfassen. Die Nationalisierungsgesetze zeigen, ob sie nun zeitweilig abgeschwächt werden oder nicht, deutlich an, daß diese Tendenz auch auf die Industrie übergreift. Im Handel machen sich Anfangserscheinungen geltend, deren Zielsetzung die gleiche ist... Während die jüdische Bevölkerung in den Wurzeln ihrer Existenz getroffen, der ärgsten sozialen Bedrohung ausgesetzt wird, muß sie die Anklage vernehmen, daß sie der Mehrheitsbevölkefung die Grundlagen ihrer Existenz abgräbt. Eine sonderbare Taktik und eine wahrhaft tragische Ironie." Rumänien braudal seine luden Aus Bukarest: „Curentul" bringt in einer Enquete über die Judenfrage in Rumänien einen- Artikel des Rechtsgelehrten und früheren Justizministers Prof. Mircea D j u v a r a. Palästina, schreibt Djuvara, ist für die Juden hauptsächlich ein moralisches Problem: Jene Juden, welche die Verbundenheit zu der Jahrtausende zurückliegenden Vergangenheit lebendig in sich fühlen, sehen mit großeY Genugtuung der Wiedererrichtung ihrer alten Heimstätte im Lande Israel entgegen. Dort könnte ein neues Kulturzentrum geschaffen werden, welches bedeutenden Anteil an dem allgemeinen Fortschritt dier Menschheit nehmen würde. Ich hatte Gelegenheit, große Gelehrte kennenzulernen, die leidend durch die Welt irren und grausam ausgewiesen werden, nur weil sie Juden sind, Opfer der Verfolgungspolitik eines Landes, an dessen geistigem Ruhme sie mitgewirkt hatten. Die Annahme aber, daß durch die Schaffung des Judenstaates in Palästina das Judenproblem in. den Ländern der Welt gelöst wird, ist naiv. Von einer Massenauswanderung von Juden aus Rumänien z. B. kann keine Rede sein. Jene, die hier geboren sind, werden sich nur schwer entschließen, Rumänien zu verlassen. Wir dürfen uns nicht der Illusion hingeben, daß Rumänien ohne Juden bleiben könnte. Es"ist keine gute rumänische Tat, zwischen uns und unseren Minderheiten einen Abgrund zu graben. Das nützt nur unseren Feinden im Auslande und bedeutet eine Mißachtung unserer großen Zukunftsinteressen. Prof. Mircea Djuvara schließt: Es würde eine unselige Verblendung bedeuten, wenn wir nicht einsehen wollten, daß es Juden gibt, welche mit der Seele unseres Landes und unseres Volkes zutiefst verbunden sind. Wer weiß es nicht, daß wir manchesmal die Juden nötig haben. In geschäftlicher Hinsicht kommt es oft vor, daß sie uns einen Ausweg aus einer verwickelten Lage zeigen. Wir dürfen nicht vergessen, daß unsere Religion von den Juden stammt. Ausweisung von Nazi-Spitzeln aus Kopenhagen und Stockholm Aus Kopenhagen (J. T. A.): Nach der Ausweisung mehrerer deutscher Journalisten aus England, von denen sich herausgestellt hatte, daß sie sich mit der Ueberwachung aus Deutschland emigrierter Juden beschäftigt hatten, hat nun auch die Polizei in Kopenhagen fünf Reichsdeutsche verhaftet, denen vorgeworfen wird, daß sie die jetzt in Dänemark lebenden deutschen Emigranten, unter ihnen besonders die jüdischen, bespitzelt haben. Außerdem hätten die Verhafteten an andere deutsche Staatsangehörige in Dänemark Fragebogen geschickt, in denen die Adressaten aufgefordert wurden, alle Beobachtungen über dänische Vorgänge, insbesondere Nachrichten über Häfen und Flughäfen, weiterzugeben. Dr. Abraham Schmerler — 50 Iahte alt Am 24. August beging Dr. Abraham Schmerler seinen 50. Geburtstag. Dr. Abraham Schmerler, der von Stanislau nach Wien kam und hier seine Studien beendigte, hatte sich schon in jungen Jahren der zionisti« sehen Bewegung angeschlossen, in deren vordersten Kampfreihen er seit mehr als dreißig Jahren steht. Im Jahre 1919, nach dem bekannten Sever-Erlaß, gründete er das Rechtsbüro des Jüdischen Nationalrates und ist seitdem ausgewiesenen- und verfolgten ►Juden bei Wahrung ihrer Rechte hilfreich zur Seite gestanden. Dr. A. Schmerler zählte auch zu den Gründern der Kreditkasse. Er ist Obmann der Bezirkskommission der Wiener Kultusgemeinde für den 2. Bezirk., Seit drei Jahren leitet Dr. Schmerler den Jüdischen Arbeitsnachweis und hat auch in dieser Position segensreiche, ersprießliche Arbeit geleistet. An seiner Geburtstagsfeier nehmen alle Zionisten Wiens herzlichst Anteil. £§Sme der Woche (Nachdruck nur mit Genehmigung des Blattes) Frankreich: Roman eines Schwindlers — Die Perlen der Krone — Der geliebte Vagabund — La belle Equipe — Menschen unter Menschen — Liebe macht blind — Die rote Robe. Amerika: Hokuspokus — Liebe nicht genügend — Susy— Held von Texas — Die gute Erde — Drei süße Mädels — Der Jazz-Kadett — Mord im Opernhaus — Adam und Venus — Lachkatastrophe — Die Gangsterbraut — Sie ist gefährlich — Das grüne Licht — Auf den Dächern von New York — Nachschlüssel — Sensation um Galahad — Die kleine .Ching-Ching — E3kapaöe — Quality Street. Fslme unter ArierparaQraph Zurück in die Heimat — Die ganz großen Torheiten — Amtsschimmel — Entfühnmg an der Riviera — Schwindein ist keine Sünd'... — Etappenhase — Ich bleib' nicht Junggeselle — Die Göttliche Das Mädel vom Ballett — Abenteuer in Lissabon — Heiratsinstitut Ida Wüst & Co. — Wie der Hase läuft — Die un-erhörte Frau — D^r lustige Witwenball — Stärker als Paragraphen — Die graue Dame — Das große und das kleine Glück — Millionäre — Mein Sohn, der Minister — Mein Verhängnis sind die Frauen — 7 Ohrfeigen — Liebe geht seltsame Wege — Puszta-Komtesse — Madame Bovary — Versprich mir nichts — Wenn du eine Schwiegermutter hast — Austernlilli. //Sensation um Galahad" —- heute Wer diesen Film sieht, wird unbedingt an eine der größten Skandalaffären erinnert werden, die anläßlich eines Boxkampfes um die Weltmeisterschaft vor vier Jahren die ganze Welt in Atem hielt. Der Füm beleuchtet so grell die Kreise der Manager und Buchmacher solcher Kämpfe, wie es noch nie bis jetzt der Fall war, und bringt auch gleichzeitig den Lebensroman eines der genialsten Menschen, die sich von außen mit diesem Sport beschäftigt haben. Edward G. Robinson spielt ihn. Seine Partnerin ist erstmalig Bette Davis, die anderen Hauptrollen sind mit Humphrey Bogart, Wayne Morris und Jane Bryan besetzt. Michael Kertesz inszenierte diesen Gfoßfilm der Warner Bros, dessen europäische Uraufführung heute im Rotenturm-Kino stattfindet. Von morgen an erscheint er auch im Schottenring-Kino. „Auf den Dächern von New York", eine neue Filmrevue. In der Großzügigkeit und im Ideenreichtum bei der Inszenierung einer solchen Filmrevue sind die Amerikaner schlechthin unübertrefflich. Das Varietemilieu, in dem die Revue sich abspielt, gibt hier einer ganzen Schar ausgesucht bravouröser Künstler Gelegenheit, erstaunlich vielseitig und grotesk zwei Stunden lang bestes Amüsement zu bieten. Die dünne Handlung, die eingeflochten ist, endet natürlich damit, daß sich ein schönes Paar findet. Man kann aus der erlesenen Artistenschar, die da aufgeboten wurde, schwer den einen oder anderen nennen, im bunten Wirbel entzücken sie alle. Besonders aber fesselt ein neues Filmgesicht: Doris Nolan. e. kr. Der Simpl eröffnet seine neue Spielzeit Es geht also wieder los! Karl Farkas und Fritz Grünbaum sind von ihren erfolgreichen Sommertourneen wieder nach Wien zurückgekehrt und eröffnen am Freitag, den 27. August, die neue Spielzeit im Simpl als künstlerische Leiter. Natürlich wieder mit einer überaus originellen Sache, die uns diesmal in spiritistische Gefilde führt und sich „Wir sehen Gespenster" betitelt. Die Autoren nennen ihr lustiges Werk eine „geistreiche Bilderfolge in 20 beeideten Manifestationen. Für die Inszenierung und Regie zeichnet Karl Farkas verantwortlich, für die Musik Robert Schwarz, für die Ausstattung Alfred Kunz. Um die beiden Könige des Humors herum gruppiert sich wieder das bewährte Simpl-Ensemble, dem die Damen Ciaire Eiselmeyr, Lotte Wojowsky, EdrittaRaghette.GertiKalmar, Helga Horth und die. Herren Harry Stollberg, Fritz Strehlen und FritzPuchstein angehören. Der Beginn der Premiere, mit der der 25jährige Bestand des Simpl eingeleitet wird, ist für halb 9 Uhr angesetzt. Der Vorverkauf hat bereits begonnen. KINO-PROGRAMME t CHWEDEN v°nlOUhr vorm. bis 6 Uhr abends wmmmmmmm Lebende Zeitung A - 49 O 60 Nur 797 und 9 Uhr abends Metro-Goldwyn Mayer - Festspiele 7. Woche Paul Muni, Luise Rainer, Tllly Losen Die gute Erde t KREUZ-KINO BULLDOG DROH MOND, „ ' pWtt!IDER MEISTERDETEKTIV Telephon R-24-2-16 . Vorstellungen: i.,»A6,v,»,'Aio Reginald Danny, Ray Mlllarn!

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