Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 684 (27.8.1937)
- Date
- 1937-08-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 684 *om 27; August 1937 DIE NEUE WELT Seite 7 PIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIH |OSEF LEITMANN . - wm, Paul PltMf A. B., _ Wltn II, PraterstrfiB« 17, Telophön R.47-5-10 JElektromatarial / Radioapparate Beleuchtung«* körper ' Dauerbrandöfen / Gasapparate / Sprechmaschtnen ' Elektrokosmetik / Etektroapp&ale Glühbirnen in allen Stärken stets lagernd / Betagte Radlo-Reparaturwerkstätte Günstige Tauschgelegenheit /Bequemes Teilaahlungssystem | ^**»"mi»IIIH.....nMnitriintttirtinnitfiriiiniiiiiuiiniriiitnfnrrtiitlMntti.t,.M.imt.1utrt».n,,Mtr,[,,i,.,,,tM,,1M,,,Hrt?a ## du$kw$ „WetfyestkUkk des iüdistUen l/aikes Sogleich beim ^Erscheinen der .zehnbändigen „WeltgeschichtedesjüdisclienVolkes" von Prof. Simon Dubnow wurde der Wunsch laut, es möge« der. Stoff in einer weniger umfangreichen Ausgabe, dem jüdischen Leser zugänglich gemacht werden. Hiebet sollten natürlich die Vorzüge der großen Ausgabe nicht geschmälert werden. Diesem Wunsche hat der J ü d i s c h e V e r 1 a g, G. m. b. H., Berlin, Rechnung getragen. Von der kurzgefaßten Ausgabe in drei Bänden ist soeben der erste Band (Orientalische Periode) erschienen. Es soll, von vornherein gesagt werden: Obwohl viele Einzelheiten und die wissenschaftlichen Angaben wegfielen, hat der Wert des Werkes nicht gelitten. Keine der wichtigen Begebenheiten, keine historisch bedeutende Figur, kein Denkmal des 'geistigen Schaffens ist unberücksichtigt geblieben. Die dreibändige .Ausgabe bringt — wenn man so sagen darf — den ganzen Dubnow in verkleinertem Maßstab. <■'•■• Die Stellung. Dubnows zu seinem Stoffe ist eine durchaus neue. Schon in den ersten Kapiteln, welche die Entstehung des Volkes Israel und dessen frühe Legenden , behandeln, merkt man den Unterschied gegenüber den bisherigen Darstellungen der jüdischen Geschichte, D.ubnow setzt der bisherigen (theologischen und spiritualistischeh) Geschichtsauffassung die soziologische entgegen. Das jüdische Volk ist, wie die Einleitung des Werkes besagt, nicht „das Objekt eines von außen waltenden Geschickes", es ist auch nicht bloß eine Religionsgemeinschaft, sondern eine voll ausgeprägte Nation mit allen Attributen einer solchen. Die bisherigen Aufzeichner der. jüdischen Geschichte machten aus dieser eine „Geistes- und Leidensgeschichte". Die neue Auffassung geht von * den sozialen Existenzbedingungen aus, um yoh hier aus die 'geistige Eigenart der1 Nation zu erklären. Dubnows Darstellung erhebt sich daher weit über die religiös-spekulative Art seiner Vorgänger, Er geht objektiv an seinen-Stoff. Er hat sich keine lehrhafte Schlußthese zurechtgelegt, für die er die Prämissen zu finden hat. Großartig ist die Methode '(und auch die Kraft), mit der Dubnow aus dem ursprünglichen biologischen Keim,.dem „Stamm", zürn Ganzen, zur Nation gelangt. Ihm erscheint die jüdische Nation als eine stark ausgeprägte Kollektivpersönlichkeit von hohem Kultürwert-. Die Nation kämpft um ihre Sonderexistenz in der Welt, und in diesem Kampfe treten die materialistischen und geistigen Faktoren in gleicher Weise hervor. Ganz neuartig ist infolgedessen bei Dubnow auch die Einteilung der Geschichte des jüdischen Volkes..In jeder Epoche wird gezeigt, in welcher historischen Umwelt der jüdische Existenzkampf sich abspielte und welche außenpolitischen Mächte das jüdische Schicksal bestimmten-; Die ganze Geschichte des jüdischen Volkes ist im vorliegenden Werke• in eine orientalische und in eine eu rop 'ä i s c h"e ' Periode " eingeteilt. Die Kapitef des ersten Buches reichen von der Entstehung des Volkes Israel (die Geburtsstätte Israels) bis zur Entwicklung des Judaismus nach der Restauration. Das zweite Buch beginnt mit der griechischen Herr-i schäft iii Judää und schließt mit der Entstehung des Christentums. Das dritte .Buch behandelt den Unter», gang des judäischen Staates bis zum Verfall der autor nomen Zentren im Orient. Von diesen drei Bänden ist, wie gesagt, der erste erschienen. Die Wichtigkeit des Werkes und der große .ftamVdes Verfassers entbinden Uns" der Aufgabe, hie? noch Lobesbezeugungea $u*zustr.eüen. Was wir zu sagen haben, ist bloß das eine, daß Dubnows „Weltgeschichte des jüdischen Volkes" vor allem von unserer Jugend i gelesen werden, möge, die aus- ^der-Lektüre dieses Meisterwerkes nicht nur Bildung und Anregung, sondern .auch nationalen Stola schöpfen kann und die Erkenntnis vom Sinn des Judentums in der Welt. ' o. r. üm Einsendung von Adressen, an die wir Probeexemplare versenden können Die Verwaltung „D IE NEUE*WELT" AUS PALÄSTINA Warnung; an die Palästina-Regierung Aus Jerusalem: „Dawar" fordert in einem Leitartikel die Palästina-Verwaltung auf, den Vorbereitungen .der Araber zu neuerlichen Unruhen ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden und einzuschreiten, solange es noch Zeit ist. Anzeichen der Vorbereitung neuer Unruhen, schreibt das Blatt, lassen sich an der stetig wachsenden verbrecherischen politischen und religiösen Hetzagitation klar erkennen, die v d r allem unter jenen Arabern betrieben wird, die iu den, im Falle der Errichtung eines jüdischen Staates diesem zufallenden Gebieten wohnen. Weitere Anzeichen seien der illegale Gewehr h ä n d e 1, der in der letzten Zeit blühe, und die militärischen Uebungen der a r a b i sehen Jugend. Diesmal werde, die Regierung nicht sagen können, daß die Unruhen unerwartet gekommen sind, falls sie tatsächlich ausbrechen sollten. Raubfiberfall auf den Di sf vikf komntand anf en von Haifa Aus Jerusalem: Am Sonntag, den 21. August, wurde der Distrlktspolteeikommandant von Haifa, Abdul EffendiKheir, in Haifa von einer Bande von drei bewaffneten Arabern überfallen und der Barschaft beraubt. Bewaffnete Arabergaben auf das Hadassa- Krankenhaus am Skopus-iBerg einige Schüsse ab. Jüdische Hilfspolizisten erwiderten das Feuer und vertrieben die Angreifer.! Tel-Aviver Hafen für Personenverkehr eröffnet Aus Tel-Aviv: Im Hafen von Tel-Aviv wurde am Montag, den 23. August, der Verkehr von Handelsschiffen aller Kategorie?! eröffnet. Auch die Ausbootung von Reisenden wurde jetzt gestattet. Flugdienst in Palostina Aus Tel-Aviv: Zur Eröffnung des Flugdienstes Tel - A v iv-H a i f a schreibt der .„Haarez": Das Flugwesen, das in anderen Ländern wichtige wirtschaftliche Funktionen erfüllt, war vielleicht für Palästina heute noch kei.ne-Notwendigkeit. Seine Einführung muß, unsere Handelsbilanz belasten, denn fast alles, was dazu nötig ist, muß heute noch vom Ausland gebracht werden. Dabei rechtfertigt die geringe Flächen ausdehn ung Palästinas nicht die Dringlichkeit dieser Neuerung. So wäre von jüdischer' Seite die Sa6he wohl hoch aufgeschoben worden, wenn sich nioht ausländische Linien (Polen, Italien, England, Holland) in immer ausgedehnterem Maße des palästinensischen Flugdienster bemächtigt hätten, so daß wir befürchten müßten, wenn, wir nicht bald einen Beginn machten, zukünftige Möglichkeiten zu verwirken. So gibt es jetzt einen p a 1 ä s t i n e ri s i s c h e n F1 u g k 1 u b, der Piloten ausbildet, und jetzt kommt die neue j ü d i s c h-. englische Gesellschaft hinzu, die sich mit Verkehrsdienst beschäftigt. Die englischen Teilhaber werden Erfahrung und Tradition mitbringen, und so ist das Unternehmen wegen seiner Zukunftsaussichten zu begrüßen. Freilich müssen Verbesserungen bald in Angriff genommen werden. Vor allem muß Tel-Aviv einen eigenen Flugplatz erhalten. Es geht nicht an, daß man einen Weg von 18 Kilometer zurücklegen muß, um zum Flughafen zu gelangen, um dann mit dem Flugzeug eine-Strecke von 100 Kilometer zurückzulegen, um dann wieder 12 Kilometer im Auto vom Flughafen zum'Zielort (Haifa) zu fahren. Das Verhältnis 30 Kilometer Autofahrt zu 100 Kilometer Flug verringert die praktische Bedeutung des Flugdienstes. Verkehr in den palästinensischen Häfen Aus Jerusalem: wln den ersten fünf Monaten 1937 wurden in den drei Haupthäfen Haifa, Jaffa und Tel-Aviv 404.000 Tonnen Waren gelöscht, um 1,5 Prozent mehr als in dem entsprechenden Zeitraum des vorangegangenen Jahres. Der Hafen von T e 1 - A v i v war daran mit 27.500 Tonnen oder rund 7 Prozent beteiligt. Die Menge der in;H a i f a gelöschten Ladungen war etwas höher als 1936, besonders in der Zeit vom Jänner bis April, dagegen ist die Menge der im arabischen Jaffa ausgeladenen Waren von 101.0.00 auf 58.000 Tonnen zurückgegangen. Verschifft wurden im Mai 1937 in den drei Häfen 5331 Tonnen gegenüber 1286 Tonnen im Mai 1936. Infolge der großen Zitrustransporte zu Beginn des Jahres ist der Qe3amtumfang der verschifften Ladungen in den ersten fünf Monaten 1937 auf mehr als das Doppelte des Vorjahres > gestiegen. Während in demselben Zeitraum des Jahres 1986 nur 143.000 Tonnen verladen wurden, waren es in diesem Jahre 292,000 Tonnen; die Zunahme beträgt somit 104 Prozent. Der Anteil des Hafens H a,i f a ist von 45 Prozent im Jahre 1936 auf rund 65 Prozent in diesem Jahre gestiegen, der Anteil des arabischen J a f f a von 55 Prozent auf etwa 32 Prozent gesunken. Von den palästinensischen Banken Aus Tej-Aviv: Den Veröffentlichungen des Statt* stischen Amtes der Regierung ist zu entnehmen: Ende Mai dieses Jahres -betrugen die Depositen in den Banken mehr als 17 Millionen Pfund. Die Differenz gegenüber dem Vorjahr war unbedeutend (nur 7000 weniger). Es hat also in diesem schweren Jahre der Unruhen und der Unsicherheit wegen der politischen Zukunft des Landes kein wesentlicher Abfluß des Kapitals aus Palästina stattgefunden. Man mufi annehmen, daß der Großanteil der Kontenbesitzer Juden sind, und daß ihr Vertrauen zur Zukunft Palästinas für den Stand der Dinge den Ausschlag gibt. Interessant ist auch die Feststellung, daß von diesem Geld in diesem Jahre Pfund 14,000.000 in den großen Banken deponiert war, gegenüber Pfund 14,700.000 im Vorjahre. Dagegen wuchs der ^Betrag der in den kooperativen Leihkassen hinterlegten Gelder von Pfund 2,600.000 auf 2,900.000 an. Diese kooperativen Leihkassen sind fast alle jüdisch und finanzieren alle möglichen Unternehmungen (vielfach. Bauten), die der Belebung des Arbeitsmarktes dienen. Hingegen kommen die 14,000.000 Pfund, die in den großen Banken deponiert sind, der Entwicklung des Landes kaum zugute. Noch nicht einmal die Kunden der großen Banken ziehen nennenswerten Nutzen aus diesem Gelde, dehn diese Banken geben nur i bis 1.5 Prozent Jahreszinsen. Das Problem ist also, diese Riesensummen nutzbar zu machen. Jerusalem als Wftisdtaftsfaktor Aus Tel-Aviv. Anläßlich des Vorschlages der Kgl. Kommission, Jerusalem aus dem Berefch des künftigen Judenstaates auszuschließen, veröffentlicht der „Haarez" eine Art Bestandsaufnahme der Werte, die das jüdische Jerusalem, abgesehen von seinem ideellen Wert, repräsentiert: Schon 1922 zählte Jerusalem 33.971 Juden — 54 Prozent seiner Bevölkerung; 1931 bildeten die Juden schon 57 Prozent der Bevölkerung Jerusalems. Ende des Jahres 1936 wohnten in Jerusalem 70.000 Juden, die 62 Prozent der Bevölkerung bildeten. Jerusalem i9t keineswgs mehr die Stadt, die ihre Einnahmen hauptsächlich aus der Chaluka, dem Beamtentum der Institutionen und der Touristik zieht. Das hat sich seit langem geändert. Der Großteil seiner Juden sind Handwerker, Arbeiter, Kaufleute und Gewerbetreibende. Es gibt schon eine ganz ansehnliche Industrie in Jerusalem, Industrie und Handwerk ernähren (zusammen mit den Familienangehörigen der Beschäftigten) etwa 17.000 Menschen. Die Zahl der Unternehmungen dieser Art war im Anfang dieses Jahres 10S0, ihre Produktion hatte einen Wert von Pf. St. 810.000,- das investierte Kapital betrug Sf. St. 580.000. All diese Unternehmungen sind erst in den letzten Jahren entstanden, die meisten von ihnen erst in allerjüngster Zeit. Aber wichtigist; festzustellen, daß fast 20 Prozent der jüdischen Bevölkerung Jerusalems davon leben. Ebenso wichtig ist die Bautätigkeit. Seit 1924 haben die Juden in Jerusalem etwa 5 Millionen Pf. St. in Bauten investiert. Der Wert des jüdischen Hausbesitzes wird auf 13 Millionen Pf. St. geschätzt. Dabei zahlen die Juden Jerusalems etwa Pf. St. 200.000 jährlich an Araber für Mietgelder. Erste Segelregatta des Tel-Aviver Jachtklubs Aus Tel-Aviv: Der neugegründete Tel-Aviver Jachtklub wurde mit der Namensgebung für acht Segelboote und einer Regatta auf dem Jarkon feierlich eröffnet. Der Vorsitzende des Klubs, Tuvim, erklärte in seiner Begrüßungsansprache, daß der Klub in den fünf Monaten seines Bestehens acht Segeljachten erworben und fünf z i g M i t g 1 i e d e r gewonnen habe. Seinen besonderen Dank sprach er dem Hauptmann Sommerset von der Kgl. Artillerie aus. der in dem Klub als Instruktor tätig war. Bürgermeister Rokach überbrachte die Grüße des Stadtrates und'sagte die Förderung des Klubs durch die Stadtgemeinde . zu.: Die acht Jachten fuhren sodann an dem Landungssteg vorbei und wurden von der Gattin des Bürgermeisters mit folgenden Namen benannt: „Brad", „Eloria", i.GeyäV ,';Dä'a", „Hadara"," „Vardina", „Zeva" und „Chuga". Die folgende Regatta wurde von der von Captain S o m m e r s e t gesteuerten „Elona" gewonnen. Zweite wühle „Geya", gesteuert von Fuchs, dritte „Da'ä", gesteuert von Dr. K a b i n t e s k y. AUS ALIER WELT Die Flüchtlinge in Dänemark — nur 84$ luden Aus P a r i s: In der Büchausstelluhg des Schutzverbandea deutscher Schriftsteller, sprach der. Leiter dos Kopenhagener Emigrantenheims, Otto" Piehl über die Lage der deutschen Emigration in Dänemark. Von der reaktionären Presse des Landes und von den deutschen Blättern, wurde die Zahl der in Dänemark lebenden Flüchtlinge mit 2 5.0 00 angegeben. Nach Mitteilungen von offizieller dänischer Seite gibt es aber nur 1512 Flüchtlinge im Lande, von diesen sind 221 Sozialdemokraten, 118 Kommunisten, 156 intellektuelle, 845 Juden (•einschließlich 200 Kindern) und 172 Angehörige verschiedener konfessioneller oder politischer Gruppen (Katholiken, Protestanten, Schwarze Front usw.). Außerdem gibt es-' eine ständige Kolonie von 150 „Chaluaim", jüdischer Jugend, die sich auf Gütern für die Landarbeit in Palästina vorbereitet: Die Hilfsarbeit für die Emigranten ist sehr gut organisiert und findet^ der gesamten Bevölkerung bis in die konservativen ■ Kr^se hinein starke Unterstützung. Das „Komitee vom' i, Mai .1933", das sich Im wesentlichen der jüdischen Flüchtlinge annimmt, unterstützt etwa 400 Emigranten mit Geldmitteln und unterhält auch eine Küche. -Das Komitee.für Intellek, tuelle betreut emigrierte Gelehrte, Schriftsteller,