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Die neue Welt · 1937-08-27 · Heft 684 (27.8.1937) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
11 (1937)
Issue
Heft 684 (27.8.1937)
Date
1937-08-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 684 vom 27. August 193g UHM NEUE WELT _»»-••* .... ■. -__ Schluß der AgencyTagung Eine KompromiRfResoluffon Aus Zürich. Am 21. August, um Mitternacht, ist die fünfte Tagung des Council der Jewish Agency geschlossen worden. Voran gingen die Abstimmung über die politische Resolution und über die Anträge der einzelnen Kommissionen, sowie die Wahlen der verschiedenen Organe der Jewish Agency. Nach langen Verhandlungen, die den ganzen Freitag über dauerten, kam schließlich zwischen den Führern der Zionisten und der Nichtzionis t e n eine Einigung zustande, die ihren Ausdruck in einer Kompromißresolution findet. In dem ersten Teil der Resolution werden die Schlußfolgerungen der auf dem Zionistenkongreß angenommenen Mehrheitsresolution bestätigt und gutgeheißen. Im zweiten Teil wird die Behauptung der Kgl. Kommission, daß sich das Mandat als undurchführbar «rwiesen habe, zurückgewiesen und die Exekutive beauftragt, sich jeder Beschränkung der durch die Balfour-Deklaration und das Mandat international garantierten Rechte des jüdischen Volkes zu widersetzen; die von der Kgl. Kommission vorgeschlagenen Palliativmittel, die u. a. die Festsetzung eines politischen Einwanderungsmaximums vorsehen, werden verurteilt. Im dritten Teil der Resolution,, bekräftigt der Council die bereits auf früheren Tagungen abgegebenen Erklärungen, in denen die Bereitschaft zum Ausdruck kommt, mit den Arabern in Palästina auf der Basis freier Entwicklung des arabischen und des jüdischen Volkes und gegenseitiger Wahrung der nationalen Rechte zu einem friedlichen Uebereinkommen zu gelangen. Er beauftragt die Exekutive, ihre auf dieses Ziel gerichteten Bemühungen fortzusetzen und im Hinblick darauf die britische Regierung zu ersuchen, eine Konferenz von Juden und Arabern Palästinas einzuberufen, um die Möglichkeiten eines friedlichen Uebereinkommens zwischen den beiden Völkern in einem ungeteilten Palästina auf der Basis der Balfour-Deklaration und des Mandats ausfindig zu machen. Im. vierten Teil der Resolution schließlich werden die Vorschläge der Kgl.' K o minisson als unannehmbar bezeichnet; die Exekutive wird beauftragt, in Verhandlungen mit der britischen Regierung zur Feststellung der genauen Bedingungen für die Errichtung, eines jüdischen Staates einzutreten. Im Falle des Zustandekommens eines endgültigen Planes soll dieser von der Exekutive einer speziellen Tagung des Council zur Erörterung und Beschlußfassung vorgelegt werden. Die Resolution wurde bis auf den vierten' Teil vom Council einstimmig angenommen; bei der Abstimmung über diesen Teil, in dem der Exekutive die Vollmacht zu Verhandlungen mit der britischen Regierung erteilt wird, enthielten sich dreizehn Delegierte der Stimme. Vor der Abstimmung hielt Doktor Weizmann eine Ansprache, in der er u. a. ausführte: Ich freue mich, daß die Nichtzionisten nun die Tagung des Council mit dem Bewußtsein verlassen, daß die Exekutive alles getan hat, was in ihren Kräften stand, um Frieden mit den Arabern herzustellen. Es ist wahr, daß jener Teil der Resolution, in der die Exekutive aufgefordert wird, von der britischen Regierung zu verlangen, daß sie eine arabisch-jüdische Konferenz zum Zwecke der Herstellung des Friedens in einem ungeteilten Palästina einberufe, in der vom Zionistenkongreß angenommenen Mehrheitsresolution nicht enthalten ist. Die Aufnahme dieser Entschließung in die Resolution der Jewish Agency ist den amerikanischen Nichtzionisten zu danken. Im Laufe der weiteren Ausführungen übte Doktor Weizmann Kritik an der britischen Regierung und besonders an der Palästina-Administration, betonte jedoch, er wolle mit aller Deutlichkeit erklären, daß, mag die Enttäuschung und Unzufriedenheit des jüdischen Volkes mit der Handlungsweise Englands in Palästina noch so begründet sein, die Juden sich doch stets ihrer Dankesschuld gegenüber Großb r i t a n n i e n als der Macht, die mehr als alle anderen für ihre Nöte und Aspirationen Verständnis gezeigt habe, bewußt sein werden. Trotz der Schwierigkeiten, mit denen Großbritannien in der gegenwärtigen verwickelten weltpolitischen Lage zu kämpfen hat, hat es sich dennoch bemüht, etwas für das bedrängte jüdische Volk zu tun und die unerläßlichen Voraussetzungen für die Errichtung eines jüdischen Nationalheims in Palästina geschaffen. Das jüdische Volk werde, was immer auch kommen mag, dem britischen Reich stets durch die unzerreißbaren Bande der Dankbarkeit und Freundschaft verbunden sein. Wahlen Bei den nach Annahme der politischen Resolution und der Anträge der einzelnen Kommissionen durchgeführten Wahlen wurden neben den vom Zionisten- Kongreß gewählten Mitgliedern der Exekutive als nichtzionistische Mitglieder Dr. Hext er, Frau Jacobs-New York, Dr. Karpf-New York, Dr. Senator und Dr. Ruppin gewählt. M. M. Ussischkin wurde mit Sitz ohne Stimmrecht in die Exekutive gewählt, Als Repräsentant der. Jewish DAS IST DAS ECHTE NATURREINES KOKOSNUSSFETT Die Erzeugung sieht unter Aufsicht St. Eh.rwürden des Herrn Bezirksra b biriers S. Ehrenfeld zu Mattersburg. Agency in Genf mit Sitz in der Exekutive und Stimmrecht in allen politischen Fragen wurde Dr. Nahum Goldmann bestätigt. Louis Lipsky wurde zum Vertreter der Jewish Agency in den Vereinigten Staaten mit Sitz in der Exekutive bestimmt; er wird diese Funktion gemeinsam mit Dr. Karpf ausüben. Zu Vertretern der Nichtzionisten in der Politischen Kommission in London wurden Lionel Cohen- London, Neville Laski-London, Sir Osmond d'Avigdor Goldschmid-London, Lord Reäding, Prof. Speyer Brüssel und Felix M. Warburg-New York gewählt. Leonhard Stein wurde zum ehrenamtlichen Rechtsberater der Jewish Agency wiedergewählt. Die nichtzionistischen Mitglieder des Administrativkomitees wurden bevollmächtigt, dreiP.ersonen namhaft zu machen, die, mit gleichartigen Pflichten und Rechten ausgestattet, wie die zionistischen Beigeordneten (assistant members) der Exekutive, in die Exekutive der Jewish Agency aufgenommen werden sollen. Ben Gurion will demissionieren? Aus Zürich (J. T. A.): Es verlautet, daß der Vorsitzende der Palästina-Exekutive der Jewish Agency, DavidBen Gurion, die Absicht geäußert habe, seine Demission zu geben, da er prinzipiell gegen die Wiederherstellung des Fifty-Fifty-Prinzips in der Jewish Agency und gegen die Aufnahme von mehr als drei Vertretern der Nichtzionisten ist. Noch am Freitag, den 20. August, nachmittags, hatte sich die zionistische Arbeiterfraktion mit der von den amerikanischen Nichtzionisten erhobenen Forderung nach Wiederhertellung des Fifty- F i f t y-P r i n z i p s in den Körperschaften der Jewish Agency befaßt. Ben Gurion war dabei als einer der heftigsten Gegner der Erfüllung dieser Forderung aufgetreten. Obwohl, so führte er aus, die beiden neugewählten Exekutivmitglieder, Frau Jacobs und Dr. Ruppin, prominente Zionisten sind, sei er gegen die Vergrößerung der Zahl der Sitze der Nichtzionisten in der Exekutive aus prinzipiellen Gründen. Entgegen der Ansicht Ben Gurions sind Doktor Weizmann und mehrere Führer der Arbeiterpartei der Auffassung, daß die Erhaltung des Friedens mit den amerikanischen Nichtzionisten gegenwärtig von ausschlaggebender Bedeutung sei. Die Arbeiterfraktion hat am Samstag in einer Sitzung hinter verschlossenen Türen die durch die Demissionsabsicht Ben Gurions geschaffene Lage eingehend geprüft. Eine Schweizer Stimme zum Kongreß Das nichtzionistische „Isr. Familienblatt für die Schweiz" schreibt: „Man darf sich auf eine bewegte innerjlidische Kampfzeit gefaßt machen. Es geht beim nächsten Kongreß dann nicht mehr um unverbindliche Vollmachten, sondern um eine ganz klare Antwort: für oder gegen den Judenstaat. Es. wird sich nur fragen, ob England auch gegen den Willen einer Majorität des nächsten Kongresses den Judenstaat schaffen will, wie die Anhänger Weizm&nns glauben. . ... Dieser Kongreß hat schwere Mängel aufgewiesen. Es ist nimmehr klargestellt, daß die Exekutive schon im Jänner Kenntnis vom Teilungsplan hatte! und sie sogar mit der englischen Regierung über die Grenzen verhandelt hat. Die Peel-Kommission soll allerdings aus unbekannten Gründen einen bedeutenden Streifen Landes, der bereits dem jüdischen Staat zu* geteilt war, ohne Bericht an die Exekutive wieder weggenommen haben. Bis in die letzten Tage vor dem Kongreß tat die Exekutive so, wie wenn sie von all den Teilungsplänen nichts gewußt habe und sie gar nicht aktuell seien. Diese Taktik hat tiefes Miß* trauen gegen die Exekutive hervorgerufen. Das darf sich nicht wiederholen. Es muß möglich sein, daß zum nächsten Kongreß Fachmänner der Kolonisation von Handel und Industrie ihre Gutachten in aller Öffentlichkeit abgeben, daß sie gegenübergestellt und verglichen werden können. Nur dann ist es möglich, einen sachlichen -Wahlkämpf zu führen, wenn Experten der einen und der anderen Seite rechtzeitig zum Worte gelangen." Wie groß wird der //Zwerg* Judem§faa6" sein? In seinem Referat auf der Agency-Konferenz hat Dr. A. Ruppin über den „geteilten" Judenstaat folgendes bekanntgegeben: Die Gesamtfläche Palästinas beträgt 26,000.000 Dunam oder 26.000 Quadratkilometer, Fast die Hälfte davon entfällt auf den N e g e w (südlicher Küstenstrich). Von den übrigbleibenden 13,000.000 Dunam entfällt auf den jüdischen Staat nach den Vorschlägen der Kgl. Kommission, eine Fläche von 4,900.000 Dunam, auf den Korridor 900.000 Dunam, auf den arabischen Staat 8,000.000 Dunam, wozu noch der Negew kommt, also auf den arabischen Staat über 21,000.000 Dunam. Wir erhalten also prozentmäßig 18 Prozent (nicht ganz ein Fünftel)' der Gesamtfläche Palästinas. Von den 4,900.000 Dunam Fläche des vorgeschlagenen Judenstaates gehören zur Zeit den Juden etwa 1,300.000, der Rest ist noch in den Händen der Araber und zum kleinen Teile (Bewaldungsflächen) in den Händen der Regierung. Gegenwärtig leben hier 319.000 Judenund 296.000 Nicht Juden. Nehmen wir Jerusalem hinzu, das nach dem Vorschlag nicht in den jüdischen Staat hineinkommt, dann würden wir im jüdischen Staat 394.000 Juden und 300.000 Nichtjuden, zusammen 694.000 Seelen haben. Im Korridor werden (Jerusalem nicht als jüdiscli gerechnet) 79.000 Juden und 158.000 Nichtjuden leben. Im arabischen Staat würden 11.000 Juden und 472.000 Nichtjuden leben. Im jüdischen Staat (ohne Jerusalem)' werden in den Städten 220,000 Juden und 86.000 Nichtjuden, in den Dörfern 97,000 Juden und 210.000 Nicht* Juden leben. '

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