Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 684 (27.8.1937)
- Date
- 1937-08-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 684 vom 27. August 1937 Standes zu ergreifen. Andererseits entstand durch die Unruhen eine gespannte politische Situation, durch die die Schwierigkeit, die Unruhen zu unterdrücken, erhöht wurde, In ihrer vorläufigen Meinung Uber did Zukunft Palästinas gibt die Kommission auf Gflffld der ihr gegebenen Information und des Statement of Policy der Mandatatmacht eine kurze Zusammen* fassung der Vorteile und Nachteile aller mögliche« Lösungen des Problems. Die Kommission erklärt, daß das Ueberhandnehmen des Antisemitismus auf der einen Seite und des arabischen National f s m u 8 auf der anderen Seite' aur Erhöhung der Schwierigkelten, mit denen die Mandatarmaeht in der Erhaltung des Gleichgewichtes zu kämpfen hatte, beitrug. Gleichzeitig hat eine gewisseXendenzlnder Politik der Palästina-Administration die Ueberzeugung unter den Arabern gestärkt, daß sie die jüdische Einwanderung durch reine Gewalt würden stoppen können. Die Kommission erklärt es als ihre Meinung, daß das jetzt geltende Mandat an genau dem Tage undurchführbar wurde, an welchem es von der Kgl. Kommission und der englischen Regierung als undurchführbar erkannt wurde. Es müssen daher neue Wege gefunden . werden. Die Kommission bringt der1 Idee, die Heiligen, S t ä 11 e,n einem Sonderregime 2u unterstellen, so-, lange dies mit § 2£ des Mandats^ (der .eine mögliche Beendigung des Mandats erwägt) übereinstimmt, Sympathie entgegen. : San Rcmo, Penslonc Felfcc <erso <f all* fmoero 184. Uniar Aufoieht des Himburg« Verein*«.Direktion: Pf« med. AI« ftfiwurs Sollte der Plan der Teilung durchgeführt werden, so wird der Erfolg des Planes nach Ansicht der Kommission mehr von den gegenseitigen Beziehungen zwischen den Juden und den Arabern als von der vereinbarten territorialen Lösung abhängen. Wie klug und fair immer auch die schließliche Ziehung der Grenzen ausfallen mag, sie wird den gleichen, miteinander in Konflikt stehenden Tendenzen begegnen, die die Mandatarmacht als die Hauptursachen der Undurchführbärkeit des Mandats erachtet. Indem die Kommission dem Prinzip der Teilung geneigt ist, ist sie nicht der Ansicht, daß die beiden. Staaten sofort geschaffen werden sollen, da ein solcher Schritt zu vielen inneren und äußeren Schwierigkeiten führen könnte. Die Kommission glaubt vielmehr, daß es notwendig sein, wird, die Periode der politischenLehrzeit für beide Staaten zu verlängern. Eine solche Lehrzeit könnte durch eine der folgenden beiden Möglichkeiten realisiert werden: 1. Provisorische Kantonisierung, wobei die beiden Staaten eine Weitreichende innere Autonomie und Freiheit zur Regelung der Einwanderung genießen würden, aber in Fragen, die sich auf nationale Verteidigung, auswärtige Beziehungen, Zölle usw. beziehen, unter der Aufsicht der Mandatarmacht bleiben. 2. Aufrechterhaltung getrennter M a n d a t e für jeden der beiden Staaten bis zu einem Zeitpunkt, an welchem der eine oder der andere von ihnen seine Fähigkeit beweisen wird, sich selbst zu regieren. Die Auflösung der Mandate muß nicht gleichzeitig für beide Staaten erfolgen. Bei zahlreichen Beschwerden des weiblichen Geschlechts schafft ein Glas natürliches „Franz-Josef"- Bitterwasser, auf nüchternen Magen getrunken, die allerbeste Erleichterung. Aerztlich bestens empfohlen. Zum Schluß zollt die Mandatskommission der Mandatarmaeht Anerkennung für ihre in den vergangenen zwanzig Jahren geraachten Anstrengungen, die gegeneinander kämpfenden Leidenschaften in Palästina zu besänftigen. Mögen die Juden, die so oft in unfaire Ungeduld Uber die Schwankungen der Mandatarmacht bei der Errichtung des Nationalheims geraten sind, sich fragen, ob es irgendwo in der Welt ein zweites Volk gibt, von dem sie eine so gute Behandlung erfahren haben und welches sich viele Generationen lang so sehr um sie verdient gemacht hat. Mögen die Araber; deren Opposition verständlich ist, sich ihrerseits des Beginnes ihrer nationalen Emanzipation erinnern. Ohne die britischen Anstrengungen gäbe es bei Beginn des 20. Jahrhunderts weder ein jüdisches Nationalheim noch einen freien arabischen Staat." Wir verweisen unsere Leser auf das Inserat der Maturaschule Universum, Wien, IX., Garnisongasse 3, in unserer heutigen Nummer und empfehlen dieses bekannte Institut unseren Lesern auf das wärmste. Ussfschklns Rede gegen die Teilung Auf der Tagung der Jewish Agency Meine Position in dwser VeManltnlting ist sehr schwierig, denn ich, ein Zlohist seit dem ersten Tage der Bewegung, trete ^or diese au« Niehtri'onisten und Zionisten .'bestehende Versammlung, um-gegen die Beschlüsse des Kongresses zu sprechen. Ich tue es mit gut e m <3 e.w i s s e n. feh kann den Vorschlag nicht akzeptieren, der einem kleinen Winkel von Palästina den Namen Erez Israel gibt. •wa Restaurant Stefanie Ittft II, Taborsfrafic 12 Telephon R-A8-A-A6 HUGO und JULIE HERLINGER, geb. Zollner Erstklassige renommierte Küche, große Auswahl Reichhaltige Menüs von 1.60 aufwärts / Exakte Bedienung > SchOner, schauiger Garten / Angenehmer Aufenthalt Man macht. uns den Vorschlag,. auf .einem Fünftel des Landes solle ein Judenstaat gegründet werden, auf den übrigen vier Fünfteln ein arabischer und ein englischer Staat! Wenn unsere Vertreter.dem zustimmen, so bedeutet das, daß wir unser altes Erbe an Fremde abgeben — uhd das können und werden wir nicht zulassen. Wir sind ein Volk, das durch Tausende von Jahren und Hunderte von Gener atione In der Hoffnung und in dem Glauben erzogen wurde, daß das ganze historische Land ihm gehört, obwohl Fremde dort Sitzen, ein Zentrum, in dem sich die Juden der ganzen Erde sammeln sollen, ein Kibbuz Galujoth. . Was wir nun tun wollen, ist nicht nur falsch gegen die Araber und falsch gegen die Engländer, sondern vor allem falsch gegen die Juden. Die auf dem Kongreß glaubten, verzichten zu dürfen, täusche na ndere und sich selbst, wenn. sie * meinen, das kleine, verkleinerte Erez Israel sei der archu niedische Punkt, von dem aus man später das ganze Land erlangen kann. Welcher Araber wird glauben, daß wir uns auf dieses kleine Palästina beschränken wollen? Und weil dem so ist, deshalb ist alle" Hoffnung auf Frieden mit den Arabern, die Weizmann hier ausgesprochen hat, unbegründet. Man kann in unseren Schulen die Kinder nicht erziehen, daß wir nur im Anfang sind, und man wird in der Schule von Tul Kerem die arabischen Kinder nicht erziehen, daß sie die Positionen, die sie aufgegeben haben, nicht wiederbekommen werden. Nicht das ist der Weg zum Frieden mit den Arabern! , Weizmann sagte weiter, heute könnten wir den Arabern nichts vorschlagen, um den Frieden mit ihnen zu machen, wenn wir aber jUnseren Teil haben und sie den ihren, dann kann man Frieden schließen, dann werden wir ihnen etwas, vorschlagen können. Ich frage: Herr Dr. Welzmann, waa werden Sie später' den Arabern vorschlagen können, was Sie ihnen heute nicht vorschlagen könnten? Das erste, was Sie ihnen vorschlagen werden, ist, daß 300.000 Araber, die heute in unserem Lande sind, es verlassen sollen. Darüber spricht man in Genf und beim Kongreß (Unruhe /und lebhafte Zwischenrufe: „Das hat die Royal Commission gesagt, aber nicht wir!") Nicht nur die Royal Commission hat es gesagt, manhatauchim Kongreß darüber gesprochen, daß eventuell eine internationale Kommission eingesetzt werde, welche diese Umsiedlung durchsetzen soll und dadurch werden' wir kolonisieren können, Allerdings — Ruppin sagte heute, die Umsiedlung sei ungeheuer schwer, beinahe unmöglich. Es gibt nur eines von beiden: entweder die 300.000 Araber werden in unserem kleinen Lande bleiben, dann bleibt für uns nichts, denn mit den 1,2 Millionen Dunam, die wir jetzt in diesem Landesteil besitzen, sind die Kolonisationsmöglichkeiten erschöpft. Oder aber es muß zu der zweiten Eventualität» zur Umsiedlung der Araber, gegriffen werden, und dieser Weg erschelntmir nicht gangbar, Was wird man den Arabern sonst vorschlagen? Man sagt, ökonomische Vorteile auf andern Gebieten. In den letzten zwanzig Jahren haben die Araber von den Juden sehr viel profitiert, das erklärt die Kgl. Kommission offen. Und doch hat dies den Frieden nicht gebracht, denn der Gegensatz ist kein ökonomischer, sondern ein politischer. Und dieser politische Gegensatz wird nach der Teilung viel ernster werden als früher. Denn die Teilung wird ihn noch verschärfen. Ich möchte auch über die Verbesserung der ökonomischen Lage in dem verkleinerten Lande sprechen, die man sich erhofft. Wie wir jetzt ini Lande leben, noch in dem ganzen Lande, wird, sowie es Unruhe gibt oder auch nur eine geringe Verkleinerung der Immigration eintritt, sofort unsere ökonomische Lage erschüttert. Welche realen Hoffnungen kann man auf die sehneile Entwicklung des verkleinerten Landes haben, in dem beinahe die Hälfte Araber sitzen und an einer großen eigenen Wirtschaftsentwicklung arbeiten werden? Zwei Wege stehen zur Wahl, von denen der eine wohl ungeheuer schwierig ist, aber doch dazu geführt hat, daß bisher Uber 300.000 Juden ins Land gebracht, über 100 Siedlungen begründet wurden, eine große Stadt geschaffen wurde, viele kulturelle Dinge entstanden sind — der andere Weg aber ist ein Phantom, von dem wir nicht wissen, wann es sich erfüllen wird, von dem wir nur negative Seiten sehen, während die positiven nur in der Theorie vorhanden sind. Auf dem alten Wege kann man langsam,, manchmal mit vielen Schwierigkeiten vorwärtskommen und etwas schaffen, auf dem neuen Wege aber nichts. Wenn Sie kein Zutrauen zur Durchführung des Mandats während der letzten zwanzig Jahre haben, seien Sie vorsichtig und fragen Sie, wo Sic mit dem neuen Status in drei Jahren stehen werden! Man darf keine Sprünge machen und nicht auf die ganze Vergangenheit verzichten» um etwas Kleines zu bekommen, das dazu gar keine Sicherheit bietet — das wäre Harakiri eines Volkes. Als wir vor sechzig Jahren begannen, war die Situation im Lande unvergleichlich schwerer, hoffnungsloser, und es gab genug kluge Juden, die sagten, was wir wollen sei eine Chimäre. Wir aber besaßen den tiefen Glauben, daß das, was wir wollen, der einzige Weg zur Deine besten Begleiter (. Reise U.Weekend sind die altbekannten EI €E |Ü| ^e'nwurst* un(J Se'c*" ElvER waren Spezialitäten Zentrale und Postversand: Wien II,Boten» storn'gasse 12 #3 Befreiung der Juden aus der Galuth ist,. So haben wir es dazu gebracht, was wir jetzt besitzen, und auch dazu, daß man uns jetzt den Judenstaat vorschlägt. Gewiß, es gab Opfer und es wird p.pfei geben, doch das ist der einzige Weg, auf dem etwas geschaffen wurde und der Schaffensmöglichkeiten gibt. Aber weil die Konstellation heute so ist, daß das Colonial Office das Mandat nicht mehr aufrechterhalten will, verlieren wir sofort den Mut und sind bereit, unsere Hoffnungen auf die Zukunft einzuschränken und zuzugeben, daß man den großen Staat der Araber schafft. Solche Opfer sollen wir bringen, eines schweren Jahres wegen? Die Royal Commission erklärt, daß;die Administration schuld ist an dem, was vorkommt, daß die Araber von unserer Arbeit profitiert haben, daß der Inhalt der Balfour-Deklaration ein Judenstaat ist — das sind drei glänzende Feststellungen. Unmittelbar darauf aber sagt die Kgl.' Kommission, wir mögen vier Fünftel des Landesden Arabern überlassen und uns mit dem kleinen Judenstaat begnügen. Statt nun empört zu sein, statt unser Recht zu fordern, statt mit allen Kräften für die Erfüllung des Mandats, für die Bestrafung der Administration zu kämpfen, werden plötzlich alle geblendet von dem großen Wort „Judenstaat" und man verzichtet auf die zweitausendjä hrigö Hoffnung — das ist geradezu eine Psychose! p£ksim Uksim - Sernnma^ Ich glaube und hoffe, daß aus der ganzen Sache nichts werden wird. Gerade darum aber empfinde ich es um so bitterer, daß nicht das englische Parlament, nicht die Mandatskommission, nicht Washington, sondern daß wir die ersten sind, die auf vier Fünftel des Landes verzichten. Das ist das schlimmste an die« sein ganzen Geschehnis. Ich habe nur einen Trost: Wenn dieser Vorschlag selbst in einer veränderten Form vor den nächsten Kongreß kommt, wird er abgelehnt Werden, und unsere alten Hoffnungen auf das Ganze werden unorschüttert bleiben wlo bisher, Herr Felix Warburg hat hier gesprochen — leider habe ich seine Rede wenig verstanden, da ich das Englische nicht beherrsche, aber ich weiß, daß er ein Gegner der Teilung ist. In diesem Sinne bin ich mit Herrn Warburg so vereinigt, wie im Kongreß der Haschomer Hazair mit dem Misrachi. Der Ausgangspunkt ist ein ganz anderer. Mein Hauptausgangspunkt ist, daß es keine Generation und keinen Kongreß und keine Bewegung gibt, welche berechtigt ist, den Verzicht auf unsere großen und alten Hoffnungen zu unterschreiben^