Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 683 (24.8.1937)
- Date
- 1937-08-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2711613-2712245-2712308--6685-2720470- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 683 vom 24. August 193T DIE NEÜE WELT Seite £ 1 _—i' Matura-Schule „UNIVERSUM" ■Xf GaFfllSOtlflASSQ 3 / Tel. A-20-4-48 / Beginn neuer Anfängerkurse Mitte September votmittäga-, Abend, und Natftmlttagskurse (ab 5 Uhr) }™ m SLP1^ Vorkenntnissen können bereits am 1. Septemberltt die Vorgeschrittefien-Kurse eintreten / Mittelschüler aus der 4. Klasse mit ungünstigen Jahreazeugnissen werden für die Matura vorbereitet / Sämtliche Lehrmittel leihweise I Ilm den Geheimbericht „WeizmanroOr msbyGore" Die J. T. A, meldet aus London: Die Londoner jüdische Wochenschrift „Jewish Chronicle" veröffentlicht ein ihr vom Votsitzenden der Judenstaatspartei Meif Großmann übersehenes Dokument, weches in der englischen Oeffentlichkeit sensationell gewirkt hat. Das Dokument stellt ein Memorandum des Präsidenten der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency Dr. Chaim Weizmann über seine Unterredung mit dem britisoh.eft Kolonienminister Orntsby- Gore dar. Großmann will durch Veröffentlichung dieses Dokumentes beweisen, daß Weizmann die Zionistische Organisation zum Teil bereits verpflichtet habe, den Palästin a-T e i 1 u n g splan anzunehmen, ehe der XX. Zionistenkongreß noch getagt hat. Dem Memorandum zufolge Jiabe Weizmann den Minister Ormsby-Gore über einzelne Abänderungen des Teilungsplanes befragt, insbesondere bezüglich der Subvention .des jüdischen Staates an den arabischen Staat, der Einbeziehung der neuen Teile von Jerusalem in den jüdischen Staat, der Souveränität des Judenstaates, der Grenzziehung, des Hafens von Haifa usw. Aus den Antworten Ormsby-Gores, die Weizmann in dem Dokument aufzeichnet, wäre zu schließen,, daß der Kolonienminister den Forderungen nach einzelnen Abänderungen des Planes durchaus nicht ablehnend gegenübergestanden hätte. Hauptsächlich aber in der Frage des Hafens von Haifa hätten sich Meinungsverschiedenheiten ergeben. Laut dem Dokument hätte Ormsby-Gore erklärt, daß sich die englische Regierung unter dem Druck der Verhältnisse entschlossen habe, den Hafen von Haifa, wo die Irak-Oelleitung mündet, von dem jüdischen Gebiet abzutrennen und lediglich das Stadtgebiet innerhalb der Grenzen des Judenstaates zu belassen. Weizmann habe gegen diesen •Plan Einwendungen erhoben und erklärt, wenn der Hafen von Haifa vom geplanten Judenstaat abgetrennt würde, so würde der ganze Plan der ernstesten Opposition seitens der Juden begegnen. Was Weizmann sagt Die Londoner Zeitungen, die die Veröffentlichung des „Jewish Chronicle" wiedergeben, berichten ergänzend, daß Dr. Weizmann, der schon in Zürich weilt, auf telegraphische Anfrage erklärt habe, er habe wohl ein Memorandum Über seine Unterredung mit Ormsby-Gore ausgearbeitet, welches aber geheim war. Er könne jetzt in Zürich nicht feststellen, ob die Veröffentlichung mit seinem Dokument identisch sei. Jedenfalls habe niemand das Recht gehabt, den Bericht zu veröffentlichen. Was CoroBmann sagt Gegenüber dieser Erklärung Weizmanns macht Meir Großmann in einer Gegenerklärung geltend, daß Weizmann gewußt haben müsse, daß sich das Dokument in seinen, Großmanns, Händen befinde. Weizmanns Ankündigung, er werde eine Untersuchung über die Veröffentlichung des Geheimdokumentes anstellen, klinge in diesem Zusammenhang reichlich naiv. Als ich im Kongreßplenum sprach, erklärt Großmann weiter, hatte ich dieses und andere Dokumente in der Hand, las einzelne Punkte aus ihnen vor, kommentierte sie und kam zu dem Schluß, daß Weizmann in einem bestimmten Maße die Zionistische Organisation gebunden habe, ohne hiezu, vor dem Kongreßbeschluß, auch nur eine Spur von Recht zu haben. Als Dr. Weizmann am Ende der Generaldebatte die Schlußrede hielt, unterbrach ich ihn und fragte: „Ist es wahr oder nicht?" Damals gab er die Echtheit der Dokumente zu. Seither sind zehn Tage vergangen. Er hätte mich, wenn er Zweifel an der Echtheit der Dokumente gehabt hätte, auffordern können, ihm die Dokumente zu zeigen, oder er hätte die Untersuchung sofort durchführen können, die er jetzt ankündigt. Aber es schien, daß er die Angelegenheit leicht nahm und den Enthüllungen keine Beachtung schenkte, die meiner Ansicht nach einen ordnungsmäßig konstituierten Kongreß hätten zwingen können, ihn zur Demission aufzufordern, weil er nicht^im Einklang mit der in der Sitzung des Aktions-Komitees zum Ausdruck gekommenen Auffassung handelte. Uebrigens sind die Dokumente keineswegs sensationell. Es ist wiederholt in der Presse festgestellt worden, daß Dr. Weizmann in seinen Unterredungen mit der britischen Regierung und mit den Mitgliedern der Kgl. Kommission sich für einen modifizierten Teilungsplan ausgesprochen hat. Die Dokumente haben dies nur bekräftigt, Und noch etwas geht aus ihnen hervor: daß Dr. Weizmann nicht versucht hat, auf die Einbeziehung des Negew '(JSüden) in den geplanten Judenstaat zu drängen. | Großmann teilt mit, er habe die Dokumente in Zürich erhalten. Die Londoner Presse, die die Dokumentenenthüllung in großer Aufmachung behandelt, enthält sich im allgemeinen vorläufig der Kommentar.e. Lediglich „Evening Standard", der die Palästina-Politik der englischen Regierung seit längerer Zeit kritisiert, Widmet der Angelegenheit einen Leitartikel, in Welchem von der Regierung eine Erklärung verlangt wird, ob die Unterredung zwischen Ormsby-Gore und Dr. Weizmann tatsächlich in der veröffentlichten Form erfolgt ist. Wenn ja, fordert „Evening Standard" den Rücktritt des Kolonienministers. Am Mittwoch, 18. August, abends, verbreitete das Büro Reuter eine Erklärung „von zuständiger Stelle", die ungefähr lautet: Zu dem vertraulichen Bericht einer am 19. Juli stattgefundenen Unterredung zwischen dem britischen Kolohienminister Ormsby-Gore und dem Zionistenführer Dr. Weizmann, der von dem „Jewish Chronicle" publiziert wurde und Versprechungen Ormsby-Gores enthält, denen zufolge der Palästina-Teilungsplan in wichtigen Einzelheiten abgeändert werden soll, wird in London an zuständiger Stelle erklärt, daß die britische Regierung sich zu keinerlei in Einzelheiten gehende Abänderungen der Vorschläge der Palästina-Kommission verpflichtet habe. Definitive Bestimmungen des künftigen Regimes in Palästina können jedenfalls erst nach der Völkerbundversammlung im September festgelegt werden. Die Zukunft Haifas, des Hafens, den Großbritannien mit einem Kostenaufwand von über einer Million Pfund Sterling erbaut hat und der eine besondere Bedeutung als Flottenstation im Östlichen Mittelmeer besitzt, wird ebenso wie andere Fragen erst zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden. Ein Urteil steht zur Diskussion Das zionistische Kongreßgericht hat einen hochverdienten ehrenamtlichen zionistischen Funktionär, Herrn Theodor Grubner, hart verurteilt. Er darf sechs Monate hindurch keine zionistische amtliche Funktion ausüben und muß eine Geldstrafe bezahlen. Der Tatbestand: Während der Tagung des Zionistenkongresses hatte die Judenstaatspartei in Zürich ein täglich erscheinendes Organ, „Kongreß- Tribüne", herausgegeben. In dieser Zeitung erschienen zwei Notizen, in welcher die Unbefangenheit des Kongreßgerichtes, welches die Reinheit der Wahlen und die Gültigkeit der Mandate zu prüfen hat, in Zweifel gezogen. Es wurde dagegen Stellung genommen, daß dem Kongreßgerichte bezahlte, also von " der derzeitigen Majorität materiell abhängige Beamte angehören. Zur Illustration der Beschwerde wurde hervorgehoben, daß bei Beurteilung der Wahlproteste gegen Mehrheitsparteien mit größter „Weitherzigkeit", bei Protesten gegen Minderheitsgruppen mit größter Schärfe vorgegangen und die Zusammensetzung des Kongresses zugunsten der „Regierungsparteien" beeinflußt wurde. Wegen dieser Notizen wurde Herr Theodor Grubner, der die Notizen übrigens weder verfaßt noch im Drange der Geschäfte gelesen hatte, als verantwortlicher Redakteur der „Kongreß- Tribüne" vor das Ehrengericht zitiert. Das Ehrengericht aber ließ sich nicht auf die Prüfung der konkreten Beschuldigung (daß nämlich abhängige Männer als Richter eingesetzt wurden und daß demzufolge krasse Fehlurteile erfolgten) nicht ein und verurteilte Herrn Grubner wegen der von ihm eingestandenen Unterlassung der Prüfung der Form der Notizen zu einer in der zionistischen Organisation bisher nicht gebräuchlichen, schweren Strafe. An der höchsten Wertschätzung, welche die Judenstaatszionisten ihrem Freunde Grubner entgegenbringen, wird dieses Urteil nichts ändern. Aber das Urteil wird den Anstoß dafür geben, nunmehr die Frage der Abhängigkeit in der Zionistischen Organisation mit aller Gründlichkeit und Offenheit zu behandeln. Es handelt sich hiebei nicht nur um die zionistischen Gerichte, sondern, vor allem um den Kongreß selbst. Von der Leitung abhängige Beamte, die auch auf diesem Kongreß in gewaltiger Zahl als Delegierte fungierten, dürfen in Hinkunft kein Mandat auf dem Kongreß bekleiden. Ein „Urteil" Wir erhalten folgende Zuschrift: In einigen Zeltungen wird ein Urteil des zionistischen Ehrengerichtes veröffentlicht. Der aufmerksame Leaer wünscht begierig, zu wissen, was das zionistische Ehrengericht veranlaßt hat, ein Urteil solcher Strenge zu fällen. Wurde etwa ein Mitglied der zionistischen Exekutive oder gar deren verantwortlicher Führer wegen flagranter Verletzung des Beschlusses des A.-C keine* Verhandlungen mit der englischen Regierung in der Teilungsfrage einzugehen, zur Verantwortung gezogen?, Oder hat sich das Ehrengericht veranlaßt gesehen, aus einem der vielen Fälle, in denen sich das Kongreßgericht zur Feststellung tatsächlich nachgewiesener Wahlschwindeleien (z. B. Amerika oder Oesterreich) bemüssigt sah, die Schuldigen vor das Tribunal zu ziehen? O nein! Ein viel schwereres Verbrechen hat die Grundfesten der zionistischen Bewegung erschüttert. Ein Mitglied der Judenstaatspartei, der als verantwortlicher Redakteur der in Zürich erscheinenden „Kongreß-Tribüne" zeichnete, wurde wegen einer erschienenen Notiz unter Anklage gestellt. Wiewohl der Angeklagte schon vor Einleitung des Verfahrens seinem Bedauern über die Form der Notiz Ausdruck gab, die ohne sein Wissen erschienen ist, und wiewohl durch umfassende Zeugeneinvernahmen nicht der geringste Beweis erbracht werden könnt«, daß der Beklagte in Irgend einem direkten Zusammenhang mit dem Vorfall steht, wurde ein Urteil von ungewöhnlicher Härte gefällt, obzwar derartige Vergehen verantwortlicher Redakteure eine gewohnte Erscheinung sind und in der Regel eine geringfügige, mehr formelle Bestrafung zur Folge haben. Unwillkürlich drängt sich eine Frage auf: Wie hätte der Schuldspruch des zionistischen Ehrengerichtes ausgesehen, wenn der zionistische Anwalt in seinem Gerechtigkeitsgefühl weitergegangen wäre und jene Fälle vor das Gericht gestellt hätte, die schriftlich und mündlich in aller Oeffentlichkelt als Bruch der zionistischen Disziplin bezeichnet wurden und — wahrhaftig — wichtigere Fragen der zionistischen Bewegung beinhalten, als der vorliegende Fall. Es gibt Urteile, die ob ihrer Härte als ungerecht empfunden werden und die nichts daran ändern können, daß man dem Verurteilten nun erst recht herzliche Solidarität und Sympathie und vollstes Vertrauen zu seiner zionistischen Gesinnung zum Ausdruck bringt. Hoffentlich veranlaßt diese Erklärung den Herrn Kongreßanwalt nicht zu weiterer Anklageerhebung, denn er müßte feststellen, daß er dann genötigt wäre, nicht nur alle Judenstaatler, sondern — wie wir mit Befriedigung feststellen können — weite Kreise der zionistischen Bewegung; vor Gericht zu stellen. Fritz Richter. Die Araber drohen mit neuen Unruhen Aus Genf: Die in Genf weilende arabische Delegation hat die Ansicht geäußert, daß neue Unruhen in Palästina zu erwarten seien, wenn die Verhandlungen über die Teilung des Landes beginnen. Einzelne Mitglieder der Abordnung haben mit Bestimmtheit erklärt, daß die Araber nicht auf die Küstenebenen verziehten werden, die dem geplanten jüdischen Staat zugedacht sind. Andererseits haben die arabischen Delegationen wissen lassen, daß sie bereit wären, mit den jüdischen Vertretern in Genf zu einer Konferenz am Runden Tisch zusammenzukommen und auf der Basis des Status einer dauernden Minderheit der Juden in Palästina zu verhandeln. Die Delegationen erklärten, sie seien yon den Arabern Palästinas ebenso zu Verhandlungen bevollmächtigt worden, wie die Zionistische Exekutive vom Kongreß. Die Drohung der Araber mit neuerlichen Unruhen in Palästina hat in den maßgebenden zionistischen Kreisen ernste Besorgnis hervorgerufen. Es verlautet, daß Dr. Weizmann unmittelbar nach seiner Rückkehr nach London die Aufmerksamkeit des Kolonienministers auf die Möglichkeit des Wiederauf flackerns des arabischen Terrors in Palästina lenken und entsprechend vorbeugende Maßnahmen verlangen wird. K Aus Jerusalem: Das Waisenhaus Diskin hat vom Distriktskommissär den Auftrag erhalten, für den 1. September 40 Zimmer zu räumen, die für die Unterbringung militärischer Verstärkungen dienen sollen. Für die in Sowjetrußland verfolgten Zionisten Aus Zürich: Der Kongreß nahm folgende Re-. Solution an: Der XX. Ziohistenkongreß protestiert energisch gegen die unaufhörlichen Verfolgungen der Träger des zionistischen Gedankens in Sowjetrußland, Verfolgungen, die bereits 17 Jahre dauern. In den letzten Jahren sind die Verfolgungen immer schlimmer geworden, zahlreiche Zionisten wurden verhaftet und wegen ihrer unverbrüchlichen Treue zu Zion erneut verbannt; bis heute schmachten in Gefängnissen, Konzentrationslagern und in der Verbannung Hunderte von Gesinnungsgenossen, die mit Sehnsucht nach der Verwirklichung des zionistischen Werkes ausschauen und danach streben, sich ihm einzugliedern. Der XX. Zionistenkongreß ermutigt die in Rußland wegen ihrer Treue zu Zion verfolgten Gesinnungsgenossen in ihrem heroischen Leiden und entbietet ihnen den Gruß der ganzen zionistischen Bewegung. Judenstaatsjugend. Dienstag, den 24. AugUBt, um 8 Uhr abends, im Zentralheim, II., Praterstraße 30, wichtige Plenarversammlung. Thema: Weltkonferenz der Judenstaatspartei. XX. Zionistenkongreß. Ref.; M. Hager. Erscheinen Pflicht. — Brith Hakanaim: Mittwoch, den 25. August, 7 Uhr abends Appell im Zentralhelm, IL* Praterstraße 30. - ' r Wir verweisen unsere Leser auf das Inserat der Maturaschule „Universum", Wien, IX., Garnison* gasse 3, in unserer heutigen Nummer und empfehlen! dieses bekannte Institut unseren Lesern aufs wärmste* », ' f, 'i '{ 4 4 ■ t \r * v 'N*!?< «V* f' -i 's t il t / . 4< H i , ■ *? < 1