Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 683 (24.8.1937)
- Date
- 1937-08-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIB NBUE WELT Nr. 683 vom 24. August 1937 Teilung aus, falls nicht der jüdische Teil unter englischem Mandat verbleibe. In «einem Schlußwort wändet sich Präsident Dr. Wefcmann Insbesondere an Warburg und Magnes. Wiederholt, sagte er, haben wir uns bemüht, mit den Arabern zu verhandeln, aber immer vergeblich. Die jetzt in Genf weilenden maßgebenden arabischen Führer haben vor wenigen Tagen erklärt, daß nicht einmal die PalliativvorsChlftge, die eine jüdische Einwanderung von 12.000 im Jahr vorsehen, für sie annehmbar seien. Sie, die Araber, wollen die jüdische Einwanderungsquote bestimmen. Falls die Amerikaner diese Ansicht teilen, dann freilich müssen sich unsere Wege trennen. Für die Amerikaner ist Palästina vielleicht nur ein Kolonisationszentrum, wie etwa Biro-Bidschan, für uns ist Palästina die nationale Heimat. Sollte die vom Council einzusetzende politische Kommission finden, daß die Exekutive nicht alles getan habe, was in ihrer Möglichkeit stand, insbesondere Gelegenheiten zu Verhandlungen mit den Arabern versäumt habe, dann sei die Exekutive bereit, zürückzutreten. Eine Richtigstellung In den Berichten über den Zlonistenkongreß wurde mitgeteilt, daß die neue Zionistische Exekutive mit allen gegen die Stimmen der Judenstaatszionisten gewählt worden ist. Demgegenüber ist festzustellen, daß die Gruppe „Haschomer Hazair" (28 Delegierte) an der Wahl nicht teilgenommen hat. Vor der Abstimmung erklärte der Delegierte C h a s a n namens des „Haschomer Hazair" seine Gruppe habe erkannt, daß die Exekutive den Weg von Unterhandlungen Über eine TeflungPalästinas beschritten habe, und daß Dr. Weizmann eine Ansicht vertritt, die die Möglichkeit eines jüdisch-arabischen Friedens leugnet. Aus diesem Grunde werde sich der „Haschomer Hazair" ,an der Wahl der Exekutive nicht beteiligen. Zum Nasieftadau in Zürich Aus Zürich wird uns geschrieben: Viel bedrückender als der Radau, welchen die Schweizer Nazis unter Absingung des Deutschland* und Horst-Wessel- Liedes anläßlich des Zionistenkongresses schlugen, wirkte die Haltung eines Teiles der Behörden und der Schweizer Oeffentlichkeit. Nachstehende zwei Zitate aus Schweizer Blättern beleuchten die Situation. Ueber die Haltung der Behörden und des Publikums schreibt die „Baseler National-Zeitung": „Es ist bezeichnend, daß die beschämende Verletzung der nationalen Anstandspflichten unseres Landes gegenüber fremden Gästen nur eine recht schwache Reaktion in der Oeffentllchk e i t erregt hat. Soweit daran ein nationales Schamgefühl und das Bedürfnis, die blamable Sache nicht an die große Glocke zu hängen, mitgespielt haben mögen, Ist das Stillschweigen begreiflich. Aber eine deutüche Kundgebung des Absehens von hoher behttrdlicher Seite, eine Verurteilung einheimischer Unanständigkeit gegen Gäste unseres Landes hätte uns nicht übel angestanden. Vielleicht ist das Eintreten für ein fremdes Volk ohne mächtigen Diktator hinter sich, nicht populär genug. Wo sind aber erat die bekannten Leisetreter, die sonst jede kritische Stellungnahme der Presse gegenüber Zuständen mächtiger Nachbarstaaten als eine Schädigung des gastfreundlichen Hufes unseres Landes ängstlich beanstanden? Sie schweigen, weil nicht wahre gastfreundliche Gesinnung ihre Stellung bestimmt, sondern der ganz gewöhnliche Schlotter vor großen Gewalthabern, wenn nicht sogar heimliche Sympathie." Ueber die Stimmung, welche in einem Teüe der Bevölkerung, welche nicht „frontistisch" organisiert ist, herrschte, belehren folgende Ausführungen des „Der Zürcher Bauer" (obligatorisches Organ der kantonalen Zürcher Bauernpartei): „Man könnte sich auf den ersten Blick fragen, Was die von der englischen Regierung dem Völkerbund vorgeschlagene Teilung Palästinas mit unserm Land zu tun habe. Allein die Stadt Zürich hatte in den letzten Tagen das Vergnügen (vielerorts allerdings eher als Mißvergnügen empfunden), den 20. Zi onistenkongreß zu beherbergen. Die 3000 bis 6000 Teilnehmer verstanden es, dem Züricher StraßenbUd zeltweise ein recht fremdartiges Gepräge zu geben. Die Einstellung zu den Juden hin oder her, man spürte in den vergangenen Tagen, daß die Israeliten einfach „nicht so wie andere Leute« sind. Man mag f r o h s e 1 n über den Verdienst, den unsere Fremdenindustrie durch den Kongreß gehabt hat; aber sicher ist .man auch froh, wenn diese Besucher wieder an ihre Wohnsitze zurückgekehrt sein werden." „Kein Ruhmesblatt für Zürich" Aus Zürich: Das „Israelitische Wochenblatt" widmet den antisemitischen Ausschreitungen in Zürich während der Kongreßtage einen längeren Artikel und hebt aus den bekanntgewordenen Vorfällen nur einige krasse Fälle hervor. Insultiert wurden u. a. der Oberrabbiner von Czernowitz, Dr. M a r k, der Oberrabbiner von Wilna, Rubinstein, Rabbi Gold aus U. S. A., der hebräische Dichter Salman S.chneur, der Pariser Maler Mane K a t z; einem Büromitglied der Jewish Agency wurden zwei Zähne ausgeschlagen. Ein sehr beliebter Caf ötier, der die Verteilung von Flugblättern in seinem Cafe* nicht zuließ, mußte dafür tagelang verletzt Im Krankenhaus liegen. Das „Israelitische Wochenblatt" schließt: „Die Kongreßtage waren für Zürich kein Ruhmesblatt. Es Ist nun in Zürich schon mancherlei geschehen, worüber die Welt staunt: Attentat auf die Synagoge Frelgutsstraße, Attentat auf die Synagoge Löwenstraße, Terror gegen den Zipnistenkongreß. Weil eine schwerfällige, »reuig bewegliche Verwaltung einer kleinen Gruppe nicht Herr wird, kommt Zürich unverdient in den Ruf, eine antisemitische Stadt zu sein. Wenn man einen Kongreß einlädt, muß man ihn vor Terror ichutzen können. Sonst «oll man besser von vornherein ftüf die Einladung Voll Kongressen verzichten." An anderer Stelle meldet das Blatt: „Mit allem Ernste hatte die Exekutive Ende der vergangenen Woche die Frage geprüft, ob die Tagung der Jewish Agency nicht nach Paris äU Verlegen sei, um den Polizeibehörden in Zürich, die ihre Verpflichtung, für Ruhe und Ordnung zu sorgen, nicht ausreichend durchführten, ihre Aufgabe abzunehmen. Die Council-Mitglieder befanden sich aber alle schon unterwegs nach Zürich und waren nicht mehr zu erreichen. So ist die Stadt Zürich um eine Weltblamäge herumgekommen." Agiidah gegen Zioniitfenkongreß Schärfste Ablehnung des Teilungsplanes und Vorstoß gegen die Zionistische Organisation — Bündnis mit den Revisionisten — Gegen die „gottlose" Histadruth In der Vorwoche wurde in Marienbad die „K e n e ssio Gedaulo" (Kongreß der Trennungsorthodoxie in Anwesenheit von 750 Delegierten (davon 150. Frauen) eröffnet. Das einleitende politische Referat erstattete der Präsident der Welt-Aguda, Jakob Rosenheim. Das Referat beschäftigte sich fast ausschließlich mit dem Plan der Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat und gipfelte in dem schärfsten Angriff gegen die Leitung der Zionistischen Weltorganisation. Hinsichtlich der Stellung der Aguda zu den außerhalb der Aguda stehenden Orthodoxen sagte Rosenheim, die Aguda müsse so ausgestaltet werden, daß kein Jude, der sich zum thoratreuen Judentum bekennt, außerhalb der Aguda steht. Wir erwarben, sagte er, den Tag, an dem der Misrachi sich von der Umklammerung der Zionistischen Organisation befreien wird. Scharfe Angriffe richtete Rosenheim gegen die Zionistische Organisation, bzw. die Jewish Agency. Wir dürfen nicht vergessen, sagte er, daß wir es nur dem Druck nichtjüdischer Faktoren, der englischen Regierung und des High Commissioner, zu verdanken haben, daß uns wenigstens 6 Prozent der Zertifikate zugebilligt werden. Auf den Peel-Bericht und die Teilungsfrage übergehend, sagte Rosenheim, er glaube, daß der Teilungsplan von zionistischer Seite ausgegangen sei, da er zionistischer Denkungsart entspreche. Dieselbe psycHologische Einstellung herrsche auch im Colonial Office. Es sei ein Glück, daß weder die Zionistische Organisation noch das Colonial Office das jüdische, bzw. das englische Volk repräsentieren. Die englische öffentliche Meinung werde sich ein Diktat des britischen Colonial. Office nicht aufzwingen lassen. Die Frage sei nicht, ob die Zionistische Organisation oder das Kolondalamt die Teilung wollen, sondern ob das jüdische und das arabische Volk sie wollen. Wir protestieren, sagte der Redner unter dem Beifall des Saales, gegen die Vergewaltigung eines Volkes durch eine Partei. Wir werden das Weltgewissen gegen diese Vergewaltigung mobilisieren. Bei meinen Verhandlungen mit den Mitgliedern der Mandatskommission habe ich volles Verständnis für diesen Standpunkt gefunden. Vorläufig hat nur eine Partei, nämlich der Zionistische Kongreß, gesprochen. Die Aguda wird eine Einheitsfront aller nichtzionistischen Juden schaffen, um das Monopol der Zionisten zu brechen, die die Schwierigkeiten in Palästina als geeignete Gelegenheit ansahen, ihre Staatspläne zu verwirklichen. Rosenheim ging dann auf die Frage eines Zusammengehens mit den Revisionisten und den von ihm und Jabotinsky gemeinsam gezeichneten Brief an Weizmann über, in welchem die Einberufung einer Round-Table-Konfereaz gefordert wird, und sagte: Ob Jabotinsky ein guter Jude ist oder nicht, ist Nebensache. Hier handelt es sich darum, gemeinsam das Monopol einer Partei zu brechen. Was später sein wird, wenn dieses Monopol gebrochen sein wird, ist gegenwärtig gleichgültig. Hinsichtlich der bevorstehenden Beschlüsse des Großen Rabbinlschen Rates sagte Rosenheim: Der Rabbinlache Rat wird mit aller Klarheit zwei Dinge verkünden: Erstens, daß die Grenzen Erez Israels für alle Zeiten durch die Thora festgelegt sind. Politiker mögen wissen, daß sie auf Sand bauen, wenn sie sie ändern. Zweitens: wenn es trotz der schwerwiegenden Bedenken doch zur Errichtung eines jüdischen Staates kommen sollte, so ist dieser, wenn er unter der Führung der „Histadruth" (Sozialistische Gewerkschaft in Palästina) entstehen soll, von vornherein zum Untergang verurteilt, weil die Histadruth die Herrschaft Gottes leugnet. Aguda und die ZionisfeiwRevisionÄsten Aus Marienbad (J. T. A.): Am 18. August berieten die Vertreter der Neu-Zionistischen Organisation (Zionisten-Revlslonlsten), Prof. B. Akzin und Dr. Oskar Rabinowloz, hinter geschlossenen Türen mit einer Kommission der Aguda, der u. a. Rabbi Mosche Blau, Rabbiner Horowitz, Dr. Isaac Breuer und der politische Sekretär der Aguda, Harry Goodman, angehören. Es verlautet, daß vorläufig keine Einigung über die Art der Zusammenarbeit erzielt werden konnte. Bei der Aguda will man noch die Ergebnisse der Beratungen des Council der Jewish Agency in Zürich abwarten. Dann will man, für den Fall, daß der Council der jewish Agency die Kongreßresolution bestätigt, an die Jewish Agency offiziell die Forderung auf Erweiterung durch Aufnahme der tteu-2donistischen Organisation und der Aguda richten. Sollte sich die Jewish Agency damit nicht einverstanden erklären, ßo Will der Präsident der N. Z. O., Jabotinsky, direkt an den Völkerbund mit einer Beschwerde herantreten. Großen Widerstand gegen ein Zusammengehen mit den Revisionisten zeigen einige sehr konservative Kreise der Großrabbiner und die Poale Aguda (Agudistlsche Arbeiter). * In seinem Begrüßungsschreiben an die Keneflöft* Gddaulo führt Jabotinsky u. a. aus: „Es läßt sich eine allmähliche und tiefgehende) Änderung in den Beziehungen der modernen Demokratie und Intelligenz zur religiösen Tradition feststellen. Die Aenderung besteht nicht nur darin* daß in vielen jungen Deuten die individuelle Sehnsucht nach einem geistigen Kontakt mit Sinai erwacht; die zweite Phase dieser Entwicklung sehe ich darin, daß sich ein Aufstand gegen das Wort „Religion ist Privatsache" vorbereitet. Ich glaube, daß der Tag nahe ist, an dem die Massenseele die Wiederherstellung der Zusammenhänge zwischen religiöser Inspiration und dem, konkreten Leben des Staates verlangen wird. Insbeson* dere bei uns Juden, glaube ich, wird in der nächsten Zu* kunft das Bestreben in Erscheinung treten, aUe sozialem und nationalen Belange auf der Grundlage unserer Tradition aufzubauen." „Der integrale Gedanke, der uns verbindet, ist der, daß wir der Ansicht sind, daß nur das jüdische Volk als Ganzes und nicht Teile desselben berechtigt sind, [ über das Schicksal der Zukunft Palästinas zu entscheiden. Gemeinsam wird es uns gelingen, eine einheitliche jüdische Repräsentanz zu errichten; diese Repräsentanz wird unserem Volke die unteübare Einheit des Heiligen Landes sichern. Später aber, auf dem Boden des integralen Erez Israel, wird sich das integrale jüdische nationale Leben bilden: die Vereinigung von Berg Sinai und Zion." Die Aguda distanziert sich Die J. T. A. meldet nachträglich aus Marienbad: Der Präsident der Aguda, Jakob Rosenheim, hat folgende Erklärung abgegeben: „Die J. T. A. brachte eine Nachricht über die Anwesenheit Prof. Akzins (Revisionist) bei der Eröffnungssitzung und seine Begrüßung, ferner über Verhandlungen der Revisionisten mit der Aguda. Ich will hierzu folgendes feststellen: Wir haben mit aller Klarheit Herrn Jabotinsky erklärt, daß es sich bei diesen Verhandlungen nur um ein taktisches Bündnis mit den, Parteien handelt, die an der Lösung der Palästina- Frage interessiert sind und die dagegen protestieren, daß die Zionistische Organisation als Repräsentantin des jüdischen Volkes angesehen wird. Wir lehnen es ab, uns irgendwie mit der Neu-Zionistischen Organisation zu identifizieren. Unsere Motive und die der N.-Z. O. sind verschieden. Die Aguda hat den Radika-« lismus der N.-Z. O. nie gebüligt und hat nie den Juden- Staat zu beiden Seiten des Jordans gefordert. Wir haben mit der Politik der N.-Z. O. ebensowenig zu tun wie mit der Politik der Jewish Agency. Wie der J.-T.-A.-Vertreter erfährt, erfolgte diese Erklärung unter dem Eindruck der scharfen Protest e im Plenum, die sich gegen das Zusammengehen mit der N.-Z. O. erhoben haben. Der in Marienbad anwesende Vertreter der Neu- Zionistischen Organisation, Dr. Oskar Rabinowicz, äußerte sich dem J.-T.-A.-Vertreter gegenüber wie folgt: Unsere Beziehungen zur Agudas Jisroel sind rein taktischer Natur. Unsere ideologischen, weltanschaulichen und anderen Unterschiede bleiben nach wie vor unverändert bestehen. Aber uns beiden ist — wenn auch bei jedem der Partner aus anderen Motiven heraus — gemeinsam die absolut negative Einstellung zu jeder Teilung von Erez Israel sowie der Kampf um die Schaffung der vom Volke autorisierten, Repräsentanz des Judentums, welche bis heute noch nicht besteht." , ' z/Liga des religiösen arbeitenden Palästina" Aus Marienbad: Die agudistische Arbeiter-* schaft plant die Schaffung einer „Liga für das religiöse arbeitende Palästina". Ferner werden folgende vier. Hauptforderungen aufgestellt: 1. Alle Delegierten den „Poalim" und „Zeirlm" treten für die Schaffung eines Judenstaates in Erez Israel ein; 2. die Vereinigung der „Poalim" und „Zeirlm" fordert, daß in Palästina Einheitsgemeinden geschaffen werden^ die alle Schichten der jüdischen Bevölkerung umfassen; 3. sie fordert den Zusammenschluß der Aguda, des Misrachi, des Hapoel Hamisraoihi, der Agudat Hapoalim, der Agudat Hazeirim und der parteilosen Juden zum religiösen Aufbau Erez Israels; 4. sie tritt für einen gewerkschaft« liehen Zusammenschluß aller religiösen Arbeiter dnl Erez Israel ein.