Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 683 (24.8.1937)
- Date
- 1937-08-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2711613-2712245-2712308--6683-2720468- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Preis 10 Groschen Dienstag/ den 24* Angusf 1937 II* Jahrgang Nr« 683 V,b.b* Zeitung vom Verleger versendet ttJourn&l exp6die par röditeur" REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40. vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.80. vierteljährig Zloty 4.50: Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Ko 18.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—: BumUnlen monatlich Lei 50.—, vierteljährig Lei 150.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bnlrarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.—J Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mlt B bezeichnete Anseigen sind entgeltlich. Redaktion u.Verwaltung: lX,Universitätsstr.8f7eLA-20-2-78 — Erscheint Dienstag u.Freitag Die Mandatskommission lehnt die Teilung ab Aua Genf (J. T. A.): Die Mandatskommission des Völkerbundes hat fcm Mittwoch, 18. August, ihre ausschließlich der B ehandlung der Palästina-Frage gewidmete außerordentliche Session beendet. Die Kommission hat einen' Bericht an den i m Septemberzusammentretenden Völkerbundsrat. verfaßt, der 17 Schreibmaschinenseiten umfaßt und die verschiedenen Eventualitäten einer künftigen Gestaltung des Status von Palästina, insbesondere bei Aufrechterhaltung des Mandats oder bei Aufteilung des Gebietes in einen souveränen arabischen und einen souveränen Jüdischen Staat, erörtert. Die Kommission empfiehlt zunächst Aufrechterhaltung des. Mandats. .Sollte der Rat anders beschließen, so erörtert' die Kommission die anderen Empfehlungen, hauptsächlich den Teilungsplan und mögliche Aenderungen desselben. Kantonisierung in. .Bezirke mit rein jüdischer und rein arabischer Bevölkerung hält auch die- Mandatskommission nicht für eine endgültige Lösung. Für den Fall, .daß. .<üe"'LÖ^ng;{m\Tonhl-4e^ Schaffung' eines, arabisphen .und eines jüdischen Staates gewählt, werden soll, sollten beide Teile Palästinas so lange unter, englischem Mandat bleiben, bis sie sich selbst regieren können. Während der Uebergangszeit sollen von der Mandatarmacht alle Maßnahmen getroffen werden, um nicht nur die Ordnung und den Frieden, sondern auch das Wirtschaftsleben in dem bisherigen Mandatsgebiet voll aufrecht zu erhalten. * Es muß festgehalten werden, daß der englische Kolonialminister Ormsby-Gore vor der Kommission den Standpunkt vertrat, daß das Mandat über Palästina nicht aufrecht erhalten werden könne, daß daher das Land zwischen Araber und Juden aufgeteilt werden müsse. ' Wenn nun die Kommission der höchsten Instanz des Völkerbundes, dem Völkerbundrat, den Antrag übermittelt, die Aufrechterhaltung dös Mandats zu verfügen, so bedeutet das eine glatte Ablehnung des Antrages der Peel-Kommission und des Kolonialministers. Der Standpunkt der Mandatskommission deckt sich also in der Häuptsache mit demjenigen der Nein-Sager auf dem Zionistenkongresse. Es-istalso dem englischen'KqW seinem' Helfer in der Teüungsfrage, Präsidenten ÜVeizmann, gelungen, eine Majorität auf dem Zionistenkongresse für ihren Plan zu gewinnen. Es ist ihnen aber njeht gelungen, die Mandatskonimission zu gewinnen. Mit den Arabern gegen den Zionismus Die „erweiterte" Jewish Agency tagt Wiederum ein erschütterndes Ergebnis der offiziellen zionistischen Politik. Sofort nach Abschluß des Zionistenkongresses wurde in Zürich die Tagung der durch „Nichtzionisten" erweiterten Jewish Agency eröffnet. Vor acht Jahren haben Weizmann und sein Anhang diese Organisation geschaffen, durch welche die oberste Leitung der zionistischen Politik und der zionistischen Arbeit in Palästina sowie die früher von der Zionistischen Organisation allein besorgte Vertretung vor dem Völkerbund und der britischen Mandatarmacht einem Gremium übertragen wurde, welches zur Hälfte aus Nichtzionisten besteht. Gegen den erbitterten Widerstand der Judenstaatszionisten hat Weizmann die Sache durchgesetzt, mit der Begründung, daß die reichen Nichtzionisten ungeheure Q e 1 d e r bringen und die politische Schlagkraft des Zionismus erhöhen werden. Geld ist nicht hinzugekommen. Die zionistischen Fonds sind eher schwächer geworden. Und politisch haben sich die „mächtigen" , nichtzionistischen Freunde abseitsgehalten -rsolange es leidlich ging. Nun, da die Katastrophe der Teüung Palästinas droht, sind sie politisch hervorgetreten und aktiv geworden, um,sich an die Seite der Araber zu stellen. Die Hauptsprecher der Nichtzionisten auf der Tagung, Felix Warburg aus New York und der Präsident der Hebräischen Universität in Jerusalem, Magnes, haben' unverblümt erklärt, daß sie gegen die Errichtung des geplanten: Judenstaates sind, nicht weil er zu klein ist, sondern weil die Gründung eino Verletzung der Rechte, der Araber bedeutet Ihre Reden liefen darauf hinaus, daß die Juden, nur mit Zustimnvung der Araber in Palästina, einwandern dürfen. Es kam zu stürmischen, Szenen. Nicht etwa durch Judertstaatler und andere, .»Extremisten" verursacht, denn diese haben die Teilnahme an diesen Tagungen seit jeher grundsätzlich abgelehnt. Die Freunde Weizmanns und begeisterten Anhänger der „Erweiterung", Arbeiterparteiler und „Allgemeine^ Zionisten, gerieten in helle Empörung. Weizmann selbst mußte sich scharf gegen seine nichtaionistischen „Freunde" wenden und eine Trennung der Wegein Betracht ziehen. Ob es ihm schließlich gelingen wird, den tatsächlich erfolgten Bruch zu verkleistern, steht noch nicht fest. Aber fest steht, daß diese Tagung mit einem Triumph der arabschen Terroristen und einer schweren Niederlage des jüdischen Volkes enden wird. Eine Niederlage durch eigene Schuld. * Aus dem offiziellen Bericht: Ära Mittwoch, den 18. August, vormittags, ist die fünfte Council-Tagung der Jewish Agency in der Züricher Tonhalle durch Melchett eröffnet worden. Es nehmen Mitglieder des Council teil, die von der Zionistischen Organisation, bzw. von den Abteilungen der nichtzionistischen Mitglieder der Jewish Agency in den einzelnen Ländern gewählt worden sind. Lord Melchett wies darauf hin, daß diese Tagung Beschlüsse von historischer Wichtigkeit zu fassen haben werde und sich ihrer Verantwortung gegenüber den Juden der ganzen Welt bewußt sein müsse, .; Der Präsident der Jewish Agency und der Zionistischen Organisation, Dr. Chaim Weizmann, hielt ein politisches Referat, in dem er die Aussichten und Möglichkeiten einer Verständigung mit den Arabern behandelte. Der zionistischen Hälfte des Council, sagte Weizmann, seien die Ansichten und Wünsche der nichtzionistischen Hälfte noch nicht genau bekannt. Sie wissen daher auch noch nicht, wie sie zu diesen Stellung nehmen Würden. Es sei aber dringend zu wünschen, daß der Council aus seinen jetzigen Beratungen geeint hervorgehen möge. Es sei für ihn selbstverständlich, fuhr Weizmann fort, daß für die künftige Gestaltung der politischen Verhältnisse in Palästina eine friedliche'V er st Sri-' d i g u n g mit den Arabern angestrebt werden müsse. Die Zionisten hätten sich seit jeher um einen solchen Ausgleich bemüht und würden dies auch weiterhin tun. Ein solcher Ausgleich könne aber nur unter der Voraussetzung der Reziprozität erfolgen. Ebenso wie wir Verständnis haben für die nationalen Bestrebungen der Araber in Palästina und wie wir die nationale Unabhängigkeit der arabischen Staaten anerkennen, so müssen wir auch verlangen, daß von den Arabern unser, Recht anerkannt wird, in dem kleinen Palästina unsere Helmstätte aufzubauen. Jetzt wird von den Arabern ein föderativer Zusammenschluß der arabischen Staaten zum Aufbau eines neuen Ostens angestrebt. Auch der Juden«» Staat kann sich in diese Bestrebungen eingliedern, aber nur unter einer Voraussetzung: daß die Bedingungen für Ruhe und Sicherheit gewährleistet werden, Nur dann können wir uns der Familie der Staaten dieses neuen Ostens anschließen. Die bloße Erlaubnis aber, daß wir nach Palästina einwandern dürfen, so wie wir auch in andere Länder einwandern, ist keine Basis für den Frieden. Zu der Besprechung der Ergebnisse des Zionistenkongresses übergehend, schilderte Weizmann den Gang der Entwicklung auf dem Kongreß und kennzeichnete die Bedeutung der polltischen Resolution, durch die die Exekutive ermächtigt worden ist, Verhandlungen mit der englischen Regierung über den genauen Inhalt des Vorschlages der Errichtung eines Judenstaates in Palästina zu führen. Der Council der Jewish Agency, erklärte Weizmann, habe die Möglichkeit, diese Resolution des Kongresses gutzuheißen, sie abzulehnen oder zu modifizieren. Die Hauptaussprache eröffnete der Führer der amerikanischen Delegation, Felix M. Warburg, der er* klärte, die amerikanischen Nichtzionisten. könnten sich genötigt sehen, die Jewish Agency zu verlassen, falls der Council eine Politik beschließen sollte, die der Möglichkeit yon Frieden,sy erhan.dk 1 u n g e n mit den A r a b e r n von Weiterführung der Ver- Verhandlungen mit England nicht Rechnung tragen sollte. Warburg wandte sich entschieden gegen die im Peel-Bericht zum Ausdruck gekommene Ueberzeugung, daß ein Friede mit den Arabern unter dem gegenwärtigen Mandat unmöglich sei, und empfahl dringend die Einberufung einer Round Table-Konferenz mit den Arabern. Alle weiteren Diskussionen auf der Basis der Errichtung eines jüdischen Zwergstaates sind gefährlich. Ich bin erstaunt, zu hören, daß der Kongreß die Exekutive b e v o 11m ä c h t g t hat, zu verhandeln und die Ergebnisse ihm vorzulegen. Alles, was die Exekutive vorzulegen hat, gehört vor die Jewish Agency, nicht allein vor den Kongreß. Solange der Judenstaät nicht existiert, istdieAgency dasregierende Forum. Wenn der Councü die Möglichkeit zu einer Verständigung mit den Nachbarn verschließt und sich für die Schaffung eines Staates einsetzt, der in Wahrheit kein Staat ist, dann müssen sich unsereWege trennen. Ich bitte euch, das Ideal nicht einem Phantom zuliebe aufzugeben, einem Staate zuliebe, der kein Staat ist. An diese Worte Warburgs knüpfte Ussischkln an. Der Staat, wie er vorgeschlagen ist, sei nichts als ein Phantom. In drei Jahren müßte ein solcher Staat zugrunde gehen. Ich warne, sagte Ussischkin, vor dem Sprung ins Ungewisse. Man bietet den' Juden ein Fünftel dessen an, was den Arabern verbleibt: einen Zwergstaat, rings von arabischen Staaten umgeben. Ussischkin schloß: Unbeschadet der Gegnerschaft zum Teilungsplan wird die zionistische Opposition im Council sich der Stimme enthalten, um die Geschlossenheit des zionistischen Teiles nicht zu gefährden. Der Präsident der Hebräischen Universität in Jerusalem, Dr. J. L. M a g n e s, setzte sich lebhaft für Verhandlungen mit den Arabern zwecks Schaffung eines binationalen Staates in Palästina ein. Hier wurde Magnes durch Protestrufe der Arbeiterdelegierten, einmal auch Ben Gurions, unterbrochen. ' Magnes warnte vor Schaffung eines Judenstaates ohne vorangegangene Verständigung mit den Arabern. „Ich fürchte für mein Volk in Erez Israel, ich fürchte, daß der Judenstaat in Krieg untergehen wird. Etwas ganz anderes wäre es, wenn die Juden die Zustimmung der Araber finden würden.'* Der amerikanische Nichtzionist Alexander Kahn sprach sich als einziger der amerikanischen Gruppe der Nichtzionisten für die vom Zionistenkon gr e ß an genommene Resolution aus und wies darauf hin, daß diese Resolution Verhandlungen mit den Arabern vorsieht. Smilansky (Palästina) erklärte, ein Friede mit den Arabern sei gegenwärtig nicht möglich, ein binationaler Staat könne nicht am Beratungstisch geschaffen werden. Der geplante Judenstaat werde drei Millionen Juden fassen können. Jakob Lestschinskt (Warschau) sprach sich für, Laski (London) gegen