Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 682 (20.8.1937)
- Date
- 1937-08-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite d DIE NEUE WELT Nr. 682 vom 20. August 1937 Wenn die zionistische Organisation Seibsfmord begeht « ♦ ♦ Aus Zürich: Der Vorsitzende der Judenstaatspartei, Meir Großman, beurteilte in einem Gespräch mit einem J.-T.-A.-Vertreter das Abstimmungsergebnis als eine Zustimmung der Mehrheit zum Teilungsplan. Man habe sich zwar in der Resolution bemüht, dies zu verschleiern, aber die Erteilung: von Vollmachten an Weizmann und seine Kollegen, von denen sieh einige als „e n t h us i a s t i s c h e Anhänger" des Planes bekannt liätten, beweise es. Der XX. Kongreß könne aber über diese Frage nicht im Namen der "Organisation entscheidan, er sei nicht zu diesem Zwecke gewählt worden. Der Kampf gegen die Teilungspolitik, gegen die Ideologen des sogenannten ..zionistischen Realismus", beginne erst. Meir Großman sieht eine Auflockerung der bisherigen Parteiabgrenzungen infolge der Teilungsfrage voraus. Die Judenstaatspartei werde ihren Kampf innerhalb und auße rhalb der Organisation führen. Jene,, die hinter dem Rücken des Kongresses und gegen Beschlüsse des Aktionskomitees Verhandlungen über Einzelheiten des Peel-Planes geführt haben, wie etwa Präsident Weizmann, würden ihr deswegen nicht Disziplinbruch vorwerfen können. Bei alldem steht die Partei aber weiterhin auf dem Standpunkt, daß die Zionistische Organisation, der Judenstaat, unterwegs ist. Wenn aber dieser Judenstaat Selbstmord begeht, könnte eine Revision dieses Standpunktes eintreten. Für die Wahlen zum nächsten Kongreß verlangt Großman, daß sie auf der Basis einer umfassenden Volksabstimmung -durchgeführt, ihre Reinheit und Freiheit von einer vom Kongreß zu wählenden Hauptwahlkommission überwacht, der Wahltermin vom Kongreß bestimmt und daß festgesetzt werde, daß für die Annahme des Teilungsvorschlages als verfassungsändernd eine Dreiviertelmehrheit notwendig ist. Gr.oßman ist überzeugt, daß der Plan sehr bald von Juden, Arabern und Engländern abgelehnt werden wird. Schon jetzt sammeln sich um Lloyd George, Churchill und führende englische Militärs die Kräfte, die jede Teilung Palästinas aus strategischen Gründen ablehnen. / .. ,. ,;j , ri i§die§ Blut Adewn V Aus L"o n d o n: In dem von Lord Beaverbrook herausgegebenen „Daily Express", der meistgelesenen englischen Zeitung (Auflage etwa drei Millionen Exemplare), die als h i 11 e r f r e u n d 1 i c h gilt, nimmt George Edinger in einem aufsehenerregenden Leitartikel „Auch du hast jüdisches Blut in den Adern" Stellung gegen den Rassenwahn Hitler- Deutschlands und verweist dabei auf die hohen Verdienste jüdischer Persönlichkeiten um Kunst, Politik und Wirtschaft Englands. George Edinger beginnt mit einer Anekdote. Eines Tages habe der König von Portugal, Johann V., seinen Premierminister beauftragt, festzustellen, wer jüdisches Blut in Portugal hat und alle, Judenstämmlinge mit einer gelben Kappe zu kennzeichnen. Wenige Tage später sei der Minister erschienen. Er hat zwei Kappen in der Hand gehabt und erklärte: „Die eine ist für'Sie, Majestät, die andere für Ihre Gattin und die meine ist auch' bereits in Arbeit!" Der Autor schreibt dann, es gäbe in England zirka 300.000 Juden, also etwa ein halbes Prozent der Einwohnerschaft. Aber abstammungsgemäß sei der jüdische Prozentsatz überhaupt nicht festzustellen. Er. betont daß sich die lebende Generation sehr gut des Vizekönigs von Indien, Lord Readin'g, erinnert, den Minister des Home Office, Lprd Samuel, und den jetzigen Kriegsminister, Hore-Belisha, kennt und nennt den Gouverneur von Australien, Sir Isaak Isaacs, den englischen General während des Krieges, Sir John M o n a s h, Sir Michael M y e r s, den Chef des Justizwesens von Queensland, und Sidney Abrahams, den von Ceylon, die alle reine Juden sind. Er widerlegt die Behauptung, die Juden beherrschten das Bank- und Kapitalwesen, indem er beweist, daß die fünfgroßenBankenEnglands unter 105 Direktoren, nur drei jüdischer Abkunft haben. Elf reine Juden sitzen im englischen Oberhaus — „aber Sie können lange suchen, wenn Sie in diesem Haus elf reine Arier finden wollen!" erklärt der Autor. „Wäre unsere Wirtschaft nicht sehr viel ärmer, wenn es den Chef von Lyons, Sir Isidore Salmon, nicht gäbe, Lord Hirst von der General Electric, Benjamin Drage, Sir Burton und Lord Melchett?" fragt George Edinger. Natürlich läßt er auch den jüdischen Anteil an der englischen Schauspielerschaft nicht aus und nennt Maurice Moscovitch, Leon M. Lion, Ernest Milton, Julia Neilson, M. Rawlings, Constance Collier, von den Amerikanern: Cha,j#», Mi#ih Sidney, Fairbanks, Eddie Cantor und Harold Lloyd. Schließlich untersucht der Autor den hohen Adel Großbritanniens und kommt zu dem Ergebnis, daß selbst der Duke von Norfolk jüdisches Blut in sich habe, weil nämlich 1877 durch eheliche &er- Vom jüdischen Weltkongreß Bericht über seine politische Arbeit In Z ü r i c h fand am 14. August eine von der Exekutive des Jüdischen Weltkongresses zum Zwecke der Information der beim Zionistenkongreß anwesenden Mitglieder der Administrative und des Rates des JWK. einberufene Versammlung statt, zu welcher auch diesen Gremien nicht angehörende Freunde des JWK. sehr zahlreich erschienen waren. Der Vorsitzende der Exekutive, Dr. Stephen S. Wise (New York), legte nach Begrüßung der Anwesenden den amerikanischen Standpunkt zu den den JKW. interessierenden aktuellen politischen Galuthfragen dar. Er betonte besonders den regen Anteil, den die amerikanischen Mitglieder der Exekutive sowie der Administrative an der Abwehr der antijüdischen Bewegung in Polen nehmen. In diesem Zusammenhang sprach er ausführlich von den zwei großen Massenversammlungen, die unter Leitung des „American Jewish Congress" in New York stattgefunden hatten, und die wirksame Unterstützung dieser Veranstaltungen auch durch n i c h t j ü d i s c h e Kreise der Vereinigten Staaten. Besonders interessant waren seine Mitteilungen über den Empfang der unter seiner Führung stehenden Delegation von etwa hundert jüdischen Vertretern beim Staatssekretär Mr. Cordel H u 11, dem Leiter der auswärtigen Politik der Vereinigten Staaten. Ueber die laufende politische Arbeit des JWK. referierte eingehend Dr. N. Goldmann (Genf), Mitglied der Exekutive und Vorsitzender der Administrative. Er zeigte an einzelnen Beispielen, wie wirksam eine Reihe von Interventionen gewesen ist, wenn auch ihr Erfolg nicht immer in einer positiven Verbesserung der Lage der Juden in den betreffenden Ländern zum Ausdrück gekommen ist. In der Politik sei es in gewissen Fällen aber schon ein erheblicher Erfolg, geplante gesetzliche Verschlechterungen gegenüber einer Minorität zu verhindern. Doktor Goldmann führte aus, daß schon jetzt der JWK. von den Regierungen der verschiedenen Länder als die Repräsentanz weiter und bedeutungsvoller Kreise des Judentums anerkannt wird. Ueber die wichtige politische Arbeit, die in England von der Britischen Sektion des JWK. im Laufe der letzten Monate geleistet wurde, berichtete der Vorsitzende der Britischen Sektion und Mitglied der Exekutive, Rev._ M. L. Perlzweig (London). Von einer Reihe wichtiger Persönlichkeiten beider Häuser des englischen Parlaments hat der JWK. die Versicherung erhalten, daß sie ihn in seinem Kampfe für die jüdischen Rechte unterstützen werden. R'ev. Perlzweig gab Kenntnis von der Bildung eines Initiative-Komitees, dem führende Parlamentarier angehören und das ein ständiges, Mitglieder aller Parteien umfassendes Komitee vorbereitet, um fortlaufend die Entwicklung der antisemitischen Bewegung Ost- und Mitteleuropas zu studieren und zu den jüdischen Problemen Stellung zu nehmen. Der Redner berichtete ferner von Einzelheiten über seine verschiedenen Besprechungen mit maßgebenden Persönlichkeiten des englischen politischen Lebens. .Ueber die politische Arbeit in Frankreich berichtete .das Mitglied der Exekutive M. Jahrblum (Paris),, der ,auf Grund genier Erfahrungen namentlich die Ausführungen von Dr. Goldmann über die wachsende Anerkennung des JWK. bei den maßgebenden politischen Regierungsstellen unterstrich. , . Baruch Z u c k e r m a n n, Mitglied der Exekutve und Leiter. des Organisationsdepartements, legte .die Notwendigkeit umfassender Organisationsarbeit,' namentlich in den Ländern Osteuropas, im Rahmen des JWK. dar. Er betonte ausdrücklich, daß der JWK. keineswegs die Absicht habe, irgend eine bereits geleistete Arbeit zu stören oder doppelt zu leisten. Es sei vielmehr die Aufgabe der organisatorischen Arbeit des JWK., den vielfachen jüdischen Betätigungen, die sich heute bereits geltend machen, einen einheitlichen Rahmen zu geben, um die Leistungen zu intensivieren und zu ergänzen. Er legte dar, daß der JWK. die Demokratie für diejenige Organisationsform halte, die allein eine fruchtbare Arbeit der Juden ermögliche. Gerade deshalb aber sei es notwendig,, in den einzelnen Ländern Vertretungen des jüdischen Lebens zu schaffen, was jetzt in Polen und in Rumänien in Angriff genommen wird. Er schloß mit einem Appell um Mitarbeit an alle Juden in allen Ländern, ohne Unterschied der Parteirichtung. Dr. M. Nurock, Mitglied der Exekutive, betonte, daß alle,Zioniste,n an dem Erstarken des JWK. ein besonderes Interesse haben müßten, da lüt die Zukunft noch mehr als bisher für den Aufbau eines jüdischen Palästina die tatkräftige Unterstützung bihdung mit den Treves eine rein jüdische Lini.e in. das alte Geschlecht, gekommen sei. . Und überhaupt weist Edinger nach, daß im Hochadel Englands der jüdische Einfluß, nicht immer zum Schaden, der Abkömmlinge,, ziemlich groß ist, aller Juden im Galuth notwendig wäre und eine Ergänzung zwischen palästinensischer und politischer Arbeit äußerhalb Palästinas notwendig sei. Für das rege Interesse, das die verschiedenen Ausführungen über die umfangreiche Arbeit der Exekutive erweckt hatten, legte eine Anzahl von Anfragen Zeugnis ab, mit denen die mehrstündige Versammlung ihren Abschluß fand. Jüdische Künstlerspiele. Wie wir erfahren, unterhandelt die Direktion der „Jüdischen Künstlerspiele" mit einer Reihe erstklassiger jüdisch-amerikanischer Künstler, die zur Zeit in Warschau filmen und den ersten. Teil der Spielzeit ausfüllen sollen. Für die Hauptsaison wird Sevilla Pastor erwartet, die nach Karlsbad und Prag ihre Welttournee in Paris beginnt und in einem späteren Zeitpunkt in Wien auftreten soll. Filme der Woche (Nachdruck nur mit Genehmigung des Blattes) Frankreich: Roman eines Schwindlers — Die Perlen der Krone — Der geliebte Vagabund — La belle Equipe — Menschen unter Menschen — Liebe macht blind — Die rote Rohe. Amerika: Die Insel ohne Sünde — Kopf in der Schlinge — Drei kleine Gangster — Hochverrat — Sonnenmädel — Motiv unbekannt — Verfluchtes Gold — Ea geschah zu Silvester — Golddiggers 1937 — Safari — Hokuspokus — Liebe nicht, genügend — Susy — Held von Texas — Die gute Erde — Drei süße Mädels — Der Jazz- Kadett — Mord im Opernhaus — Adam und Venus — Lachkatastrophe — Die Gangsterbraut — Sie ist gefährlich — Das grüne Licht — Auf den Dächern von New York — Nachschlüssel. Filme unter Arierparagraph Zurück in die Heimat — Die ganz großen Torheiten — Amtsschimmel — Entführung an der Riviera — Schwindein ist keine Sünd'... — Etappenhase — Ich bleib* nicht Junggeselle ~ Die Göttliche — Das Mädel vom Ballett — Abenteuer in Lissabon — Heiratsinstitut Ida Wüst & Co. — Wie dearnHase läuft — Die un-erhörte Frau —>•■ Der lustige Witvvenball — Stärker als Paragraphen — Die graue Dame — Das große und das kleine Glück — Millionäre — 3Iein Sohn, der Minister — Mein Verhängnis sind die Frauen — 7 Ohrfeigen — Liebe geht seltsame Wege — Puszta-Komtesse. '.i •«• >•'' FilntaPrenueren Das Ensemble von „Auf den Dächern von New York" Die Tochter des berühmten verstorbenen Impresarios Florence Ziegfeld, Patricia, wurde von der Universal beauftragt, 100 Schönheiten als Tänzerinnen für den Revue- Kolossalfilm. „Auf den Dächern von New York"„auszuwählen. Die berühmtesten Broadwaystars, wie Doris Nolan, Gertrude Niesen, George Murphy u. v. a., wurden für die Hauptrollen verpflichtet. 500 weitere Schauspieler geben den Rahmen für diesen Film, der mit einem Riesenaufwand von eineinhalb Millionen Dollar unter der Regie von Ralph Murphy gedreht wurde. Die Musik schrieb Jimmy McHugh. Der Film erscheint ab 20. d. in Uraufführung. Tala Birell als weiblicher G-Man in „Sie ist gefährlich" Die Wienerin Tala Birell, die wie Marlene Dietrich aus den Kammerspielen hervorging, hat es in Amerika zum Weltstar gebracht. Von der Universal durch langjährigen Kontrakt verpflichtet, spielt sie im spannenden Gangsterfilm „Sie ist gefährlich" die Rolle eines weiblichen G-Man, dessen gefährlichste Waffe nicht Revolver und Handschellen, sondern ihr unvergleichlicher Charme ist. Ihre Partner sind Cesar Rornero und Walter Pidgeon. Der Film erscheint demnächst. Boris Karloff — einmal ganz anders Boris Karloff, der bei der Universal das Erbe des verstorbenen Lon Chaney angetreten hat, war bisher immer als grandioser Künstler der Maske, als mysteriöser Mister X in Schauerfilmen und Grand-Guignol-Rollen zu sehen. Sein Frankenstein dürfte noch in allgemeiner Erinnerung sein. In dem in Kürze erscheinenden Spannungsfilm' „Nachschlüssel" stellt er seine schauspielerischen Fähigkeiten auch einmal in einer anderen Rolle unter Beweis. Seine Partner sind Jean Rogres und Lloyd Carrigan. Unentgeltliche Kurse für Englisch und Hebräisch werden vom Verein Jüdische Volksbibliothek „Zion", Wien, IL, Kleine Mohrengasse 3, eröffnet. Anmeldungen täglich von 7 bis 9 Uhr abends in der Bibliothekskanzlei. KINO'PROGRAMME i C H WE DEN Vonl0Uhr vorm. bis 6Uhr abends wmammmmm Lebende Zeitung A - 49 O - 60 Nur l/a7 und 9 Uhr abends Metro-Goldwyn-Mayer-Festspiele 6. Woche Paul Muni, Luise Rainer, Tllly Losch Die gute Erde k tt KMUag?Nath$«liiessel Telephon tf-24-2-16 KADI A B £ Vorstellungen i *, %»# Wo*"«l» KAKlüf I