Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 11 (1937)
- Issue
- Heft 682 (20.8.1937)
- Date
- 1937-08-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 682 vom 20. August 1937 DIE NEUE WELT ..........n »nni ■ iiiiii - l-i ■ n i Seite 5 Wifl§diafls#Anfisemifi§mu§ in Amerika gesellschäft „Bitzur" 25.000 Pfund für dringende öffentliche Arbeiten bewilligt. Nach der Abstimmung Uber das Budget nahm der Kongreß eine Resolution an, in der an die Juden in der ganzen Welt appelliert wird, die beiden nationalen Fonds Keren Hajessod und Keren Kajemet zu kräftigen. Gemäß einer weiteren vom Kongreß angenommenen Resolution wird der Keren Ha.jessod im kommenden Jahre nicht weniger als 600.000 Pfund aufzubringen haben. Betreffend den Keren Kajemet heißt es in einer Resolution, daß dieser in den letzten zwei Jahren vier Fünftel von der Million Pfund aufgebracht hat, die er gemäß Beschluß des XIX. Kongresses in Luzern aufzubringen hatte; es wird der Erwartung Ausdruck gegeben, daß der Nationalfonds in den kommenden zwei Jahren 1 Million Pfund aufbringt. Fünf Millionen Franc§ für die arabischen Banden Der Genfer Korrespondent des „Moment" [(Warschau), A. Hermann, berichtet am 15. August von der Mandatskommission, insbesondere von der Gründlichkeit und Festigkeit, mit der einzelne Mitglieder die Vertreter der englischen Regierung angehen. „Nicht sehr angenehm", heißt es in dem Bericht, »,war für den Vertreter Ormsby-Gores, den Herrn Hathorn Hall, die Frage der Mandatskommission, ob die arabische Revolte in Palästina spontan ausgebrochen sei oder ob sie das Produkt einer gut organisierten, systematischen Vorbereitung seitens der arabischen Terroristen war. Mr. Hull erklärte, die Unruhen seien spontan ausgebrochen. Daraufhin fragte die Mandatskommission den Vertreter der Mandatsmacht, ob er eine Aufklärung zur Tatsache geben könne, daß im Jahre 1935 an die palästinensischen Araber aus Europa die große Summe von fünf Millionen Francs abgegangen sei. Wofür war das Geld bestimmt? Und wie ist es verwendet worden? Diese Fragen sind von großer Bedeutung. Die Mandatskommission will herausbekommen, aus welchen Quellen diese Geldmittel für die arabischen Terroristen geflossen sind und welche geheime Hand hinter dieser Sache steckt. Denu breiten Oeffentlichkeit sind natürlich all diese Dinge nicht bekannt, aber der „Intelligent Service" (der englische Geheimdienst) weiß bestimmt, was hinter den arabischen Kulissen vorgeht. Werden die Geheimnisse vor der -Mandatskommission gelüftet, dann kann das Palästina-Problem von einer anderen Seite gesehen werden." Röntgeninstitut in Tel-Aviv sehr gut eingerichtet, 11jährige, erstklassige Praxis abzugeben. Zuschriften: Dr. Perle Neuberger, dzt. Marienbad, „Marguerite" Arabische Ueberfälle und Zusammenstöße mit der Polizei Aus Jerusalem: In der Nacht zum 15. August kam es in der Nähe von Jerusalem zu einem Feuerg e f e c h t zwischen einer bewaffneten Araberbande und einer Polizeipatrouille. Bin Araber wurde verwundet. Bewaffnete Araber überfielen nachts das arabische Dorf K u b e i b a. Die herbeigerufene Polizei vertrieb die Angreifer. Ein als britischer Captain verkleideter Araber wurde verhaftet. Eine Bande bewaffneter Araber unternahm auf, die Siedlung Jüdisch-Arza einen schweren Feuerüberfall. Polizei und jüdische Hilfspolizisten erwiderten das Feuer und vertrieben die Angreifer. Vor der Polizeistation in Saf ed explodierte eine Bombe, ohne jedoch Schaden anzurichten. Vor der Polizeistation in Jenin entdeckten Polizisten eine adjustierte Bombe. Die Polizei hat mehrere Araberführer, unter ihnen führende Mitglieder des Streikkomitees, verhaftet. Unter den Verhafteten, die nach Akko eingeliefert wurden, befinden sich der Sekretär des Streikkomitees und der Leiter der arabischen „Boy S c o u t s", Khaied Bey Duzdar. In der Nähe des Araberdorfes Mejdal kam es zu einem Feuergefecht zwischen einer bewaffneten Araberbande und Polizei. Zwei Banditen wurden festgenommen. — In Beisan wurde ein arabischer Polizist erschossen. Alle Schulbücher für sämtliche Lehranstalten erhält man antiquarisch zu billigsten Preisen im Schulbücherantiquariat Hermann Tuchner, Wien, IL, Ecke Taborstraße 52. Telephon R-41-4-20. Verzeichnisse kostenlos, «hensq spesenfreie Zustellung überallhin. E Der „American Jewish Congress" (Sektion des Jüdischen Weltkongresses) hat einen Bericht über „Die Zurücksetzung amerikanisch-jüdischer Staatsbürger in öffentlichen und privaten Betrieben" herausgegeben. Verfasser ist Rabbi J. X. Cohen, Vorsitzender der Kommission für Wirtschaftsfragen. Nachstehend ein Kapitel aus dem Bericht. Die Durchsicht der Korrespondenz eines großen Vermittlungsbüros, das 400 der größten Firmen von New York bedient, ergab, daß 356 dieser Firmen, also 89 Prozent, erklärten, daß sie „Christen vorziehen". Aehnlich steht es bei einigen der riesigen Kettenlädenbetriebe, von denen einzelne bis zu 90.000 Angestellte und über 1 Milliarde Dollar Jahresumsatz haben. In diesen Kettenläden sind im ganzen 700.000 Menschen beschäftigt. Man versichert allgemein, daß, gerade in den größten Betrieben, Juden nicht in gerechter Weise berücksichtigt und, wenn überhaupt angestellt, so nicht in verdienter Weise befördert werden. Auch einzelne der gemeinnützigen Betriebe der Stadt (die sogenannten „public Utilities") verfolgen eine ähnliche Politik. Von einem Berufsberater in einem Vermittlungsbüro für Akademiker erfuhren wir, daß „bei der Besetzung von Stellen in Großbetrieben, wie die New York Telephone Company, die Vorstellung von jüdischen jungen Leuten als unerwünscht betrachtet werde". Die New-Yorker Telephongesellschaft verletzt damit das Gesetz über die Bürgerrechte im Staate New York, in dem es (Kap. 511, Abs. 42) heißt, daß „keiner Person auf Grund ihrer Rasse, Hautfarbe, Religion die Anstellung zur Ausübung oder Aufrechterhaltung öffentlicher Dienste verweigert werden darf". I Wl:SonRemo,PensioneFe!ice 1^;. Corso dell' Imnero 184. Unter Aufsicht des "l K7 5 Hamburger Vereines. Direktion: Dr. med. Alex Schwarz Tatsächlich hat eine Mrs. Graves von der New- Yorker Telephongesellschaft bei Besetzung eines Büropostens das Vermittlungsbüro dahin instruiert, „keine Jüdin zu schicken". Eine Miß Graham von W. H. Woods & Co. behauptet, daß bei der Telephongesellschaft bei der Besetzung von Stellen zweifellos zwischen Christen und Juden unterschieden werde. Der Leiter eines freimaurerisch e n V e rmittlungsbüros sagte, „es würde bloß Zeitverlust für ihn bedeuten, wenn er der Telephongesellschaft jüdische Bewerber schickte". Eine früher bei den vom Staate New York eingerichteten Fortbildungsschulen beschäftigte Dame teilte mit, daß bei der Auswahl von Bewerbern für die genannte Gesellschaft stillschweigendes Einverständnis darüber herrschte, daß Juden nicht hinzuschicken seien. Zu ihrer Entschuldigung führt die Telephongesellschaft die Weigerung der Juden, an ihren Festtagen zu arbeiten, an. Aber es ist festgestellt, daß die Anzahl der Telephonverbindungen an den jüdischen Feiertagen im ganzen Stadtgebiet um ungefähr 20 Prozent und in den jüdischen Bezirken noch viel stärker fällt. Eine gerecht denkende und geschickt geführte Verwaltung wäre also wohl imstande, ihr Personal so zu verteilen, daß ihren jüdischen Angestellten ohne Schaden für den Betrieb an den hohen Festtagen freigegeben werden könnte. Es scheint, als ob sich die New-Yorker Telephongesellschaft ein Beispiel nehme an ihrer Mutterorganisation, der American Telephone & Telegraph Co., der größten Privatgesellschaft der Welt. Diese sendet von Zeit zu Zeit Beamte aus, die auf den Technischen Hochschulen nach neuen Talenten Ausschau halten. Sie sind jedoch angewiesen, keinesfalls an jüdische Studenten heranzutreten, auch wenn ihre Zeugnisse noch so gut sind. Die Western Electric Co., mit 60.000 Angestellten, gilt ebenso gegen Juden eingestellt. Eine interessante Erfahrung machte der Verfasser selbst bei der Consolidated Gas Company of New York. Er trat dort als Stellensuchender auf und bekam ein Formular zum Ausfüllen, auf dem nichts von Konfession stand. Als er es jedoch abgab, wurde er obenhin gefragt: „Und welche Religion haben Sie?" Die Gegenfrage bei höheren Stellen der Gesellschaft nach dem Zweck ihrer Frage nach der Religion, förderte die Antwort zutage: „Die Gesellschaft wünsche ihre einzelnen Abteilungen nicht mit K a t h ol i k e n, Juden oder — Mo hammedanern zu überlasten!" Tatsächlich sind nur verschwindend wenig Juden unter den 45.000 Angestellten dieses gemeinnützigen Betriebes. Im Bankwesen sieht es nicht besser aus. Es ist nicht leicht, hier exaktes Material zu bekommen, da die höheren Stellen allen Fragen geschickt ausweichen und in jeder Weise die Situation verschleiern. Der Personalchef der New-Yorker Börse, W. C. A c k e rley, aber hat sich dahin geäußert, daß es unmöglich sei, jüdische junge Leute unterzubringen. Eine Schule für die Ausbildung an gewissen Büromaschinen gibt jüdischen jungeja Leuten, die sich zu Buchhaltern ausbilden wollen, den Rat, ihre Absicht aufzugeben, da für sie zu wenig Hoffnung auf Anstellung bestehe. ALLE SCHULBÜCHER richtige Auflagen, für antiquarische aller billigste Preise! Größte Auswahl! Spesenfreie Zusendung. Verzeichnisse umsonst — Zeit spart, wer kauft im Schulbücher-Antiquariat Hermann Tuchner, Wien II. Ecke Taborstraße 52, Telephon R-41-4-20 Die Anzahl der bei New-Yorker Banken, beschäftigten Juden ist geradezu beschämend niedrig und schlägt der Meinung derjenigen ins Gesicht, die behaupten, die Juden seien „in höchst zufriedenstellendem Maße" im amerikanischen Wirtschaftsleben aufgegangen. Bei den drei größten Banken von New York — der Chase National Bank of the City of New York, der National City Bank of New York und der Guaranty Trust Company of New York — mit einem Personal von etwa 20.000 Personen dürften im ganzen kaum 2 00 Juden beschäftigt sein. In New York existieren 58 Sparbanken (Saving Banks), 37 von ihnen beschäftigen 3400 Personen. Unsere Anfrage über die Anzahl der beschäftigten Juden beantworteten nur fünf Banken. Diese gaben an, von ihren 393 Angestellten seien 22, also 5,6 Prozent Juden. Es ist sehr fraglich, ob selbst dieser niedrige Prozentsatz bei den anderen 32 Sparbanken zu konstatieren wäre, und es ist sehr wahrscheinlich, daß sie die Auskunft verweigerten, weil sie damit ihre unfaire Personalpolitik enthüllt haben würden. Die Lebensversicherungsbranche zählt 30.000 Gehaltsempfänger in New York. Die Proportion der Juden ist nicht genau festzustellen. Jedenfalls steht sie in scharfem Kontrast zu der Proportion der Juden, die als Kommissionäre und Agenten in dieser Branche arbeiten. Ein junger New-Yorker Anwalt wurde bei einer Lebensversicherungsgesellschaft als „Grenzfall" zurückgewiesen: seine Mutter war .nämlich Jüdin. Eine andere Gesellschaft wollte emen Bewerber nur annehmen, wenn er seinen Namen ändere: da er auf -berg endete, klinge er zu jüdisch! Mehr als 50 Leiter von Vermittlungsbüros gaben auf entsprechende Anfrage an, daß ihrer Erfahrung nach Juden nur in den kleinen Versicherungsgesellschaften Chancen hätten. Bei zwei der größten Feuer- und Unfallversicherungen hinwiederum, die zusammen 15 0 0 P ers o n e n beschäftigten, befanden sich nur 21 Juden. Seltenes fasseamtmet iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiii eventuell PENSION bei Israeliten Julie Krämer, Wien II, Krummbaumg. 2/14 Zusammenfassend, muß man dem Chef eines großen Vermittlungsbüros recht geben, der meinte, im allgemeinen müßten Juden als „überzählige Arbeitskräfte" betrachtet werden. Nur, wenn die Nachfrage nach Arbeitern das Angebot geeigneter Bewerber überstei gt, kommen sie für eine Anstellung in Betracht. Gerade heute, bei der großen Arbeitslosigkeit in den sogenannten „S t e hkragen"-Berufen sind die Möglichkeiten für die Juden in bedrohlicher und unamerikanischer Weise eingeschränkt. Es ist geradezu tragisch, wenn man sieht, wie Geschäftsbetriebe, die ihre Maschinen nur nach den modernsten Gesichtspunkten der Rentabilität auswählen, ihre Angestellten auf Grund blinder Gefühle und gesellschaftlicher Vorurteile engagieren. 0§fcav Krämer Am 18. August ist Ingenieur Oskar Kramer, der zu den bekanntesten Persönlichkeiten im Wiener Zionismus zählte, im 59. Lebensjahre nach langem, standhaft ertragenem Leiden gestorben. Schon während seiner Studien, die er in seiner Vaterstadt Brünn und in Wien absolvierte, schloß er sich Theodor Herzl an und wirkte seither als opferbereiter und treuer Mitarbeiter am Zionismus. Er gehörte zu den Gründern der einzigen, in deutscher Sprache herausgegebenen jüdisch-zionistischen „Wiener Morgenzeitung", an deren Geschäftsführung er Jahre hindurch ehrenamtlich teilnahm. Ebenso widmete er viele Jahre seiner hingebungsvollen Tätigkeit dem Sportklub „Hakoah", der in der Zeit, da Oskar Kramer seiner obersten Leitung angehörte, einen glänzenden Aufschwung nahm. Es gab keine zionistische Sache, an der Oskar Kramer nicht tätigen Anteil nahm, wenn man an seine bewährte Kraft und Opferwiüigkeit appellierte. Er war bis zuletzt ein treues Mitglied des Verbandes der Judenstaatszionisten, welchen sein Hinscheiden in tiefe Trauer versetzt hat.